Zur Geschichte der Kaisenhäuser in der Süddeutschen Zeitung

Brandaktuell gibt es einen Beitrag zu Kaisenhäusern und der Geschichte des Wohnens auf der Parzelle in der überregionalen Süddeutschen Zeitung – einschließlich der Hinweise auf das Kaisenhausmuseum in der Waller Feldmark und auf mein preisgekröntes Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“.

Doll.

Wie mag es wohl zu dem aktuellen Interesse am Thema kommen?

(Zwei Punkte des informativen Beitrags möchte cih ergänzen: A) In Spitzenzeiten waren in Bremen aufgrund der Wohnungsmangels bis zu 10.000 Parzellen Ende der 1950er Jahren dauerhaft bewohnt. B) Die Bewohner organisierten sich nicht nur in ihren Kleingartenvereinen, um ihre unmittelbare Lebenssituation vor Ort zu verbessern,  darüber hinaus gründeten sie bereits in den 1950er Jahren die „Interessengemeinschaft der Parzellenbewohner e.V.“ für die dauerhafte Legalisierung ihrer Gartenwohnkultur. Für die Vernetzung der Mitglieder gab man eine eigene Zeitung heraus, beriet rechtlich und war bremenweit gemeinsam politisch aktiv. Dieser Verein existiert bis heute.)

20. September 2018, 18:58 Uhr

Kaisenhäuser Die Auswohner

Nach dem Krieg war die Wohnungsnot so groß, dass Bremens Bürgermeister das Leben in Gartenhäusern erlaubte. Manche wohnen – nach Umbauten – noch heute darin.

Von Joachim Göres

 

Der Bau neuer und die Vergrößerung vorhandener Notwohnungen in Kleingärten ist zulässig.“ Mit dieser Notverordnung legalisierte Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen im August 1945 das Wohnen in Lauben und Schuppen, das bis dahin verboten, aber in der vom Krieg zerstörten Stadt gängige Praxis war.

Maximal 30 Quadratmeter Wohnfläche erlaubte der sogenannte Kaisenerlass. Aber nur vorübergehend, bis die größte Not überwunden war – so die Ansage der politisch Verantwortlichen, die das dauerhafte Wohnen in Kleingärten verhindern wollten. Sie befürchteten, dass die beengten Wohnbedingungen und die fehlende Infrastruktur – kein Strom, keine Heizung, kein fließend Wasser, nur Plumpsklos – zu Krankheiten und sozialen Problemen führen könnten.

Mehr als 70 Jahre später wohnen in Bremen immer noch mehrere Hundert Menschen in den Gebäuden, die nach ihrem Förderer Kaisenhäuser genannt werden. „Meine Frau ist hier geboren und ich bin hier 1973 mit eingezogen“, sagt Wolfgang Golinski. Der 74-Jährige lebt mit seiner Ehefrau in einem zweistöckigen Haus auf 150 Quadratmetern Wohnfläche und großem Garten in Bremen-Walle am Rande der Stadt. Die meisten Kaisenhäuser bestehen nur aus einem Erdgeschoss, einen Keller hat hier niemand.

Das Ehepaar Golinski gehört zu den Auswohnern – so werden diejenigen genannt, die bis zu ihrem Lebensende in dem Gartenhaus wohnen dürfen. Danach wird das Haus auf Kosten des Landes Bremen abgerissen, so sieht es eine Vereinbarung aus dem Jahr 2002 vor. Stichtag ist der 28. Mai 1974 – wer bis zu diesem Zeitpunkt in ein Parzellenwohnhaus gezogen war, dem wird das Auswohnrecht garantiert. Mehr als 100 Gebäude stehen mittlerweile leer und die Zahl nimmt stetig zu.

„Das Schönste war die Gemeinschaft“, sagen ehemalige Bewohner

Im ehemaligen Haus der Familie Kopmann befindet sich heute das Kaisenhaus-Museum. Fred und Elisabeth Kopmann feierten hier 1957 Richtfest. Die Pläne für den Ausbau reichten sie bei der zuständigen Behörde ein. Nach einer negativen Antwort realisierten sie den Anbau einige Jahre später dennoch. Anbauten sind typisch für die Kaisenhäuser – so konnte der knappe Platz etwas vergrößert werden.

