Die neue Gartenordnung – eine Bitte um Versachlichung [Leserinnenbrief]

Zur Diskussion um die Gartenordnung machen sich einige Menschen in Bremen Gedanken – das ist kein Wunder, denn 16.000 Mitglieder hat der Landesverband der Gartenfreunde Bremen und die meisten von ihnen haben einen kleinen Garten. Für  diese Mitglieder, so wie ich eines bin und so wie auch die engagierte Kleingärtnerin und Verfasserin des folgenden Leserinnenbriefes, wird die Gartenordnung Gültigkeit haben und im „Gartenalltag“ wirksam werden. Der konstruktive Beitrag von Ingeborg Jahn beinhaltet neue Aspekte zur Diskussion, die ich hier gerne vollständig veröffentliche. Danke sehr für diese Impulse!

„Die neue Gartenordnung – eine Bitte zur Versachlichung

Ich finde richtig, dass bei der Entscheidung für eine neue Gartenordnung demokratische Spielregeln und Mitgestaltung eingefordert werden. Deshalb spreche ich mich dafür aus, die Abstimmung ins nächste Jahr zu verschieben und die Zeit bis dahin dafür zu nutzen, eine Gartenordnung zu entwickeln, die ökologisch verantwortlich ist und den unterschiedlichen Interessen von Kleingärtner*innen gerecht wird. Mir fällt auf, dass in der Debatte (im WK und anderswo) häufig stereotyp Gegensätze aufgebaut werden, ganz beliebt Gärtner/innen „alten Schlags“ versus junge Familien: die einen arbeiten rechtschaffen, die anderen wollen nur ihre Freizeit genießen. Ich erfahre Unterschiede eher zwischen „Sauber“- und Laissez-faire-Gärtner*innen: Die einen hätten es gerne akkurat, der Rasen getrimmt und beikrautfrei, die anderen freuen sich, wenn das Wiesenschaumkraut im Rasen spriesst und hegen wilde Ecken. Manchmal erscheint auch „kleingärtnerische Nutzung (1/3 der Fläche)“ als schwer vereinbar mit „Natur- und Insektenfreundlichkeit“. Kleingärtnerische Nutzung kann sehr insektenfreundlich sein: Mischkultur von Gemüsepflanzen und Stauden, Kräuterbeete mit Oregano, Salbei, Thymian, Pflanzen mit essbaren Blüten … alles kleingärtnerische Nutzung … ebenso Beerensträucher und Obstbäume. In diesem Sinne ist die Ein-Drittel-Regelung doch ein guter Anhaltspunkt. Ich bin unbedingt dafür, dass die Nutzung eines Kleingartens auch kleingärtnerisch ist … sonst wäre es ein Wochenend-Grundstück (mit ggfs. entsprechend höheren Kosten). Auch eine Heckenhöhe entlang der Wege, die Einblicke ermöglicht, finde ich wichtig, zum Gucken und Sich-Inspirieren-Lassen … und auch für den Schwatz übern Gartenzaun. Die Gartenordnung ist ein Rahmen aus nützlichen Regeln, in dem unterschiedliche Stile des Gärtnerns möglich sind. Die Vielfalt zu respektieren und zu fördern, sollten sich Kleingartenvereine ebenso wie der Landesverband zu ihrer Aufgabe machen. Dazu gehört die Einsicht aller Beteiligten, dass ein Kleingarten sich nicht im Liegestuhl pflegen lässt, d.h. Machen und Tun erfordert, UND eine Kultur der gegenseitigen Hilfe und Unterstützung für neue – und alte – Gartenfreund*innen. Vielleicht hat die junge Familie sich das Aufräumen eines verwahrlosten Gartengrundstücks leichter vorgestellt als es tatsächlich ist oder freut sich über Hinweise, wie das ganze Schnittgut sinnvoll verwendet werden kann (Kompost, Hochbeet). Vielleicht wünscht sich der älter gewordene Gartenfreund Beistand bei der Umgestaltung des Gartens zur Erleichterung der Pflege. Eine Wildblumenwiese oder ein Wildstaudenbeet kann die bessere Lösung sein, als Rasen einzusäen, der mindesten 6 Monate im Jahr ständig „mäh..“ ruft.“

