Stimmungsvolle Lesung in verlassenem Kaisenhaus

Eine stimmungsvolle Lesung aus dem Roman „Ein Dach über dem Kopf“ von Willem von Hörsten gab es anläßlich des 55jährigen Bestehens des Kleingärtner -vereins ‚Beim Kuhhirten‘ am Samstag, 12. August 2017, in einem verlassenem Kaisenhaus im Vereinsgelände. Der historische Roman erschien bereits 1978 und ist heute vergriffen. Sein Autor ist ein Mann, der gemeinsam mit seiner Familie selbst auf einer Parzelle in Findorff ein kleines Wohnhaus errichtet hatte, weil über Jahre angesichts der Wohnungsnot keine Unterkunft zu finden war. Von Hörsten und seine Frau lebten bis ins hohe Alter in ihrem Kaisenhaus. Er engagierte sich gemeinsam mit anderen über viele Jahrzehnte für den langfristigen Erhalt der Kaisenhäuser in der Interessengemeinschaft der Parzellenbewohner.

Das verlassene Kaisenhaus im KGV ‚Beim Kuhhirten‘ ist vom Weg aus kaum zu sehen und wirkt verwunschen. Brombeeren haben in den vergangenen Jahren ihre Tentakel ausgeworfen und den Garten erobert. Der Zustand des kleinen Häuschens, das bereit 1950 von einem Lokheizer bewohnt und vielleicht auch errichtet worden ist, ist erstaunlich gut erhalten, auch weil das Dach intakt und in gutem Zustand ist. 2010 wurde es verlassen.

Diesen sehr gut besuchten kulturellen Programmpunkt hat sich Maike Hildebrand ausgedacht und ihn gelungen realisiert.


Die Journalistin gärtnert bereits seit 2000 auf einer Parzelle auf dem Stadtwerder.

Im Anschluss an die Lesung, die dreimal angeboten wurde, gab es anregende Gespräche über die langfristige Zukunft dieses Kaisenhauses als Gartenhaus mit realistischen und konstruktiven Ideen.

 

 

 

 

 

 

 

 

* Das große zusammenhängende Parzellengebiet auf dem Stadtwerder zwischen der Gaststätte zum Kuhhirten und dem Krähenberg wurde bereits während des Erste Weltkrieges ab 1917 als Hilfe zur Selbsthilfe bei massiver Lebensmittelkrise von städtischer Seite angelegt und in die Hände eines Vereins gelegt. Aus dem großen Verein bildeten sich vor 55 Jahren mehrere kleine heraus, auch um die umfangreiche Arbeit des Vorstands auf mehrere Schultern zu verteilen.  Kleingärtnerverein Beim Kuhhirten und Kleingärtnerverein Werder sind zwei der damals entstandenen Vereine. Weiß jemand aus meinem Leserkreis, ob der Kleingärtnerverein Am Krähenberg und der Kleingärtnerverein Marienblume ebenfalls aus dem großen Verein hervorgingen? Über eine Nachricht freue ich mich.

Fotos: Heide-Marie Härtel und Kirsten Tiedemann

 

 

‚Kleingärten als Bauland‘ – In der Zeitschrift Gartenfreund schreibt der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. zur Debatte

In der aktuellen Ausgabe vom Gartenfreund, der Verbandszeitschrift für das Kleingartenwesen, finden wir in den Verbandsnachrichten aus Bremen den Beitrag „Kleingärten als Bauland – Intelligente Stadtplanung macht vor Kleingartengebieten nicht halt“. Die Geschäftsführerin des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. bezieht darin Stellung zur aktuellen Debatte. Den zentralen Inhalt fasse ich hier zusammen, zitiere einzelne Passagen, die mir wichtig erscheinen, und habe viele Fragen.

