Prescht Bauwirtschaft vor? Preis für Bebauung von Kleingärten vergeben

Aus der Pressemitteilung der Hochschule Bremen:

Garten Wohnen Arbeiten – Neue Ideen für Kleingartensiedlungen

Wie lassen sich Arbeiten, Wohnen und die Lust am Gärtnern verbinden? Wie kann man in der Stadt und doch im oder am Grünen wohnen? Diese Fragen haben sich im vergangenen Semester Studierende der Jade Hochschule Oldenburg, der Hochschule Wismar und der Hochschule Bremen (HSB) gestellt.
Zur Beantwortung lobte die Aufbaugemeinschaft Bremen e.V. zum ersten Mal den Gerhard-Iversen-Studienpreis zum Thema „Garten Wohnen Arbeiten – Neue Ideen für Kleingartensiedlungen“ aus. Am 10. Oktober 2018 finden um 11 Uhr, im festlichen Rahmen, die Preisverleihung und die Eröffnung der Ausstellung der vier prämierten Arbeiten statt.“

Die Ausstellung ist bis zum Sonntag 14. Oktober 2018 täglich von 10.00 – 18.00 Uhr in der AB Galerie der Hochschule Bremen, Neustadtswall 30 zu sehen.

[Nachtrag 19.30 Uhr – Ich kann euch leider keine Eindrücke der Siegerentwürfe geben, denn die Ausstellung war heute, Freitag 12.10., um 14.30 Uhr bereits komplett abgebaut.]

In der Ausschreibung des neuen Architektur-Preises wird der Mega-Trend zum Urban-Gardening aufgegriffen, gekoppelt mit der in vielen Mündern geführten work-life-Balance für die Schaffung von Wohnraum im urbanen Umfeld. Es ist sicherlich eine reizvolle Aufgabe für Studierende und Architekten. Nun liegen Ergebnisse vor. Sie sind für die Schublade, oder?

Ausgeschrieben wurde der Preis von der Aufbaugemeinschaft Bremen, deren erster Vorsitzender der ehemalige Geschäftsführer der Handelkammer Bremen und deren zweiter Vorsitzende der aktuelle Geschäftsführer des Immobilienunternehmens Justus Grosse Bremen ist. Man darf also mit Recht annehmen, dass wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen.

Die Jury bestand aus Clemens Bonnen (Prof. School of Architecture Bremen), Ebba Lamprecht (Architektin), Martin Pamus (Architekt, Aufbaugemeinschaft Bremen), Oliver Wächter (Zeitschrift Gartenfreunde des Bundesverbands der Gartenfreunde mit Sitz in Bremen/ Mitglied im Landesvorstand Bremer Gartenfreunde e.V.).

Im buten un binnen-Interview gibt sich der designierte (!) zweite Vorsitzende des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. Wolfang Golasowski hemdsärmelig aufgeschlossen. Bebauung „nicht wünschenswert, aber vorstellbar“. Er hat aber auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass Ersatzflächen für die dabei verloren gehenden Kleingärten bereits gestellt werden müssen, denn das wird laut Bundeskleingartengesetz nötig.

Zum Ort. Als (vermeintlich) fiktiver Ort dieser Bebauung wird das an Walle grenzende und seit Jahren umstrittene Kleingartengebiet ausgewählt, in dem aktuell das Naherholungspark Grüner Bremer Westen realisiert wird. Dieses geförderte Pilotprojekt des Bundes Green Urban Labs  hat die Erprobung neuer Wege zum Stadtgrün zum Ziel. Das bremische Konzept entwickelte Projektleiter Thomas Knode eim Senator für Umwelt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, die in dem Gebiet aktiv sind: Kleingartenvereine, Vertreter des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen und der Interessengemeinschaft der Parzellenbewohner sowie des örtlichen Beirats und andere wirkten an der Konzeption mit. Inmitten des bereits existierenden Kleingartenerholungsgebiets mit seinen 10 Vereinen werden Rad- und Wanderwege geschaffen und ausgewiesen. Streuobst- und Naschwiesen werden zur Nutzung für alle angelegt. Einzelne Abschnitte werden zu Ausgleichsflächen für anderweitige aufgrund von Bauarbeiten versiegelte Böden. So können die Mittel dafür innerhalb Bremens verwendet werden – statt sie ins niedersächsische Umland fließen zu lassen.