Ingeborg Jahn, Bremen, engagierte Kleingärtnerin seit fast 20 Jahren

Kleingärtnerverein informiert Mitglieder zum Trampolin-Verbot und zur geplanten Gartenordnung

Gelungene Transparenz zu Fragen der geplanten neuen Gartenordnung zeigt der Vorstand des Kleingärtnervereins Beim Kuhhirten e.V.

Als Reaktion auf die Artikel im Weser-Kurier informiert der Vorstand des Kleingärtnervereins Beim Kuhhirten e.V. seine Mitglieder via Vereins-Homepage am 19. Februar 2018 zum Sachstand und über sein Vorgehen. Der Vorstand hat 10 (!) Änderungsanträge eingereicht, davon auch einige, die nicht die Meinung des Vorstands spiegeln, denn man fühlt sich verpflichtet, allen Betroffenen eine Chance zur Mitwirkung zu geben. Das nennt sich demokratisches Vorgehen. Chapeau!

 

„Trampolin-Verbot in Kleingärten“ – kommt das wirklich?

Geschrieben am 19 Feb 2018

„Im Weser-Kurier vom Sonnabend, 17. Februar 2018, ist ein längerer Artikel zum Thema „Neue Gartenordnung“ erschienen (der Artikel ist hier zu finden). Wie immer gilt bei solchen Themen: Freunde und Kritiker von Regelungen treffen aufeinander, es fallen oftmals harte Worte und die Emotionen kochen durchaus einmal hoch.

Zuerst einmal daher der aktuelle Sachstand – so knapp wie möglich umrissen:

  • Die Gartenordnung wird seit Jahren diskutiert.
  • Bereits 2013 wurde ein neuer Entwurf an die Vereine geleitet, dort diskutiert und Änderungswünsche an den Landesverband zurückgemeldet.
  • Beim Landesverband kümmerte sich dann bis zum Jahr 2015 eine ehrenamtliche Arbeitsgruppe um das Thema.
  • Der durch den Vorstand des Landesverbandes verabschiedete Entwurf zur neuen Gartenordnung wurde im Januar 2018 an die Vereine verschickt, er ist hier zu finden. Er unterscheidet sich dabei erheblich von der Fassung der Arbeitsgruppe aus dem Jahr 2015.
  • Verbunden mit dem Versand war die Mitteilung, dass der Vorstand des Landesverbandes diesen Entwurf auf der Delegiertenversammlung im April 2018 zur Diskussion und Abstimmung einreichen würde.
  • Entsprechende Änderungsanträge zum Entwurf seien bis zum 17. Februar 2018 möglich.

Der Vorstand des KGV Beim Kuhhirten hat von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und insgesamt zehn Änderungseinträge eingebracht (sie sind hier zu finden). Der Antrag, der am weitesten geht, bittet um eine Vertagung der Abstimmung. Dieser Wunsch nach Vertagung ist auch bereits von anderen Vereinen gestellt worden – ebenso gibt es nach unserer Kenntnis eine Vielzahl von weiteren Änderungsanträgen.

In die Anträge unseres Vereines sind auch Anmerkungen und Anregungen von Naturschutzverbänden oder Mitgliedern eingeflossen. Die Änderungsanträge spiegeln also nicht unbedingt die Meinung des Vorstandes wieder – wir fühlen uns aber verpflichtet, möglichst allen Betroffenen und Beteiligten die Chance zu einer Stellungnahme bei diesem wichtigen Thema zu geben. Wir hatten dabei auch kurz mit dem Gedanken gespielt, in einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung das mit Euch zu diskutieren – von den Fristen wäre das aber nicht möglich gewesen.

