Internationaler Frauentag am 8. März

Auch in diesem Jahr gibt es in Bremen und Bremerhaven eine Fülle von über 70 Veranstaltungen rund um den internationalen Frauentag am 8. März für die Gleichberechtigung der Frau in allen Gesellschaften der Welt. Seit 103 Jahren wird der Tag (mit Unterbrechungen) bereits begangen. Anfangs war der Aktionstag ein Kampftag für das freie Wahlrecht und die Gleichberechtigung von Frauen. Die Gleichberechtigung ist nach wie vor das erklärte Ziel, auf das Frauenorganisationen an diesem Aktionstag aufmerksam machen wollen: „Solange wir einen Frauentag feiern müssen, bedeutet das, dass wir keine Gleichberechtigung haben. […] Das Ziel ist die Gleichberechtigung, damit wir solche Tage nicht mehr brauchen.“, so bringt es die luxemburgische EU-Kommissarin Vivien Reding 2008 auf den Punkt, nachzulesen auf Wikipedia. Dort läßt sich auch eine sehr gute Zusammenfassung zur Geschichte des Internationalen Frauentages lesen.

Ausstellungen, Feste, Diskussionen, Filme und und und … so vielfältig ist das inter-kulturelle Angebote und das politische, intellektuelle, lebenspraktische, spirituelle und theoretische Aspekte thematisiert. Verschiedene altbekannte und auch neue Akteurinnen richten die Veranstaltungen, die zwischen dem 14. Februar und 28. März laufen, in allen Stadtteile Bremens und Bremerhavens aus. Ein Flyer der Bremischen Gleichstellungsstelle (FGZ) gibt eine Übersicht über das gehaltvolle Programm. Er ist in der Geschäftsstelle der FGZ in der Knochenhauser Strasse 20-25 erhältlich und selbstverständlich als pdf-Datei, hier klicken.

In diesem Jahr bieten Birthe Brandes und ich ein Gesprächsangebot zweier Frauengenerationen, das bereits ausgebucht ist. 1. März 2014 “Mit beiden Beinen im Leben” – Begegnung zum internationalen Frauentag. Die politische Aktivistin Ingeborg Breidbach (85) und die Schriftstellerin Jutta Reichelt (46) begegnen sich und erzählen von ihrem Wirken und Werden. Zuerst machen wir aber einem kleinen gemeinsamen Spaziergang und finden anschließend angeregt durch die beiden Frauen ins generationsübergreifende Gespräch. (moderiert) Veranstaltende: Birthe Brandes (Freizeitpädagogin) & Kirsten Tiedemann (Historikerin),15.00 bis 17.00 Uhr, Treffpunkt am Café Radieschen, Buntentorsteinweg 65,  von dort gehen wir gemeinsam zum Veranstaltungsraum in der Zionsgemeinde in der Kornstrasse. Max. 10 Teilnehmende jeden Geschlechts, Eintritt frei, Spende erbeten.       

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Kaisenhaus Rückansicht

KaisenhausDiese Rückansicht eines Kaisenhauses mit Schiefer verkleidetem Anbau ist von einer verlassenen Parzelle aus fotografiert. Die betagte Bewohnerin ist hier geboren, war hier zeitlebens ansässig und verbringt nun ihren Lebensabend in ihrem Elternhaus. Um sie herum wird es immer einsamer. Wenn die Wohnnachbarn sterben, werden die Einfamilienhäuser verlassen und verfallen, da die Stadt das Wohnen dort weder gestattet, noch ihrer Selbstverpflichtung, die Gebäude abzureißen, nachkommt. So ein Kleingarten mit Hausruine ist für neue Pächter wenig attraktiv und so bleibt sie frei.

