„Gartenordnung wird überarbeitet“ – Beitrag im Weser-Kurier und Kommentare dazu

Neue Gartenordnung wird überarbeitet„, ist ein Bericht von Silke Hellwig im Weser-Kurier von der Hauptversammlung des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V., die am 14.4.2018 stattfand. Nachdem die Presse durchaus einmal von der Teilnahme ausgeschlossen wurde, durfte die Vertreterin dieses Mal dabei sein.

Der Landesvorsitzende bemängelt in Presse und TV (buten und binnen), dass es ein Mangel an ehrenamtlichen Engagement und Nachfrage gäbe und er niemals gesagt habe, dass man in bestimmten Kleingartengebieten bauen solle. Vielleicht sollte er mal einen Blick in alte Ausgaben der Kleingartenzeitung „Gartenfreund“ und des Weser-Kuriers werfen!?!

Zu dem Artikel, der heute im Kurier am Sonntag zu finden ist, gibt es online einige Kommentare. Eine wunderbare Geschichte erzählt Linde 79 dort und kommt zu folgendem, sehr treffenden Schluss: „M.E. sollte der Verband Werbung für den Erwerb eines Kleingartens“

„Meine Frau und ich haben uns im Kleingartengebiet „Hastedter Bulten“ vor 60 Jahren kennengelernt. Unsere Eltern hatten dort jeder eine Parzelle. Wir sagten: Wir gehen zum Lande. Wir haben unsere gesamte Kindheit dort an der Weser verbracht. Später auch unsere Urlaube. Weil es Reisen noch nicht gab und wir auch dafür kein Geld gehabt hätten. Zum Baden an die Weser waren ja nur ein paar Schritte. Ich habe viel gefischt und Aale, Rotaugen und Alander zusammen mit Freunden in der Landbude auf einem kleinen Herd gebraten. Natürlich selbst abgeschuppt und ausgenommen. Dazu wurden ein paar Kartoffeln im Garten ausgegraben, unter der Pumpe gewaschen, abgeschrubbt und mit der Schale gebraten. Ein Freund von mir spielte Harmonika. Wir haben viel gesungen. Schlager und Volkslieder mit deutschen Texten. Natürlich war auch mal ein Mädchen dabei. Es ging aber Immer keusch zu. Alle Mädchen waren von ihren Müttern so eingestellt, daß die Jungs immer dasselbe wollen und mach‘ das ja nicht, wenn Du ein Kind kriegst ist es mit der Schule oder Lehre vorbei. Dann gehst Du als Fabrikmädchen arbeiten und Geld verdienen. Ich kann dein Keind nicht großziehen und Platz in der Wohnung haben wir auch nicht. Uns Jungs schmerzten die Leisten aber da kamen wir nicht ran. Das Landheim war nebenan und wenn wir mal Geld hatten, dann kauften wir uns dort eine Flasche Bier. Manchmal fanden dort auch ein Sommerfest statt. Weil wir lange durchielten schliefen wir in einem Doppelstockfeldbett in der Landbude. Morgens waschen unter der Pumpe. Weil wir hunger hatten und kein Frühstück,  gingen wir durch den Garten und suchten Eßbares. Vielleicht war eine Wurzel schon dick genug zum Essen oder ein Kohlrabi, vielleicht taten es auch Radieschen. Viel war es ja nicht. Aber dann schwangen wir uns auf unsere Räder und ab ging es dann über die Wehrbrücke nach Hause in Hastedt.
Es ist jammerschade, daß es so viel Querelen in und über die Gartenvereine gibt. M.E. sollte der Verband Werbung machen für den Erwerb eines Kleingartens. Die jungen Leute wissen doch garnicht welche Freude ein Kleingarten macht. Und die Kinder lenen mal wieder einen Regenwurm kennen. Überhaupt ist ein Garten für das Aufwachsen der Kinder nicht hoch genug einzuschätzen. Also, jede Woche eine Anzeige im WK und der WK gewährt einen Preisnachlaß.“

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Neue Gartenordnung? Live-Ticker zur Delegiertenversammlung! Danke an den KGV Beim Kuhhirten

geschrieben am 14.4.2018

Liebe Gartenfreunde,

vor einigen Wochen haben wir Euch über den aktuellen Diskussionsstand zum Entwurf einer neuen Gartenordnung informiert.