Was der Vorstand gesamthaft für sinnvoll halten würden: Das Thema zu vertagen und erst in einem Jahr zur Abstimmung zu bringen. Das eröffnet die Chance, den Prozess transparenter aufzusetzen und zu begleiten.“

Der vollständige Beitrag des KGV Beim Kuhhirten lest ihr auf der gelungenen Homepage des Vereins hier. (Stand 21.2.2018)

Trampolin im Kleingarten – Kommentar eines Familienvaters im Weser-Kurier

 Das geplante Verbot von Trampolinen in Kleingärten ist für viele junge Familien nicht nachvollziehbar. Im Weser-Kurier online gibt es einen weiteren durchdachten Kommentar eines Familienvaters, der zentrale Aspekte der kleinen Gärten einbezieht.

Seemann166 am 20.02.2018 um 15:31 Uhr

„Ich habe einen 9-jährigen Sohn und bin Pächter eines Kleingartens in Bremen und kenne sehr viele Familien, die in ganz Bremen Kleingärten besitzen/pachten.
Da ich weder am Haus einen Garten, noch in direkter Nähe sichere Grünflächen vorhanden sind, ist für mich der Kleingarten ein wichtiger Rückzugsort. Ich habe dort mit mäßigem Erfolg auch einen „Versuchsgemüsegarten“ angelegt, der allerdings den Schnecken zum Opfer gefallen ist. Als berufstätiger Familienvater ist es leider nicht immer möglich, täglich in den Garten zu fahren, um sich mit der gebotenen Liebe um das Gemüse zu kümmern und gleichzeitig den Rasen auf Nagelscheren-Niveau zu halten. Für meinen Sohn ist ein Trampolin im Garten auch eine höhere Motivation mit mir in den Garten zu kommen als Kartoffeln zu ernten. Der Garten bedeutet für mich aber nicht nur Erholung vom Berufsalltag, sondern auch Flucht vor dem überfüllten Stadtverkehr und nicht mehr zumutbaren Abgas- und Feinstaub-Emissionen. Zudem sind immer mehr Flächen versiegelt und zugeparkt, es gibt kaum Spielmöglichkeiten für Kinder, selbst in Tempo 30 Zonen.
Der Landesverband der Gartenfreunde und die örtlichen Vereine sollten vermeiden, jetzt auch noch die Familien aus den Kleingärten zu vertreiben, indem sie ihnen das Leben mit strengeren Regeln unnötig schwer machen. Die Familien sind diejenigen, die das Gartengebiet mit Leben erfüllen und tragen zum Nebeneinander von Jung und Alt bei, was in dieser Gesellschaft ohnehin immer mehr verloren geht. Wir sind ohnehin immer mehr eine Gesellschaft auf dem EGO Trip! Zudem investieren die Familien mit Arbeit und Geld in den Erhalt der Gärten. Es gibt viele Gärten, die verwildern und brach liegen. Statt die meist kleinen Trampoline, die niemanden stören, zu verbieten, sollte man das Parken von Autos auf und vor den Parzellen und ausufernde Schwimmbäder als auch überdimensionale Gartenhäuser untersagen, sofern das nicht eh schon verboten ist. Es ist sicher wichtig, gewisse Regeln aufzustellen und einzuhalten, aber nicht einseitig zu Lasten von Familien. Ein Rentner setzt andere Prioritäten als ein Familienvater – ich glaube nicht, dass ein englischer Garten mit Reihen von Zierpflanzen besser als ein naturbelassener Garten mit Insekten- und Pflanzenvielfalt ist. Ganz nebenbei bringt es auch Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, vielleicht nicht immer konfliktfrei, aber beim Grillen mit dem türkischen Nachbarn lernt man sich eben ganz anders kennen. Leben und Leben lassen.
Ich kann zudem die Politik nur davor warnen, den Bedarf an sozialem Wohnraum gegen die Pächter und Besitzer von Kleingärten – die oft aus der bürgerlichen Mitte (aber nicht nur) kommen -, gegeneinander auszuspielen. Ich glaube, dass derzeit die Begehrlichkeiten der Stadt so oder so vorhanden sind und daran auch keine strengere Gartenordnung etwas ändert. Allerdings tragen die Kleingärten nicht nur im Sinne des „Kleingartentums“ (was immer der Begriff bedeutet) zur städtischen gärtnerischen und ökologischen Vielfalt bei, sondern sind auch soziale Notwendigkeit im Leben der Einwohner der Stadt. Nicht nur die Kleingärtner tragen dazu bei, sondern die Kleingärten selbst prägen die Stadt. In den Kleingärten gibt es z.T. mehr ökologische Vielfalt als auf dem Lande, da keine Pestizide verwendet werden, es steigert die Lebensqualität in den Städten, es hilft Familien Abstand von Job und Verkehr zu bekommen. Deswegen sollte man insbesondere den Familien weder seitens der Verbänden, noch der Politik das Leben schwer machen. Das fördert auch die Politikverdrossenheit. Wenn die Politik nicht mal in der Lage ist, den gesetzlichen Verpflichtungen zur Reduzierung der Emissionen innerhalb der Städte einzuhalten, sollten sie die Finger von den Kleingartengebieten lassen, denn nur diese sind neben öffentlichen Parks die grüne Lunge der Städte. Andernfalls ersticken die Städte und alles Leben an sich selbst.
Es mag sich auf den ersten Blick um ein nicht so offensichtliches öffentlichkeitswirksames Thema zu handeln, aber es birgt sozialen Sprengstoff, den man politisch nicht unterschätzen sollte. Es betrifft die bürgerliche Mitte und das s.g. Kleinbürgertum, die aber einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen (Steuereinnahmen) und sozialen Entwicklung in der Stadt beitragen.“
Henning Sauer, Bremen-Findorff