Das Museum ist im Stil der 50er-Jahre eingerichtet: Eine kleine Küche mit dem Herd als einziger Heizquelle, ein kleines Wohnzimmer mit Nierentisch. Eine steile Treppe führt ins Obergeschoss zum original erhaltenen Schlafzimmer der Vorbesitzer unter den Dachschrägen. Im Eingang findet sich ein Bollerwagen mit großem Glasbehälter, in dem das Wasser von der drei Kilometer entfernten Zapfstelle nach Hause befördert wurde. Einen Trinkwasseranschluss gab es in den Kleingärten erst 1960. Damals lebten in 6000 Kaisenhäusern mindestens 23 000 Menschen, für die sich das Leben nun deutlich verbesserte: „Das erste Wasser aus dem Hahn haben wir aus Sektgläsern getrunken.“

1949 hatte Bremen die Erlaubnis zum Hausbau im Kleingarten wieder zurückgenommen. Dennoch wurde fleißig weiter gebaut. Kontrolleure sollten die Schwarzbauten verhindern, Rohbauten wurden abgerissen. „Das hat dazu geführt, dass die Häuser an einem Wochenende hochgezogen wurden. Das klappte nur, weil sich die Bewohner dabei gegenseitig geholfen haben“, erzählt Golinski. Vor allem Ostern und Pfingsten waren wegen der zusätzlichen Feiertage bevorzugte Bautermine. Ein ehemaliger Bewohner erinnert sich: „Erst kam der Sichtschutz, dann wurden die Fundamente schon mal vorher gemacht, und dann, Karfreitag, waren fünf oder sechs Mauerleute da, also der ganze Weg war bereit, und wir kriegten Erde und Sand… Und die unmittelbaren Nachbarn kamen mit der Schaufel …und dann wurde ruck zuck hochgemauert und geputzt.“ Hingen Gardinen hinter den Fenstern, galt das Haus als bewohnt und wurde von der Baupolizei toleriert. Mit der Zeit eröffneten hier Geschäfte wie Bäcker, Schlachter und Lebensmittelläden, die in den 50er-Jahren entstandene Kirche steht noch.

1974 trat dann die erste Stichtagsregelung in Kraft: Nur wer schon 1955 in einem Kaisenhaus wohnte, sollte bis zum Lebensende dort bleiben dürfen. Weitere Ausbauten wurden verboten. Doch der lautstarke Protest der Bewohner konnte die Umsetzung dieses Beschlusses verhindern. Sie fühlten sich moralisch im Recht, hatten sie doch sämtliche Bauten in Eigenregie und das ohne Kredite oder staatliche Unterstützung verwirklicht und damit die Wohnungsnot gelindert.

Kirsten Tiedemann hat in dem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf“ die Geschichte der Kaisenhäuser aufgeschrieben. Dass die Bewohner über Jahrzehnte ihre Vertreibung verhindern konnten, hat für sie mehrere Gründe. Dazu zählen der hohe Organisierungsgrad der Parzellenbewohner in den Kleingartenvereinen, die Sympathie des SPD-Bürgermeisters Kaisen für die Bewohner sowie das Wahlverhalten und die Parteizugehörigkeit der Menschen, die überwiegend den Sozialdemokraten nahestanden. Nicht zuletzt dürfte der Zusammenhalt zum erfolgreichen Kampf ums Gartenhaus geführt haben. Golinski: „Wenn unser Museum geöffnet hat, kommen vor allem ehemalige Bewohner. Dann hört man immer wieder: ‚Das Schönste war die Gemeinschaft.'“

Das Kaisenhaus-Museum im Behrensweg ist in diesem Jahr noch am 23. September und am 14. Oktober geöffnet, es können zudem extra Termine vereinbart werden (www.kaisenhaus.de).

