Prächtige Pfingstrosen

Diese prächtig blühenden Pfingstrosen aus 2015 teile ich gerne erneut mich euch.

17paeonien7paeonien14paeonienFoto: Carolin Willers

 

 

Diese prächtig blühenden chinesischen Strauchpäonien gedeihen in einem Kleingarten im Bremer Geteviertel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Gärtnerin erfreut sich daran, dass sich chinesische und japanische Strauchpäonien im Mai mit üppigen Blüten schmücken, deren Durchmesser 25 cm erreichen kann. Für den Rest des Sommers haben die pflegeleichten Pfingstrosen ein attraktives, geschlitztes Laub.

Die Fotos wurden mir freundlicherweise von einer Gartenfreundin und Leserin zur Veröffentlichung überlassen.11paeonien

Erstmals veröffentlicht am 23. Mai 2015

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Spielflächen Ade? Breites Bündnis warnt vor Verlust durch Bebauung

Spielflächen in der Großstadt sind Erlebnisflächen, Kontakt- und Erfahrungsraum, Lernorte und Bewegungsareale vor allem für Kinder. Das Spielen und die Bewegung an der frischen Luft in der Sonne sind gesundheitsfördernd. Diese Flächen beleben Parkanlagen, lockern stark verdichtete Quartiere auf und schaffen Lebensqualität. In stark verdichteten Quartieren bilden sie auch beliebte und nicht selten die einzigen rare (kostenfrei zur Verfügung stehenden) Treffpunkte für Menschen unterschiedlichen Alters, die dort häufig in einer Mietetagenwohnung leben. Und Hand aufs Herz, welcher Erwachsene hat sich nicht schon einmal auf eine Schaukel gesetzt und es genossen, einfach hin und her zu schwingen? Die multifunktionale Bedeutung von Spiel- und Freiflächen für eine auch gesundheitlich positive Entwicklung von Kindern kann nicht hoch genug geschätzt werden. Ich meine, dass Wohnungsbau und der Ausbau von Kinder(-tages/-schul)einrichtungen sowie die Innenstadtverdichtung nicht auf Kosten freier Spielflächen gehen dürfen. Es wäre ein stadtplanerischer Rückschritt. Aus diesem Grund mache ich gerne auf die folgende Nachricht eines breiten gesellschaftlichen Bündnisses in Bremen aufmerksam und gebe die dringende Warnung vor Verlust durch das Zubauen vorhandener Flächen mit den konstruktiven Vorschlägen des „Bündnisses für eine lebenswerte Stadt“ vollständig wieder:

„Pläne für Bebauung von Spielplätzen
Bündnis warnt vor Verlust von Spielflächen für Kinder
Bremen, den 23. Mai 2016.

Ein breites Bündnis warnt angesichts aktueller Ausbaupläne für Schule und Kindertagesstätten vor einem drohenden Verlust von Spielflächen in Bremen. Mindestens zehn öffentliche Spielplätze sollen nach Informationen des Bündnisses insbesondere im Zuge des Neubaus von Schulen und Kindertagesstätten bebaut werden. Doch gerade in dicht bebauten Stadtteilen sind freie Spiel- und Aufenthaltsflächen bereits heute Mangelware. »Hier Spielplätze zu bebauen und wertvolle Flächen für Kinder und Jugendliche weiter zu reduzieren, ist Ausdruck einer kurzsichtigen und verfehlten Politik«, so das »Bündnis für eine lebenswerte Stadt«, dem sich neben der Architektenkammer, dem Bund Deutscher Landschaftsarchitekten und dem BUND Bremen u.a. auch das Deutsche Kinderhilfswerk, der Landessportbund und weitere Bildungseinrichtungen angeschlossen haben.