Man habe in der Geschäftsstelle großes Verständnis für die Bedürfnisse der wachsenden Stadt, heißt es. Die etwa sechs Quadratkilometer Kleingartengebiet seien ein guter Richtwert für eine Stadt wie Bremen und wohnort- und zentrumsnah verteilt. Nachbesserungsbedarf gebe es nur in Walle, weil dieser Stadtteil satt mit Kleingärten versorgt sei. 400 Parzellen stünden in Bremen leer, die meisten davon in Walle. (Anmerkung: Kürzlich hieß es im Weser-Kurier nach Angaben des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. noch, dass es 300 ungenutzte Parzellen in ganz Bremen seien.). Die Erreichbarkeit der Parzellen in Walle sei nicht mit einem attraktiven Stadtleben zu vereinbaren, meint die Geschäftsführerin Frau Drechsler.

„Miteinander reden“: Unter dieser Überschrift ist zu lesen, dass Bremens Verwaltung und Politik den Landesverband der Gartenfreunde seit Jahren ernst nähmen und eine Vielzahl kleingärtnerischer Interessen berücksichtigten. Nun müsse ein neuer Denkprozess angestrebt werden. Drechsler führt aus: „In den vergangenen Wochen keimte unter verschiedenen Possen ein Thema auf, mit dem sich der Landesverband seit Jahren befaßt und im steten Austausch mit der Bremer Baupolitik steht.“

Man fragt sich, was an der Diskussion eine Posse war? Ist es eine Posse, wenn der Vorsitzende des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. und ein Vorstandsmitglied eines Kleingärtnervereins im Gespräch mit dem Weser-Kurier mitteilen, dass sie von dem Vorstoß über eine mögliche Bebauung einzelner Gebiete der Waller Feldmark aus der Zeitung erfahren hätten? Vgl. Kleingärtner halten nichts von SPD-Vorstoß, Weser-Kurier 28.5.2017. Ist es eine Posse, wenn Kleingärtner den Eindruck haben, dass der Landesverband sie beim Thema der möglichen Umwidmung von Kleingärten in Bauland im Regen stehen läßt? Vgl. „Keine verwaiste Parzelle für Wohnungsbau“ Weser-Kurier 3. Juli 2017

„Einander verstehen“: In diesem Abschnitt schreibt Frau Drechsler, dass es ein Stadtteilkonzept besonders für die 7000 Gärten zwischen Walle und Oslebshausen brauche, das Gärten als notwendigen Bestandteil der Infrastruktur begreift. Der Landesverband ist bereit, „die notwendigen Gespräche zu führen und wird sich nicht im Voraus stoisch allen Argumenten verschließen.“

Spontan fällt mir das bestehende Konzept „Naherholungspark Bremer Westen“  ein, dass mit Vertretern aus ansässigen Kleingartenvereinen, dem Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V., dem Beirat Walle und vielen anderen Mitwirkenden in einem partizipativem Verfahren unter Leitung der Baubehörde gründlich erarbeitet und im Oktober 2016 öffentlich vorgestellt wurde. Kleingärten, Flächen für öffentliche Naherholung, Radwege, Streuobstwiesen und ökologische Ausgleichsflächen sieht dieser Plan für die grüne Lunge Walles vor. Daran hat der Landesverband mitgearbeitet.

Hm.

Der Beitrag „Kleingärten als Bauland“ informiert weiter: „Weder der Landesverband noch die SPD Baupolitik hat abschließende Entscheidungen über einen Bebau oder gar Überbau von Kleingartenanlagen getroffen.“ Und:

„Einvernehmen herrscht darin, dass es – insbesondere und zunächst ausschließlich im Bremer Westen – einer umfassenden Stadtteilkonzeption bedarf. Verschiedene Belange, wie Bau und Kleingartenwesen, sollen dabei nicht als Konkurrenz zueinander stehen, sondern sich vielmehr sinnvoll ergänzen. Dabei ist es die Aufgabe einer intelligenten Stadtplanung, die Bedürfnisse der wachsenden Stadt mit denen der Kleingartenlobby zu vereinen. Wir sind zuversichtlich, dass dies mit dem Zutun des Landesverbandes gelingen wird.“

Manchmal sind es einzelne Worte, die stutzig machen können. In dem vorangehenden Absatz ist es für mich der Begriff: „zunächst“. „…zunächst geht es um den Bremer Westen.“ Und dann? Welches Kleingartengebiet wird danach betrachtet?