Wem gehören die Parzellen in Walle? Die Besitzverhältnisse der Ländereien im „Grünen Bremer Westen“, die im Bebauungsplan ausdrücklich als Kleingartengebiet ausgewiesen und damit zurzeit nicht zur Bebauung zur Verfügung stehen, stellen eine Besonderheit dar. Ein sicherlich großer Teil befindet sich in städtischer Hand. Dazwischen gibt es Flächen, die der Bremischen Evangelischen Kirche gehören, ganze Wege sind in privater Hand (sog. „Bauernland“, im Besitz einzelner Personen oder von Erbengemeinschaften) und dann gibt es die Vielzahl von Gärten in Privatbesitz. Die städtische Intitiative, diese private Gärten (für 3 Euro/qm) aufkaufen zu wollen, ist nur mäßig erfolgreich. Nach wie vor gibt es eine bunte Mischung an Besitzverhältnissen.

Was heißt das? Will man hier bauen, wird man sich mit diesen Eigentumsverhältnissen beschäftigen müssen. Wird man auch zur Enteignung greifen, wenn Besitzer ihr Grundeigentum nicht verkaufen wollen?

Es gibt über fünfhundert berechtigte Bewohner von „Kaisenhäusern“ in diese Kleingartengebiet mit einem lebenslangem Wohnrecht, das sie berechtigt ihren Lebensabend dort zu verbringen. Der jünste dürfte um 50 Jahre als sein. Eine historisch bedingte Besonderheit.

Es gibt eine Vielzahl intakter gärtnerisch intensiv genutzter Bereiche und Gärten in dem Gebiet. Brach liegende Gärten sind eingestreut zwischen funktionierendes Parzellenleben und nicht als geschlossene, zusammenhängende Fläche greifbar. Leider lässt Immobilien Bremen viele von ihr aufgekaufte Parzellen brach liegen, was sehr zum Nachteil des gesamten Kleingartengebiets ist. Die Stadtgemeinde trägt selbst zur Verschlechterung des Eindrucks vom Gebiet bei. (Vgl. buten un binnen, Stunk im Kleingartengebiet, 2.10.2018)

Fragen. Warum muss kleingärtnerische Grünfläche für so ein durchaus prima Projekt genutzt werden? Ist es ökonomisch sinnvoll, das in Bremen so rare Potential für Ausgleichsflächen zu verbrauchen? Ist es ökologisch vernünftig und nachhaltig, offenen, unversiegelten Boden angesichts von Klimawandel und Starkregen zu bebauen? Gibt es keine Stadtteile, die eine grüne Arbeits-Wohnarchitektur brauchen? Ist es gesellschaftlich vertretbar, Menschen, die vielfach dabei halfen Bremen mit aufzubauen, aus ihren Eigenheimen in Kaisenhäusern zu vertreiben und für den Bau von Eigenheimbau zu enteignen? Ist es vertretbar Mitbürger, die  „nur“ Kleingärtner und Parzellengrunstücksbesitzer sind, zu enteignen? Wie will man diesen Menschen gerecht werden?

Alternativen vorhanden. Es gibt eine Fülle ungenutzter Leerstände und Baulücken im Bremer Stadtgebiet. Es gibt andere bereits versiegelte Flächen, die bequem bebaut werden können: Die Gelände von Kellogg’s/Überseestadt, Brinkmann/Woltmershausen, Könecke und Coca-Cola/ beide Hemelingen. Die Überseestadt hat insgssamt noch freie Bauflächen. All diese Stadtteile können Wohn-Arbeits-Umfelder mit Gärten vertragen und sind bereits mit Infra-Struktur erschlossen. An all diesen Orten würde man keine Kleingärtner, Tiere und rechtmäßigen Bewohner vertreiben müssen. Es müssten keine Bäume gefällt werden müssen. Auch bliebe die grüne Lunge Walles, die Klimaanlage der Stadt erhalten.

