… mehr Kaisenhäuser

KaisenhausMitte3 KaisenhausMitte4Intakte Kaisenhäuser stehen in vielen Kleingärtnervereinen … auch unweit des Viertels.

Fotos: Kirsten Tiedemann

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Unerwartetes Kaisenhaus

Das Thema ist immer wieder für eine Überraschung gut und sei es „nur“ die Entdeckung eines weiteren intakten Kaisenhauses mit Gemüsegarten und Bienenhaltung in einem großen Parzellengebiet mitten in der Stadt. Dieses Dach schob sich kürzlich auf einem Spaziergang in mein Blickfeld. Seine Dachform irritierte mich – es ist fast ein Mansarddach, wie ich es gelegentlich auf alten Fotos von einigen Kaisenhäusern gesehen hatte. Etwas verdutzt schaute ich genauer hin: Ein Kaisenhaus? Und tatsächlich. Es läßt sich in einem großen Parzellengebiet finden, von dem ich dachte, dass es nur noch drei Kaisenhäuser beherbergt, von denen zwei bereits seit einiger Zeit leer stehen und eines über 60 Jahre bewohnt wird. Der Gemüsegarten ist für die kommende Saison vorbereitet, Vergißmeinnicht und Obstbäume beginnen zu blühen. An einer geschützten Seite des gepflegten Wohngebäudes summen Bienen in ihrem Kasten. Die Besitzer freuen sich vermutlich über die positive politische Entwicklung zugunsten ihres Hauses, die es im letzten Jahr gegeben hat. Seit März gibt es eine neue Dienstanweisung, die bisher eine Übergangsregelung ist und, wie ich hoffe, als dauerhafte Lösung in den Kleingartenplan 2025 übernommen wird. Intakte Kaisenhäuser dürfen als Gartenhäuser genutzt werden, wenn das Wohnrecht nicht mehr besteht.

Kaisenhaus

Bienenhaltung

Fotos: Kirsten Tiedemann

Einfache DIY-Schneckenzäunchen

Ein einfacher Schneckenzaun für junge Pflanzen läßt sich ganz leicht aus einem Joghurtbecher basteln: Von einem Joghurtbecher wird der Boden mit einem scharfen Messer abgeschnitten. Der verbliebene Rand wird über die Jungpflanze gestülpt und etwas im Erdreich angedrückt.

Schneckenzaeunchen

Und ja, wer aufmerksam schaut, sieht Schneckenkorn auf dem Foto. Mit ihm habe ich die Wirkungsamkeit der Methode getestet. Tatsächlich verschwindet es außerhalb des Schneckenrings rasch. Innerhalb des Rings neben der Pflanze bleibt es komplett liegen, das heißt Schnecken kommen nicht hinein. Die Lupine ist geschützt und wächst ohne Spuren von Schneckenfraß gut.

Foto: Kirsten Tiedemann

Spaziergang „Kaisenhäuser – Parzellen – Fleetkirche“ am 9. Mai

Auf verwunschenen Wegen inmitten uriger Gärten führt unser Spaziergang vorbei an gut erhaltenen Kaisenhäusern, Gewässerläufen und der Fleetkirche in der Waller Feldmark. Gerade jetzt im Frühjahr gibt es viel zu entdecken. Anregungen für den eigenen Garten sind zu finden. Infos zur aktuellen Situation im Parzellengebiet und zu seiner Geschichte als wichtige Ernährungsquelle, Treffpunkt und Zufluchtsort war, gebe ich an markanten Punkten der Feldmark. Zum Abschluss besichtigen wir einen Kaisenhausgarten. Ich freue mich auf diesen Frühlingsrundgang mit interessierten Menschen.

Eine Anmeldung ist erforderlich.