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Mehr zur Thematik im Weser-Kurier:

Es gibt eine Basta-Mentalität im Landesverband

Von  Frank Hethey 16.02.2018 2 Kommentare

sowie

Kommentar zum Interview „Es gibt eine Basta-Mentalität im Landesverband“ im Weser-Kurier

Trampolin-Verbot in Kleingärten – heute Thema im Weser-Kurier

„Bremische Gartenordnung: Trampolin-Verbot in Kleingärten„, das ist ein brandaktueller Artikel von Frank Hethey in der heutigen Ausgabe des Weser-Kuriers, auf den ich euch aufmerksam machen möchte.

„Ärger um neue Vorschriften für Kleingärtner: An diesem Sonnabend läuft die Frist für Änderungswünsche am Entwurf der neuen Gartenordnung ab. Doch Ruhe dürfte nicht einkehren, es regt sich Widerstand.“  

Hier klicken und den ganzen Artikel lesen. 

* Der komplette Entwurf der neuen Gartenordnung mit kritischen Kommentaren kann bei den Kleingartenrebellen Bremen hier eingesehen werden.

* „Es gibt eine Basta-Mentalität im Landesverband“ ist ein Interview, das Frank Hethey  für den Weser-Kurier freundlicherweise mit mir geführt hat. Es erscheint heute ebenfalls im Weser-Kurier.

* Achtung: Nur noch heute können Vorstände der Kleingärtnervereine, die Mitglied im Landesverband der Gartenfreunde Bremen sind, Anträge auf Änderung an den Landesverband der Gartenfreunde einreichen.

* Zum Thema Trampolin-Verbot erhielt ich heute eine interessante Information von einem Garten-Kollegen: „Nur nebenbei, Trampoline aufblasbare Swimmingpools oder welche Sportgeräte auch immer müssen auf Ihre  Sicherheit geprüft sein und eine CE Zulassung besitzen. Andernfalls dürfen sie garnicht in den Handel gelangen. Diese Prüfung auf Betriebssicherheit und Zulassung gehört nicht zu den Aufgaben eines KGV Landesverbandes.“

* Übrigens: Es lohnt sich unbedingt, auch die verschiedenen Kommentare der Leserinnen und Leser in der online-Ausgabe des Weser-Kuriers direkt unter dem Beitrag zu lesen.