Wie kann ein wirklich überzeugendesn, innovatives Garten-Wohn-Konzept aussehen, über das sich zumindest nachdenken ließe? Voraussetzung wäre, dass ein Konzept für die kreative Wohn-Nutzung sich auf einen sehr kleinen Teil des gesamten Gartengebiets bezieht. Der Gedanke von Erbpachtgrundstücke, der bei Gartenheimgebieten in Bremen bereits einmal genutzt wurde, wäre interessant. Die Wolfskuhle/Obervieland ist als Modell aus einem Kleingartengebiet hervorgegangen. Ein innovatives Konzept bietet Kaisenhausbewohnern aus ganz Bremen und Parzellisten des gesamten Waller Kleingartengebiets ein Vorkaufsrecht für Grundstücke und Häuser, die dort ggf. auch bereits errichtet sein könnten. Zu berücksichtigen ist, dass die Kaisenhausbewohner nicht überwiegend jung sind. (Eine Bebauung am Hagenweg scheiterte 2002 daran, dass die Kaisenhausbewohner in einem Alter waren, in dem man eher kein Haus mehr baut. Außerdem war und ist die Lage neben der Bahn nicht attraktiv). Man würde ihnen Vorzugspreise angebieten. Eine angemessene Entschädigung/Ablöse für Eigenlandparzellen und für Pachtparzellen (für Laube/Bauten/pflanzliches Inventar) müsste selbstverständlicher Bestandteil solch eines Konzepts sein. Dieses Bau- und Wohnkonzept wird nicht nur gärtnerische Aspekt berücksichtigen, sondern darüber hinaus innovativ sein hinsichtlich gemeinschaftlicher Flächen. Die Alterstruktur wird Berücksichtigung finden. Es wird eine ökologisch-nachhaltige Bau- und Nutzungsart (Regenwasser-/Solarenergienutzung) beinhalten. Denkbar ist beispielsweise auch ein generationsübergreifendes, genossenschaftliches Wohnprojekt. Ein Anteil von Wohnungen werden als Seniorenwohnungen für Kaisenhausbewohner bereit gehalten.

Mit dem Konzept der „Gartenheimgebiete“ in Bremen und deren Realsisierung in den 1960er Jahren befasse ich mich in einem eigenen Kapitel in dem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Kaisenhäuser in Bremen“. Das Buch ist erhältlich im Bremer Zentrum für Baukultur und beim Weser-Kurier/Martinistraße.

Presse:

Studierende entwickeln Ideen für Wohnraum in Kleingärten, Weser-Kurier 10.10.2018

Wohnen im Kleingartengebiet: Studentin präsentiert Ideen, buten un binnen 10.10.2018

Pressemitteilung der Hochschule Bremen zur Verleihung des Gerhard-Iversen-Preises am 10.10.2018 hier klicken.

*mit Ergänzug am 16.10.2018

Neuer Pachtvertrag für Kleingärten 2018 – ist nicht nachhaltig

Es gibt einen neuen Pachtvertrag, der in Bremen seit diesem Jahr Verwendung finden wird und ich habe ein wenig darin gelesen. Es ist nicht nur die juristische Ausdrucksweise, in der der gesamte Vertrag gehalten ist, der unangenehm auffällt, es ist der Inhalt, der mich fast gruseln lässt. Er ist nicht nachhaltig und aus meiner Sicht unfair. Es sprüht vor Misstrauen gegenüber dem potentiellen Pächter und dem Vertragspartner (Pächter) wird scheinbar Angst gemacht. Es bedarf sicherlich eines zusätzlichen barrierefreien Papiers, um die Tragweite zu erfassen. (Findet sich jemand, der den Pachtvertrag in „leichte Sprache“ übersetzen möchte?) Weiter unten findet ihr einen Link zum Vertragsformular auf der Homepage des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V.

Sehr krass ist in meinen Augen folgende zueinander in Bezug stehende Punkte: Ein Pächter übernimmt den Garten wie besehen, das war bisher auch schon so:

§ 2

„Der Kleingarten wird in dem Zustand verpachtet, in dem er sich zum Zeitpunkt der Übernahme durch den
Pächter befindet.“

 

Will der Pächter, nachdem er den Pachtvertrag gekündigt hat, den Garten zurückgeben, dann muss der Garten „geräumt“ zurückgeben werden, d.h. Anpflanzungen (!), Baulichkeiten (!) und bewegliche Sachen sind aus dem Garten fortzubringen.