Unser Rundgang startet und endet an der Bushaltelinie 20 Endhaltestelle „Hohweg“ am Sportheim. Zeit: 15.00 – 17.15 Uhr

Anmeldung bei der Volkshochschule Bremen im Bamberger Haus oder Tel. 0421-361 – 12345

Mal über die Hecke gucken

Gärtnern ist ein modernes Hobby, das sich in allen Medien spiegelt. Im Zeit-Magazin widmete sich der anregende Beitrag „Alle wollen in der Stadt leben und vermissen dann die Natur. Wie kann man beides miteinander verbinden“ von Elisabeth Bauer, Timann Prüfer und Annable Wahlba dem aktuellen grünen Lebensstil (1.4.2015). Das Nordwestradio präsentierte kürzlich eine gelungene Wochenserie, die die unterschiedlichsten Facetten des Gärtnerns auslotete (podcast zu den Beiträgen hier).

Ich frage mich, ob sich der breite umweltpolitische Konsens (Schutz von Umwelt und Natur sowie Nachhaltigkeit in Ernährung, Energiewirtschaft, Architektur usw.) unserer Gesellschaft und der Wunsch nach einem grünen Leben eigentlich positiv auf die bestehenden Reglementierungen für das Gärtnern in Kleingärten auswirkt? Dieser Frage will ich hier am Beispiel der vorgeschriebenen Höhe der Hecke im Kleingarten nachgehen. Gibt es eine zeitgemäße Lockerung, die das gewandelte Bewußtsein und die Bedürfnissen der Freizeitgärtner aufgreift? Wird eine Höhe der Hecke in Kleingärten eigentlich regional festgelegt? Wer ist dafür verantwortlich?

Auf einer Radfahrt durch Bremens vielfältige Kleingartengebiete lässt sich leicht feststellen, dass die bunten Gärten ganz unterschiedlich begrenzt werden: Hecken sind in Höhe und Form vielfältig gestaltet. Der Blick in die „Gartenordnung“, die die Parzellenpächterin bei der Übernahme eines Gartens bekommt, gibt darüber eine anders lautende Information. Dort heißt es seit vielen Jahren, dass die Hecke eine maximale Höhe von 1,10 Meter haben darf.

Guckt man einmal über die bremische Gartenhecke hinweg in andere Städte und Bundesländer, wird man überrascht fesstellen, dass in verschiedenen Gartenordnungen ganz unterschiedliche mit der Thematik umgegangen wird. In 21 willkürlich ausgewählten Gartenordnungen fand ich nur zwei Regelungen, die denen der Bremer Ordnung entsprechen oder sogar noch darunter liegen: Hamburg verpflichtet ebenfalls zu 1,10 Meter und Frankfurt liegt mit 0,80 Meter noch darunter. Alle anderen Angaben liegen darüber, nämlich 1,20 Meter (8x), 1,25 Meter (2x) 1,30 (2x), bis 1,40 Meter (5 x) bis hinauf zu 1,50 Meter (1x) und schließlich 1,80 Meter (1x). (Auflistung der Städte/ Bundesländer siehe unten)

Diese regional unterschiedlichen Begrenzungen deutet darauf hin, dass es in der Frage Handlungsspielräume gibt und die Heckenhöhe nicht vom Bundeskleingartengesetz geregelt wird. Ein Blick in das Gesetz bestätigt diese Annahme. Die Gartenordnungen scheinen meist von Landes- oder Kreisverbänden der Kleingärtner verfasst zu werden. In Frankfurt ist es abweichend davon der Magistrat der Stadt.

Da Kleingartengebiete in Bremen und anderen Städten häufig als Kleingartenparks konzipiert werden, die nicht nur für Pächter zugänglich sind, ist eine Regulierung der Heckenhöhe nötig, damit der Spaziergänge den Blick schweifen lassen kann. Anlass für diese Konzeption ist die hohe positive Bedeutung von Grünflächen für Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen. Öffentliche Grünflächen, Parks und Kleingartengebiete verbessern die Lebensqualität der städtischen Bevölkerung nachhaltig. Kleingartenanlagen haben für eine Stadt darüber hinaus den Vorteil, dass sie mit der Verpachtung der Flächen Geld einnehmen und die Pflege anderen überlassen kann.