Eine zentrale Frage steht weiterhin unbeantwortet im Raum: Wie will sich der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. für seine Mitglieder einsetzen? Die ungenutzten Parzellen in der Waller Feldmark machen kein geschlossenes Gebiet aus. Es sind einzelne Gärten zwischen genutzten Flächen. Will man hier ein geschlossenes Baugebiet ausweisen, wird man nicht nur verlassene Parzellen, sondern auch eine gewisse Anzahl intakter Gärten planieren. a) Was will unsere Interessenvertretung für jene Gärtner mit intakten Parzellen tun, die ihre Parzelle räumen müssen, in die sie viele Jahre Arbeit und Geld investiert haben? Ein gut angelegter Kleingarten mit Obstbaum- und -strauchbestand braucht über ein Jahrzehnt für seine Entstehung. b) Was wird die Interessenvertretung für die Mitglieder tun, die in so einem Gebiet in ihrem Kleingärten ein Kaisenhaus mit lebenslangem Wohnrecht bewohnen? Auch Parzellen mit Kaisenhäusern liegen verstreut im gesamten Gebiet der Waller Feldmark. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind ganz überwiegend Menschen im Rentenalter, die über eine geringe Rente verfügen und angesichts der andauernden Wohnungkrise in Bremen keine Wohnung finden werden.

Sinkt die Anzahl der Parzellen, die vom LV Gartenfreunde verpachtet werden, wird es voraussichtlich für die Gesamtheit der verbleibenen Pächter, die Mitglied im Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. sind, wohl eine weitere Erhöhung des Mitgliedsbeitrags mit sich bringen. Schließlich muss der Betrieb der Geschäftsstelle weiter gehen und die anfallenden laufenden Kosten im Landesverband steigen sowieso. Mit dem Anstieg der laufenden Kosten wurde kürzlich die erhebliche Erhöhung der Beiträge ab 2018 um einmalig mehr als 15 Prozent begründet. All die Kosten werden von weniger Mitgliedern geschultert werden müssen.

Klar machen muss man sich, dass einige der 400 brach liegenden Parzellen bestehen bleiben werden, auch wenn es ein geschlossenes Baugebiet geben sollte. Sie liegen ja eingestreut im Gebiet. c) Wie will der Landesverband den Kleingärtnervereinen helfen, für diese Gärten Pächter zu finden? Wie wäre es mit einem Portal im Internet auf dem Leute ihre Parzelle anbieten können, wie bei Bremen.de auf dem Schwarzen Brett? Das kann nach Stadtteilen sortiert ohne konkrete Ortsangaben gut funktionieren und würde den Vereinen helfen. Auf der Homepage des LV könnte es Tipps und Hinweise dazu geben, wie ein interessierter Mensch zu einem Garten kommen kann: Wie finde ich einen Kleingarten? Wo meldet man sich? Warum heißt es häufig ‚Kleingarten zu verkaufen‘, obwohl er zu verpachten ist? Gibt es Strom und Trinkwasser? Für solch eine Rubrik auf der Homepage gibt es sehr schöne Beispiele anderer Landesverbände. Und soviel kann ich sagen: Der am häufigsten nachgefragte Beitrag auf meinem Blog trägt übrigens den Titel: Parzelle gesucht und gefunden!