Diskussion über „Zukunft der Bremer Kleingarten- und Wochenendhausgebiete“ [TIPP]

Es steht eine empfehlenswerte Veranstaltung an: Die Zukunft der Kleingärten Bremens und auch die Zukunft der Wochenendhausgebiete interessiert viele Bremerinnen und Bremer. Neue Nutzungsmöglichkeiten?! Leerstand? Was ist mit den letzten Kaisenhäusern? Aktivierung Interessierter! Dies und viel mehr könnt ihr am Donnerstag, 20.09.2018, um 20.00 Uhr mit Maike Schaefer, der frisch gekürten Spitzenkandidatin der Grünen, im Klimacafe, Münchner Straße 146 in Findorff diskutieren.

„Zukunft der Bremer Kleingarten- und Wochenendgebiete“ – Diskussionsveranstaltung mit Dr. Maike Schaefer designierte grüne Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl 2019

 Die Zukunft vieler Kleingärten und der „Kaisenhäuser“ in Bremen ist unklar. Leerstand, Nutzungsaufgabe und Vermüllung sind einige der Probleme, vor denen viele Kleingärtner stehen. Vielseitige Nutzungsformen sind gefragt, um wieder mehr Menschen in die Kleingärten zu locken. Doch die Kleingartenflächen wecken auch Begehrlichkeiten für eine Bebauung. Wie gelingt es, Kleingärten wieder attraktiver zu machen? Welche Probleme gibt es aktuell? Was ist zu tun?

Darüber diskutieren wir mit Dr. Maike Schaefer, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen in Bremen und Sprecherin für Umweltpolitik.

Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, den 20. September um 20 Uhr im Klimacafe, Bremen-Findorff, Münchener Str. 146.

Eine Veranstaltung von Bündnis 90/ Die Grünen

[Pressemitteilung]

 

Personalkarussel dreht sich – Vorsitzender des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen geht

Zur kommenden Wahl im März 2019 wird der Vorsitzende des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. nicht wieder antreten. Er wird sein Amt abgeben, heißt es im Weser-Kurier bereits am 3.8.2018.

Als Nachfolger stellt sich der aktuelle zweite Vorsitzende, Klaus Bode, bereit, ist zu lesen. Für dessen frei werdenden Posten gibt es ein bemerkenswerte Personalie: Neuer Stellvertreter will der frühere Staatsrat a.D. Wolfgang Golasowski werden. Golasowski ist pensionierter Richter, der es bis zum Präsidenten des Bremer Landgerichts gebracht hatte. Bei den Grünen war er anschließend als Staatsrat im Bauressort von 2007-2015 auch für das Kleingartenwesen zuständig. Dort vertrat er acht Jahre lang den Senator und die Verwaltung gegenüber den Kleingärtnern. Bei „wikipedia“ erfährt man mehr über den Berufsweg von Wolfgang Golasowski. Mit der Position des Staatsrats verbunden war der Aufsichtsratsvorsitz der Bremer Straßenbahn AG (2007-2015). Von 2012 bis 2018 war Golasowski Vorsitzender der Landesverkehrswacht Bremen e.V. Der Mann bringt also eine beachtliche Fülle an vielseitigen Kenntnissen, politischer Erfahrung und ein umfangreiches Netzwerk mit. Anders als August Judel ist er politisch versiert. Über den Hintergrund von Klaus Bode, dem Kandidaten für den ersten Vorsitz, gibt der Beitrag im WK keine weiteren Informationen.

Ich wünsche dem Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. einen weitsichtigen, umsichtigen und an demokratischen Grundsätzen orientierten Vorstand und eine ebensolche Geschäftsführung. Kleingärten und die sie pflegenden Pächter sowie die sie tragenden Vereine haben in Bremen und Bremerhaven eine nicht zu unterschätzende gesellschaftliche, ökologische und stadtklimatische Funktion, die besonderer Stärkung und Schutz bedürfen. Die zukünftigen Funktionäre des Landesverbands der Gartenfreunde nehmen hoffentlich auch eine frühere zentrale Praxis des Landsverbands wieder auf: Es hat sich bewährt, die Interessen der Vereine Bremens und Bremerhavens, die den Verband bilden und tragen, partnerschaftlich und gemeinsam mit den Vereinen zu vertreten. Im Übrigen ist eine Modernisierung dringend geboten mit zeitgemäßer Gartenordnung, einem vernünftigem Pachtvertrag und liberaler Satzung.

