Barrierefreies Wohnen in einem Kaisenhaus

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Der Bauherr und langjährige Besitzer dieses Kaisenhauses mit 60 Quadratmeter Fläche hat umsichtig für sein Alter vorgesorgt und sein Haus inzwischen so umgebaut, dass alle Räume einschließlich Bad und WC barrierefrei erreichbar sind. Für die beiden Stufen vom Gartentor zur Tür wird bei Bedarf eine Rampe angefertigt werden. Nun genießt er dort, wo er seit seiner frühen Kindheit lebt, auch seine Frau kennengelernt und viele gemeinsame Jahre mit ihr verbrachte und seine Kinder aufgewachsen sind, seinen (Un-)Ruhestand. Eingebettet in gute Nachbarschaft und den Freundes- und Familienkreis läßt es sich gut sein, sagt er. Bei Bedarf geht ihm ein befreundeter, jüngerer Parzellist, den er aus dem früheren Berufsleben gut kennt, zur Hand. Er hat sich informiert, ob alle Dienstleister, die man mit zunehmendem Alter eventuell einmal in Anspruch nehmen muss, generell auch zu ihm in das Wohnhaus im Kleingartengebiet kommen würden und erhielt eine positive Antwort. Hierher kommen Dienste genau so wie in andere Quartiere der Stadt. Auch so läßt es sich in Bremen gut alt werden, finde ich.

Nachtrag: Vgl. zu lebenslangem Wohnrecht für Kaisen- und Kudellaauswohner in Dienstanweisung 422 gültig bis 4.3.2015 hier, für später hinzugekommene Ehegatten und den späteren Erhalt der Häuser als Gartenhäuser gültig seit 5.3.2015 hier und mein kurzer Beitrag zur Übergangsregelung hier

Foto: Kirsten Tiedemann

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Rentnerin krempelt Parzelle um zu bezaubernder Gartenoase

Lautlos schweben Schmetterlinge zwischen orange leuchtenden Blüten der Kapuzinerkresse und hochgewachsenem Mais im Garten von Ilonka B. umher. Hier hat sich die 65jährige Frau eine grüne Oase mitten in der Großstadt geschaffen, in der sie biologisch gärtnert. Von Kartoffeln und Salat, über Teltower Rübchen bis neuseeländischem Spinat, eine Fülle an Gemüse gedeiht unter den sorgfältigen Händen der Freizeitgärtnerin. Kaum zu glauben, dass diese üppige Parzelle noch vor kurzem ein langweiliger Rasengarten war mit ein paar Dahlien und einem sehr breiten Plattenweg.

Foto: privat

Der Rasengarten im Sommer 2010 bei der Übernahme. Foto: privat

Upcycling im Garten
Heute ist von dem einst langweiligen Garten keine Spur mehr zu finden. Obwohl? Doch. Das Gros der Gehwegplatten ist inzwischen von der Gärtnerin zertrümmert worden. Die Bruchstücke hat die zierliche, energische Frau zur Begrenzung der neuen Gemüsebeete aufeinander geschichtet. „Es war die Lösung für die schweren Betonplatte, die niemand geschenkt haben will: Upcycling“, sagt die passionierte Freizeitgärtnerin. „Das kann auch ich mit meinen Kräften bewerkstelligen“.

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Kapuzinerkresse umspielt die scharfen Kanten der zerstrümmerten Gehwegplatten. Die Spalten bieten Insekten und Molche Lebensraum.

Einige Gehwegplatten hat Ilonka zu einem Frühbeet aufgestellt.

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Die Laube umkrempeln

Das kleine Holzhäuschen war das erste, was sie sich vorgenommen hatte, erzählt Ilonka B. Das verschossene Braun der Wände einem farbenfrohen Lila mit abgesetzten Fensterrahmen gewichen.

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Die Zwiebelernte trocknete vor der komplett sanierten Laube.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die düsteren Räume hat Ilonka B. mit praktischer Unterstützung aus ihrem Tauschring komplett entkernt, um ihnen mit weißer Farbe und farbenfrohen Stoffen freundliche Weite zu geben. Nun hat sie einen angenehmen Rückzugsort für Regentage.