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Alle mit „Anführungszeichen“ gekennzeichneten Abschnitte sind wörtliche Zitate aus dem Beitrag „Kleingärten als Bauland – Intelligente Stadtplanung macht vor Kleingartengebieten nicht halt“ von Birgit Drechsler, Geschäftsführerin des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V., Ausgabe 8/2017, Verbandsnachrichten Bremen Seite IV.

Mein Tiergarten mit Igel und Dompfaff

Laut und vernehmlich schnauft und schnuppert es. Ein junges Kaninchen habe ich bereits aufgeschreckt und ohne Absicht zwei Nacktschnecken platt getreten. Quabsch. Zum Glück trage ich Schuhe. Nun hält mein kleiner Garten noch eine tierische Überraschung für mich bereit. Schauf, schnupper. Haben die Nachbarn neuerdings einen Hund?, frage ich mich. Oder ist dort womöglich ein Hund ausgesetzt worden – wie es vor einigen Jahren bereits einmal geschehen ist? Ich gehe weiter, schaue an die Nordseite meiner Gartenlaube, wo das Schnaufen seinen Ursprung hat. Was sehe ich? Es sind zwei Igel, die sich am Fallobst gütlich tun! Fein, ich freue mich sehr über die Gäste! Vom Blitzlicht lassen sich die Beiden nicht irritieren. Es lohnt sich unbedingt, ein paar „Kruschtelecken“ aus Totholz und Laub für Igel und Co anzulegen und dann in Ruhe liegen zu lassen.

Später schaue ich Löcher in die Luft und entdecke dabei einen gefiederten Freund mit strahlend orange farbener Brust, der auf der Stromleitung sitzt. Es ist ein Dompfaff – auch als Gimpel bekannt, der dort Platz genommen hat und in die Ferne blickt. Neben „Amsel, Drossel, Fink und Star“, Zaunkönigen, Meisen, Spechten und Elstern, ist es ein besonderer Gast. Dabei fällt mir ein, dass ich in diesem Frühjahr sogar mitten in der Stadt einen Kuckuck gehört und sogar gesehen habe – live! Wißt ihr wo das war? Auf dem Stadtwerder etwa auf der Höhe des Weser-Stadions nahe dem Kleingartenverein Fresenbulten!

Welche ungewöhnliche oder überraschende tierische Entdeckung habt ihr so in euren Gärten gemacht? Schreibt mir gerne einen Kommentar!

 

Fotos: Kirsten Tiedemann

 

Jungfernflug einer Libelle

In meinem Teich tummelt sich das pralle Leben. Es ist einzigartig, frisch geschlüpften Großlibellen, die teilweise vom Aussterben bedroht sind, bis zum Start zuzuschauen. Die Larve klettert an einem Blatt der Krebsschere (Wasserpflanze), die ihr lange als Heim gedient hat, hinauf, damit sich die Blaugrüne Mosaikjungfer aus der zu eng gewordenen Puppe (Exuvie) winden kann.

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Die frisch geschlüpfte Libelle entfaltet erstmals ihre filigranen Flügel, um sie von Sonne und Wind trocknen zu lassen. Stundenlang hält sie reglos und ungeschützt aus.

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Ihre endgültige Färbung erreicht sie erst später. Jetzt ist sie noch recht blass.

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Der nahende Start kündigt sich an, wenn die Flügel beginnen hochfrequent zu vibrieren.Die Libelle dreht ihren Kopf und streicht mit den Beinen über beide Augen. Plötzlich hebt sie senkrecht ab und fliegt lautlos mit temporeichen, wendigen Flugmanövern davon. Wow!

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Wer mehr zur Großlibelle Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) erfahren möchte kann hier klicken.

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In Deutschland und in Österreich ist die Grüne Mosaikjungfer vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. In der Schweiz gibt es diese Art nicht. Die Grüne Mosaikjungfer kommt in Europa vorwiegend im Norden vor. Die blaugrüne Mosaikjungfer ist in Europa noch häufig anzutreffen

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Zum Filmclip vom perfekten Start dieser blaugrünen Mosaikjungfer hier klicken.