Im Winter wird die Situation für die Parzellenbewohnerin besonders heikel, weil sich in den jahrenzeitlich bedingten wenig genutzten Kleingartengebieten Einbruchserien häufen. Davon läßt sich die Bewohnerin aber nicht schrecken. Sie lebt ausgesprochen gerne in ihrem Haus und kann sich nicht vorstellen, in eine „Stadtwohnung“ zu ziehen, wie sie sagt. Warum soll sie ihr Eigenheim aufgeben? Der Garten vor der Tür, das Zwitschern der Vögel, all das will sie nicht missen. Die über 80jährige Frau freut sich, dass neu hinzugekommene Pächter genauso regelmäßig bei ihr vorbeischauen. wie langjährige Pächter von benachbarten Parzelle und Bekannte, die sich nach ihrem Wohlergehen erkundigen.

Foto: Kirsten Tiedemann

Rollende Kanalisation

Rollende Kanalisation

Nein, es ist kein Thema, dem man sich gerne widmet…es ist jedoch eine notwendige Angelegenheit und darum will ich hier einmal darauf zu sprechen kommen. Wie sieht es mit den Abwässern in den dauerhaft bewohnten Kleingärten aus? Werden sie einfach weggekippt, in Gräben geleitet? Soviel schon mal vorweg, das ist nicht der Fall. Dauer-Kleingartengebiete gehören planungsrechtlich nicht zu Baugebieten. Für sie ist keine Erschliessung mit Elektrizität, Straßen oder Wasser und Abwasserentsorgung vorgesehen. Ein Kanalisationssystem war und ist in diesen Gebieten also nicht vorhanden. Kommt es zu massenhaftem Wohnen in Kleingärten, wie es in den Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Bremen mehr und mehr der Fall war, entstehen Abwässer in größerem Umfang. Wie hat man diese Situation in Bremen bei einer vorübergehend geduldeten Bewohnung gelöst, ohne eine kostspielige Kanalisation zu verlegen? Wie konnte Sorge dafür getragen werden, dass die Abwässer entsorgt wurden? Die Lösung liegt in einer geschlossenen Abwassergrube, die für jedes Haus bindend vorgeschrieben wurde. Bei Bedarf, das heißt sobald solch eine Grube komplett gefüllt war, wurde die sogenannte rollende Kanalisation der Stadtwerke gerufen. Dabei handelt es sich um einen Tankwagen, der sich langsam durch die teilweise recht schmalen Wege voran bewegen muss, um an die Grundstücke zu gelangen, auf denen die Grube mittels Absaugschlauch zu entleeren ist. Dieses kostenpflichtige Prinzip funktioniert bereits über sechs Jahrzehnte bis heute.

Kleingartengebiet Bremen

Rollende Kanalisation in einem Bremer Kleingartengebiet

Seit 2013 ist es in Bremens Kleingärten gestattet, fließendes Wasser und ein WC in einer Laube zu installieren, vorausgesetzt die Pächter schaffen sich einen Schmutzwassertank an. Wer dazu nähere Infos sucht, findet sie beim Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. Diese Abwässer werden ebenfalls von der rollenden Kanalisation entsorgt.

Fotos: Kirsten Tiedemann

Knorrige Obstbäume

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Solche knorrigen Obstbäume haben einen besondere Charme und tragen häufig alte Apfelsorten, die nur in Privatgärten zu finden sind. Das Alter dieses Baumes liegt schätzungsweise zwischen 50 und 70 Jahren. Bei Rodungen verlassener Parzellen in Bremen werden sie üblicherweise rigide gefällt und leider nur in Ausnahmen erhalten. Meist wird die begrenzte Lebensdauer von Obstbäumen als Begründung für die Fällung angegeben und ein angenommener Wunsch möglicher Pächter, die Parzelle selbst gestalten zu können. Die angeführte Lebensdauer ist allerdings nur eine statistischer Angabe mit begrenzter Aussagekraft, von dem die reale Lebensdauer eines Baumes häufig deutlich nach oben abweicht. Von einem 120jährigen, gesunden Apfelbaum im hessischen Rodgau wird hier berichtet.

Es gibt viele gute Gründe, die für den Erhalt solcher Einzelstücke sprechen: die wunderschöne Blüte im Frühjahr gehört dazu, seine Funktion als Kletterbaum für Kinder, seine Bedeutung als Lebensraum für Vögel und Insekten, die willkommene Schattenspende im Hochsommer und die köstliche Ernte im Herbst. Und selbst, wenn keine Früchte mehr heranreifen, ist er noch sehenswert. Solch ein knorriger Baum gibt dem Garten einen ganz besonderen Charakter.