„Unsere Städte werden immer weiter verdichtet und versiegelt. Da ist leider auch die Stadt Bremen keine Ausnahme. So gehen in Bremen für Kinder und Jugendliche wichtige Freiflächen und Spielmöglichkeiten verloren. Dies wirkt besonders schwer, da Bremen seit 1997 durch die Aktion „Spielräume schaffen“ zu den Vorzeigekommunen kindgerechter und zukunftsfähiger Städte gehört. Dabei sollte sich auch die Stadtplanung laut UN-Kinderrechtskonvention am Vorrang des Kindeswohls orientieren. Nur so kann eine nachhaltige Entwicklung gewährleistet werden, in denen sich Kinder und Jugendliche wohl fühlen. Spielflächen für Kinder und Jugendliche müssen weiterhin zum Leitbild der Stadt Bremen gehören“, sagt Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes.  Der Landessportbund Bremen (LSB) erklärt: „Spielflächen sind ohnehin schon knapp, deshalb hält der LSB den drohenden Verlust weiterer Spielplätze für bedenklich und besorgniserregend. In einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft sind Spielplätze und Spielflächen für Kinder an der frischen Luft und mitten in der Stadt unverzichtbar.“

Die Bebauungspläne von Kinderspielflächen in Bremen sind konkret und teilweise fortgeschritten: Betroffen sind nach bisherigen Informationen mindestens 10 Spielplätze in Findorff, Oslebshausen, Gröpelingen, Neustadt, Osterholz und in Schwachhausen – siehe Übersicht *). Bremen hat sich das Leitbild der bespielbaren Stadt gegeben, bei dem eine Spielfläche von mindestens 3 qm pro Einwohner vorgesehen ist. Viele Stadtteile und Quartiere erfüllen diese Ziele schon jetzt bei weitem nicht. Die enge Haushaltslage und der Ausbaudruck führen nun zusätzlich dazu, dass vor allem öffentliche Flächen für den Ausbau von Schul- und Kitaeinrichtungen gewählt werden – offensichtlich ohne umfassende Alternativenprüfung. Aus Sicht des Bündnisses müssen neben dringend benötigtem Wohnbau und dem Schul- und Kitaausbau auch die Bedürfnisse von Kinder und Jugendlichen für Spiel- und Freiräume verbindlich berücksichtigt werden. Die aktuelle Koalitionsvereinbarung in Bremen schreibt fest, ein Spielraumförderprogramm zu entwickeln sowie Spielleitplanungen als verbindliches Instrument für die Weiterentwicklung von Spielmöglichkeiten für alle Stadtteile in Bremen einzuführen. Diese Absicht ist zu begrüßen, doch wird sie von den anstehenden Bebauungsplänen überholt.

Das »Bündnis für eine lebenswerte Stadt« schlägt vor im Rahmen einer Gesamtkonzeption
• in allen Stadtteilen Bremens ausreichend Spiel- und Freiräume zu schaffen und die Richtwerte für Spielraum einzuhalten (mind. 3 qm pro Einwohner),
• bei Schul- und Kitaneubau den Erhalt von ausreichend öffentlichen Frei- und Spielflächen sicherzustellen und in der Planung verbindlich zu berücksichtigen,
• in dicht bebauten, mit Spiel- und Grünflächen unterversorgten Stadtteilen öffentliche Spiel- und Bewegungsflächen für Kinder und Jugendliche nicht zu reduzieren und Kinderspielflächen sowie öffentliche Frei- und Grünräume ohne
eine Gesamtkonzeption und Aussagen für Ersatzstandorte nicht zu bebauen,
• im Rahmen des Neu- und Ausbaus von Schulen und Kitaeinrichtungen eine umfassende Alternativenprüfung durchzuführen, die auch alle anderen insbesondere auch private Flächen berücksichtigt,
• Wohnungsbau, Kita- und Schulneubau im Rahmen eines Gesamtkonzeptes zu koordinieren und zu steuern,
• die Koalitionsvereinbarung umzusetzen und umgehend ein Spielraumförderprogramm sowie Spielleitplanungen für die Weiterentwicklung von Spielmöglichkeiten im öffentlichen Raum für alle Stadtteile in Bremen einzuführen.“

Weitere Informationen unter http://www.gruenes-bremen.de

Bündnis für eine lebenswerte Stadt – grünes bremen
Architektenkammer der Freien Hansestadt Bremen
Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) Niedersachsen + Bremen e.V.
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Bremen e.V.
Verband Garten -, Landschafts- und Sportplatzbau Niedersachsen-Bremen e.V.
mit Unterstützung von
Deutsches Kinderhilfswerk e.V.
Landessportbund Bremen e.V.
Umwelt Bildung Bremen e.V.