Was meint Kleingartenpark? Hierunter wird ein Konzept verstanden, dass für Kleingartengebiete eine Kombination aus privater und öffentlicher Nutzung zur Naherholung vorsieht. Die einzelnen Gärten werden individuell genutzt. Gleichzeitig sind die Kleingartengebiete, d.h. Wege und einige Plätze, für die Öffentlichkeit frei zugänglich und gelten als öffentliche Grünflächen. Sie sind nicht von hohen Zäunen umgeben, wie in manchen Städten üblich (z.B. Hamburg, Göttingen, Darmstadt) und nicht nur für Mitglieder zugänglich. Das Konzept Kleingartenpark zeigt sich mancherorts sogar in der Ausprägung als öffentlicher Parkanlage mit Rasenflächen, alten Bäumen und Gewässern, die mit mehreren Kleingärtnervereinen kombiniert werden. Der Kleingartenpark an der Grenze von Horn/Oberneuland, nördlich des FlorAtriums gelegen, ist hierfür ein Beispiel (hier google maps). Neben der freien Zugänglichkeit ist die freie Sicht eine zentrale Voraussetzung für dieses Konzept. Der Blick für Spaziergänger soll nicht durch hohe Heckenwände zum Tunnelblick werden. Der Blick soll vielmehr frei über die Gartenflächen schweifen können und so auch den Spaziergänger an der Schönheit des jeweiligen Grüngebietes beteiligen.

Hier ergibt sich ein Interessenkonflikt, denn der Wunsch von Spaziergängern und Landschaftsplanern nach freien Sichtachsen steht in Widerspruch zum berechtigten Bedürfniss von Kleingärtnern nach geschütztem Gärtnern. Viele Gärtner möchten ihre Freizeit im Garten verständlicherweise nicht auf dem Präsentierteller verbringen. Zur Lösung dieses Interessenkonflikts wählen viele Kleingärtnerverbände anderer Städte und Bundesländer den Weg, dass sie das Wachstum der Hecken bis etwa auf Brusthöhe zulassen.

In Bremen haben viele Kleingärtnerinnen und Kleingärtner bereits Fakten geschaffen und ihre Hecke in variierender Höhe angelegt. Damit geben sie ihrem Bedürfniss nach mehr Privatsphäre Ausdruck und übrigens auch der ökologisch begründeten Absicht, Vögeln mehr Lebensraum zu geben. Sie machen deutlich, dass die aktuelle Gartenordnung in diesem Punkt nicht mehr zeitgemäß ist. Es wäre zu begrüßen, wenn hier nun auch formal eine Modernisierung vorgenommen wird.

—- Heckenhöhe in Städten bzw. Bundesländern

(Quellen: Gartenordnungen, die im Internet aufrufbar sind. Bei Bedarf bei mir zu erfragen.)

o 1 x 0,80 m (Frankfurt a.M.)

o 2 x 1,10 m (Bremen/ Hamburg)

o 8 x 1,20 m (Hannover, Kiel, Kassel, Essen, Magdeburg, Halle/Saale, Sachsen)

o 2 x 1,25 m (Berlin, Köln)

o 2 x 1,30 m (Hildesheim/ Brandenburg)

o 5 x bis 1,40 m (Düsseldorf/Westhavelland/Bad Kreuznach/Chemnitz/Neu Ulm)

o 1 x 1,50 m (Mecklenburg-Vorpommern)

o 1 x 1,80 m (Mainz)

Frühlingsblüten in der Stadt

LöwenzahnUrban

UrbanGardening

Der Frühling zeigt sich überall in der Stadt – wie hier als naturgemachtes Guerilla Gardening des Löwenzahns am Klinker auf dem Teerhof am ehemaligen Beluga-Gebäude und als von Menschenhand gepflanzte Tulpenblüte und gesäte Ringelblumen  am Randstreifen vorm Kiosk in der Westerstraße.

Fotos: Kirsten Tiedemann