Blumige Bienenweide duftet fein und bringt dem Boden Nahrung

Diese vielseitige Pflanze ist eine, wie die Freizeitgärtnerin sie sich wünscht. Sie blüht dezent und lange, duftet fein, lockt Hummeln und Bienen an, denen sie reichlich Nektar bietet, wächst lange in den Herbst hinein und anschließend schützen die abgestorbenen Pflanzenteile die Erde im Winter vor Austrockung und düngen den Boden auch noch mit wichtigen Nährstoffen. Einfach so, indem sie im Frühjahr in den Boden eingearbeitet werden. Hach, du duftende Bienenweide, du empfehlenswerte Phacelia!

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Foto: Kirsten Tiedemann

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Jede Zeit ist Einbruchzeit – im Süden wie im Westen

einbrecherGanz anders als sonst schaute die freundliche Gartennachbarin vorgestern recht bedrückt zu mir hinüber und erzählte bald, dass bei ihr in die Laube eingebrochen worden war. „Schon zum fünften Mal in nur fünf Jahren“, sie ist unglücklich. Wie schon die Male zuvor sind die Tür und eines der beiden Fenster des schlichten Blockbohlenhäuschens aufgebrochen worden. Ihr Mann werkelt an den Verriegelungen. Was fehlt denn?, frage ich. Die Antwort ist schlicht: „Nichts.“ Nada. Niente. Es ist alles da. „Was kann man tun“, fragt sie ratlos, „es ist garnicht die Jahreszeit, oder?“ Dieses Mal blieb meine Laube unversehrt. Lag es daran, dass ich keine Gardinen vorgezogen hatte und die freie Sicht auf nicht vorhandene Wertsachen, Elektrogeräte, Alkohol, Lebensmittel und Kabel – also diesbezügliche Leere, gewährleistet war? Es war mir von der Polizei sogar schon einmal allen ernstes geraten worden, die Tür garnicht abzuschließen, um der Sachbeschädigung zuvor zu kommen. Dazu kann ich mich (noch?) nicht durchringen. Ein anderer Gartennachbar praktiziert die offene Laubentür bereits seit zwei Jahren und spart sich so das lästige Erneuern von zerbrochenen Fensterscheiben. Wieder andere Kleingärtner bringen Gitter an. Bei einigen hilft es als Schutz, bei anderen wird umso massiver versucht in das Haus einzudringen, denn so ein Schutz läßt wertvolles Inventar vermuten und kann umso mehr reizen, nachzusehen.

Auf meinen Streifzügen durch die Bremer Parzellengebiete sind mir im Sommer im Bremer Westen im Kleingärtnerverein ‚Walle‘ und im Süden auf dem Stadtwerder im Kleingärtnerverein ‚Am Franziusweg‘ schon Aushänge mit Warnungen vor Dieben an Infotafeln aufgefallen. Festzuhalten ist, dass nicht nur die dunkle Winterzeit sondern jede Jahreszeit Einbruchzeit ist.

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Fotos: Kirsten Tiedemann

Gründach-Forum in Bremen [Veranstaltungshinweis]

Das grüne Dach ist auch für Gartenhäuschen interessant und daher gebe ich diesen Hinweis gerne weiter: Wer fachkundige Informationen zu dem Thema sucht, findet sie in der botanika.

25. Oktober: Gründach-Forum Bremen
Wie können unsere Städte nachhaltig wachsen, die Lebensqualität der Bewohner verbessert und die grüne Infrastruktur ausgebaut werden? Die Antwort auf diese Frage liegt oft in der Nutzung der Dachflächen. Am Nachmittag des 25. Oktober von 13.30 bis 18.00 Uhr bietet das Gründach-Forum Bremen Gelegenheit, mit Gebäudebegrünungs-Experten, Planern und Architekten in einen branchenübergreifenden Informationsaustausch einzusteigen. Vorgestellt wird u.a. die Hamburger Gründdachstrategie und weitere kommunale Förderprogramme aus den Bundesländern, Beiträge zur Klimaanpassung, praktische Beispiele und innovative Gründach-Technologien. Das Thema Biodiversität spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Gründach-Forum ist eine gemeinsame Veranstaltung des Deutschen Dachgärtner Verbandes, des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr, der Bremer Umwelt Beratung und des Bündnis Grünes Bremen. Die Plätze für die kostenfreie Veranstaltung sind begrenzt. Veranstaltungsort ist die botanika, Deliusweg 40.
Anmeldungen bitte unter contact@dachgaertnerverband.de
Weitere Informationen zum Programm finden Sie unter www.gruenes-bremen.de
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Gartenlaube auf dem Stadtwerder mit Gründach