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Vom langweiligen Rasen zur üppigen Oase
In kurzer Zeit hat das sonnige Gartengrundstück eine große Metamorphose durchlebt. Schon im zweiten Jahr wich die einst dominierende Rasenfläche blühenden Margeriten, Obststräuchern und einem Hochbeet. Im geschützt stehenden Frühbeet zieht Ilonka B. viele Jungpflanzen an. Im gesamten Garten gedeiht heute schmackhaftes Gemüse. Im Teich leben Fröschen, Molchen und Libellenlarven.

Schon nach einem Jahr hat sie ihrem Garten einen ganz anderen, eigenen Charakter gegeben.

Foto: privat

In kurzer Zeit hat Ilonka dem Garten ihren eigenen Charakter gegeben 2011.        Foto: privat

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2012 Foto: privat

Umbauten und die Neuanlage ihres Gartens hat die Gartenliebhaberin mit viel Fantasie, kreativem Geschick und eine bescheidenen Budget bewerkstelligt. Vieles von dem, was im Garten und Laube vorhanden war, wurde weiter verwendet und umgenutzt, Pflanzen wurden geschenkt und eingetauscht. Gartenmöbel und Gebrauchsgegenstände hat die pfiffige Frau secondhand über eBay-Kleinanzeigen und Schwarzes Brett bei Bremen.de erstanden. Ihr gutes Netzwerk und ihre Mitgliedschaft im Tauschring Bremen tauscht war bei anstehenden handwerklichen Arbeiten und dem Transporte wertvoll.

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Spätsommer 2014

„Aus dem Nichts etwas geschaffen“
„Eins nach dem anderen hat sich so entwickelt. Nach und nach. … und plötzlich war aus dem Rasen mein Garten geworden!“ erinnert sich die 65jährige Frau mit strahlenden Augen. Das ging keineswegs gradlinig von statten. „Nach etwa einem Jahr hatte ich ein Tief, es ging nicht so voran, wie ich es mir vorstellte.“ sagt Ilonka B. „Meine Gartennachbarin hat mir damals gesagt: ‚Du hast die Chance, aus Nichts was zu machen!“ Und dann hat Ilonka weitergemacht und genießt heute ihre bezaubernde Gartenoase.

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Fotos soweit nicht anders gekennzeichnet: Kirsten Tiedemann

  • Mein Beitrag erschien am 27.8. in leicht abgewandelte Fassung unter dem Titel Garten „Aus dem Nichts etwas schaffen“ bei Frauenseiten.Bremen.

Der Schornsteinfeger kommt

Beim Kuhhirten parkt Schornsteinfegermeister Lutz Eichert und holt sein Fahrrad mit Anhänger aus dem Transporter. Heute geht er seinem Tagwerk im Kleingartengebiet auf dem Stadtwerder, das zu seinem Bezirk gehört, nach. Durch die teilweise beschrankten und engen Wege radelt er zu den letzten, noch verbliebenen Kaisenhäusern, denen er regelmäßig aufs Dach steigt, wie das bei Wohnhäusern üblich ist. Er steuert auch Parzellen mit Ofen in der Laube an, denn dort zu fegen gehört zu seinen Aufgaben, weil auch ein selten genutzter Schornstein, der den Rauch nicht mehr abziehen läßt, wenn er verrußt oder durch Laub oder Vogelnester verstopft ist, zu einem Brand führen kann. Der Kaminkehrer, wie der Beruf auch genannt wird, prüft daneben den sachgerechten Einbau von Schornstein oder Kamin und die Dichtigkeit von Abzugsrohren.

Bei der Gelegenheit habe ich den Schornsteinfeger einmal am Arm berührt … das soll ja Glück bringen.

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Der Zuständigkeitsbereich von Bezirksschornsteinfegermeister Lutz Eichert findet sich hier.

Foto: Kirsten Tiedemann

Schildbürgerstreich?! Dritte Brücke über Fleet

Auf diese Brücke hat Bremen gewartet. Nach jahrelanger Planung und mehrmonatiger Bauzeit steht sie nun da: Funktional und vor allem stabil in schlichter Betonoptik mit blau gestrichenem Geländer. Mit ihrem Charme könnte sie auch in einem GewerbeIndustriegebiet liegen. Die Brücke soll Freizeitradlern einen direkten Weg ohne Schlenker von A (Gröpelingen) nach B (Findorff) ermöglichen und verbindet einen geschotterten Kleingartenweg mit einem anderen. Das spart Zeit, nicht viel, aber immerhin. Die anderen beiden Querungen über das Waller Fleet liegen schließlich 300 Meter weit entfernt – jeweils eine stadtauswärts und eine stadteinwärts. Die neue Brücke hat daher etwas von einem Schildbürgerstreich, finden die Reporter von buten und binnen in ihrem Beitrag „Stress im Naherholungsgebiet“ vom vergangenen Freitag. Es lohnt sich übrigens in jedem Fall den Beitrag anzusehen, auch, weil im Hintergrund Kaisenhäuser zu sehen sind.