Am heutigen Sonnabend, 14. April 2018, diskutiert nun die Delegiertenversammlung den Entwurf und stimmt darüber ab. Wir rechnen damit, dass gegen 19 Uhr das Ergebnis feststeht und informieren dann entsprechend.

Kurz entschlossen führen wir einen kleinen Liveblog übers Geschehen.

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Aktueller Stand (17:52 Uhr): Upps. Der Vorsitzende des KGV Beim Kuhhirten ist plötzlich verantwortlich für weitere Abstimmung zur neuen Gartenordnung.

Aktueller Stand (17:48 Uhr): Der erste Antrag auf Verschiebung wird aufgerufen. Die Delegierten entscheiden sich für den Antrag der IG Osterfeuerberg: „Die Beschlussfassung der neuen Gartenordnung ist abzulehnen. Die vorgeschlagene Fassung ist mit den Vorständen und Fachberatern abzustimmen.“ Abstimmungsergebnis: 114 dafür, 36 dagegen, 15 Enthaltungen.

Aktueller Stand (17:27 Uhr): Letzte Wortmeldungen zum Thema „Gartenordnung“ – immer wieder das Thema „mangelnde Transparenz bei der Entstehung“, „nicht familiengerechte Ausgestaltung“, „zu wenig ökologische Ausgestaltung“  – jetzt aber auch ein Aufruf, die neue Ordnung zu beschließen.

Aktueller Stand (17:22 Uhr): Erste Zwischenrufe zum Thema „Gartenordnung ist kinderunfreundlich“. Es wird ungemütlich 😉

Aktueller Stand (17:18 Uhr): Bemängelt wird jetzt die mangelnde Transparenz, die zu dem Entwurf der Gartenordnung geführt habe.

Aktueller Stand (17:10 Uhr): Von einem Mitglied kommt der Hinweis auf die Gartenordnung in Bremerhaven, die „sei wesentlich ökologischer“. Die neue Gartenordnung würde außerdem die Vorstände noch weiter in die Pflicht nehmen und  zu „Buhmännern“ machen.

Aktueller Stand (17:05 Uhr):  XY (Name ist der Redaktion bekannt) tritt ans Mikrophon, Leiterin der IG Neustadt, sie weist auf die lange Entstehungsgeschichte einer Gartenordnung hin – es sei besser über den Entwurf und die aktuellen Änderungsanträge zu abzustimmen.

Aktueller Stand (16:57 Uhr): XZ (Leiter IG Osterfeuerberg/ Name der Red. bekannt) tritt ans Mikrophon. Der Antrag der IG ist der erste, der zur Abstimmung kommen würde – und er sieht eine Vertagung des Themas vor. Sie bittet um eine „kluge Entscheidung“ zum Thema. Aus der Vahr kommen Hinweise zur Verständlichkeit, den zu langen Sätzen und dem Duktus, „der an Kaiserzeiten erinnern würde“.

Aktueller Stand (16:52 Uhr): Der TOP 13b ist aufgerufen – die neue Gartenordnung. August Judel weist darauf hin, dass neue, wichtige Themen in den Entwurf der Gartenordnung aufgenommen worden sind (etwa Bienenhaltung). Mit der neuen Gartenordnung könne man gut vor Ort arbeiten, sie müsse durchsetzbar sein.

…“

Zum Weiterlesen auf die Homepage klicken: Kleingärtnerverein Beim Kuhhirten e.V. 

 

Werden Trampoline in Bremer Kleingärten verboten? Heute wird über die geplante Gartenordnung abgestimmt

