„Abriss wäre absurd“ – Leserbrief im Weser-Kurier zu „Vergessene Kaisenhäuser“

Einige Bremer Kleingartenvereine schätzen die Kaisenhäuser in ihrem Vereinsgebiet, andere wollen auch intakte Kaisenhäuser abreißen lassen. In der Reportage „Vergessene Kaisenhäuser“ wurde nur die Meinung von jenen aufgezeigt, die den Abriss befürworten. Im Leserbrief von Peter Stolz, der heute im Weser-Kurier erschien, findet sich eine andere Sicht und Argumentation.

Leserbrief im Weser-Kurier am 22.10.2017

Besten Dank an Frank für den Hinweis!

 

Herrenlose Tasche in Waller Feldmark: Polizeieinsatz

Keine Ruhe im Parzellengebiet: Eine herrenlose Tasche sorgte laut Weser-Kurier heute in den frühen Morgenstunden in der Waller Feldmark für einen Polizeieinsatz. Nachdem die Meldung der BSAG über die Tasche, die an der Bushaltestelle Hohweg stehen würde, kurz vor sechs Uhr bei der Polizei eintraf, rückte eine Spezialteam aus und sperrte vorsichtshalber das umliegende Parzellengebiet. Um 10 Uhr wurde die Sperrung aufgehoben.

Die Polizei teilte mit, dass sich in der Tasche Spielzeugautos befunden haben.

Die Nachricht schrieb Kristin Hermann im Weser-Kurier online am 3.6.2017

 

Antworten von Staatsrat Meyer zu planierten Parzellen im Montbretienweg/Walle

Ronny Meyer, der als Staatsrat beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr unter anderem für die Kleingartengebiete Bremens zuständig ist, hat meine Fragen nach den verwüsteten Parzellen im Montretienweg freundlicherweise in einem Kommentar zum Beitrag beantwortet. Hier gebe ich seine umfänglichen und informativen Antworten vom 30. März d.J. im Originaltext gerne weiter, da der Zustand der Parzellen im Montbretienweg viele Leserinnen und Lesern interessiert.

Hallo Frau Tiedmann,
sie machen sich Sorgen um das Grün in der Stadt und speziell um das Kleingartengebiet im Montbretienweg. Ihnen ist dort etwas aufgefallen, das bei Ihnen Fragen aufwirft.

Lassen sich mich kurz erklären, was dort passiert und geplant ist: Im Montbretienweg im Kleingartengebiet westlich des Waller Fleetes ist mit der Durchführung der letzten Kompensationsmaßnahme für den Ausbau des Zubringers Überseestadt (B 6) begonnen worden. Auf 8 brachliegenden Flurstücken südlich des Montbretienweges werden Obstwiesen angelegt werden. Mit der Ausführungsplanung, Ausschreibung, Vergabe und Bauüberwachung der Arbeiten hat das ASV den UBB beauftragt.

Das ASV hat vom Kampfmittelräumdienst der Polizei die Auflage erhalten, dass die 8 Grundstücke zunächst nach Kampfmitteln abzusuchen seien. Hierfür mussten die zum Großteil völlig zugewachsenen und stellenweise vermüllten Kleingärten zunächst abgeräumt werden. Das Fällen der Gehölze geschah bis zum 28. Februar 2017, also während des nach § 39 Abs. 5 Nr.2 BNatSchG zulässigen Zeitraums. Anschließend wurde das Material – bis auf Reste auf einem Flurstück – geschreddert und abgefahren.

Die Firma zur Kampfmittelbergung hat begonnen, nach Kampfmitteln zu suchen. Die Suche musste aufgrund der Nässe abgebrochen werden, nachdem ein Bagger im Boden versackt ist. Die Firma schiebt auf den Parzellen jeweils den Oberboden mit dem ganzen, darin noch befindlichen kleinen Müll zur Seite. So hat sich auf dem Grundstück, auf dem zuletzt gearbeitet wurde, ein kleines „Wasserbassin“ gebildet. Sobald der Untergrund und die Witterung es zulassen, wird die Kampfmittelsuche fortgesetzt. Anschließend werden die abgesuchten Grundstücke angesät, die Obstbäume werden im Herbst gepflanzt.

Der Weg wird von der Firma immer wieder glatt gezogen, damit die Kleingärtner zu ihren Parzellen gelangen können. Gestern war die Bauleitung UBB vor Ort. Mir wurde mitgeteilt, dass der Weg in Ordnung sei und ist – bis auf einen kleinen matschigen Abschnitt – ohne weiteres nutzbar.

Ich hoffe, das beantwortet Ihre Fragen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ronny Meyer
– Staatsrat –

 

Meine Fragen findet ihr hier: Offiziell verwüstete Parzellen – Montbretienweg/Walle.

Tischlerei aus Kaiserzeit mit Luftschutz

Parzellenwohnhaus von 1910Dieses langsam verfallende Gebäude mit seiner eigenwilligen Dachkonstruktion – einem abgewandelten Mansarddach – mitten in einem Parzellengebiet Bremens erregte schon häufiger meine Aufmerksamkeit. Ein Zufall kam mir nun zuhilfe, sodaß ich es kürzlich endlich etwas näher in Augenschein nehmen konnte. Dabei offenbarte es mir einige seiner Geheimnisse.