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„Schön, was?“, rief mir eine vorbeifahrende Radfaherein mit deutlicher Ironie in der Stimme zu, während ich die Brücke fotografierte, und ergänzte, „Was wir uns leisten können.“ 

Die Stadt hat es sich etwas kosten lassen, um das neue (!) Naherholungsgebiet*, in dem nicht wenige Bremerinnen und Bremer seit Generationen die Freizeit auf ihren Parzellen verbringen, durch diese Brücke aufzuwerten. Es sind keine Millionen, wie mancherorts gemunkelt wird, aber es ist doch das hübsche Sümmchen von 110.000 Euro aufgebracht worden – dafür wird in den kommenden 35 Jahren auch kein weiterer Cent für Reparaturen oder Renovierungen hineingesteckt werden müssen, erklärt der zuständige Projektleiter des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr. Warum wurde keine kleinere, kostengünstigere Brücke aus Holz gebaut?, fragt eine vorbei kommende Parzellistin. Ein Mann schimpft: „Die Brücke braucht hier keiner.“ In der zweistündigen Drehzeit hat das Team die stattliche Anzahl von acht Personen gezählt, die das Fleet an dieser Stelle überquert haben.

Zum Beitrag hier klicken

Foto: Kirsten Tiedemann

*  Nachtrag vom 24.8.: Es spricht ja nichts gegen eine Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten der viele Jahre von der Stadt vernachlässigten Waller Feldmark, durch Flächen, die für spontane Nutzungen jederzeit frei und öffentlich zugänglich sind, Gemeinschaftsprojekte und solche zur Umweltbildung, weitere Obstwiesen sowie anderes, was diskutiert und zu diskutieren sein wird, aber wird das Kleingartengebiet dadurch ein neues Naherholungsgebiet? Ich meine nicht, denn das Gebiet wird bereits seit 100 Jahren kleingärtnerisch genutzt und dient seit langem der Naherholung.

Achtung! Videoüberwacht

Überall gibt es sie, vor dem Bahnhof, im Parkhaus und in der Straßenbahn. Auch einige Kleingartenvereine nutzen sie inzwischen. Dieser Kleingartenverein in Bremen hat sich eine moderne, elektrische Schrankenanlage geleistet, die mittels Chip, der an einen Sensor gehalten werden muss, geöffnet wird. Hat es hier ein großes Verkehrsaufkommen gegeben, dass diese kostspielige Maßnahme nötig wurde, fragt man sich. Dazu ist eine Videoanlage installiert worden, um die aktuelle Situation an der Schranke im Auge zu behalten. Was für einen Sinn macht diese Überwachungskamera? Jetzt werden alle Gartenfreunde und deren Gäste, die auf diesem Weg kommen und gehen, filmisch festgehalten. Auch jene Menschen, die den Eingang passieren, um hier in diesem Kleingartenpark spazieren zu gehen, werden beobachtet und die Bilder gespeichert. Bei dieser Infrastruktur könnte man einmal darüber nachdenken, im Kontakt mit dem Institut für Freizeitwissenschaft und Kulturarbeit e.V. der Hochschule Bremen eine vergleichende Studie über Bedeutung und Nutzungsgrad des öffentlichen Wegenetzes in Kleingartenanlagen ausgewählter Stadtteile anzufertigen. Oder ist die Videoüberwachung vom Verein vielmehr für solche Situationen gedacht, in denen sich jemand an dem neuen und sicherlich nicht ganz billigem Schlagbaum zu schaffen machen will? Soll sie vielleicht Einbrecher abschrecken? Mal ehrlich, die Gartenerfahrung einer Parzellistin sagt, dass potentielle Diebe nun den Weg durchs Gebüsch suchen werden.