§ 8

Nach Beendigung des Pachtverhätnisses hat der Pächter den Pachtegegenstadn geräumt von Baulichkeiten, sonstigen Anlagen, Anpflanzungen und beweglichen Sachen an den Verwalter herauszugeben.“

Widerspricht das nicht dem Kleingartengedanken? Man pflanzt etwas an und soll es bei Abgabe entfernen? Obstbäume brauchen lange bis sie soweit gewachsen sind, dass sie reiche Ernte tragen. Mein Gedanke beim Setzen von Zwetschge, Kirsche und Ontariopflaume in meinem Pachtgarten war, dass auch der nachfolgende Pächter und am besten noch die darauffolgenden Nutzerinnen Freude an den Obstbäumen haben werden. Die neue Regelung motiviert mich keineswegs, in meinem Garten etwas Bleibendes zu schaffen, gar in Bäume und Sträucher Geld und Zeit zu investieren.

In § 8 Absatz II (neuer Vertrag) wird die seit vielen Jahren übliche und gut funktionierende Regel bei einem Pächterwechsel zur Ausnahme erklärt:

„Abweichend zu Absatz I kann der Verpächter und/oder Verwalter dem Pächter ausnahmsweise gestatten, die auf dem Pachtgegenstand befindlichen Sachen. oder vom Verpächter und/oder Verwalter bestimmte einzelne davon, auf seinen Nachfolgepächter zu übereignen.“

 

Es ist bisher so gewesen, dass man den Garten mit den „beweglichen“ Dingen weitergeben kann, an einen Nachfolgepächter. Dieser bisher übliche Umgang scheint mir angemessen, vernünftig und fair. Auch war er ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Auch in dem bisher üblichen Pachtvertrag befindet sich nämlich ein Schutz für den Verpächter – für den Fall, dass ein Garten bei Rückgabe völlig aus den Fugen geraten sein sollte. Ganz konkret heißt es in den von mir unterzeichneten Pachtvertrag, der bisher von den Kleingärtnervereinen, die Mitglied im Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. sind, genutzt wurde, in § 10 zum Pächterwechsel  geregelt:

„Im Falle der Kündigung durch den Pächter fällt der Garten an den Verpächter zurück und wird von diesem neu verpachtet. Für die Auseinandersetung gelten folgende Bestimmungen: Bei Beendigung des Pachtverhältnisses muss der Garten in dem Zusatdn zurück gegeben werden, der sich aus der fortlaufenden ordnungsgemäßen Bewritschaftung ergibt. Verfallene oder unbrauchbare, das Landschaftsbild verunzierende sowie nicht den gesetzlichen Vorschriften ganz oder in Teilen entsprechende Baulichkeiten sind von dem ausscheidenden Pächter auf seine Kosten zu beseitigen. Überzählige oder kranke Bäume und Sträucher sind auf Verlangen des Verpächters zu entfernen.“ (§ 10 alter Pachtvertrag)

Dann geht es um den Übertrag von Gegenständen und Einrichtungen des Gartens, die fachgerecht geschätzt und an den nachfolgenden Pächter übertragen werden.

Und schließlich folgt darin ein Schutz für den Verpächter:

„Diese Bestimmungen gelten entsprechend bei Beendigung des Vertragsverhältnisses durch Verschulden des Pächters. Der Verpächter ist berechtigt, den Garten auf Kosten des Pächters ordnungsgemäß instand zu setzen und die hierfür entstehenden Kosten von dem Erlös des Gartens einzubehalten.“ (§ 10 alter Pachtsvertrag)

Der Verpächter hat ein Interesse an einer pfleglichen Behandlung und Umgang mit dem Garten, beides kann er so auch nachträglich einfordern. Das war doch eine vernünftige Regelung.

Mit dem neuen Pachtvertrag 2018 mag man niemandem mehr die Pachtung eines Gartens empfehlen.

Macht euch selbst ein Bild, vergleicht euren Pachtvertrag mit dem neuen Formular. Den Vordruck des Pachtvertrags und Schulungsunterlagen dazu finden sich auf der Homepage des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V.

In deren Rubrik „Service“ gibt es auf der Homepage die Kategorie „Formulare“, wo sich ganz weit unten eine Nutzungsvereinbarung und auch ein Vordruck eines Pachtvertrags finden lassen. Aussagekräftige Schulungsunterlagen dazu klickst du hier.