Hier ein Auszug aus dem Artikel „Obergärtner wirft den Spaten hin“ von Jürgen Hinrichs im Weser-Kurier vom 3.8.:

„Es gärt bei den Gärtnern, und zwar gewaltig. Jetzt wirkt sich das im Bremer Landesverband der Gartenfreude, dem fast 17 000 Mitglieder angehören, auch auf die Spitze aus. August Judel, seit dreieinhalb Jahre Vorsitzender des Verbandes, hat angekündigt, kein weiteres Mal zu kandidieren. Er bleibt noch bis März im Amt und hört dann auf.

Judel verbindet seinen baldigen Abgang mit einer Generalkritik: „Der Umgang mit Politik und Verwaltung hat mich aufgerieben. Die Entscheidungswege sind unendlich lang und oft nicht nachvollziehbar“, lässt er sich in einer Presseerklärung des Landesverbandes zitieren. „Man hat das Gefühl, es läuft einfach nicht, nichts geht voran, nichts Gravierendes jedenfalls“, sagt Judel im Gespräch mit dem WESER-KURIER.

Den ganzen Artikel gibt es online: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-obergaertner-wirft-den-spaten-hin-_arid,1754856.html

„In den Wischen“ – Radtour im Kleingartenpark in Gröpelingen

Erfrischende Grüße von einer empfehlenswerten Radtour entlang des Rad-/Wanderwegs am Maschinenfleet im Kleingartenpark „In den Wischen“. Ein weiter Blick ins Blockland eröffnet sich, Vögel zwitschern, zum Feierabend sind viele Leute in ihren Gärten und vergnügen sich. Mehrere Kleingartenvereine aus Gröpelingen und Walle begründen diesen lebendigen Kleingartenpark. Es sind die Vereine Blüh`auf und Mittelwischweg gemeinsam mit den Vereinen Morgenland und Waller Marsch. Sie bilden eine starke Gemeinschaft und ziehen an einem Strang.                                                                                                                          Ich biege ins „Vogelschutzgehölz“ ein. Es ist ein zauberhafter Weg der seinem Namen alle Ehre macht. Unter vielen hohen Bäumen führt er mich ins abwechslungsreiche Kleingartengebiet hinein. Meine Fahrt geht vorbei an vielen belebten Parzellen und Wasserläufen zum Waller Feldmarksee, wo ein erfrischendes Bad lockt. So lässt sich das Sommerwetter prima genießen.

Blick vom Radweg über den Maschinenfleet ins Blockland.

Dieser Graben verdient es Filmkulisse zu werden.

Eine idyllisch gelegene Laube mit üppig blühenden Rosenbögen im Kleingärtnerverein ‚Blüh`auf‘.

 

Diese kreative Gestaltung eines gemauerten Pfortenpfeilers mit einem Mosaik aus Fliesen, Muscheln und zerbrochenen Porzellantassen fiel mir auf.

 

 

Ein Detail aus alten Zeiten ragt in die Gegenwart. Die Mauerleute hatten vermutlich ihren Spaß.

 

Fotos: Kirsten Tiedemann

 

Senat nun offen für Umwidmung in Wochenendhausgebiete

In der Haltung des Senats hat es hinsichtlich der Umwidmung einzelner ausgewählter Kleingartengebiete in Wochenendhausgebiete einen Wandel gegeben. Man stehe dem nun positiv gegenüber, heißt es heute in der online-Ausgabe des Weser-Kuriers. Mehr dazu erfahrt ihr im Artikel des Weser-Kuriers:

„Senat lenkt im Streit um Wochenendhausgebiete ein

 

Ausgewählte Kleingartengebiete im Bremer Stadtgebiet sollen nun doch in Wochenendhausgebiete umgewandelt werden können. Dafür wird sich der Senat voraussichtlich an diesem Dienstag aussprechen und damit einen bemerkenswerten Sinneswandel vollziehen.“

Radio Bremen / buten und binnen berichtet in einer Nachricht „Dürfen Bremer jetzt doch in Gartenlaube übernachten?“ gestern hier, dass diese Umwandlung nicht in allen Kleingartenvereinen, die dies wünschen, stattfinden wird, beispielsweise nicht in Woltmershausen im Kleingartenverein „Auf den Ruten“, da es sich dort um Überschwemmungsgebiet handele.

