Luftschutzbunker en miniature

Ein freundlicher Mensch hat mich auf ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg aufmerksam gemacht, das in einem Bremer Kleingartengebiet zu finden ist: Es ist ein Luftschutzbunker en miniature. Dieser Bunker hat den Bewohnern der Parzelle, auf der er steht, während der Luftangriffe auf Bremen zwischen 1941 und 1945 Schutz geboten. Die Nachbarin erzählte, dass ihr Garten damals von einer Brandbombe getroffen worden war. Heute ist der stabile, sehr kleine Bunker versteckt als kleiner Hügel unter Bäumen, Efeu und Brombeerranken nur von Ortskundigen zu finden. Der Anblick wirkt beklemmend. Sein Einstieg hat maximal 50×50 Zentimeter, der Innenraum keine 2×2 Meter Grundfläche. Die Gesamthöhe außen beträgt etwa 1,30 Meter.

Foto: Kirsten Tiedemann

 

Foto: Kirsten Tiedemann

Luftschutzbunker_Eingang

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Auf dem Rückweg haben wir zufällig dieses Rohr für die Luftzufuhr zum Innenraum des Bunkers entdeckt.

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Fotos: Kirsten Tiedemann

DIY-Schutz vor Kaninchen

Auch in diesem Sommer gibt es viele Begegnungen mit den flauschigen Kaninchen, die putzig anzusehen sind, bei der Hobbygärtnerin aber für eine gewisse Unzufriedenheit sorgen – denn die kleinen Tiere fressen, fressen und fressen. Sie kosten vom Gemüse, nagen Blumenstile an und fällen die Blüte und verputzen eine Fülle an Biomasse, wie ich im Beitrag Eine flauschige Plage beschrieben habe. Was tun, fragt sich die Freizeitgärtnerin, um etwas Gemüse zu ernten und Lieblingsblumen wachsen zu sehen? Mit Fantasie und dem Talent zum Improvisieren wird an kreativen Lösungen zum Schutz einiger Pflanzen gebaut. Garteneinfriedungen aus Maschendraht werden mit einer zweiten Runde feinmaschigem Draht, dem sogenannten Kükendraht, versehen. Auch der Spalt unter der Eingangspforte wird mit Brettern, Draht oder anderen Mitteln geschlossen. Andere Menschen zäunen ausgewählte Beete gezielt mit Maschendraht ein. Die Freude, hier nun Pflanzen ungestört wachsen zu sehen, wird jedoch rasch getrübt, wenn man feststellt, dass eine Zaunhöhe von 50 Zentimetern nicht ausreichend ist: Die springkräftigen Kaninchen überwinden sie spielend. Und auch wer glaubt, ein Hochbeet mit der Höhe von einem Meter bildet eine ausreichende Hürde, der wird rasch eines Besseren belehrt. Also muss noch eine Art Deckel angefertigt werden und so kommt inzwischen manch ein Pflanzenschutz wie ein Kaninchenkäfig daher.

Gemüseschutz

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Der Weg durch die Gartenpforten wird den Tieren im unteren Bereich mit Draht, einem Brett oder wie hier mit einer kunstvoll arrangierten Stein-Beton-Mischung verwehrt.

Pforte

Einen Dreifachschutz gegen Kaninchen, Schnecken und Tauben haben Parzellisten hier angefertigt. Der Gemüsegarten ist in ausreichender Höhe mit Maschendraht eingezäunt und wurde 20 Zentimeter tief versenkt. Schneckenzäune darin schützen Erbsen, Bohnen und Kürbis. Das Erdbeerbeet vorne im Bild hat noch zusätzlich ein Netz bekommen., um Vögel von den süßen Früchten fern zu halten.

dreifachschutz

 

Neben den mechanischen Strategien werden auch Geruchsstoffe ausprobiert. Stinköl (Oleum animale foetidum crudum) wird im Forst gegen Wildverbiss angewendet und soll Kaninchen und Maulwürfe fern halten. Es ist in der Apotheke zu bekommen. Der Selbstversuch bestätigt, dass das Prinzip funktioniert, vorausgesetzt, dass Stoffstreifen reichlich mit dem Öl getränkt auf Stöckchen gespießt gleichmäßig im Garten verteilt werden. Es gibt aber zwei gravierende Nachteile. 1. Das Zeug stinkt derart widerlich, dass es die Gärtnerin gleich mit aus dem Garten vertreibt und für erheblichen Ärger mit den Nachbarn sorgen kann. Und 2. Die Wirkung ist nur von kurzer Dauer, denn sobald der Geruch schwächer wird, stört er die Kaninchen nicht mehr.