* Anmerkungen der Autoren) Folgende konkrete Ausbaupläne bzw. Baumaßnahmen auf Spielplätzen sind bekannt:
Neustadt (2) Huckelrieder Spielplatz (bereits bebaut), Tieckstraße / Kornstraße
Osterholz (1) Poggenburg
Findorff (3) Corveystraße, Nürnberger Straße, Halberstädter Straße
Schwachhausen (2) Schenkendorfstraße, Kirchbachstraße, Nancystraße
Gröpelingen/ Oslebshausen (3) Bexhöveder Straße
(Quellen: Bericht „Verfahren der Interessenbekundung zur Schaffung von Kitaplätzen“, Die Senatorin für Kinder und Bildung Bremen 4.2016; eigene Recherchen des Bündnisses)

Kontakt:
Bündnis für eine lebenswerte Stadt – grünes bremen
gruenesbremen@email.de

‚Wind zog auf‘ – Schau von Gabriela Oberkofler im Haus Coburg Delmenhorst

Es ist die Natur, die Gabriela Oberkofler Stoff für ihre künstlerische Arbeit liefert, so heißt es im Flyer zu Schau Wind zog auf. Angekündigte sind Zeichnungen „verlockender wie verstörender Naturstücke“ sowie Objekte, Videos und Soundarbeiten. Anlass genug, die Ausstellung in der Städtischen Galerie Delmenhorst – Haus Coburg zu besuchen und hier davon zu berichten. Mich zieht auch das temporäre Atelier der Künstlerin mit Bienen-Installation in einem Schrebergarten in der Graft und die Mitmachausstellung für Kinder im „Gewächshaus“ an.

Flyer mit Programm zur Schau von Gabriela-Oberkofler

HausCoburg_Oberkofler_Plakat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stetes Summen empfängt die Besucher*innen, sobald sie die Städtische Galerie Delmenhorst durch den Windfang betreten. Das dezente und gleichzeitig kräftige Summen gehört definitiv nicht zu einer Maschine, sondern klingt als stamme es von Insekten, und zwar von sehr, sehr vielen Insekten. Woher rührt das an- und abschwellende Summen, das einem in die Natur vertraut erscheinen würde und hier im Inneren des Hauses irritierend wirkt? Steht ein Fenster offen? Im Frühjahr höre ich manchmal ähnliche Töne, wenn ich unter einem großen, voll erbühten Obstbaum stehe – dann sind sie Warnung und ein Versprechen auf köstliche Früchte und süßen Honig. Das Geräusch erinnert mich aber auch ein wenig an einen ausgebüxten Bienenschwarm, der sich einmal nahe meiner Wohnung am Schornstein gesammelt hatte, vielleicht 10 Meter Luftlinie entfernt vom Balkon. Das Summen der abertausend fliegenden Lebewesen, die sich ständig in einer Traube mit wandelnder Form umeinander bewegten, hatte bedrohlich gewirkt.

