Neuer Pachtvertrag für Kleingärten 2018 – ist nicht nachhaltig

Es gibt einen neuen Pachtvertrag, der in Bremen seit diesem Jahr Verwendung finden wird und ich habe ein wenig darin gelesen. Es ist nicht nur die juristische Ausdrucksweise, in der der gesamte Vertrag gehalten ist, der unangenehm auffällt, es ist der Inhalt, der mich fast gruseln lässt. Er ist nicht nachhaltig und aus meiner Sicht unfair. Es sprüht vor Misstrauen gegenüber dem potentiellen Pächter und dem Vertragspartner (Pächter) wird scheinbar Angst gemacht. Es bedarf sicherlich eines zusätzlichen barrierefreien Papiers, um die Tragweite zu erfassen. (Findet sich jemand, der den Pachtvertrag in „leichte Sprache“ übersetzen möchte?) Weiter unten findet ihr einen Link zum Vertragsformular auf der Homepage des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V.

Sehr krass ist in meinen Augen folgende zueinander in Bezug stehende Punkte: Ein Pächter übernimmt den Garten wie besehen, das war bisher auch schon so:

§ 2

„Der Kleingarten wird in dem Zustand verpachtet, in dem er sich zum Zeitpunkt der Übernahme durch den
Pächter befindet.“

 

Will der Pächter, nachdem er den Pachtvertrag gekündigt hat, den Garten zurückgeben, dann muss der Garten „geräumt“ zurückgeben werden, d.h. Anpflanzungen (!), Baulichkeiten (!) und bewegliche Sachen sind aus dem Garten fortzubringen.

§ 8

Nach Beendigung des Pachtverhätnisses hat der Pächter den Pachtegegenstadn geräumt von Baulichkeiten, sonstigen Anlagen, Anpflanzungen und beweglichen Sachen an den Verwalter herauszugeben.“

Widerspricht das nicht dem Kleingartengedanken? Man pflanzt etwas an und soll es bei Abgabe entfernen? Obstbäume brauchen lange bis sie soweit gewachsen sind, dass sie reiche Ernte tragen. Mein Gedanke beim Setzen von Zwetschge, Kirsche und Ontariopflaume in meinem Pachtgarten war, dass auch der nachfolgende Pächter und am besten noch die darauffolgenden Nutzerinnen Freude an den Obstbäumen haben werden. Die neue Regelung motiviert mich keineswegs, in meinem Garten etwas Bleibendes zu schaffen, gar in Bäume und Sträucher Geld und Zeit zu investieren.

In § 8 Absatz II (neuer Vertrag) wird die seit vielen Jahren übliche und gut funktionierende Regel bei einem Pächterwechsel zur Ausnahme erklärt:

„Abweichend zu Absatz I kann der Verpächter und/oder Verwalter dem Pächter ausnahmsweise gestatten, die auf dem Pachtgegenstand befindlichen Sachen. oder vom Verpächter und/oder Verwalter bestimmte einzelne davon, auf seinen Nachfolgepächter zu übereignen.“

 

Es ist bisher so gewesen, dass man den Garten mit den „beweglichen“ Dingen weitergeben kann, an einen Nachfolgepächter. Dieser bisher übliche Umgang scheint mir angemessen, vernünftig und fair. Auch war er ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Auch in dem bisher üblichen Pachtvertrag befindet sich nämlich ein Schutz für den Verpächter – für den Fall, dass ein Garten bei Rückgabe völlig aus den Fugen geraten sein sollte. Ganz konkret heißt es in den von mir unterzeichneten Pachtvertrag, der bisher von den Kleingärtnervereinen, die Mitglied im Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. sind, genutzt wurde, in § 10 zum Pächterwechsel  geregelt:

„Im Falle der Kündigung durch den Pächter fällt der Garten an den Verpächter zurück und wird von diesem neu verpachtet. Für die Auseinandersetung gelten folgende Bestimmungen: Bei Beendigung des Pachtverhältnisses muss der Garten in dem Zusatdn zurück gegeben werden, der sich aus der fortlaufenden ordnungsgemäßen Bewritschaftung ergibt. Verfallene oder unbrauchbare, das Landschaftsbild verunzierende sowie nicht den gesetzlichen Vorschriften ganz oder in Teilen entsprechende Baulichkeiten sind von dem ausscheidenden Pächter auf seine Kosten zu beseitigen. Überzählige oder kranke Bäume und Sträucher sind auf Verlangen des Verpächters zu entfernen.“ (§ 10 alter Pachtvertrag)

Dann geht es um den Übertrag von Gegenständen und Einrichtungen des Gartens, die fachgerecht geschätzt und an den nachfolgenden Pächter übertragen werden.