Die sicherste Methode, um Kaninchen fern zu halten, scheint darin zu bestehen, einen Hund zu haben, der sich häufig im Garten aufhält. Sein Geruch scheint Kaninchen abzuschrecken, so wurde es mir erzählt.

P.S.: Gärtnern in Bremen ist doch der sinnvollere Titel für meinen Blog, schließlich ist nicht alles, was hier thematisiert wird, ein Glück. Bei diesem Namen soll sich jetzt auch (erstmal) bleiben.

Fotos: Kirsten Tiedemann

Idyllische Lauben

Heute habe ich wieder einige ansprechende Lauben und ganz unterschiedliche Gärten entdeckt. Ein Steinhaus wirkt durch den gelben Anstrich und die Weinranken freundlich. Das bepflanzte Dach klimatisiert den Innenraum und bietet Insekten einen Lebensraum.Laube mit nachwachsendem Dach

Diese Laube stammt vermutlich aus den 1930er Jahren.SAMSUNG CAMERA PICTURES

 Idyllische LaubeDas unbehandelte Holz gibt diesem recht neuen Gartenhäuschen etwas idyllisches.

Fotos: Kirsten Tiedemann

In eigener Sache: Wer schreibt hier und warum?

Diese Homepage, die Auskunft zu meiner beruflichen Tätgkeit als Historikerin gibt, habe ich seit Anfang des Jahres zu einem Blog erweitert, auf dem ich regelmäßig  meine Sicht auf die vielfältige Parzellenkultur, Kaisenhäuser und neue urbane Gartenprojekte in Bremen notiere. Hier finden Details und Hinweise einen Platz, die mir in meiner Forschung zur Geschichte der Kleingartenbewegung und zum Wohnen auf der Parzelle in Kaisenhäusern, durch Teilnehmende meiner Seminare, bei Streifzügen durch die offenen Kleingartengebiete der Stadt oder beim Gärtnern auf meiner Parzelle auffallen. Es sind Eindrücke und Sachverhalte, die entweder zu detailliert für ein Buch oder Aufsatz sind, oder Bezug zu einem aktuellen Anlass haben. Manchmal möchte ich auch nur einen besonderen Moment teilen, den ich im Bild festgehalten habe. Es gibt so viele anregende Eindrücke von der wachsenden Vielfalt in den Parzellengebieten!

Mit besonderer Aufmerksamkeit beobachte ich den Umgang mit den letzten Kaisenhäuser, zu deren langen Geschichte ich geforscht habe. Hier zeige ich Bilder dieser kleinen, oftmals eigenwilligen Einfamilienhäuser mit ihrem besondere Charme, die schon lange keine notdürftigen Behelfsheime mehr sind, wie der offizielle Sprachgebrauch abwertend vermittelt. Tatsächlich war eine Unkenntnis darüber wie Kaisenhäuser heute aussehen der Auslöser für den Blog. Zur aktuellen Debatte beziehe ich eine eigene Position.

Spannend finde ich die neue urbane Gartenbewegung, die sich öffentliche Räume sucht und der Stadtentwicklung als selbstorganisatierte Bewegung von unten neue Impulse geben kann. Das offene Urban-Gardening-Projekt „Ab geht die Lucie“ in der Neustadt ist ein gutes Beispiel hierfür.

Leicht feststellbar ist, dass ich auf meinem Blog auch Aspekte aufgreife, die andere Medien für nicht gewichtig genug erachten oder aus anderen Gründen nicht thematisieren. Dabei spreche ich wie der Untertitel deutlich macht, nicht für eine Gruppe, einen Verein oder Verband, auch nicht für eine Partei, sondern vertrete meine Position.