Liebe Interessierte,

heute ist es soweit, der Tag der Abstimmung. Heute findet die Landesdelegiertenversammlung des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. statt. Auf der Tagesordnung steht die Abstimmung über die geplante neue Gartenordnung, die die einzelnen Vereine kurzfristig erhielten. Dieser Entwurf rief bei vielen Mitgliedern und seit Mitte Februar auch in der Öffentlichkeit große Fragen auf und wird kontrovers diskutiert. Sind darin wirklich nur Notwendigkeiten zu finden? Ist es nicht vielmehr eine Verschärfung mit massiven Eingriffen des Landesvorstand in die privaten Vorstellungen von Gartenpächtern (Verbot von Trampolinen für Kinder) und in die Geschäfte der souveränen, eigenständigen, unabhängigen Kleingartenvereine? Jahrelang wurde hinter verschlossenen Türen an dem Entwurf gearbeitet und dann erhalten die Vereine den Entwurf kurzfristig vor der jährlichen Delegiertenversammlung, um ihn ohne Begründung zu den einzelnen Veränderungen zu erhalten und ohne weitere Diskussion abzusegnen. Ist das ein modernes Konzept? Geht so Demokratie? Geht man so mit den Finanziers des Landesverbands und der Geschäftsstelle um? Zur Erinnerung: Jeder Kleingartenpächter ist automatisch Mitglied im Landesverband der Gartenfreunde Bremen und zahlt jährlich entsprechende Beiträge. Und: der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. ist der Zusammenschluss der überwiegenden Anzahl der Kleingärtnervereine des Landes Bremens, der u.a. beauftragt ist die Interessen gegenüber Politik und Verwaltung zu vertreten, Bildungsaufgaben zu übernehmen und interne Organisation. Ist das die demokratische Kultur des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V.?

Viele Argumente sind in den vergangenen Wochen im Weser-Kurier in Beiträgen von Frank Hethey und Reaktionen darauf als Leserbriefe in der Papierausgaben und in im WK-online ausgetauscht worden. Sogar in Hamburg wurde auf den Konflikt aufmerksam gemacht von den SchreberRebellen e.V. In Jahreshauptversammlungen einiger Kleingartenvereine war der Entwurf Thema – unter „Verschiedenes“. Durch die Kurzfristigkeit konnte kein eigener Tagesordnungspunkt mehr eingebracht werden. Viele der öffentlich vorgetragenen Argumente sind hier auf dem Blog gesammelt.

Es ging sogar eine neue Website mit kritischen Anmerkungen zum Entwurf der geplanten Gartenordnung online: Die Kleinartenrebellen Bremen.

Liebe Delegierte! Ihr habt es heute in der Hand, wie mit euren Geldern umgegangen wird und mit eurer Eigenständigkeit in den Kleingärtnervereinen.

 

Bremen räumt auf im grünen Bremer Westen: Lasst uns gemeinsam mit anfassen!

Lasst uns gemeinsam aktiv werden und den grünen Bremer Westen, das Projekt Green Urban Labs um die Projektleiterin Lisa Hübotter und die ansässigen Vereine bei Bremen räumt auf unterstützen! Am Samstag, 14. April 2018, von 9.00 bis 13.00 Uhr tragen wir dazu bei, dass einige Wege und Plätze in dem besonderen Parzellengebiet frühlingsfit werden. Der grüne Bremer Westen kann Unterstützung sehr gut gebrauchen. In dem abwechslungsreichen Parzellengebiet, das von der Waller und Gröpelinger Bevölkerung seit über 100 Jahren intensiv genutzt wird, gibt es eine vielfältige Parzellenkultur und auch einige verwaiste Gartenflächen, die leider als Müllablageflächen mißverstanden werden.

Sei dabei und melde dich bis zum 12.4. bei mir! kirsten.tiedemann@gmx.de

Unsere Anmeldung als eine Gruppe bei „Bremen räumt auf“ übernehme ich und besorge in dem Rahmen dann Handschuhe und Müllbeutel beim Recyclinghof. Das hat den Vorteil, dass nicht jede_r einzeln zum Recyclinghof fahren muss.

Wahlweise meldet ihr euch direkt selbst an.

Unser Treffpunkt ist am Samstag, 14.4., um 9:00 Uhr vor dem Landheim Walle in der Fleetstraße 61/63.