Und schließlich folgt darin ein Schutz für den Verpächter:

„Diese Bestimmungen gelten entsprechend bei Beendigung des Vertragsverhältnisses durch Verschulden des Pächters. Der Verpächter ist berechtigt, den Garten auf Kosten des Pächters ordnungsgemäß instand zu setzen und die hierfür entstehenden Kosten von dem Erlös des Gartens einzubehalten.“ (§ 10 alter Pachtsvertrag)

Der Verpächter hat ein Interesse an einer pfleglichen Behandlung und Umgang mit dem Garten, beides kann er so auch nachträglich einfordern. Das war doch eine vernünftige Regelung.

Mit dem neuen Pachtvertrag 2018 mag man niemandem mehr die Pachtung eines Gartens empfehlen.

Macht euch selbst ein Bild, vergleicht euren Pachtvertrag mit dem neuen Formular. Den Vordruck des Pachtvertrags und Schulungsunterlagen dazu finden sich auf der Homepage des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V.

In deren Rubrik „Service“ gibt es auf der Homepage die Kategorie „Formulare“, wo sich ganz weit unten eine Nutzungsvereinbarung und auch ein Vordruck eines Pachtvertrags finden lassen. Aussagekräftige Schulungsunterlagen dazu klickst du hier.

– aktualisierter Beitrag –

Zur Geschichte der Kaisenhäuser in der Süddeutschen Zeitung

Brandaktuell gibt es einen Beitrag zu Kaisenhäusern und der Geschichte des Wohnens auf der Parzelle in der überregionalen Süddeutschen Zeitung – einschließlich der Hinweise auf das Kaisenhausmuseum in der Waller Feldmark und auf mein preisgekröntes Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“.

Doll.

Wie mag es wohl zu dem aktuellen Interesse am Thema kommen?

(Zwei Punkte des informativen Beitrags möchte cih ergänzen: A) In Spitzenzeiten waren in Bremen aufgrund der Wohnungsmangels bis zu 10.000 Parzellen Ende der 1950er Jahren dauerhaft bewohnt. B) Die Bewohner organisierten sich nicht nur in ihren Kleingartenvereinen, um ihre unmittelbare Lebenssituation vor Ort zu verbessern,  darüber hinaus gründeten sie bereits in den 1950er Jahren die „Interessengemeinschaft der Parzellenbewohner e.V.“ für die dauerhafte Legalisierung ihrer Gartenwohnkultur. Für die Vernetzung der Mitglieder gab man eine eigene Zeitung heraus, beriet rechtlich und war bremenweit gemeinsam politisch aktiv. Dieser Verein existiert bis heute.)

20. September 2018, 18:58 Uhr

Kaisenhäuser Die Auswohner

Nach dem Krieg war die Wohnungsnot so groß, dass Bremens Bürgermeister das Leben in Gartenhäusern erlaubte. Manche wohnen – nach Umbauten – noch heute darin.

Von Joachim Göres

 

Der Bau neuer und die Vergrößerung vorhandener Notwohnungen in Kleingärten ist zulässig.“ Mit dieser Notverordnung legalisierte Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen im August 1945 das Wohnen in Lauben und Schuppen, das bis dahin verboten, aber in der vom Krieg zerstörten Stadt gängige Praxis war.

Maximal 30 Quadratmeter Wohnfläche erlaubte der sogenannte Kaisenerlass. Aber nur vorübergehend, bis die größte Not überwunden war – so die Ansage der politisch Verantwortlichen, die das dauerhafte Wohnen in Kleingärten verhindern wollten. Sie befürchteten, dass die beengten Wohnbedingungen und die fehlende Infrastruktur – kein Strom, keine Heizung, kein fließend Wasser, nur Plumpsklos – zu Krankheiten und sozialen Problemen führen könnten.

Mehr als 70 Jahre später wohnen in Bremen immer noch mehrere Hundert Menschen in den Gebäuden, die nach ihrem Förderer Kaisenhäuser genannt werden. „Meine Frau ist hier geboren und ich bin hier 1973 mit eingezogen“, sagt Wolfgang Golinski. Der 74-Jährige lebt mit seiner Ehefrau in einem zweistöckigen Haus auf 150 Quadratmetern Wohnfläche und großem Garten in Bremen-Walle am Rande der Stadt. Die meisten Kaisenhäuser bestehen nur aus einem Erdgeschoss, einen Keller hat hier niemand.