[aktualisiert]

Gelungener Auftakt macht Lust auf mehr – Nachlese zum Frühsommerfest

Es war ein gelungener Auftakt und eine große Freude, dabei zu sein: Bei herrlichem Wetter kamen viele interessierte Menschen und feierten am 3. Juno mit Vereinen, Initiativen, Künstlern, engagierten Leuten und Freizeitgärtnern das erste Frühsommerfest im Grünen Bremer Westen. 15 Veranstaltungsorte boten ein vielfältiges Programm inmitten des abwechslungsreichen Gebiets mit 4.000 Parzellen, freien Grünflächen, Wasserläufen und dem Waller Feldmarksee.

In Bremen sind alle Kleingartengebiete frei zugänglich – sie bieten eine besondere Qualität und das unterscheidet sie von eingezäunten Anlagen in velen anderen Städten. Diese urbanen Grüngebiete sind nicht nur für die Nutzung weniger Menschen gedacht, sondern auch für ausgedehnte Spaziergänge und Radfahrten zur Freude aller. Ich biete eine Radtour durchs Gebiet vom Hohweg/Walle zum Blocklandgarten/Oslebshausen an. 20 Interessierte aus Walle, Findorff, der Neustadt, Schwachhausen und dem Ostertorviertel mit und ohne Gartenerfahrung schließen sich mir an. Unsere Route führt uns vorbei an der sehr gut besuchten Beschäftigungsinititive Garten jEden (Bremer Werkgemeinschaft) zur Fleetkirche, wo uns der Schriftsteller und neue Besitzer der Kirche, René Paul Niemann, begrüßt und zur Besichtigung einlädt. Viele der Frauen und Männer unserer Gruppe erfahren erstmals von diesem besonderen Gebäude (Baujahr 1958), das vollständig aus Holz besteht. Eine Kirchlein mit Standort in einem Kleingartengebiet dürfte in der Bundesrepublik einmalig sein. Weiter geht es durch ausgewählte Seitenwege der Vereine Union e.V. und Walle e.V. mit belebten und auch verlassenen Gärten. Letzere sind oft auch wertvolle ökologische Habitate, merkt eine Mitfahrerin an. Diese Gebiete sind keine „geleckten“ Kleingartenanlagen, es ist auch Natur pur, woran sich ein Bekannter besonders freut. Hätte er noch keinen Garten, hier würde er sich gerne eine Parzelle pachten. Unterschiedliche Lauben, intakte und verfallene Kaisenhausgärten mit knorrigen alten Obstbäumen, verrumpelte Flächen sowie Vogelschuztgebiete säumen unseren Weg. Es sind einige Radfahrer unterwegs. Jemand fragt: Seid ihr die Radtour, kann ich noch mitkommen? Na klar! Wir überqueren den Wasserlauf Waller Fleet und später die Autobahn, baden nicht im Waller Feldmarksee, sondern halten am Kleingartenpark „In den Wischen“, wo es einiges über den gelingenden Zusammenschluss dreier Kleingartenvereine namens Blüh auf e.V., Mittelwischweg e.V. und Morgenland e.V. zu berichten gibt. An unserem Ziel im Blocklandgarten, dem Beschäftigungsprojekt des Förderwerks Bremen in der ehemaligen JVA Oslebshausen, erwartet uns eine gute Tasse Kaffee, Gegrilltes, Führungen durch Gewächshäuser und Gemüsegärten. Bänke unter einer alten Eiche laden zur Entspannung im Schatten ein. Kinder spielen auf dem Rasen mit bereit gestellten Spielzeug. Informationen zum Projekt Green Urban Labs, von der Interessengemeinschaft der Parzellenbewohner und anderen Initiativen können eingeholt werden, auf einer kleinen Bühne gab es verschiedene Vorstellungen, man kann sein Fahrrad registrieren lassen und vieles mehr. Ganz herzlich bedanken möchte ich mich bei allen Interessierten. Es war ein Vergnügen mit euch!