Nachtrag 8.8.2015: Freundlicherweise hat mich ein kundiger Leser darauf aufmerksam gemacht, dass es sich hier nicht um eine Grüne Mosaikjungfer handelt, wie ich als Laie angenommen habe. Das habe ich nun im Beitrag korrigiert.

Besonderheit: Die Blaugrüne Mosaikjungfer-Larve lebt zwei bis drei Jahre in/an der Krebsschere, einer ganz besonderen Wasserpflanze mit kleinen Dornen an ihren Blatträndern. Die spitzen Dornen werden von den Fischen gemieden und so sind die Larven vor Fressfeinden geschützt. Im Herbst, wenn es kälter wird, taucht die Pflanze und mit ihr die Libellenlarve als Schutz vor Frostschäden auf den Gewässergrund ab. So ist die Larve sicher vor einem Kältetod. im ersten Winter ist es ein Ei, das in der Krebsschere lebt. Im drauffolgenden Frühjahr entwickelt sich daraus die Larve, aus der in den kommenden zwei bis drei Jahren die Libelle erwächst. Dazu häutet sich die Larve bis zu 14 mal bis die Insektenjägerin, die Blaugrüne Mosaikjungfer, daraus in voller Größe erwachsen ist.)

Mehr zu Libellen findet sich auf http://www.libellen.tv/index.html

 

Fotos: Kirsten Tiedemann

Auf dieses außergewöhnliche Erlebnis am Teich auf meiner Parzelle im August 2015 mache ich sehr gerne erneut aufmerksam. Dieser Beitrag von mir erschien hier auf „Gärtnern in Bremen“ am 2.8.2015 erstmalig.

Bauland in Waller Kleingartengebiet? Leserbriefe

Soll die Gartenkultur in Waller Feldmark erhalten oder das Gebiet neu zugeschnitten werden, um Bauland auszuweisen? Zu dem Thema gibt es eine Fülle an online-Kommentaren unter dem Beitrag „Streit um Parzellen entschärft“  hier mehr.  Inzwischen sind es 24 Wortmeldungen. Daneben äußern sich Leser des Weser-Kuriers per Brief mit kenntnisreichen Stellungnahmen. Eine erste Auswahl der Leserbriefe stelle ich hier vor.

Weser-Kurier 27.5.2017

 

Weser-Kurier 27.5.2017

Weser-Kurier 8.7.2017

 

 

Rechtliche Grundlage zur Bebauung von Walles „grüner Lunge“ fehlt – Hintergrundinfos

dieser Post ist eine leicht üerarbeitete Fassung meines Beitrags, der seit anfang auf dem Blog findorff aktuell von Mathias Rätsch zu lesen ist.


Im „Streit“ um die Idee der SPD, Teile der Waller Feldmark, die „grüne Lunge“ Walles, mit Einfamilien zu bebauen, ist es sinnvoll, sich die Situation vor Ort genauer anzusehen. Hier habe ich einige allgemeine Hintergrundinformationen zusammen getragen, die ihr gerne ergänzen könnt. Schreibt mit einfach einen Kommentar.