– aktualisierter Beitrag –

Diskussion über „Zukunft der Bremer Kleingarten- und Wochenendhausgebiete“ [TIPP]

Es steht eine empfehlenswerte Veranstaltung an: Die Zukunft der Kleingärten Bremens und auch die Zukunft der Wochenendhausgebiete interessiert viele Bremerinnen und Bremer. Neue Nutzungsmöglichkeiten?! Leerstand? Was ist mit den letzten Kaisenhäusern? Aktivierung Interessierter! Dies und viel mehr könnt ihr am Donnerstag, 20.09.2018, um 20.00 Uhr mit Maike Schaefer, der frisch gekürten Spitzenkandidatin der Grünen, im Klimacafe, Münchner Straße 146 in Findorff diskutieren.

„Zukunft der Bremer Kleingarten- und Wochenendgebiete“ – Diskussionsveranstaltung mit Dr. Maike Schaefer designierte grüne Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl 2019

 Die Zukunft vieler Kleingärten und der „Kaisenhäuser“ in Bremen ist unklar. Leerstand, Nutzungsaufgabe und Vermüllung sind einige der Probleme, vor denen viele Kleingärtner stehen. Vielseitige Nutzungsformen sind gefragt, um wieder mehr Menschen in die Kleingärten zu locken. Doch die Kleingartenflächen wecken auch Begehrlichkeiten für eine Bebauung. Wie gelingt es, Kleingärten wieder attraktiver zu machen? Welche Probleme gibt es aktuell? Was ist zu tun?

Darüber diskutieren wir mit Dr. Maike Schaefer, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen in Bremen und Sprecherin für Umweltpolitik.

Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, den 20. September um 20 Uhr im Klimacafe, Bremen-Findorff, Münchener Str. 146.

Eine Veranstaltung von Bündnis 90/ Die Grünen

[Pressemitteilung]

 

Trennung – Landesverband der Gartenfreunde Bremen entlässt Geschäftsführerin

Der Weser-Kurier meldet den „Paukenschlag bei Gartenfreunden„:

Wie jetzt bekannt wurde, hat sich der Landesverband am Montag mit sofortiger Wirkung von seiner hauptamtlichen Geschäftsführerin Birgit Drechsler getrennt. Sie sei überrascht und wisse nicht, warum es dazu gekommen wäre, meldet der WK. Alle Parteien schweigen dazu – wegen des laufenden Verfahrens. Ein juristisches Nachspiel sei möglich.

Frank Hethey im Weser-Kurier online am 17.8.2018

 

So richtig grün sind sich die Gartenfreunde nicht mehr: Der Vorstand habe Drechsler am Montag von ihren Aufgaben freigestellt, bestätigte Landeschef August Judel. Zu den Gründen wollten sich Judel wie auch Drechsler mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. So viel sagte Drechsler aber doch: Die Kündigung sei für sie „überraschend“ gekommen.      

Einen Zusammenhang zwischen dem Aus für Drechsler und den Querelen um die neue Gartenordnung bestreitet Judel. Die Delegiertenversammlung hatte den Entwurf im April mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Laut Judel ein „ganz normales Verfahren“, das der Vorstand zu akzeptieren habe. Die Kündigung habe auch nichts zu tun mit seiner eigenen Ankündigung, bei den anstehenden Vorstandswahlen im März nicht wieder zu kandidieren.

Birgit Drechsler hatte ihre Arbeit im Juli 2013 aufgenommen…“ Hier weiter lesen.

 

„In den Wischen“ – Radtour im Kleingartenpark in Gröpelingen

Erfrischende Grüße von einer empfehlenswerten Radtour entlang des Rad-/Wanderwegs am Maschinenfleet im Kleingartenpark „In den Wischen“. Ein weiter Blick ins Blockland eröffnet sich, Vögel zwitschern, zum Feierabend sind viele Leute in ihren Gärten und vergnügen sich. Mehrere Kleingartenvereine aus Gröpelingen und Walle begründen diesen lebendigen Kleingartenpark. Es sind die Vereine Blüh`auf und Mittelwischweg gemeinsam mit den Vereinen Morgenland und Waller Marsch. Sie bilden eine starke Gemeinschaft und ziehen an einem Strang.                                                                                                                          Ich biege ins „Vogelschutzgehölz“ ein. Es ist ein zauberhafter Weg der seinem Namen alle Ehre macht. Unter vielen hohen Bäumen führt er mich ins abwechslungsreiche Kleingartengebiet hinein. Meine Fahrt geht vorbei an vielen belebten Parzellen und Wasserläufen zum Waller Feldmarksee, wo ein erfrischendes Bad lockt. So lässt sich das Sommerwetter prima genießen.