Natürlich finden sich hier weiterhin Ankündigungen und Hinweise auf meine freiberufliche Arbeit in der Rubrik Aktuelle Termine und ehrenamtliche Aktivität.

Kein persönlicher Vorteil! Anmerken möchte ich hier einmal, dass ich weder ein Kaisenhaus besitze, noch Familie oder Verwandte mit einem Kaisenhaus habe.

Kein Honorar! Für das Schreiben meines Blogs sowie die Beantwortung von Anfragen, die mich hin und wieder erreichen, und mein Engagement in der Begleitung von Studierenden erhalte ich kein Honorar.

Interesse am Thema, Idealismus, ein Gewinn an Erfahrung und Werbung für meine freiberufliche Tätigkeit sind Triebfedern für mein Blog.

So, und weil der Name meiner Gartenaktion mir so gut gefällt, nenne ich den Blog ab heute Gärtners Glück in Bremen.

Abriss für Oktober angekündigt: Auch intakte Wohnhäuser dabei

Trotz der aktuellen Debatte kündigt die Baubehörde für Oktober 2014 wieder Abrisse von verlassenen Kaisenhäusern an. Die hier gezeigten Häuser sollen dazu gehören, wie Kleingartenvereine bzw. frühere Besitzer erzählen. Es sind zwei intakte Wohn- häuser dabei.                                                                      Fotos: Kirsten Tiedemann

Nachtrag 18.00 Uhr:

1. Es sind leere Wohnhäuser.

2. Mit wurde inzwischen gesagt, dass die Abrisspause nur für bewohnte Kaisenhäuser gilt.

3. Außerdem habe ich die Information erhalten, dass in der zuständigen Verwaltung eine Vereinbarung bestehe, dass die Besitzer der verlassenen Kaisenhäuser zu fragen sind, ob sie dem Abriss zustimmen, trotz der aktuellen Debatte, die möglicherweise zu einer zukünftigen Regelung der Duldung führen kann.

Verlassenes Haus

Seit mehreren Jahren verlassen.

verlassenes Kaisenhaus

Seit circa 6 Jahren verlassen

verlassenes Kaisenhaus

Unbekannt, wie lange es verlassen steht.

Verlassenes Kaisenhaus

Seit 8 Jahren verlassen.

 

 

 

 

 

 

 

Kaisenhaus heute

Seit mehreren Jahren nicht bewohnt.

Bürgerschaft & Kaisenhäuser: Antrag

Am Donnerstag forderte die Fraktion DIE LINKE den Bremer Senat mit einem Antrag an die Bremische Bürgerschaft dazu auf, das Konzept für Bremens Kaisenhäuser an die neue Rechtsgrundlage anzupassen und sie so für die Zukunft zu sichern.

Hier lesen Sie den Wortlaut:

BREMISCHE BÜRGERSCHAFT                                             Drucksache 18/593 S
Stadtbürgerschaft                                                                                10. Juli 2014
18. Wahlperiode

Antrag der Fraktion DIE LINKE
Kaisenhäuser-Konzept an neue Rechtslage anpassen
Mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. Juli 2013 ist die bisherige
Auffassung des Senats, eine Wohnnutzung in Kleingartengebieten könne in keiner
Weise rechtlich zulässig sein, obsolet geworden. Noch in der Antwort auf die Große Anfrage der LINKEN „Wohnen in Kleingartengebieten (‚Kaisen-Häuser‘) rechtlich absichern“ hatte der Senat ausgeführt, weder Duldungen, noch Ausnahmeregelungen, noch Einzelfestsetzungen könnten rechtlich Bestand haben. Nach der Entscheidung des BVerwG (4 CN 7.12 vom 11. Juli 2013) ist dies falsch.
Damit ist der Weg frei, endlich die Lähmung bei der Überarbeitung des Konzepts zu überwinden und die Politik zu beenden, deren gestalterisches Ziel sich letztendlich in der vollständigen Beseitigung aller Wohnnutzungen in Kleingartengebieten erschöpfte. Wohnen in Kaisenhäusern, eine ungewöhnliche, aber in Bremen historisch verwurzelte Wohntradition und Lebensform, kann und soll in Bremen auch eine Zukunft haben. Zur rechtlichen Absicherung sowohl der BewohnerInnen, als auch der Verteidigung der Kleingartengebiete gegen eine schleichende Umwandlung in generelle Wohngebiete, steht eine breite Palette von Instrumenten zur Verfügung. Sie können jetzt genutzt werden.