Der Ort ist beeindruckend, hat ein großes Potential und bietet Space für viele kreative Köpfe und handwerklich geschickte Menschen, die Lust haben gemeinsam etwas zu entwickeln. Man müsste mal fragen, was Immobilien Bremen dort plant.

Von der guten Atmosphäre und den anregenden, informativen Austausch bei meinem zweiten Angebot des Tages „Laube-Liebe-Hoffnung“ und dem Film zu den Anfängen der Kaisenhäuser sowie dem anschließenden Gespräch mit Marianne Berger, die ihre Kindheit im Kaisenhaus mit ihren Eltern verbracht hat, werdet ihr hier bald Näheres von mir lesen.

Persönlich danken möchte ich besonders der Umweltplanerin Lisa Hübotter, die gemeinsam mit Thomas Knode beim Senator für Umwelt das Projekt Green Urban Labs / Grüner Bremer Westen leitet. Sie hat dieses Fest gleich nach Antritt ihres Jobs initiiert und sich neben ihrer Kerntätigkeit kompetent für dessen Realisierung engagiert. Merci.

* Wer eine Parzelle sucht findet hier eine Karten und Kontaktdaten zu (fast) allen Kleingärtnervereine in Bremen.

Foto: Kirsten Tiedemann

Radtour durch den Grünen Bremer Westen zum Frühsommerfest [Veranstaltungstipp]

Am Sonntag, 3.6., feiert der Grüne Bremer Westen, das große Parzellengebiet neben Walle und Gröpelingen, sich ab 10.00 Uhr mit einem üppigen, vielfältigen Frühsommerfest. Ich biete eine ortskundige Radtour quer durch das weitläufige, vielen Bremern unbekannte, grüne Naherholungsgebiet zum Hauptfestplatz im Blocklandgarten (ehemalige JVA Oslebshausen) an.

STARTZEIT: 14:00

START + TREFFPUNKT: Walle / Endhaltestelle BUSLINIE 20 HOHWEG Nr. 50 am SPORTHEIM

ZIEL: BLOCKLANDGARTEN (ehem. JVA Oslebshausen)

STRECKE: 5-6 km

ENDE: 15:15 Uhr

Eine Anmeldung ist wünschenswert unter kirsten.tiedemann@gmx.de, aber nicht zwingend erforderlich.

Das Angebot ist kostenfrei.

Lageplan hier als pdf. herunterladen.

Es ist eine BESONDERE URBANE LANDSCHAFT, die seit 100 Jahren und mehr als Gartengebiet genutzt wird. Da wachsen knorrige Obstbäume in alten Gartenanlagen mit selbstgeschmiedeten Pforten. Dort entstehen neu
angelegte Schrebergärten. An manchen Ecken liegt Müll. Dazwischen
strecken Brombeeren ihre Tentakel in alle Richtungen und bilden eine
dichte Hecke, hinter der eine Parzelle aus ihrem Dornröschenschlummer
geweckt werden will. Wir kommen an einem hölzernen Kirchlein vorbei, das sich in die Landschaft schmiegt. Die Fleetkirche ist ein Überbleibsel aus der Nachkriegszeit und konnte dank privater Initiative vor dem Abriss bewahrt werden. Sie verweist auf die Wohnungsnot der 1940er, ’50er und ’60er Jahre, damals als viele Menschen kleine Wohnhäuser in einigen Gärten errichtet haben. Solche sogenannten Kaisenhäuser sehen wir auf unserer Fahrt von der Waller Feldmark bis zur ehemaligen JVA Oslebshausen – ein Gebiet, das 4.000 Parzellen beherbergt, das Waller Fleet, 10 Kleingartenvereine und ihre Vereinsheime, den Kleingartenpark In den Wischen, und WUPP, das Waller Umweltpädagogik Projekt, der Internationale Garten Walle, Imker und die Beschäftigungsinitiative Garten JEden – vielerlei Leben ist hier im grünen Bremer Westen. 

Prall gefüllt ist das Programm des Frühsommerfestes (hier als pdf), das vom Projekt Green Urban Labs (Leitung Lisa Hübotter / Thomas Knode) beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr konzipiert und realisiert wird. (Green Urban Labs/bbsr.Bundesförderung)