Ausgewählte Eindrücke der vielfältigen Schau der italienisch-deutschen Künstlerin Gabriela Oberkofler (*1975 in Bozen) geben ich gern. Im Eingangsbereich hängt eine Serie von Miniaturzeichnungen einzelner Bienen, die an das Summen im Haus anknüpfen. Der rote Punkt neben den Titeln signalisiert, dass sie bereits verkauft sind. Der auf dem Plakat gezeigte Wolf ist eine lebensgroße Zeichnung des Tieres. Er scheint in sich zu ruhen und ist mit dem Betrachter auf Augenhöhe. Der Wolf scheint direkt auf den Betrachter zu zulaufen. Dieses Bild hat eine außerordentlich starke Wirkung auf mich. Eine Videoinstallation namens „Don Juan“, deren Hauptakteur ein humpelnder Hund ist, steht im krassen Gegensatz zum Wolfsmotiv. Von der Decke hängt mit dem Kopf nach unten ein detailreich, sorgfältig geschnitztes Rotkehlchen in Lebensgröße. Es ist an einem Fuß aufgehängt und erinnert mich an eine grausame Praxis früherer Jahrzehnte zur Abschreckung von Vögeln aus Obstbäumen. Vogelgezwitscher und das Gurren einer Taube ziehen meine Aufmerksamkeit zu einer Videoinstallation, die damit beginnt, dass die Künstlerin eine gefangene Taube in einen selbst gefertigten Vogelbauer setzt, um sie in die freie Natur zu bringen. Die Geschichte nimmt einen ganz anderen als den erwarteten Verlauf – und soll hier nicht vorweg genommen werden. Ausgestellt sind mehrere architektonische Variationen des im Video gezeigten Vogelbauers, die alle sorgfältig aus Kirschholzästchen gefertigt sind. Ein großes Bild, das auch den Ausstellungsflyer ziert, kann überbordende, wallende Blütensträucher darstellen, ähnlich des Goldregens. Auf dem Bild sind es gelbe und rote Blüten. Bei näherer Betrachtung stellt sich überraschenderweise heraus, dass es (aber)tausende von kleinen, gezeichneten Bienen sind aus denen das Motiv wesentlich besteht. Über welch eine Geduld die Künstlerin neben ihrem Können verfügen muss, um dieses Bild zu schaffen! ‚Emsig wie eine Biene‘ kommt mir als Beschreibung in den Sinn. Reizvoll finde ich übrigens, dass Gabriela Oberkofler extra für die Ausstellung verschiedene Bezüge zur Stadt Delmenhorst erarbeitet hat. Die Städtische Galerie ist für die vielseitige Künstlerin nicht nur ein leerer Raum, in dem sie ihre Exponate arrangiert, sie bespielt die vorhandenen Räume vielmehr, diese werden teilweise zum Bestandteil der Schau. Einige Aspekte auch der örtlichen Natur werden von Gabriela Oberkofler transformiert und punktuell nach innen geholt. Der Wasserstand der Graft wurde in einem Raum auf die Wände „aufgetragen“, Totholz von der Graftinsel findet sich als Installation im Wintergarten und das Summen vieler Bienen, das in allen Räumen zu hören ist, stammt aus der Natur. Besonders dieses Summen (und das Vogelgezwitscher der Videoinstallation) scheint  die Grenze zwischen Innen und Außen verschwimmen zu lassen.

Gabriele Oberkofler formt in ihrem vielseitigen Werk Eindrücke, die jenseits einer verklärenden Naturidylle liegen. Die genau beobachtende, vielfältig talentierte Künstlerin greift vielmehr fragile und zarte Seiten von Natur auf, deutet eine (mögliche) Bedrohung durch Natur an, stellt den Aspekt zur domestizierten Natur her und verweist auf das Nährende durch sie. Gezeigt werden die in der Ankündigung treffend versprochenen verlockenden wie verstörenden Naturstücke in der sehenswerten Schau.

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Mein Ausflug führt mich nun ins „Gewächshaus„, direkt neben der Städtischen Galerie, in dem begleitend zur Schau individuelle Werke von Kinder entstehen und ausgestellt werden. Das „Gewächshaus“ erhält hier nochmal eine neue Bedeutung, hier wird das Wachsen der Kreativität heranwachsender Kinder gefördert. Wer Oberkoflers Schau besucht, sollte sich unbedingt Zeit für die sehenswerten Bilder nehmen.