Das Ehepaar Golinski gehört zu den Auswohnern – so werden diejenigen genannt, die bis zu ihrem Lebensende in dem Gartenhaus wohnen dürfen. Danach wird das Haus auf Kosten des Landes Bremen abgerissen, so sieht es eine Vereinbarung aus dem Jahr 2002 vor. Stichtag ist der 28. Mai 1974 – wer bis zu diesem Zeitpunkt in ein Parzellenwohnhaus gezogen war, dem wird das Auswohnrecht garantiert. Mehr als 100 Gebäude stehen mittlerweile leer und die Zahl nimmt stetig zu.

„Das Schönste war die Gemeinschaft“, sagen ehemalige Bewohner

Im ehemaligen Haus der Familie Kopmann befindet sich heute das Kaisenhaus-Museum. Fred und Elisabeth Kopmann feierten hier 1957 Richtfest. Die Pläne für den Ausbau reichten sie bei der zuständigen Behörde ein. Nach einer negativen Antwort realisierten sie den Anbau einige Jahre später dennoch. Anbauten sind typisch für die Kaisenhäuser – so konnte der knappe Platz etwas vergrößert werden.

Das Museum ist im Stil der 50er-Jahre eingerichtet: Eine kleine Küche mit dem Herd als einziger Heizquelle, ein kleines Wohnzimmer mit Nierentisch. Eine steile Treppe führt ins Obergeschoss zum original erhaltenen Schlafzimmer der Vorbesitzer unter den Dachschrägen. Im Eingang findet sich ein Bollerwagen mit großem Glasbehälter, in dem das Wasser von der drei Kilometer entfernten Zapfstelle nach Hause befördert wurde. Einen Trinkwasseranschluss gab es in den Kleingärten erst 1960. Damals lebten in 6000 Kaisenhäusern mindestens 23 000 Menschen, für die sich das Leben nun deutlich verbesserte: „Das erste Wasser aus dem Hahn haben wir aus Sektgläsern getrunken.“

1949 hatte Bremen die Erlaubnis zum Hausbau im Kleingarten wieder zurückgenommen. Dennoch wurde fleißig weiter gebaut. Kontrolleure sollten die Schwarzbauten verhindern, Rohbauten wurden abgerissen. „Das hat dazu geführt, dass die Häuser an einem Wochenende hochgezogen wurden. Das klappte nur, weil sich die Bewohner dabei gegenseitig geholfen haben“, erzählt Golinski. Vor allem Ostern und Pfingsten waren wegen der zusätzlichen Feiertage bevorzugte Bautermine. Ein ehemaliger Bewohner erinnert sich: „Erst kam der Sichtschutz, dann wurden die Fundamente schon mal vorher gemacht, und dann, Karfreitag, waren fünf oder sechs Mauerleute da, also der ganze Weg war bereit, und wir kriegten Erde und Sand… Und die unmittelbaren Nachbarn kamen mit der Schaufel …und dann wurde ruck zuck hochgemauert und geputzt.“ Hingen Gardinen hinter den Fenstern, galt das Haus als bewohnt und wurde von der Baupolizei toleriert. Mit der Zeit eröffneten hier Geschäfte wie Bäcker, Schlachter und Lebensmittelläden, die in den 50er-Jahren entstandene Kirche steht noch.

1974 trat dann die erste Stichtagsregelung in Kraft: Nur wer schon 1955 in einem Kaisenhaus wohnte, sollte bis zum Lebensende dort bleiben dürfen. Weitere Ausbauten wurden verboten. Doch der lautstarke Protest der Bewohner konnte die Umsetzung dieses Beschlusses verhindern. Sie fühlten sich moralisch im Recht, hatten sie doch sämtliche Bauten in Eigenregie und das ohne Kredite oder staatliche Unterstützung verwirklicht und damit die Wohnungsnot gelindert.