* Von meibu gibt es dort seit 17.2.2018 10:38 Uhr beispielsweise folgenden Kommentar, den ich hier komplett aufnehme, weil er ganz unterschiedliche Aspekte aufgreift. Dass darin auf einen Blogbeitrag auf „Gärtnern in Bremen“ hingewiesen wird, freut mich (klar!), ist aber nicht der Grund für die Kopie. Den gesamten Beitrag findet ihr hier im Weser-Kurier.

Dem Trampolin an sich wird hier [ im Artikel des WK, Anmerkung KT] viel Raum gewidmet. Deshalb kurz: ein durchschnittliches Trampolin im Kleingarten hat nur einen Durchmesser von 2-3 Metern und nimmt damit bei (ebenfalls durchschnittlich) 450qm Gartenfläche davon rund 1,5 % ein. Und der Kommentator BremKrit hat offensichtlich einen privaten Garten in dem er sich von Kinderlärm gestört fühlt, denn Kleingärten müssen ohnehin einsichtig sein, die Heckenhöhe ist auf 1,10 begrenzt, so will es die alte und der Entwurf der neuen Gartenordnung. Es geht keineswegs darum, sich eine private Oase zu schaffen, sondern gelebte Gartenkultur soll auch für Passanten und Spaziergänger da sein.

Interessant ist allerdings, dass BremKrit damit rechnet, dass die Flächen ohnehin bald umgewidmet werden sollen. Damit folgt er der Argumentation der Hamburger Schrebergartenrebellen, die in dem neuen Entwurf der Gartenordnung eine Vorbereitung der Umwidmung von Kleingartengrund in Bauland sehen, wie in Hamburg geschehen. Dabei geht es vor allem um die neuen weitreichenden Möglichkeiten Kleingärtner, die nicht spuren, ohne Abmahnung los zu werden. (http://www.schreberrebellen.de/index.php?id=aktuelles&post=gartenordnungs-zwang-jetzt-auch-in-bremen)

Tatsächlich lassen einige Formulierungen wie „den Anweisungen der Fachberater des Landesgartenverbandes ist Folge zu leisten“ , „Verstöße gegen die Gartenordnung können (….) eine Kündigung begründen“ diesen Schluss durchaus zu. Von Abmahnung oder Nacharbeiten ist nämlich keine Rede mehr.

Demnächst könnte bei Verabschiedung der neuen Gartenordnung nach dem vorliegenden Entwurf also jeder mit zwei Holundersträuchern, oder einem über 2,5 Metern
oder einem Trampolin (oder Schaukel),
oder zwei Nadelbäumen,
oder einem Baum über 4 Metern Höhe,
oder einer Gartenpforte, die nicht der „vom Verpächter festgelegten Ausführung“ entspricht
oder einer Hecke statt einem Zaun zum Nachbargrundstück
oder einen abgestorbenen Stumpf, Totholzbarriere, oder Holzhaufen
oder Ackerwinde, Girsch, oder Quecke
oder (vermutlich versehentlich) Neophyten
oder nicht mindestens ein drittel der Fläche für Obst und Gemüseanbau u.s.w. der Garten fristlos gekündigt werden. Hecke auf 1,10 gilt natürlich dabei auch weiterhin.

Alle, die sich jetzt zurücklehnen und denken, „naja, das wird heißer gekocht als es gegessen wird“ sollte dabei bewusst sein, dass das nur so lange stimmt, bis der Vereinsvorstand vom Landesverband mit der neuen Handhabe dazu genötigt wird, die Gartenregeln rigoros umzusetzen. Zum Beispiel weil tatsächlich eine Umnutzung angestrebt wird. Über die wird u.a. in Walle oder im Bremer Westen schon lange diskutiert. Oder persönliche Querelen werden über Vereinsausschluss geahndet, wer hat schon seine ganze Quecke ganzjährig im Griff? Bei dieser Liste findet sich immer etwas, gerade bei Gärtnern, die für Igel und Insekten Holz liegen lassen, Girsch-Salat lecker finden oder Hecken zwischen den Gärten für Vögel sinnvoll…

 

(Mehr zum Thema Bauland im Kleingartengebiet, inkl. Presseschau:kirstentiedemann.wordpress.com/2017/09/11/die-katze-ist-aus-dem-sack-aktuelle-beitraege-zu-plaenen-kleingaerten-zu-bebauen/)

 

Gartenordnungs-Zwang? Auch in Bremen?!