kirsten.tiedemann@gmx.de

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Es ist eine tolle Gegend, wenn man von den Ecken mit Unrat und Müll absieht: Da wachsen knorrige Obstbäume in alten Gartenanlagen mit selbstgeschmiedeten Pforten. Dort entstehen neu angelegte Schrebergärten. Und dazwischen strecken Brombeeren ihre Tentakel in alle Richtungen und bilden eine dichte Hecke, hinter der ein Dornröschengarten aus dem Schlummer geweckt werden will. Ein hölzernes Kirchlein schmiegt sich in die Landschaft. Die Fleetkirche ist ein Überbleibsel aus der Nachkriegszeit und heute in Privatbesitz. Sie verweist auf die Wohnungsnot der Nachrkiegszeit, damals als viele Menschen kleine Wohnhäuser in einigen Gärten errichtet haben. Auch davon finden sich noch Gebäude, sogenannte Kaisenhäuser. WUPP, das Waller Umweltpädagogik Projekt, der Internationale Garten Walle, Imker und die Beschäftigungsinitiative Garten JEden – vielerlei Leben ist hier im grünen Bremer Westen. Wir wollen nahe des Wasserlaufs namens Waller Fleet aufräumen. Bei der Aktion lernen wir einen Ausschnitt der abwechslungsreichen Gegend kennen und arbeiten mit netten Menschen zusammen.

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Infos zum Prinzip von Bremen räumt auf“:

„Einmal im Jahr wird gemeinschaftlich unsere Stadt aufgeräumt! Egal, ob allein, zu zweit oder mit dem ganzen Verein – alle Bremerinnen und Bremer sind vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr eingeladen, den großen Frühjahrsputz tatkräftig zu unterstützen.

Als Dankeschön für das Engagement werden nach Aktionsende viele attraktive Sachpreise unter allen registrierten TeilnehmerInnen verlost. Die Gewinner werden per Post benachrichtigt.

Übrigens: Alle fleißigen Sammler können die öffentlichen Verkehrsmittel der BSAG zum Aktionstag kostenlos nutzen. Die Fahrkarte erhalten Sie zusammen mit dem Sammelequipment. Gültig ist sie je für eine Person an den folgenden Tagen:

  • Samstag, 14. April 2018 – Tag der Erwachsenen
  • Samstag, 26. Mai 2018 – „Bremen räumt auf.“ sagt Danke
Wann und wo wird aufgeräumt?

Am Samstag, den 14.04.2018, zwischen 9 bis 13 Uhr.
Das Sammelgebiet kann jeder selbst bestimmen. Ob Grünanlage, Sportplatz oder Hauptverkehrsader – Hauptsache, wir putzen Bremen heraus! Bitte bringen Sie die vollen Müllsäcke anschließend zu unseren Müllabgabeplätzen, damit die Müllabfuhr den Abfall ordnungsgemäß entsorgen kann.

Für die Teilnahme ist eine Anmeldung vor Aktionsbeginn erforderlich.

Das benötigte Equipment kann an 16 Recycling-Stationen abgeholt werden. Schulen und Kitas werden auf Wunsch mit dem Aufräummaterial kostenlos beliefert.

http://www.bremen-raeumt-auf.de“

Gerettet! Einmalige Fleetkirche in Waller Parzellengebiet hat neuen Besitzer

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„Jetzt ist ein Schriftsteller in der Fleetkirche“, das hörte ich jüngst beiläufig auf dem Planungstreffen für das Frühsommerfest im grünen Bremer Westen und war ganz aus dem Häuschen. „Klasse!“, rufe ich aus, hatte ich doch 2016 durch eine Nachricht von einem Kaisenhaus-Bewohner aus der Nachbarschaft der Kirche erfahren, dass der damalige Pächter, die serbisch-orthodoxe Gemeinde für Weser und Ems in Bremen e.V., das Gebäude verlassen hatte und Strom- und Wasserleitung bereits endgültig abgekniffen worden waren. Renoviert worden war dort schon lange nichts mehr, wie ich durch meine Spaziergänge und Führungen im Gebiet wußte. Alles deutete darauf hin, dass die einmalige charmante Notkirche aus Holz vom Bremer Architekt Hermann Gildemeister, die 1958 mitten im Parzellengebiet für die Bewohner von Kaisenhäusern in den Kleingärten errichtet worden war, jetzt abgerissen werden sollte. Das wollte ich nicht glauben. Sollte es denn wirklich keine andere Möglichkeit geben? Das Gebäude schien Renovierung zu benötigen, man wird investieren müssen, aber es war doch keineswegs ruinös! Durch einen Beitrag hier auf dem Blog (hier lesen) kam Bewegung in die Sache, der Weser-Kurier griff das Thema auf, die Bremische Evangelische Kirche (BEK) nahm Konzepte entgegen und erklärte, das Gebäude verkaufen zu wollen.