[by the way: Ist die private Überwachung eigentlich zulässig? Siehe unten]

Schranke

Mit den bisher gebräuchlichen Hinweisen geht die Natur dort so um …

10km

Werden bald Ackerwinde oder Hopfen Schlagbaum und Mast umschlingen? Wird die Linse der Kamera bald Grün ansetzen?

Fotos: Kirsten Tiedemann

Nachtrag: Eine Leserin machte mich auf den Auszug aus Wikipedia-Eintrag „Videoüberwachung“ aufmerksam: Private Videoüberwachung ist seit dem 1. Januar 2010 durch den Abschnitt Videoüberwachung (9a.) des Datenschutzgesetzes (DSG) geregelt. Die Videoüberwachung ist nur zulässig, wenn diese einen zulässigen Zweck erfüllt (Schutz eines Objekts/einer Person oder rechtliche Sorgfaltspflichten), wenn außerdem die schutzwürdigen Geheimhaltungsinteressen von Dritten geringer sind als das Interesse des Betreibers (z.B. ein Angriff wahrscheinlich ist oder bereits stattgefunden hat) und wenn die Videoüberwachung tauglich, das gelindeste Mittel und verhältnismäßig ist.[1]

Ist eine Videoüberwachung nach diesen Aspekten zulässig, muss sie beim Datenverarbeitungsregister (DVR) gemeldet werden. Daneben entstehen noch andere Pflichten für den Betreiber der Anlage (z.B. Kennzeichnungspflicht, Protokollierungspflicht, Datensicherheitsmaßnahmen, Löschungspflicht nach 72 Stunden und die Pflicht zur Auskunft gegenüber Betroffenen).[1] Fußnoten siehe Wikipediaeintrag

Grüner Balkonbaldachin

Baldachin aus Laub

Dieser Baldachin aus Laub auf dem Balkon im zweiten Stock einer Mietwohnanlage spendet angenehmen Schatten, bietet Vögeln Lebensraum und gibt eine schöne Atmosphäre. Erstaunlich ist hier, dass die Rankpflanze im Boden wurzelt und bis zum Balkon in das zweite Obergeschoss geführt wird. Das hat den Vorteil, dass die Pflanze sich tief verwurzeln kann, Wasser aus dem Boden aufnimmt und auf dem Balkon mehr Freifläche zur Nutzung bleibt, da Platz für einen Pflanzkübel entfällt. Echter Wein und Pfeifenwinde eignen sich für dieses Vorhaben ausgezeichnet, da sie, anders als Efeu oder wilder Wein, keine Haftwurzeln oder Haftscheiben ausbilden und das Mauerwerk schonen. Eine Wäscheleine empfiehlt sich, aufgrund ihrer langen Haltbarkeit, sehr gut als notwendige, kostengünstige Rankhilfe. Es bietet sich an, das Vorhaben mit der Hausverwaltung abzusprechen, um möglichst lange Freude an solch einem gelungenen Baldachin zu haben.

Foto: Kirsten Tiedemann

Kaninchen im Visier

Was treiben die vielen Wildkaninchen eigentlich, wenn sie allein im Garten sind? Die flauschige Plage auf dem Stadtwerder treibt wundersame Blüte und gibt manchen Parzellisten einen Anlass, sich endlich eine Wildkamera anzuschaffen. Und siehe da, die Tiere geben ihr Bestes beim heimlichen Fotoshooting im Kleingarten von A. und E.: Die Hoppelhäschen demonstrieren schiere Lebensfreude vor der Kamera, die mittels Bewegungsmelder ausgelöst wird, und jagen im Kreis hintereinander her.

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Regelmäßig spuckt die Kamera Fotos mit Kaninchen aus, die direkt in die Kamera schauen. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die Hüpfer sich der Kamera bewusst sind und die Betrachter per Foto grüßen wollen. Oder ist es Schadenfreude? Verhaltensforscher raten ja dringend davon ab, menschliche Verhaltensweisen in Tiere hinein zu interpretieren. Fakt ist, dass vor der Kamera mehrfach „Männchen“ gemacht wird.

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Auch nachts sind die Tiere aktiv, was den Ungläubigen endlich dank Infrarottechnologie bewiesen werden kann.

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Ist es eigentlich immer dasselbe Kaninchen, das sich in diesem Garten tummelt?

Fotos: Wildkamera im Garten von A. und E. Herzlichen Dank!