Die engagierten Hamburger Schreberrebellen sind auf die frischen Bremer Kleingartenrebellen aufmerksam geworden und rücken Bremens kommende Gartenordnung in ein neues Licht:

„Im Bremer Kleingartenwesen läuft anscheinend (fast) ebenso viel quer wie im Hamburger Pendant dazu! Liest man sich durch entsprechende Internetseiten aus Bremen, dann kommt einem doch so einiges verdächtig bekannt vor. Soll das unsägliche „Hamburger Modell“ der „Nachverdichtung im Bestand“ bald auch nach Bremen getragen werden?“

Die Bremer Kleingärtner-Vereine werden auf den letzten Drücker über das wichtige Papier informiert, „dürfen“ in kürzester Frist im Winter, wenn kaum Mitglieder anzutreffen sind, Rückmeldung geben und Vorschläge machen. Mit dieser Strategie kann man den demokratischen Schein wahren, der echte demokratische Prozess und die offene Diskussion werden so jedoch wesentlich beschränkt.

Ähnliches erlebten die Hamburger Gartenfreunde:

Man kennt das aus Hamburg und es ist KEIN Zufall, sondern es hat System! So werden die Verbandsmitglieder überrumpelt und veräppelt. So sollen vermeintlich „demokratische“ Beschlüsse eingeholt werden. Oder besser: So versucht man die Mitglieder zu übertölpeln, damit sie ihren Segen geben zu der Suppe, die man ihnen einbrocken möchte.“

Und die Hamburger rufen uns Bremerinnen und Bremern zu:

Liebe Bremerinnen und Bremer, bitte hört auf eure leidgeprüften Gartenfreunde aus Hamburg: Lasst euch das nicht gefallen, lasst euch nicht über den Tisch ziehen. Unterscheidet bitte klar zwischen Interessenvertretern und Interessenverrätern.

  Das ganze Vorgehen ist höchst undemokratisch und wird absichtlich so gemacht, damit ihr schön vereinzelt seid und keine Fragen stellen könnt. Es würde uns nicht wundern, wenn auf der nächsten Verbandsversammlung ein Gast aus Hamburg dabei wäre…

Eure Vorstände und Delegierten sind jetzt gefragt und müssen sich grade machen, müssen ihre Rechte und eine anständige Behandlung einfordern. Und ihr müsst dies von euren Vorständen und Delegierten einfordern. Sie brauchen euren Zuspruch und eure Unterstützung.

Wir wissen, wie diese Versammlungen beim Landesbund ablaufen. Wer da ein kritisches Wort verliert, den versucht man, als „sonderbaren Abweichler“ darzustellen.

Pustekuchen, nehmt eure Rechte wahr! Bei uns hat es einige Zeit gedauert. Noch nie gab es so viel klare Kritik wie auf unserer letzten Landesbundversammlung. Delegierte, macht den Mund auf, tut es für euren Verein, für eure Mitglieder! Kämpft für sie und seid für sie stark.

Wenn es wie in HH läuft, dann ist das nur der Anfang und hinter all den vorbereiteten Papieren steckt nur eines: Mat will an eure Flächen, will kündigen, nachverdichten, will am liebsten Leerstand.

Seid auf der Hut. Die Kleingartenflächen sind bei „Investoren“ sehr beliebt. Dazwischen steht ihr und das Bundeskleingartengesetz. In HH haben wir einige Erfahrungen damit, wie versucht wird, dies mithilfe von Zwangssatzungen, -gartenordnungen und dergleichen auszuhebeln.