Kirsten Tiedemann hat in dem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf“ die Geschichte der Kaisenhäuser aufgeschrieben. Dass die Bewohner über Jahrzehnte ihre Vertreibung verhindern konnten, hat für sie mehrere Gründe. Dazu zählen der hohe Organisierungsgrad der Parzellenbewohner in den Kleingartenvereinen, die Sympathie des SPD-Bürgermeisters Kaisen für die Bewohner sowie das Wahlverhalten und die Parteizugehörigkeit der Menschen, die überwiegend den Sozialdemokraten nahestanden. Nicht zuletzt dürfte der Zusammenhalt zum erfolgreichen Kampf ums Gartenhaus geführt haben. Golinski: „Wenn unser Museum geöffnet hat, kommen vor allem ehemalige Bewohner. Dann hört man immer wieder: ‚Das Schönste war die Gemeinschaft.'“

Das Kaisenhaus-Museum im Behrensweg ist in diesem Jahr noch am 23. September und am 14. Oktober geöffnet, es können zudem extra Termine vereinbart werden (www.kaisenhaus.de).

KGV Langeoog löst sich auf – Bericht dazu im Weser-Kurier

Hier auf dem Blog hatte ich schon im Juni von der Entscheidung des Kleingärtnervereins Langeoog neben dem Flughafen, sich aufzulösen, berichtet (hier lesen). Fluglärm und hohes Alter der Pächter seien zentrale Gründe für diese Entscheidung. Nun gibt es einen gründlich recherchierten Bericht von Karin Mörtel dazu im Weser-Kurier hier.

 

Aus für Parzellisten

Kleingärtner geben ihre Parzellen auf

Karin Mörtel 25.08.2018

Direkt neben dem Flughafen geben die Kleingärtner des Vereins „Langeoog“ ihre Gärten auf. Das hat der Vereinsvorstand kürzlich dem Bauausschuss des Neustädter Beirates berichtet. Wo heute noch zwischen Ochtum, Briefzentrum sowie der Start- und Landebahn grüne Hecken, Tomatensträucher und Sonnenblumen zu sehen sind, sollen künftig Gewerbebetriebe eine neue Heimat finden.

Auf diesen Zukunftsplan haben sich die Gartenfreunde mit Wirtschafts- und Baubehörde sowie den Wirtschaftsförderern geeinigt. Auch der Neustädter Beirat wird im weiteren Verlauf der Planung noch ausführlicher Stellung zu der Umwandlung des knapp sechs Hektar großen Gebietes beziehen. Während einer ersten Informationsrunde habe sich der Bauausschuss zunächst erleichtert gezeigt, dass das Vorhaben nicht gegen den Willen der Kleingärtner umgesetzt werde, teilt Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon auf Nachfrage mit: „Dem Beirat ist wichtig, dass die Aufgabe der Gärten freiwillig passiert, und das haben alle Beteiligten versichert.“

Der Vorsitzende des Vereins, Arnold Thobor, bestätigt, dass es sogar der Verein war, der zuerst den Wunsch geäußert hat, die Gärten abzugeben. Die Mitglieder hätten bereits einstimmig beschlossen, den Verein nun genau 50 Jahre nach seiner Gründung aufzulösen und das gepachtete Land zu verlassen. „Direkt neben startenden Flugzeugen zu gärtnern, ist nicht gerade angenehm, daher ist es für uns schwer, Neupächter zu finden, wenn jemand seine Parzelle abgeben möchte“, erklärt er die Beweggründe. Tatsächlich ist das direkt hinter der Lärmschutzwand gelegene Vereinsgelände dasjenige in der Airport-Stadt, auf dem die Gärtner den meisten Fluglärm zu spüren bekommen. Das zeigt ein Blick auf die Lärmkarte der Stadt Bremen. Aufgrund der mangelnden Nachfrage in diesem belasteten Gebiet will daher auch der Landesverband der Gartenfreunde Bremen dort die Nutzung der Fläche aufgeben, heißt es dazu von dessen Vorsitzenden August Judel.

Aber auch Altersgründe haben offenbar eine Rolle bei der Entscheidung gespielt: Nach Auskunft des Vereins liegt der Altersdurchschnitt der 65 Pächter in dem Gebiet bei fast 70 Jahren. „Da wollen einige, die ohnehin nicht mehr lange den Garten bewirtschaften können, die Gelegenheit nutzen, aufzuhören“, sagt Thobor. Der 67-Jährige gehört selbst zu der Gruppe, die sich aus gesundheitlichen Gründen keinen neuen Garten anschaffen will. Etwa ein Drittel der Gartenfreunde habe hingegen bereits eine neue Parzelle übernommen oder sei auf der Suche nach einem geeigneten Stück Land, weiß Thobor. Die jüngeren Mitglieder hätten bislang in Stuhr-Brinkum, Rablinghausen, der Neustadt und in der Märchenland-Siedlung Neuenland neue Gärten gepachtet. „Von uns ist daher kein Widerstand gegen das Gewerrbegebiet zu erwarten“, so Thobor.