Im Garten des Hauses Coburg läßt sich hinter einem von Kindern angelegten Blumengebiet (!) die auf dem Foto gezeigte Bieneninstallation, die Gabriela Oberkofler mit zwei echten Bienenvölkern des Imkers Uwe Roselieb kreiert hat, betrachten.Stechgefahr

Jetzt zieht es mich noch zur Delmenhorster Graft, eine überraschend schöne Parklandschaft in der Delmenhorster Innenstadt mit hochgewachsenen alten Bäumen und blühenden Rhododendren rund um die Graftinsel, wo sich in einem der letzten, versteckt liegenden Schrebergärten das „Schwalbennest“, das mobile Atelier der Künstlerin befinden soll. Auf der Graftinsel liegen mehrere Haufen sorgfältig geschichteter toter Äste. War dabei die Hand der Künstlerin im Spiel oder hat sie sich hier für ihre Installation im Wintergarten Material und Inspiration geholt? Graftanlage

Rhodo_Graft_bearbInmitten alter Bäume und hinter einer hohen, frisch belaubten Hainbuchenhecke entdecke ich schließlich den verwunschenen Garten (Öffnung nach Vereinbarung) und bin einigermaßen verblüfft. Es ist ein wenig so als stünden im Bürgerpark Kleingarten-Parzellen. Hinter der Hecke schimmert das „Schwalbennest“ durch und Oberkoflers summende Bienen-Installation „Roseliebsche Beute“. Der Spaziergang durch diese großzügige Parklandschaft ist ein gelungener Abschluss des lohnenswerten Ausstellungsbesuchs. Die Schau läuft noch bis zum 5. Juni 2015.Graft_bearb

 

edit: 22.4. 15.00 Uhr

„Achtung Anarchie“ von Ulrich Ladurner bei ZEIT online

 Heute entdeckte ich diesen überwiegend lesenswerten Artikel, in dem Ulrich Ladurner einen Teil der Widersprüchlichkeiten und Brüche bezogen auf Kleingärtner, die darüber herrschenden Vorurteile und unterschiedliche Gartenrealitäten unterhaltsam aufgreift. Manchmal bizarr. Aber Anarchie? Er erschien auf ZEIT online und ich empfehle ihn mal. Der Inhalt ließe sich z.B. um die Gruppe der Öko-Gärtner u.a.m. erweitern. In den Kommentaren zum Artikel befinden sich übrigens lesenswerte Ergänzungen.

Schrebergarten: Achtung, Anarchie!

Unter diesen Dächern lebt man wild und frei. Der Schrebergärtner Ulrich Ladurner räumt auf mit der Vorstellung vom harmlosen Idyll.

DIY-Gewächshaus / Upcycling Fenster

GlashausUpcycling Hier ist eine weitere Variante eines Gewächshauses zu sehen, für das die Hobbygärtner*innen ausrangierte Fenster nutzen. Sie sind mit Rahmen verbaut worden, sodass sich je nach Bedarf eines der Fenster öffnen läßt. Interessant ist dieses DIY-Gewächshaus auch, weil es mit spitzwinkligem Satteldach errichtet wurde. Auffallend ist die gelungene Gestaltung der Anlage rund um das Glashaus mit Lavendel- und Buxushecken, die es einrahmen.

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Fotos: Kirsten Tiedemann

Andere Beiträge zu DIY aus alten Fenstern mit Fotos findet ihr hier: DIY-Gewächshaus und hier:  DIY-Tomatenhaus

 

Ein Ausflug in den Wald

SauerkleeEin Teppich aus zart blühendem Sauerklee bedeckt Teile des Bodens im Wald, der nur wenige Bahnstationen südlich von Osnabrück liegt. Der gute Tipp einer Bekannten  – Danke Dir liebe Lisa! – führte mich kürzlich erstmals auf den lichten, frühlingsgrünen Hermannsweg im Teutoburger Wald. Hier auf dem Blog gibt es heute diesen inhaltlichen Ausflug vom Garten in den Wald, weil es mir dort so außerordentlich gut gefallen hat. Vielleicht kann euch meine Schilderung für einen Ausflug in dieses besondere und leider streckenweise gefährdete Gebiet begeistern.