Von den 16.000 Kleingärten in Bremen (Stadt) befinden sich etwa 4.000 im Bremer Westen rechts und links vom Waller Fleet. Die Gartengrundstücke sind überwiegend im Besitz der Stadtgemeinde Bremen, ein kleiner Teil gehört privaten Eigentümern (»Bauernland«) und der Evangelischen Kirchengemeinde. Sie alle verpachten ihre Flächen teilweise seit 100 Jahren an Kleingartenvereine. Geschaffen wurden viele der Gärten auch in Walle in der Zeit des Mangels und des Hungers während des Ersten Weltkrieges. Die Stadt Bremen legte sehr viele der Kleingärten systematisch und in sehr großer Zahl zur Selbsthilfe der Stadtbevölkerung an. Daneben befindet sich eine unbekannte Anzahl von sogenannten »Eigenlandparzellen« in Privatbesitz. Es gibt mehr als zehn Kleingärtnervereine, in denen sich die Kleingärtner zur Verwaltung (Pachtzahlung/ gemeinsame Wasserversorgung/ Wegepflege usw.) und zur Vertretung ihrer Interessen nach außen zusammengeschlossen haben. Sie gehören dem Dachverband Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. an. Zur tatsächlichen Ausnutzung der Kleingärten in der Waller Feldmark gibt es unterschiedliche Angaben. Ein Bündel von Gründen führte dazu, dass insgesamt etwa 350 Kleingärten in Bremen ungenutzt brach liegen – viele davon befinden sich im Bremer Westen. (Zahlen nach Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V.) Es liegen also nicht 30 Prozent, sondern weniger als 10 Prozent der Gärten in der Feldmark brach.

Die Fleetkirche am Storchenweg steht leider seit Sommer 2016 ungenutzt da. Foto: Kirsten Tiedemann

Das Grüngebiet ist vielfältig

Im Herzen des weitläufigen Parzellengebietes befindet sich eine Kirche – die Fleetkirche am Storchenweg. Sie dürfte bundesweit einmalig sein, wird aber leider seit letztem Sommer nicht mehr genutzt. [by the way: Haben sich inzwischen eigentlich Interessenten oder Käufer für die einmalige Immobilie gefunden?]  In der Waller Feldmark sind neben den einer vielfalt „gewöhnlicher“ Kleingärten ganz unterschiedliche Initiativen etabliert und willkommen: Der Internationale Garten Walle unterstützt beispielsweise Menschen verschiedener Kulturen sich miteinander zu verbinden. In direkter Nachbarschaft dazu befindet sich WUPP, das Waller Umweltpädagogik Projekt. Im Milanweg ist der »Garten jEden« eine gut funktionierende Beschäftigungsinitiative. Im hinteren Bereich gelegen ist eine kleiner landwirtschaftlicher Betrieb und noch weiter zur Autobahn hin befindet sich ein Ponyhof. Der Waller Wassersportverein e.V. hat sein Bootshaus am Fleet. Obstbaumwiesen sind hier und da angelegt worden. In diesem weitläufigen grünen Gebiet sind in einigen Kleingärten die letzten Kaisenhäuser zu entdecken. Einige dieser kleinen Wohnhäuser sind (legal) bewohnt, andere werden als Gartenlauben und wieder andere stehen leer. Sie alle haben ihren Ursprung in der massiven Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg. An die Geschichte dieser ungewöhnlichen Gartenwohnkultur und ihre tatkräftigen Bauherren und deren Familien erinnert das Kaisenhausmuseum im Behrensweg. Umfangreiche Informationen findet ihr außerdem in meinem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser„, das im Weser-Kueire erhältlich ist. Hier klicken zur online Ansicht und Bestellung.

Die Besitzerin dieses intakten Kaisenhauses in der Waller Feldmark schenkte mir zum Abschied einen wunderbaren Blumenstrauß aus ihrem Garten. Foto: Kirsten Tiedemann

 

Naherholungspark Bremer Westen – Der Plan für das Gebiet ab 2016

Für die gesamte Fläche liegt ein Plan vor, der vorsieht, das neue »Naherholungspark Bremer Westen« zu entwickeln: Bereiche mit Kleingärten, Wochenendhausgebieten, Biotope mit Obstbaumwiesen, Radwege und Flächenangebote zum Grillen u. ä. und auch Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen sollen hier ihren Platz erhalten. In die partizipative Entwicklung dieses Plans waren auch Kleingartenvereine und weitere Akteure aus dem Gebiet und dem Stadtteil einbezogen worden. Das Ergebnis wurde im Oktober 2016 öffentlich vorgestellt. Mit der Umsetzung ist bereits begonnen worden, beispielsweise kauft die Stadt seit Jahren leer gefallen Parzellen auf, um einen Radweg anzulegen und eine zusätzliche, von manchen als überflüssig angesehene, außerordentlich tragfähige Brücke über das Fleet wurde bereits fertig gestellt. Der Weser-Kurier zum Naherholungspark Bremer Westen hier klicken.