Die größte Sorge der Vereinsmitglieder sei jedoch, dass sie noch längere Zeit auf eine Entschädigung warten müssen. Denn solange der Wert der Grundstücke noch nicht ermittelt sei, wolle auch keiner seinen Garten verwildern lassen. „Da wird aber ohnehin alles platt gemacht, da ist das unnötige Arbeit, die zudem noch den Älteren Mühe bereitet“, sagt Thobor. Dazu komme noch die Doppelbelastung für einige, den alten und den neuen Garten gleichzeitig pflegen zu müssen.

August Judel vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen kann in diesem Punkt allerdings Entwarnung geben: „Bis zum Ende des Gartenjahres wollen wir die Schätzungen der Parzellen abgeschlossen haben“, so der Vorsitzende des Verbands. Und das ist der 30. September. Von Wirtschaftsförderern und Wirtschaftsbehörde „haben wir das Signal erhalten, dass die Kosten für die Schätzungen übernommen werden“, so Judel. Wenn die Ergebnisse vorliegen, bekommt jeder Pächter für seinen Garten entsprechend der Ausstattung und des Zustandes eine Entschädigung zugesprochen, schildert er die Vereinbarung.

In der Wirtschaftsbehörde bezeichnet Abteilungsleiterin Simone Geßner die Erweiterungsmöglichkeit der Gewerbeflächen als „Glücksfall“: „Es ist wichtig für uns als Wirtschaftsstandort, Unternehmen auch in direkter Nähe zum Flugfeld weitere Flächen anbieten zu können.“ Dies sei bislang trotz der vorhandenen Nachfrage leider nicht möglich gewesen. „Wir wollen mit dem neuen Angebot vor allem Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche ansprechen“, sagt Geßner.

Bevor diese sich ansiedeln können, muss aber zunächst das Kleingartengebiet in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden. Neues Planungsrecht und die entsprechende In­frastruktur sind dazu nötig. Voraussichtlich wird dann die Hanna-Kunath-Straße verlängert, über die das neue Gewerbe dann anzusteuern ist.

In der Airport-Stadt gibt es noch weitere Kleingartenvereine. Doch an deren Gelände habe die Wirtschaftsbehörde keinerlei Interesse, versichert Geßner auf Nachfrage: „Es gibt weder Ideen noch Pläne, dort auf weiteren Parzellengebieten Gewerbe anzusiedeln.“ Es sei einfach eine glückliche Fügung, dass die Aufgabe des Vereins „Langeoog“ und das Wirtschaftsinteresse an Flächen direkt in Flugfeldnähe zusammengefallen seien. Geßner: „Es ist sehr schön, dass das alles einvernehmlich gelaufen ist.“

Auch August Judel sieht die weiteren Parzellen in Flughafennähe nicht in Gefahr: „Es gibt keinerlei Bestrebungen der anderen Vereine, dort aufzugeben.“

Trennung – Landesverband der Gartenfreunde Bremen entlässt Geschäftsführerin

Der Weser-Kurier meldet den „Paukenschlag bei Gartenfreunden„:

Wie jetzt bekannt wurde, hat sich der Landesverband am Montag mit sofortiger Wirkung von seiner hauptamtlichen Geschäftsführerin Birgit Drechsler getrennt. Sie sei überrascht und wisse nicht, warum es dazu gekommen wäre, meldet der WK. Alle Parteien schweigen dazu – wegen des laufenden Verfahrens. Ein juristisches Nachspiel sei möglich.

Frank Hethey im Weser-Kurier online am 17.8.2018

 

So richtig grün sind sich die Gartenfreunde nicht mehr: Der Vorstand habe Drechsler am Montag von ihren Aufgaben freigestellt, bestätigte Landeschef August Judel. Zu den Gründen wollten sich Judel wie auch Drechsler mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. So viel sagte Drechsler aber doch: Die Kündigung sei für sie „überraschend“ gekommen.      