Nun hörte ich zufällig vom Krimi-Autoren René Paul Niemann, dessen Konzept die BEK überzeugt und der den Zuschlag erhalten hatte. Bei Recherchen war Niemann auf meinen Blog gestoßen und hatte von dem drohenden Abriss und der Ausschreibung erfahren. Bereits Anfang 2017 hat er das Gebäude im Herzen des größten Bremer Kleingartengebiets übernommen. Der Findorffer plant eine „Kulturkirche und Atelier am Fleet“ und erzählt von seinen gärtnerischen Aktivitäten als ich ihn besuche. Durch den Sturm seien Äste aus Bäumen gebrochen, die beseitigt werden müssen. Im seinem ersten Jahr mit der Kirche habe er neben notwendigen Anträgen und Gesprächen, erst einmal die vernachlässigten Abzugsgräben gangbar gemacht, um den Boden zu entwässern. Besonders wichtig sei das für die Sicherung des hölzernen Fundaments des Gebäudes, erkärt der Autor, der auch mit grünem Daumen und handwerklichem Geschick ausgestattet ist.

Herzlichen Glückwunsch und viel Freude mit der Fleetkirche!

In seinem jüngst erschienenen Büchlein widmet sich René Paul Niemann übrigens Geschichten aus dem Bremer Westen. Es ist kürzlich in der Edition Temmen erschienen.

Anne Gerling: Krimiautor rettet ehemalige Fleetkirche. Mit Fotos von Roland Scheitz (Weser-Kurier, Stadtteil-Kurier West 28.8.2017)

Die neue Gartenordnung – eine Bitte um Versachlichung [Leserinnenbrief]

Zur Diskussion um die Gartenordnung machen sich einige Menschen in Bremen Gedanken – das ist kein Wunder, denn 16.000 Mitglieder hat der Landesverband der Gartenfreunde Bremen und die meisten von ihnen haben einen kleinen Garten. Für  diese Mitglieder, so wie ich eines bin und so wie auch die engagierte Kleingärtnerin und Verfasserin des folgenden Leserinnenbriefes, wird die Gartenordnung Gültigkeit haben und im „Gartenalltag“ wirksam werden. Der konstruktive Beitrag von Ingeborg Jahn beinhaltet neue Aspekte zur Diskussion, die ich hier gerne vollständig veröffentliche. Danke sehr für diese Impulse!

„Die neue Gartenordnung – eine Bitte zur Versachlichung

Ich finde richtig, dass bei der Entscheidung für eine neue Gartenordnung demokratische Spielregeln und Mitgestaltung eingefordert werden. Deshalb spreche ich mich dafür aus, die Abstimmung ins nächste Jahr zu verschieben und die Zeit bis dahin dafür zu nutzen, eine Gartenordnung zu entwickeln, die ökologisch verantwortlich ist und den unterschiedlichen Interessen von Kleingärtner*innen gerecht wird. Mir fällt auf, dass in der Debatte (im WK und anderswo) häufig stereotyp Gegensätze aufgebaut werden, ganz beliebt Gärtner/innen „alten Schlags“ versus junge Familien: die einen arbeiten rechtschaffen, die anderen wollen nur ihre Freizeit genießen. Ich erfahre Unterschiede eher zwischen „Sauber“- und Laissez-faire-Gärtner*innen: Die einen hätten es gerne akkurat, der Rasen getrimmt und beikrautfrei, die anderen freuen sich, wenn das Wiesenschaumkraut im Rasen spriesst und hegen wilde Ecken. Manchmal erscheint auch „kleingärtnerische Nutzung (1/3 der Fläche)“ als schwer vereinbar mit „Natur- und Insektenfreundlichkeit“. Kleingärtnerische Nutzung kann sehr insektenfreundlich sein: Mischkultur von Gemüsepflanzen und Stauden, Kräuterbeete mit Oregano, Salbei, Thymian, Pflanzen mit essbaren Blüten … alles kleingärtnerische Nutzung … ebenso Beerensträucher und Obstbäume. In diesem Sinne ist die Ein-Drittel-Regelung doch ein guter Anhaltspunkt. Ich bin unbedingt dafür, dass die Nutzung eines Kleingartens auch kleingärtnerisch ist … sonst wäre es ein Wochenend-Grundstück (mit ggfs. entsprechend höheren Kosten). Auch eine Heckenhöhe entlang der Wege, die Einblicke ermöglicht, finde ich wichtig, zum Gucken und Sich-Inspirieren-Lassen … und auch für den Schwatz übern Gartenzaun. Die Gartenordnung ist ein Rahmen aus nützlichen Regeln, in dem unterschiedliche Stile des Gärtnerns möglich sind. Die Vielfalt zu respektieren und zu fördern, sollten sich Kleingartenvereine ebenso wie der Landesverband zu ihrer Aufgabe machen. Dazu gehört die Einsicht aller Beteiligten, dass ein Kleingarten sich nicht im Liegestuhl pflegen lässt, d.h. Machen und Tun erfordert, UND eine Kultur der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung für neue – und alte – Gartenfreund*innen. Vielleicht hat die junge Familie sich das Aufräumen eines verwahrlosten Gartengrundstücks leichter vorgestellt als es tatsächlich ist oder freut sich über Hinweise, wie das ganze Schnittgut sinnvoll verwendet werden kann (Kompost, Hochbeet). Vielleicht wünscht sich der älter gewordene Gartenfreund Beistand bei der Umgestaltung des Gartens zur Erleichterung der Pflege. Eine Wildblumenwiese oder ein Wildstaudenbeet kann die bessere Lösung sein, als Rasen einzusäen, der mindesten 6 Monate im Jahr ständig „mäh..“ ruft.“