Auf einem schmalen, anfangs sehr steilen Weg, der sich auf den Kamm des Höhenzugs schlängelt, steigen wir in den Wald ein. Der Weg führt dann am Hang entlang und später wieder hinunter. Es geht vorbei an einer Wiese mit Wiesenschaumkraut und später durch einen echten Laubgang. Meist sind es Buchen, unter denen wir spazieren, gelegentlich abgelöst durch hohe Tannen. Hin und wieder eröffnen sich weite Sichtachsen in das Flachland mit darin verstreut liegenden Dörfern und zu anderen bewaldeten Hügelkämmen. So kann man -zig Kilometer am Höhenzug gehen, ohne das Blätterdach verlassen zu müssen – es ist eine Landschaft, die in unserer Gegend so selten ist. Beim Wandern entdecke ich viele verschiedene Blumen: Es sind Buschwindröschen, Goldnessel, echtes Lungenkraut, wohlriechende Wald-Veilchen und sogar einige Exemplare der unter Schutz stehenden Wald-Schlüsselblume gedeihen hier. Das kleine Immergrün blüht, Bingelkraut und Walderdbeeren sind überall zu sehen. Wir kommen mehrmals an weiten Flächen mit duftendem Waldmeister vorbei; immer wieder finde ich den ansonsten seltenen und geschützten Aronstab mit Knospe und ersten Blütenständen. Schließlich gehen wir an Hängen entlang, die gänzlich mit Bärlauch bedeckt sind. Die Natur bietet hier offenbar einen sehr guten Nährboden für einer Fülle von Pflanzen, wie sie in der Häufung andernorts in Buchenwäldern kaum noch anzutreffen sind. Es ist prächtig anzusehen.

KnorpeligLaubgang

BärlauchparadiesAronstab Im krassen Gegensatz dazu stehen drei Steinbrüche, die sich unerbittlich in die Landschaft fressen, sie einebnen und stellenweise bereits am Hermannsweg nagen. Weitere Ausdehnungen der Steinbrüche in den Höhenzug hinein werden angestrebt, um des kurzfristigen Profites Willen. Ob sie tatsächlich realisiert werden können?

ZementwerkZum Glück gibt es in der Gegend viele engagierte Menschen, die sich mit kreativen Aktionen für den Erhalt dieser weitläufigen, geschichtsträchtigen und intakten Höhenwaldlandschaft zwischen Bad Ihburg und Tecklenburg einsetzen. Anders als ein Wanderführer schreibt, gibt es keinen Kompromiss zwischen Betrieben und Naturschützern. Auf unserem Weg finden wir verschiedene Spuren fantasievoller Aktionen für den Erhalt der Landschaft. Die AktivistInnen haben sich übrigens in der Bürgerinitiative pro teuto e.V. zusammengeschlossen und erhalten Unterstützung von BUND, NABU, LNU NRW, Greenpeace Gruppe Osnabrück.

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Einen Ausflug in diesen märchenhaften Wald mit seinen alten Bäumen zum Wandern auf dem Hermannsweg kann ich sehr empfehlen. Ich komme bestimmt wieder und gehe eine weitere Etappe unter alten Bäumen mit Lerchensporn und wilden Orchideen am Rand des Weges.proteuto

Fotos. Kirsten Tiedemann

‚Ich trug den gelben Stern‘ von Inge Deutschkron [Kleingarten in der Literatur]

Dass ein Kleingarten überlebenswichtig sein kann, weil dort Lebensmittel wachsen, habe viele von uns schon gehört. Dass so ein Garten aber überlebenswichtig sein kann, weil er bei Verfolgung als Versteck dienen kann, wissen die wenigsten. In ihrer Autobiografie berichtet Inge Deutschkron auch davon.

Für Inge Deutschkron und ihre Mutter war der 8. Mai 1945 buchstäblich ein lebensrettender Tag. Beide Frauen waren als Jüdinnen während des Nationalsozialismus immer schärfer werdenden Diskriminierungen ausgesetzt. Kurz vor der schließlich bevorstehenden Inhaftierung durch die Nazis und der Deportation in ein Konzentrationslager, wo ihnen der Tod drohte, hatten sie sich in die Illegalität retten können. Wie sie diese Jahre mit Hilfe von Freunden, Bekannten und auch fremder Menschen in Berlin überlebten, schildert Inge Deutschkron knapp und eindrücklich. Am 8. Mai 1945 befreiten die Alliierten Deutschland vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und damit auch die beiden Frauen sowie 1423 weitere Juden aus dem Leben in der Illegalität in Berlin. In ihrer Biografie „Ich trug den gelben Stern – Erlebnisse einer Jüdin in der NS-Zeit“ faßt die deutsch-israelische Journalistin ihren Weg durch die NS-Zeit, der sie auch vorübergehend in einen Schrebergarten führte, zusammen. Ich finde, der heutige Tag der Befreiung ist ein passender Termin, um in meiner losen Folge [Kleingarten in der Literatur] auf dieses wichtige und lesenswerte Buch aufmerksam zu machen.