Die Bürgerschaft (Stadtbürgerschaft) möge beschließen:
Die Bürgerschaft (Stadtbürgerschaft) fordert den Senat auf, das Konzept zum Umgang mit Wohnnutzungen und strittigen Bauten in Kleingartengebieten wie folgt zu überarbeiten:
1. Bewohnte Behelfsheime („Kaisenhäuser“) sollen, auch wenn sie in Kleingartengebieten gebietsfremde Bauvorhaben darstellen, in bestimmtem Umfang durch Einzelfestsetzung gesichert werden. Voraussetzung ist, dass es sich um Bauten handelt, die quantitativ und qualitativ so in den Hintergrund treten, dass die Bebauung zu Erholungszwecken das Erscheinungsbild des Plangebiets prägt.
2. Hierfür sollen Kriterien entwickelt werden, die sowohl die zulässige Größe des einzelnen Gebäudes, als auch die zulässige Dichte und Anzahl solcher Bauvorhaben für die einzelnen Kleingartengebiete definieren.
3. Bauten, die diese Bestimmungen überschreiten, können im Einzelfall geduldet werden.
4. Wohnnutzungen von Gartenlauben in Kleingartengebieten können im Einzelfall geduldet werden.
5. Kurzfristige Wohnnutzungen von Gartenlauben in Kleingartengebieten (Wochenendwohnen, Ferienwohnen, Übergangswohnen) werden generell geduldet, wenn der zuständige Kleingartenverein sich dafür ausspricht.
6. Eine Umwidmung von Kleingartengebieten in Wohngebiete wird ausgeschlossen.

Claudia Bernhard, Kristina Vogt und Fraktion DIE LINKE.

Quelle: http://www.bremische-buergerschaft.de/drs_abo/2014-07-10_Drs-18-593%20S_a787f.pdf , zuletzt eingesehen am 12.7.2014

„Bewohner schützen, nicht nur Häuser“ Ein Beitrag von DIE LINKE zur Debatte

„Trotz einiger vorsichtiger Lockerungsübungen drückt sich der Senat weiterhin vor der Aufgabe, das Wohnen in Kaisenhäusern endlich in vernünftiger Weise rechtlich abzusichern“, so Claudia Bernhard, wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, zu den neuen Überlegungen des Bauressorts. „Es kann nicht das Ziel sein, Häuser zu dulden, aber weiterhin gegen ihre Bewohner vorzugehen. Es sind die Menschen und ihr Wunsch nach einer außergewöhnlichen, aber in Bremen historisch verwurzelten Wohntradition, die geschützt werden müssen. Das mögliche Instrumentarium ist da: Duldungen, Ausnahmeregelungen, Einzelfestsetzungen, inhaltliche Gestaltung von Sondergebieten – alles, was man braucht, damit Menschen dort wohnen bleiben können, wo sie wohnen; auf einer Quadratmeterzahl, die der heutigen Zeit angepasst ist. Das hat das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom Juli letzten Jahres klargestellt. Mit seinen Behauptungen, das ginge alles nicht, lag der Senat falsch. Es ist Zeit, das einzugestehen und endlich ein abgewogenes und bewohnerfreundliches Kaisenhäuser-Recht zu schaffen.“

Den vollständigen Beitrag lesen Sie auf der Homepage von DIE LINKE Bremen, hier klicken.

http://www.dielinke-bremen.de/politik/presse/detail/zurueck/presse/artikel/debatte-um-umgang-mit-kaisenhaeusern-bewohner-schuetzen-nicht-nur-haeuser/fraktion/