Was sieht der Flächennutzungsplan vor?

Im gültigen Flächennutzungsplan von 2014 findet die seit langem angekündigte Entwicklung ihre rechtliche Grundlage. Der Waller Feldmark ist der Status »Dauerkleingartengebiet« aberkannt worden und wird nun als »Gestaltungsraum Kleingärten, Freizeit und Natur Bremer Westen« ausgewiesen. Der gültige Bebauungsplan weist keine Baufläche aus. So oder so gibt es aktuell keine Rechtsgrundlage, um in der Waller Feldmark zu bauen. Um das zu ändern bedürfte es einer politischen Mehrheit, die es in der Bremischen Bürgerschaft zurzeit nicht gibt. Mehr Details im Flächennutzungsplan Bremen.

Aus diesem verlassenes Kaisenhaus in der Waller Feldmark ließe sich sicherlich ein feines Gartenhaus machen. Foto: Kirsten Tiedemann

Betonierung von Kleingarten-Gebieten ist kontraproduktiv – Die Position der Grünen

Die Pressemitteilung der Bremer Grünen macht deutlich, dass der Streit um die Bebauung von Kleingärten in der Waller Feldmark, dem Naherholungspark Bremer Westen, keineswegs entschärft ist. Im Gegenteil. Als Beitrag zur Diskussion findet ihr hier den Text der Pressemitteilung.

        Grüne: Betonieren von Kleingarten-Gebieten ist kontraproduktiv

Die Grünen-Fraktion lehnt den SPD-Vorstoß, Klein-gartengebiete zu bebauen, als kontraproduktiv ab. Die Forderung verwundert vor dem Hintergrund, dass das Bündnis für Wohnen unter der Leitung von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) erst jüngst eine Bauflächenreserve für 27.000 Wohneinheiten inklusive Einfamilienhäusern festgestellt hat. Zudem wird gerade das 4. Wohnraumförderprogramm auf den Weg gebracht. Dazu erklärt die Fraktionsvorsitzende Maike Schaefer: „Bremen muss fraglos neuen Wohnraum schaffen und tut dies auch. Wir müssen uns im Sinne der Familien darauf konzentrieren, die gut 220 vorhandenen Flächen zu entwickeln statt sich in unausgegorenen Plänen zu verheddern. Wie man in große Parzellengebiete zwischen Autobahn und Eisenbahn gegen den Willen der Kleingärtner und wider den auch von der SPD beschlossenen Flächennutzungsplan Neubauten einpflanzen will, ist uns schlicht schleierhaft. Wir lehnen eine Bebauung von Kleingärten ab. Gerade in einer Großstadt sind grüne Parzellengebiete für ein lebenswertes Wohnumfeld unersetzlich. Brach liegende Areale in Kleingartengebieten eignen sich allenfalls als Kompensationsflächen für die vielen Bauvorhaben, z.B. indem dort Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume erfolgen. Die Natur in Bremen ist ein Pfund, das die Attraktivität dieser Stadt ausmacht. Neben guten Naherholungsmöglichkeiten spielen insbesondere die Versorgung mit Kita-Plätzen und gute Schulen für Familien eine wichtige Rolle. Da gilt es besser zu werden. Vor allem aber ist der Preis für Neubauten entscheidend. Wir müssen verstärkt dafür sorgen, dass Familien sich die Häuser und Wohnungen in Bremen auch leisten können.“

Maike Schaefer

 

 Quelle: Pressemitteilung Bündnis 90/Grüne Fraktion Bremen | 17.05.2017