Ingeborg Jahn, Bremen, engagierte Kleingärtnerin seit fast 20 Jahren

Gartenordung – tabellarischer Vergleich von Entwurf und bestehender Fassung

Ein Kollege aus einem Kleingarten hat sich die Mühe gemacht, die aktuelle bremische Gartenordnung 2001 mit dem zur Diskussion stehenden Entwurf tabellarisch darzustellen – eine Art Synopse, die ich hier veröffentlichen darf. Herzlichen Dank dafür! Die Tabelle ist als weiterer Beitrag zur aktuellen Diskussion zu verstehen. Von den geplanten Änderungen können sie sich/könnt ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen, sie sind anhand der farblichen Hervorhebung leicht erkennbar. In einer dritten Spalte sind die persönlichen Kommentare und Einschätzungen des Kollegen, der sich in seinem Verein auch für die Gemeinschaft, Organisation und Verwaltung engagiert, verzeichnet. Manche Änderungen scheinen unspektakulär, sie betreffen einzelne Worte oder Auslassungen, können jedoch weitreichende Konsequenzen haben. Z.B. wenn aus einer Empfehlung, auf einen Rat zu hören, die Pflicht wird, Folge zu leisten (siehe aktuell Punkt 9; neu Punkt 8). Oder wenn eine angemessene Frist zur Behebung von Verstößen gegen die Gartenordnung gestrichen wird. Bedeutet das dann die fristlose Kündigung? (siehe aktuell Punkt 8; neu Punkt 9)  Das ökologische Gärtnern will der Verband klugerweise fördern, man fragt sich aber, warum in einzelnen Gärten keine Totholzhaufen gestattet werden sollen. Solche Haufen sind in vielerlei Hinsicht wertvoll für Insekten, Amphibien und Vögel. Und diesbezüglich weist der Bremer Senat auf eine kleine Anfrage (hier mehr dazu) ausdrücklich auf die gute Zusammenarbeit mit dem LV Gartenfreunde hin, denn der fördere, dass auch in Kleingärten diverse Möglichkeiten für Insekten/Wildbienen geschaffen werden.

Als Fotos stehe ich hier einige, wie ich finde, zentrale Auszüge des Vergleichs zur Ansicht vor. Das gesamte Dokument kann als pdf-Datei geöffnet und heruntergeladen werden: Gartenordnung Fassung 2001+ Entwurf 2018 mit Kommentaren

Eure Aufmerksamkeit möchte ich auch auf die einleitenden Sätze und auf den Unterschied in der ausgedrückten Haltung lenken.

Und schließlich stelle ich einen erfreulichen Beitrag auf dieser Seite in Aussicht. Es gibt eine, wie ich finde, gute Nachricht, die hier in der kommenden Woche erscheinen wird!