 Foto: Kirsten Tiedemann

Wo Fuchs und Hase sich heute ‚Gute Nacht‘ sagen

Ist es in entlegener Landschaft weit entfernt von jeder menschlichen Siedlung am Rande von Feld, Wald und Wiesen, wo Fuchs und Hase sich sprichwörtlich ‚Gute Nacht‘ sagen? Das Gegenteil scheint inzwischen der Fall zu sein. Heute wird von diesen wilden Tieren gerne auch mal eine ondulierte, frisch rasierte (Synonym für „gemähte“) Rasenfläche einer intensiv genutzten Parzelle mitten in der Großstadt als Treffpunkt gewählt. Mit der rasant zunehmenden Industriealisierung der Landwirtschaft und damit verbundener Veränderungen treibt es manches Tierchen in die Stadt und altbekannte Lebensweisen kehren sich in ihr vollkommenes Gegenteil. Was bisher möglicherweise für Kleingärtnerlatein gehalten worden sein mag, bestätigen nun die Aufnahmen einer Wildtierkamera, die in einem Kleingarten mitten in Bremen unweit von Dom und ‚Umgekehrter Kommode‘ angefertigt wurden. Vielen Dank an den Kleingärtner Bodo, der mir die Aufnahmen freundlicherweise überlassen hat, um sie hier zu zeigen.

Das Füchslein scheint im Mai noch recht mager.

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Interessiert sich der Hase, genauer gesagt das Kaninchen, für die Kamera? wildtierkamera_kaninchen2016_kl

Nicht immer geht die Begegnung von Kaninchen und Fuchs glimpflich aus wie diese Fülle von Fellfetzen vermuten läßt. So halten also auch die natürlichen Feinde der schon lange in der Stadt lebenden und sich sprichwörtlich vermehrenden, immer mehr Grünmasse als Futter benötigenden Kaninchen Einzug in das für sie neue Habitat.

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Wie kann ich einen Fuchs in meinem Garten sehen? Es ist ganz einfach. Richtet in eurer Parzelle ein paar Rückzugsorte für Wildtiere ein und setzt euch gelegentlich eine lange Zeit ruhig dort hin, dann kann es zu ganz besonderen Begegnungen mit Reineke Fuch kommen, wie ich sie in diesem Sommer erlebte und hier schildere: „Vom Fuchsquartier in meinem Garten“

Fotos: Wildtierkamera in einem Kleingarten Stadtmitte Bremen, Stadtwerder nahe umgekehrter Kommode in Sichtweite zum Dom, Mai 2016

Von der Wirkung des Lachens, des Lächelns und des Spotts – Zu Dario Fo [Allgemein]

„Die Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln und den Spott.“ Dario Fo (1926 – 2016)

Mit diesem Zitat möchte ich an den wunderbaren Dramatiker, Erzähler und Schauspieler Dario Fo und seine Stücke mit dem besonderen Blick auf die Welt erinnern, der gestern verstarb. „Geschichte einer Tigerin„, „Johann Padan entdeckt Amerika“ und wie sie alle heißen – Fos Stücke, von denen viele gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Schauspielerin Franka Rama entstanden sind, haben nichts an Aktualität eingebüßt. Das konnte ich beim Wiederlesen von „Bezahlt wird nicht“ im vergangenen Jahr mit einem lachenden und einem weinendem Auge feststellen. Lachend, weil so überraschend, aus ungewohnter Perspektive beobachtet und ins Absurde weitergeführt. Weindend, weil die Situation innerhalb von 20 Jahren nichts an Aktualität verloren hat. Ich fand in dem Stück sogar einen Verweis auf mein inzwischen entwickeltes historisches Forschungsinteresse und meine Leidenschaft fürs Gärtnern, der den Anlass für die lockere Serie [Gärten in der Literatur] auf meinem Blog gab. Nicht nur, dass es ein Garten war, der in dem Stück eine Rolle spielte, nein, es war ein Kleingarten von einem Eisenbahnarbeiter, der zudem noch als Versteck genutzt wurde – eine vergleichbare Praxis ist von widerständigen Gruppen während der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus bekannt. Nun ist Dario Fo, der bis ins hohe Alter künstlerisch und politisch wirkte, von der Bühne des Lebens abgetreten.

„Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo [Gärten in der Literatur]

Ursprünglich erschienen 1. September 2015

„MARGHERITA Ich will endlich die Pakete und Tüten loswerden … Oder denkst du, ich will das Zeug mein Leben lang unter dem Mantel haben?

ANTONIA  Ja, aber nicht hier: Wir bringen sie in unseren Schuppen in den Garten hinter der Eisenbahn. Da bringen wir alles hin, auch die Sachen unter dem Bett. Ich mache mir auch einen schönen dicken Bauch. Komm, hilf mir. Mit zwei oder dreimal Gehen ist alles weg.

Sie entnimmt einer Schublade zwei Kopfkissenbezüge, Bänder und Sicherheitsnadeln und macht zwei Säcke, die sie sich um den Hals hängt.

MARGHERITA Was ist das für ein Schuppen?

ANTONIA Gleich hinter der Eisenbahn. Nur über die Straße. Mein Schwiegervater hat da ein Gärtchen … höchstens zehn Meter im Quadrat … grad für ein paar Köpfe Salat. Das ist ein sicheres Versteck.“

In: Dario Fo, Bezahlt wird nicht, Eine Farce, Rotbuchverlag Hamburg Ausgabe 1997 (EA 1974), Seite 48f

Als diese Zeilen beim Lesen dieses turbulenten Theaterstücks des italienischen Dramatikers und Literaturnobelpreisträgers Dario Fo auftauchten, war ich einen Moment lang verblüfft. Italien steht für weite Landschaft, das neue und das alte Rom, Venedig, Ravenna, Michelangelo, Sonne, Zitronenblüte und das Mittelmeer, Fiat, Korsika und Mafia – aber für einen Kleingarten? Ganz offensichtlich kennt man auch in Italien Kleingärten; nicht nur das, sie sind auch als Versteck gebräuchlich [in der Literatur zumindest], was beispielsweise auch während des Nationalsozialismus in Bremen und anderen Städten von politisch und rassisch verfolgten Menschen und ihren Freunden praktiziert wurde, und finden sogar Eingang in ein Theaterstück. Wenn man genauer darüber nachdenkt, eigentlich nicht so überraschend, dass sie in Italien üblich und Dario Fo bekannt sind, denn Parzellen gehörten über ein Jahrhundert und mehr zur Alltagskultur von Arbeiterfamilien.

In jedem Fall ist das Zitat ein schöner Anlass, um hier eine lose Reihe von Auszügen aus der schönen Literatur zu beginnen, die sich im engeren oder weitesten Sinne auf (Klein)Gärten beziehen. Was meint ihr dazu? Sind euch selbst auch schon einmal solche Passagen aufgefallen? In welchem Buch? Wer schreibt davon? Macht mich gerne darauf aufmerksam! Ich bin gespannt.

Wohin mit dem Kürbis? Zum Bäcker!

KürbisDetail

Dieser Herbst hat es in sich, viele Gemüsesorten und Obstbäume tragen reiche Ernte, manche Bäume scheinen förmlich unter ihrer Last zu ächzen. Auch der Kürbis, der übrigens nicht eindeutig zuzuordnen ist und daher als Fruchtgemüse bezeichnet wird, zeigt jetzt seine üppige Pracht. Was mache ich damit, wenn auch das neueste Rezept ausprobiert worden ist? Wohin mit der Pracht, wenn ich keinen Halloweenkürbis schnitzen will? Verschenken, ok. Oder ich mache es so, wie mein früherer Gartennachbar mir damals riet, als ich blütige Kleingartenanfängerin war und plötzlich über einen schier unermesslich scheinenden Reichtum an feinsten Kürbisen verfügte, mit dem ich mehrere große WGs mindestens ein Jahr lang hätte ernähren können: Ich biete sie einer Bäckerei an, die noch selbst backt, – im Tausch gegen ihr frisches Kürbisbrot. Man wird sich einig werden.

Foto: Kirsten Tiedemann

… dem Glück einen Stuhl hinstellen.

Es ist eine der schönen Alltagsweisheiten, die Mirjam Pressler als Titel für eines ihrer Kinderbücher ausgewählt hat: „Wenn das Glück kommt, muß man ihm einen Stuhl hinstellen„. … und manchmal kann es auch eine alte Bank im herbstlichen Garten sein, wie ich finde.

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Foto: Kirsten Tiedemann