Einen Zusammenhang zwischen dem Aus für Drechsler und den Querelen um die neue Gartenordnung bestreitet Judel. Die Delegiertenversammlung hatte den Entwurf im April mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Laut Judel ein „ganz normales Verfahren“, das der Vorstand zu akzeptieren habe. Die Kündigung habe auch nichts zu tun mit seiner eigenen Ankündigung, bei den anstehenden Vorstandswahlen im März nicht wieder zu kandidieren.

Birgit Drechsler hatte ihre Arbeit im Juli 2013 aufgenommen…“ Hier weiter lesen.

 

Senat nun offen für Umwidmung in Wochenendhausgebiete

In der Haltung des Senats hat es hinsichtlich der Umwidmung einzelner ausgewählter Kleingartengebiete in Wochenendhausgebiete einen Wandel gegeben. Man stehe dem nun positiv gegenüber, heißt es heute in der online-Ausgabe des Weser-Kuriers. Mehr dazu erfahrt ihr im Artikel des Weser-Kuriers:

„Senat lenkt im Streit um Wochenendhausgebiete ein

 

Ausgewählte Kleingartengebiete im Bremer Stadtgebiet sollen nun doch in Wochenendhausgebiete umgewandelt werden können. Dafür wird sich der Senat voraussichtlich an diesem Dienstag aussprechen und damit einen bemerkenswerten Sinneswandel vollziehen.“

Radio Bremen / buten und binnen berichtet in einer Nachricht „Dürfen Bremer jetzt doch in Gartenlaube übernachten?“ gestern hier, dass diese Umwandlung nicht in allen Kleingartenvereinen, die dies wünschen, stattfinden wird, beispielsweise nicht in Woltmershausen im Kleingartenverein „Auf den Ruten“, da es sich dort um Überschwemmungsgebiet handele.

[aktualisiert]

Mehr als Richtungsstreit um Wochenendhaus- und Kleingartengebiete

Der Weser-Kurier schreibt heute über einen Richtungsstreit bei den Bremer Grünen. Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen, mit der Fraktionsvorsitzenden Dr. Maike Schaefer, unterstützt den Wunsch einiger Kleingartenvereine, ihr Gelände in ein Wochenendhausgebiet umzuwandeln. Der Bausenator hält diese Bestrebungen laut Artikel für falsch – ebenso wie der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. (hier klicken zum Artikel)

Die Darstellung scheint mir verkürzt. Daher ergänze ich hier ein paar Informationen nach meinem aktuellen Kenntnisstand: Es gibt in Bremen Kleingartenvereine, die sich seit Jahren aktiv für die Umwidmung ihres Gebiets in eine Wochenendhausgebiet einsetzen. Die Parzellen jener Vereine befinden sich weit überwiegend in Privatbesitz, es handelt sich kaum um städtischen Grund und Boden. Die Vereine „Min Land“ / Walle, „Auf den Ruten“ / Woltmershausen. Kleingärtner- und Kleinsiedlergemeinschaft „Waller Feldmark“ / Walle  und die Gärtner vom „Heinrich-Klenke-Weg“ / Findorff wollen diesen Weg beschreiten. Die genannten Vereine sehen in der Umwidmung ihres Vereinsgeländes in ein Wochenendhausgebiet Vorteile, die in der möglichen Nutzung liegen (z.B. keine landwirtschaftlichen Nutzung nötig). Die Umwidmung des Kleingärtnervereins „Min Land“ und des Kleingärtner- und Kleinsiedlervereins „Waller Feldmark“ in ein Wochenendhausgebiet passt meines Erachtens auch in das Konzept des Naherholungsgebiet Bremer Grüner Westen. Vielleicht denkt der Bausenator noch einem über diese Variante nach.

Wie ich aus vertraulicher Quelle hörte, verstehe sich der Landesverband der Gartenfreunde Bremen (LV) eigentlich nicht als Vertreter von Vereinen mit Eigenland-Parzellen. Dieser Umstand hatte bereits zur Konsequenz, dass ein Kleingärtnerverein den Austritt aus dem LV beschlossen hat. Es ist der Kleingärtnerverein „Auf den Ruten“, der sich auf eigenen Wunsch und mit weit mehr als der erforderlichen 75-prozentigen Stimmenmehrheit nämlich 100 Prozent, seiner Vereinsmitglieder die Kündigung der Mitgliedschaft im Landesverband der Gartenfreunde Bremen entschieden hat. Bei der entscheidenden Vereinssitzung waren Geschäftsführung und ein Vorsitzender des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. anwesend. Sie befürworteten den Austritt.