Auf meinem Streifzug hielt ein Autofahrer neben mir und sprach mich an: „Suchen sie etwas Bestimmtes?“ Wie sich herausstellte, war er der direkte Nachbar zu dem hier abgebildeten Haus. Obwohl er seine Parzelle vor nicht allzu langer Zeit gekauft hatte, wußte er bereits etwas über dieses auffällige Haus in seiner Nachbarschaft zu berichten. Das Haus beherbergte ursprünglich eine Tischlerei nebst Wohnhaus. Es ist überliefert, dass es vor über 100 Jahren, genauer 1910, errichtet wurde. Inzwischen befindet es sich nicht mehr in der Hand der Familie des damaligen Bauherren, vor längerer Zeit wurde es verkauft. Hinter diesen Mauern verbarg sich über Jahrzehnte nicht nur ein Wohnhaus, sondern auch ein Handwerksbetrieb. Hier fertigte ein Tischler mit viel Geschick Stühle, Tische und Standuhren, Fenster, Türen und Treppen, sodass er damit und auch gemeinsam mit seiner Frau, die vielleicht die Buchführung des Betriebs übernahm und mit Sicherheit den Haushalt führte und die Familie versorgte sowie Gartenpflege und Ernte betrieb, die Familie ernähren und darüber hinaus ein Haus mit Werkstatt errichten konnte. Manche der von ihm angefertigten Möbel haben den Mann möglicherweise überdauert und sind heute noch in Gebrauch, überlege ich.

Fenster

Damit gehört das Haus also zu den 1000 Parzellenwohnhäusern, die bereits 1932, also vor dem Zweiten Weltkrieg, sogar vor Beginn des Nationalsozialimus, in der Weimarer Republik in Bremen existierten. Ich hebe diesen Sachverhalt hervor, weil häufig angenommen wird, dass Parzellenwohnhäuser in Bremen erstmals nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgebaut wurden. Dieses Gebäude hier soll sogar noch vor dem Ersten Weltkrieg in der Kaiserzeit entstanden sein. Damals begannen die Bremer gerade damit, auch in jener Gegend Parzellen anzulegen.

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Tiedemann, Mehr als ein Dach über dem Kopf

Die Informationen und Zahlen aus der Weimarer Republik konnte ich in meiner Forschung zur „Geschichte des Wohnens auf der Parzelle“ erstmals aufdecken. Damit gelang es mir nachzuweisen, was bei den heutigen Parzellenbewohnern mündlich überliefert ist: Einige Parzelle sind aufgrund von Wohnungsnot und Armut auch in Bremen mit Sicherheit bereits in den 1920er Jahren zum Wohnen genutzt worden. Wer hierüber Näheres erfahren möchte, findet dazu Informationen in meinem Buch Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser.

„Da gibt es auch einen Bunker, das Graue dort im Schuppen“, sagt der Mann. Ich kann erst garnichts erkennen, sehe nur Rohre, Regenrinnen und anderes Zeug im maroden Anbau. Von diesen Gegenständen umrahmt, deutet sich im Halbschatten eine grau-grüne abfallende Fläche an, die sich als Spitzbunker en miniature entpuppt.

Bunker im Kleingarten

Dieser Luftschutzbunker stammt mit Sicherheit aus dem Zweiten Weltkrieg, denn damals 1940/41 wurde der Bau von Luftschutzbunkern auch für Kleingartenanlagen angeordnet. Der Bunker hebt sich deutlich von der do-it-yourself Architektur des Wohn- und Werkstattgebäudes ab, denn es ist ein professionell geplanter und gebauter Luftschutzbunker, wie er auch in Parzellengebieten anderer Stadtteile, z.B. auf dem Stadtwerder, zu finden ist.

Er ist mit Schleppdach und Mauer verkleidet worden. Es wirkt so als sollte der Bau durch diesen Schuppen versteckt werden, denn jener scheint keine wesentliche Funktion zu erfüllen. Wann diese Verkleidung errichtet wurde und welcher Grund zu dieser Entscheidung führte, ist nicht bekannt. Denkbar ist, dass der Bunker von außen nicht zu erkennen sein sollte. Möglich ist auch, das er später, in der Nachkriegszeit, nicht mehr an die bedrückenden Erfahrungen der Fliegerangriffe während des zweiten Weltkriegs erinnern sollte. Eine andere wesentliche Funkion des Schuppens ist nicht erkennbar.

Die bedrückende Enge eines vergleichbaren Luftschutzbunker können Sie gemeinsam mit mir live erleben. Auf meinem Rundgang auf dem Stadtwerder am 4. Mai mit Start um 15.00 Uhr (siehe Aktuelle Termine) haben wir Zutritt zu solch einem Bunker. Dafür können Sie sich jetzt bereits anmelden. Volkshochschule Bremen Tel. 0421-12345

Bunker im Kleingarten Fotos: Kirsten Tiedemann