SchreberRebellen Hamburg, 6.2.2018

Wer kommentierte Informationen zur Poltik des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen sucht, wird sie auf der Website der ganz frisch gesprossenen Bremer Kleingartenrebellen finden. Das jedenfalls ist die erklärte Absicht einer Gruppe engagierter Kleingärtner, die sich für folgende Ziele einsetzt:

1. Transparenz und Mitbestimmung in Kleingartenfragen für Alle
2. Bestandssicherung für Grünflächen und Kleingärten in Bremen
3. Naturgemäßes Gärtnern im Einklang mit der Natur

Mehr findet ihr auf der Homepage Kleingartenrebellen.de-Bremen.de.

Die Links zu den Internetseiten findet ihr ab sofort in meiner Linkliste.

Senat für Umwelt, Bau und Verkehr aktiv für Belebung von Parzellen im Bremer Westen mit Bundesmitteln

Gratulation! Die Stadt Bremen, genauer der Senat für Umwelt, Bau und Verkehr, ist mit seinem Konzept für den Naherholungspark Bremer Westen vom Bund als eine von insgesamt 12 Städten ausgewählt worden und wird nun für drei Jahre vom Bund finanziell gefördert. Well done!

Mit einer neuen Mitarbeiterin, die sich drei Jahre ausschließlich mit diesem Kleingartengebiet befassen wird – und zwar speziell mit der Belebung brach liegender Parzellen -, gibt es die realistische Chance, die Waller Feldmark und das angrenzende Gröpelinger Kleingartengebiet erneut in viele Menschen Hände zu legen und so vielen Menschen zugute kommen zu lassen. Die Mitarbeiterin hat die Aufgabe, das nachhaltige Konzept für den Naherholungspark auf den Weg zu bringen. Vor allem gehört es dazu, brach liegende Parzellen aktiv in freizeitgärtnerische Hände zu legen (private und/oder projektbezogene Nutzung), Obstwiesen auszuweisen und Freiflächen zur allgemeinen Nutzung zu definieren sowie einen Radweg durchs Gebiet auf den Weg zu bringen. Damit wird unter anderem eine Lücke geschlossen werden, die die ehrenamtlichen Kleingartenvorstände und die Vereinsmitglieder zeitlich nicht leisten können: Die Mitarbeiterin nimmt sich wesentlich der brach gefallenen Parzellen an. Das Konzept Naherholungsgebiet Bremer Westen soll das Kleingartengebiet langfristig als grünes Gebiet für die Bremer Bevölkerung, vor allem als grüne Lunge von Walle und Gröpelingen ohne Wohnbebauung erhalten. Es wurde von der Behörde mit umfangreicher Bürgerbeteiligung entwickelt – mit dabei waren regelmäßig auch VertreterInnen der Waller Kleingartenvereine und des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen.

Der Landesverband der Gartenfreunde Bremen will als Interessenvertretung der Kleingärtner in unserer Stadt trotz dieser Förderung durch Stadt und Bund lieber Gartenflächen abgeben und Teile bebauen lassen, wie gestern im Weser-Kurier zu lesen war:

„Der Landesverband der Gartenfreunde steht dem Projekt der Behörde skeptisch gegenüber und hält die Bebauung der Flächen auch weiterhin für eine Lösung der Probleme. „Wohnungsbau ist sicherlich die angenehmste (!/ Hervorhebung durch Autorin des Blogs) Nachnutzung, und idealerweise entsteht dadurch ein neues Klientel für unsere Vereine“, sagt Birgit Drechsler, Geschäftsführerin des Landesverbandes. Sie glaubt nicht daran, dass die Förderung an dem Leerstand viel ändern werde.“  Weser-Kurier 13.11.2017

[den ganzen Artikel im Weser-Kurier lesen … hier klicken]

Ich meine: Geben wir der Mitarbeiterin in ihrer kompetenten, engagierten und realistischen Aktivität positive Unterstützung, dann kann in drei Jahren gemeinsam viel bewegt werden.