Blick vom Radweg über den Maschinenfleet ins Blockland.

Dieser Graben verdient es Filmkulisse zu werden.

Eine idyllisch gelegene Laube mit üppig blühenden Rosenbögen im Kleingärtnerverein ‚Blüh`auf‘.

 

Diese kreative Gestaltung eines gemauerten Pfortenpfeilers mit einem Mosaik aus Fliesen, Muscheln und zerbrochenen Porzellantassen fiel mir auf.

 

 

Ein Detail aus alten Zeiten ragt in die Gegenwart. Die Mauerleute hatten vermutlich ihren Spaß.

 

Fotos: Kirsten Tiedemann

 

Senat nun offen für Umwidmung in Wochenendhausgebiete

In der Haltung des Senats hat es hinsichtlich der Umwidmung einzelner ausgewählter Kleingartengebiete in Wochenendhausgebiete einen Wandel gegeben. Man stehe dem nun positiv gegenüber, heißt es heute in der online-Ausgabe des Weser-Kuriers. Mehr dazu erfahrt ihr im Artikel des Weser-Kuriers:

„Senat lenkt im Streit um Wochenendhausgebiete ein

 

Ausgewählte Kleingartengebiete im Bremer Stadtgebiet sollen nun doch in Wochenendhausgebiete umgewandelt werden können. Dafür wird sich der Senat voraussichtlich an diesem Dienstag aussprechen und damit einen bemerkenswerten Sinneswandel vollziehen.“

Radio Bremen / buten und binnen berichtet in einer Nachricht „Dürfen Bremer jetzt doch in Gartenlaube übernachten?“ gestern hier, dass diese Umwandlung nicht in allen Kleingartenvereinen, die dies wünschen, stattfinden wird, beispielsweise nicht in Woltmershausen im Kleingartenverein „Auf den Ruten“, da es sich dort um Überschwemmungsgebiet handele.

[aktualisiert]

Mehr als Richtungsstreit um Wochenendhaus- und Kleingartengebiete

Der Weser-Kurier schreibt heute über einen Richtungsstreit bei den Bremer Grünen. Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen, mit der Fraktionsvorsitzenden Dr. Maike Schaefer, unterstützt den Wunsch einiger Kleingartenvereine, ihr Gelände in ein Wochenendhausgebiet umzuwandeln. Der Bausenator hält diese Bestrebungen laut Artikel für falsch – ebenso wie der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. (hier klicken zum Artikel)

Die Darstellung scheint mir verkürzt. Daher ergänze ich hier ein paar Informationen nach meinem aktuellen Kenntnisstand: Es gibt in Bremen Kleingartenvereine, die sich seit Jahren aktiv für die Umwidmung ihres Gebiets in eine Wochenendhausgebiet einsetzen. Die Parzellen jener Vereine befinden sich weit überwiegend in Privatbesitz, es handelt sich kaum um städtischen Grund und Boden. Die Vereine „Min Land“ / Walle, „Auf den Ruten“ / Woltmershausen. Kleingärtner- und Kleinsiedlergemeinschaft „Waller Feldmark“ / Walle  und die Gärtner vom „Heinrich-Klenke-Weg“ / Findorff wollen diesen Weg beschreiten. Die genannten Vereine sehen in der Umwidmung ihres Vereinsgeländes in ein Wochenendhausgebiet Vorteile, die in der möglichen Nutzung liegen (z.B. keine landwirtschaftlichen Nutzung nötig). Die Umwidmung des Kleingärtnervereins „Min Land“ und des Kleingärtner- und Kleinsiedlervereins „Waller Feldmark“ in ein Wochenendhausgebiet passt meines Erachtens auch in das Konzept des Naherholungsgebiet Bremer Grüner Westen. Vielleicht denkt der Bausenator noch einem über diese Variante nach.