Angesichts dieser Haltung erscheint es mir kurios, dass die Geschäftsführung des LV sich gegen die Umwidmung dieser Kleingartenverein in Wochenendhausgebiete ausspricht. Warum redet man in die Wünsche von Kleingärtnern hinein, die man faktisch bald nicht mehr vertreten wird – wie dem Kleingärtnerverein „Auf den Ruten“? Warum redet man in Wünsche von Kleingärtnern hinein, die man nicht vertreten will? Als Grund für die Ablehnung wird angegeben, dass die Pacht erhöht werden würde! Wissen die zuständigen Leute nicht, dass bei Eigenland keine Pachtzahlungen geleistet werden müssen? Eigenland bedeutet Grundbesitz, d.h. Privateigentum, da zahlt der Landbesitzer Grundsteuer.

Die Spitze des Bremer Landesverbands hat bereits mehrmals offiziell erklärt, Teile der Kleingärten wolle man zur Wohnbebauung abgegeben, weil sie nicht verpachtet werden könnten. Dieselben Funktionäre wollen andererseits verhindern, dass ausgewählte Flächen von zusammenhängenden Eigenlandparzellen nicht in ein Wochenendhausgebiet umgewidmet werden, obwohl man deren Besitzer nicht vertreten will? Wieso diese widersprüchliche Politik?

Im offiziellen Mitteilungsblatt der Gartenfreunde erklärte der Kleingärtnerverein Union (Walle) kürzlich ausführlich, dass und warum sie einen Teil ihrer Gärten als Bauland abgeben wolle. Zu lesen in der Juli-Ausgabe. Was verspricht man sich davon?

Es erscheint mir sozial, ökologisch und stadtklimatisch sinnvoller, ein paar Gärten in einzelne Wochenendhausgebiete umzuwidmen und anhand dieser Modellprojekte Erfahrungen damit zu sammeln. Dann bleiben diese Parzellen wenigstens Freizeitbereiche mit Gärten, die Bremen braucht.

Und bei der Gelegenheit: Abgeordnete von SPD und CDU äußerten mehrfach Wünsche, Kleingärten in Bauland zur dauerhaften Wohnbebauung umzuwidmen. Dem stimmt der LV Gartenfreunde zu (s.o. und in früheren Beiträge hier auf dem Blog, im Weser-Kurier und in anderen Medien). Es entspricht den Aussagen des Landesverband der Gartenfreunde Bremens, dass er kürzlich die Selbstauflösung des Kleingärtnerverein Langeoog am Bremer Flughafen unterstützt hat. Es handelt sich um 65 Kleingärten, die die Stadt nun Dornier für den Flugzeugbau anbieten kann – mit Auflagen für Dachbegrünung der Fertigungshallen und Anpflanzung heimischer Gehölze daneben.

Es ist was los in Bremens großer Kleingartenwelt – und das ist weit mehr als ein Richtungsstreit innerhalb der Grünen.

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„Grün gegen Grün“, Beitrag zur Debatte um Kleingärten im Weser-Kurier am 7.7.2018 hier klicken.

„Streit um Wochenendhäuser

Grün gegen Grün in Kleingarten-Debatte

Jürgen Theiner 07.07.20181 Kommentar

Gemeinschaftliches Gärtnern bei den BioSchrebern [Fundstück im Netz]

Es ist in Bewegung. Es ist aktuell. Die BioSchreber sind ganz neu.

Beim Surfen im Netz habe ich sie entdeckt. Sie sind nahe der Neustadt in Woltmershausen und beackern einen Garten von 800 qm, der vormals brach lag. Nun  ist er parzelliert und prima geeignet für Leute die biologisch Gemüse gärtnern wollen, aber keine Zeit für einen ganzen Garten haben. Leute, die die Vorteile eines Gemeinschaftsgartens schätzen, die solidarisch gärtnern wollen. Hier kann ein bereits zur Saat und Pflanzung vorbereitetes Gemüsebeet übers Jahr genutzt werden. Ein kleiner Verein trägt das Konzept. Gartenneulingen zur Seite stehen erfahrene Bio-Gärtner, so liest man auf der Homepage. Der Austausch mit anderen ist inbegriffen – er kann, muss aber nicht sein. Noch sind einzelne Beete frei.

Eine prima Initiative, wie ich finde! Zur Nachahmung empfohlen!

Nähere Infos findet ihr hier https://www.die-bioschreber.de/