Foto: Kirsten Tiedemann

Nachlass II

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Ein Eimer mit Bitumen und ein Quast wirken als werde die Arbeit zum Abdichten von Dach und Schornstein nach einer kurzen Pause, vielleicht um ein Bierchen zu trinken, wieder aufgenommen. Dieses Kaisenhaus ist jedoch bereits vor Jahren verlassen worden, Eimer und Quast stehen vergessen auf dem Dach.

Foto: Kirsten Tiedemann

Jurte statt Laube

Kirsten Tiedemann, Jurte

Diese außergewöhnliche Form einer Laube entdeckte ich auf einem meiner Streifzüge durch bremische Parzellengebiete. Es ist eine Jurte, die im Aufbau begriffen ist. In diesem besonderen Zelt sehe ich eine attraktive Alternative zur heute häufig genutzten Garten-laube, da sie sich wohltuend von der standardisierten Blockbohlen-Baumarktware abhebt. Der wesentliche Vorteile einer Jurte ist ihr temporärer Charakter, sie ist transportabel. Will (oder muß) man die Parzelle wechseln, kann die Jurte leicht abgebaut, zusammenge-packt und an anderer Stelle wieder errichtet werden. Die Materialkosten für solch ein textiles Gebäude, das aus einem mit Baumwoll- und Filztextilien bedecktem, leichten Holzgerüst besteht, belaufen sich auf 3.000,- Euro. Konkrete, kostenlose Anleitungen für einen fachgerechten Aufbau lassen sich im Internet finden (siehe unten).        

Die variable Größe kann den vorgegebenen 24 Quadratmetern, die eine Gartenlaube im Kleingartengebiet maximal haben darf, angepasst werden. Von der zuständigen Behörde wird eine Jurte genehmigt.

Jurte Innen

                      Ihren Ursprung hat die Jurte als transportable Unterkunft übrigens in West- und Zentralasien, besonders verbreitet ist sie in der Mongolei und in Kasachstan. Nomaden entwickelten Jurten als bewegliche Unterkunft und bewohnen sie noch heute.

 Man darf gespannt sein, ob die Jurte zum neuen Trend in Bremer Parzellengebieten wird.

Wer Interesse am Selbstbau einer Jurte hat, findet allgemeine Infos zum Bau mit kostenlosem eBook im www, beispielsweise hier.und hier.                                                      Ein Zeitraffer-Film zum Aufbau einer Jurte in Freiburg im Breisgau ist auf YouTube zu sehen, hier klicken.                                                                                                    Seminare zum Selbstbau einer Jurte werden in Graz, Chieming und den Vogesen angeboten: hier klicken.

Von Woodlandyarts stammt die unten abgebildete Skizze. Auf deren website werden außerdem verschiedene Jurte-Typen gezeigt. Vgl. http://www.woodlandyurts.co.uk/Yurt_Facts/Build_Your_Own.html

woodland yurts

Nachlass

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Diese Werkbank wirkt als hätte jemand seine Arbeit gerade unterbrochen, um sie gleich wieder aufzunehmen – wären da nicht die Spinnweben. Tatsächlich gehört sie zu einer bereits seit Jahren aufgegebenen Laube und ist der Nachlass des letzten Pächters. Welche Geschichte mag dahinter stecken? Ist der Pächter plötzlich schwer erkrankt oder verstorben, sodass er seine Angelegenheiten nicht mehr selbst ordnen konnte? Hatte er keine Angehörigen, die sich seiner Sachen annahmen? Oder ist er im Streit mit dem Verein auseinander gegangen? Wir werden es nicht mehr erfahren. Was die abgenutzte Werkbank verrät ist, dass der Pächter handwerklich aktiv war, gebrauchte Dinge aufhob und sie wieder verwendete. Das Holz der von außen mit Dachpappe verkleideten Laube ist trotz eines offenen Fensters in einem überraschend guten Zustand.                                   Fotos: Kirsten Tiedemann

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