Wie ich aus vertraulicher Quelle hörte, verstehe sich der Landesverband der Gartenfreunde Bremen (LV) eigentlich nicht als Vertreter von Vereinen mit Eigenland-Parzellen. Dieser Umstand hatte bereits zur Konsequenz, dass ein Kleingärtnerverein den Austritt aus dem LV beschlossen hat. Es ist der Kleingärtnerverein „Auf den Ruten“, der sich auf eigenen Wunsch und mit weit mehr als der erforderlichen 75-prozentigen Stimmenmehrheit nämlich 100 Prozent, seiner Vereinsmitglieder die Kündigung der Mitgliedschaft im Landesverband der Gartenfreunde Bremen entschieden hat. Bei der entscheidenden Vereinssitzung waren Geschäftsführung und ein Vorsitzender des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. anwesend. Sie befürworteten den Austritt.

Angesichts dieser Haltung erscheint es mir kurios, dass die Geschäftsführung des LV sich gegen die Umwidmung dieser Kleingartenverein in Wochenendhausgebiete ausspricht. Warum redet man in die Wünsche von Kleingärtnern hinein, die man faktisch bald nicht mehr vertreten wird – wie dem Kleingärtnerverein „Auf den Ruten“? Warum redet man in Wünsche von Kleingärtnern hinein, die man nicht vertreten will? Als Grund für die Ablehnung wird angegeben, dass die Pacht erhöht werden würde! Wissen die zuständigen Leute nicht, dass bei Eigenland keine Pachtzahlungen geleistet werden müssen? Eigenland bedeutet Grundbesitz, d.h. Privateigentum, da zahlt der Landbesitzer Grundsteuer.

Die Spitze des Bremer Landesverbands hat bereits mehrmals offiziell erklärt, Teile der Kleingärten wolle man zur Wohnbebauung abgegeben, weil sie nicht verpachtet werden könnten. Dieselben Funktionäre wollen andererseits verhindern, dass ausgewählte Flächen von zusammenhängenden Eigenlandparzellen nicht in ein Wochenendhausgebiet umgewidmet werden, obwohl man deren Besitzer nicht vertreten will? Wieso diese widersprüchliche Politik?

Im offiziellen Mitteilungsblatt der Gartenfreunde erklärte der Kleingärtnerverein Union (Walle) kürzlich ausführlich, dass und warum sie einen Teil ihrer Gärten als Bauland abgeben wolle. Zu lesen in der Juli-Ausgabe. Was verspricht man sich davon?

Es erscheint mir sozial, ökologisch und stadtklimatisch sinnvoller, ein paar Gärten in einzelne Wochenendhausgebiete umzuwidmen und anhand dieser Modellprojekte Erfahrungen damit zu sammeln. Dann bleiben diese Parzellen wenigstens Freizeitbereiche mit Gärten, die Bremen braucht.

Und bei der Gelegenheit: Abgeordnete von SPD und CDU äußerten mehrfach Wünsche, Kleingärten in Bauland zur dauerhaften Wohnbebauung umzuwidmen. Dem stimmt der LV Gartenfreunde zu (s.o. und in früheren Beiträge hier auf dem Blog, im Weser-Kurier und in anderen Medien). Es entspricht den Aussagen des Landesverband der Gartenfreunde Bremens, dass er kürzlich die Selbstauflösung des Kleingärtnerverein Langeoog am Bremer Flughafen unterstützt hat. Es handelt sich um 65 Kleingärten, die die Stadt nun Dornier für den Flugzeugbau anbieten kann – mit Auflagen für Dachbegrünung der Fertigungshallen und Anpflanzung heimischer Gehölze daneben.

Es ist was los in Bremens großer Kleingartenwelt – und das ist weit mehr als ein Richtungsstreit innerhalb der Grünen.

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„Grün gegen Grün“, Beitrag zur Debatte um Kleingärten im Weser-Kurier am 7.7.2018 hier klicken.

„Streit um Wochenendhäuser

Grün gegen Grün in Kleingarten-Debatte

Jürgen Theiner 07.07.20181 Kommentar