Inge Deutschkron erinnert sich darin auch an die besondere Bedeutung eines Schrebergartens für die allgemeine Versorgung mit Lebensmitteln, besonders, wenn man ohne Lebensmittelmarken war, und an die in ihrer Situation begrenzte Möglichkeit, einen Unterschlupf zu finden und sich zu verstecken.

Im Kapitel „Untergetaucht“ – S. 117

„ ‚Wir werden uns noch zu Tode siegen‘, sagten einige der Kunden von Gumz  [Gumz waren Ladenbesitzer, die den Deutschkrons eine Zeitlang Unterschlupf gewährten, KT] angstvoll. Frau Gumz war wenig gesprächig. Sie beobachtete die Menschen und war allenfalls zu einigen sarkastischen Bemerkungen bereit. ‚Ach, wissen Sie, unser Führer wird das schon machen. Machen Sie sich mal keine Sorgen‘.

Es wurde viel gelacht bei der Familie Gumz. Mir zuliebe wurde Hans Rosenthal zum Essen eingeladen. Die Mahlzeit bestand zumeist aus Karnickelbraten. Viele Berliner hielten damals Karnickel in ihre Schrebergärten oder, wie die Familie Gumz, im Keller oder auch auf dem Balkon. In den Anlagen und Parks der Stadt suchten die Berliner Futter für ihren Sonntagsbraten. Die Gumzens reicherten diese Mahlzeiten mit Gemüse aus ihrem Garten in Berlin- Drewitz an. …“

.. und im Kapitel „Von einem Versteck ins andere“ – S. 121

„Es war gewiss nicht gut, dass die Nachbarin etwas von unserer Anwesenheit bemerkt hatte. Vielleicht war sie nur neugierig, ohne etwas Schlechtes im Schilde zu führen, vielleicht aber auch nicht. Und was wäre, wenn sie mit anderen darüber spräche – mit dem Hauswart, oder dem Blockwart, oder dem Luftschutzwart. Wir fühlten, dass Frau Gumz sich Sorgen machte. Sie sagte nichts.

‘Das Wochenende könnt ihr doch in Drewitz verbringen‘. In Drewitz hatten sie ihren Schrebergarten mit Laube. Wir sagten: ‚Aber gern‘; eine Wahl hatte wir ohnehin nicht. ‚Wir kommen am Sonntag nach‘, versprach sie.

Im Schrebergarten stand eine primitive Bretterhütte, der Witterung und mangelnde Pflege heftig zugesetzt hatten. Sie hielt sich nur mühsam aufrecht. Wasserleitung oder Kanalisation gab es nicht. Wenn der Kanonenofen geheizt wurde, konnte sie dennoch gemütlich sein. Die Einrichtung bestand aus alten ausrangierten Möbeln des Hauses Gumz. Diese Hütte umgaben Gemüse- und Obstbeete, Sträucher und Bäume. Wir hatte schon oft dort ‚Nachlese‘ halten dürfen. In einem Anbau saßen Karnickel eng gedrängt.

Die Laube in Drewitz war fürwahr ein ideales Versteck für ein verlängertes Wochenende. Bei einem längeren Aufenthalt würden wir unweigerlich den Dorfbewohnern auffallen. (…)“

zitiert aus: Inge Deutschkron, Ich trug den gelben Stern, Erlebnisse einer Jüdin in der NS-Zeit, Bertelsmann-Verlag 1972

Das Buch ist heute als dtv-Sachbuch mit vielen Abbildungen erhältlich.

Mehr zu Inge Deutschkron hier bei wikipedia.

[bearbeitet 9. Mai]