„Kleiner Mann – was nun?“ von Hans Fallada [Wohnen im Kleingarten in der Literatur]

„Was nun?“ ist die zentrale Frage in Zeiten der Weltwirtschaftskrise: Falladas Antwort auf diese Frage der kleinen Leute ist Lämmchen, diese sanfte und tapfere Frau, die das Leben ihres verzweifelten Mannes Johannes Pinneberg in die Hände nimmt. Beide glauben an ihr Glück und an ihre Liebe. Doch das Glück will sich nicht einstellen, statt dessen gibt es Kummer und Sorgen, als sich Pinneberg im Berlin der 1920er Jahre in das Millionenheer der Arbeitslosen einreihen muss. Man wechselt die Wohnung, um Geld bei der Miete zu sparen und mietet immer kleinere Behausungen. Dieser bewegende Roman schildert in seinem letzten Kapitel auch die Umstände, die dazu führen, dass Familie Pinneberg dauerhaft in eine Laube eines Kleingartens vor den Toren Berlins ziehen muss und beschreibt beispielhaft, das Leben vieler Menschen, das damals so ähnlich auch in etwa 1000 kleinen Häuschen in Bremer Parzellengebieten geführt wurde. Das in viele Sprachen übersetzte Buch hat hier den thematischen Berührungspunkt zu meinem Forschungsthema und der Rubrik „Kleingarten in der Literatur“ auf meinem Blog: es umreißt eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage, in der diese Art der Selbsthilfe greift. Das Buch erschien 1947 erstmalig (der Urtext war aber schon gegen Ende der Weimarer Republik erstellt) und machte seinen Autoren weltbekannt. Hans Fallada schildert darin das »Auf und Ab des Lebens, nicht mehr und nicht weniger«.

Hier könnt ihr nun einige Auszüge aus „Kleiner Mann – was nun?“ lesen. Ausgewählt habe ich einige Abschnitte, die Eindrücke vom Leben auf der Parzelle im November geben.

Kapitel „Nachspiel – Alles geht weiter“
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Guck‘ in die Luft! Vom Glück am Himmel

kranicheVielstimmiges Trompeten erklingt in diesen Wochen immer einmal wieder über Bremen. Wer den Blick suchend über den Himmel schweifen lässt, wird diese oder ähnliche V-Formationen, wie sie folgende Fotos zeigen, noch bis Mitte November entdecken können. Es sind Zugvögel auf dem Weg in ihr Winterquartier. Wildgänse krächzen und Enten quaken während sie unsere Stadt auf dem Luftwege passieren. Kraniche, die über unserer Stadt seit einigen Jahren in immer größerer Häufigkeit und Menge zu sehen sind, kündigen ihr Kommen mit dem charakteristischen Trompeten an. Diese elegant wirkenden großen Schreitvögel galten in verschiedenen Kulturen als Vögel des Glücks (griech. Mythologie/Japan) und standen für ein langes Leben, Treue und Weisheit (China). In der Dichtung ist der Kranich als Symbol für die Erhabenheit der Natur zu finden. Warum lassen sich nun eigentlich seit einigen Jahren mehr und mehr Kraniche über Bremen blicken? Grund hierfür ist die erfolgreiche Renaturierung von Moorflächen rund um Bremen, genauer der Teufelsmoor-Hammeniederung nahe Worpswede, der Hochmoorlandschaft bei Glinstedt/Gnarrenburg und der Diepholzer Moorniederung. Die eleganten, graugefiederten Großvögel mit ihrer Höhe von bis zu 1,35 Meter und einer Spannweite der Flügel bis 2,45 Meter legen hier auf ihrem Weg bevorzugt eine mehrtägige bis mehrwöchige Rast ein, denn sie finden in den flachen Gewässern der Mooren den bevorzugten Platz für eine sichere Nachtruhe – sie schlafen im Wasser stehend, sodass Füchse sie nicht erreichen können. Tagsüber laben sie sich an dem Nahrungsangebot abgeernteter Felder und stärken sich so für den bevorstehenden Flug in den Süden Europas. Kranichflug über Bremen

Im Herbst 2006 waren es kaum 5000 Tiere, die gleichzeitig in der Teufelsmoor-Wümmeniederung rasteten. Inzwischen sind es um die 20.000 Vögel, wie geübte, ehrenamtliche Zähler der Biologischen Station Osterholz-Scharmbeck geduldig ermittelten. Vgl. BIOS

Der Kranich-Zug folgt übrigens einer strengen Ordnung. Vorneweg fliegen die kräftigsten und erfahrensten Tiere, ihnen folgen die Familien mit den Jungtieren. Während des Flugs orientieren sich die Anführer an Landmarken, zum Beispiel an Bergen und Seen, vor allem aber an Flüssen. Womöglich haben sie auch einen Sinn für das Erdmagnetfeld, aber das ist noch nicht ausreichend erforscht.

Die Federtiere, die diese westeuropäische Route der Zugvögel nutzen, kommen aus ihren Brutgebieten in Skandinavien, dem Baltikum, Polen und Deutschland. Ihr Ziel sind vor allem die Extremadura in Andalusien/Spanien und Gebiete in Nordafrika. Kraniche ziehen hauptsächlich bei Hochdruckwetter, denn dann können sie sich von den Ostwinden tragen lassen und Kraft sparen. Dabei erreichen sie Fluggeschwindigkeiten von um die 65 Kilometer pro Stunde. Sie sind sehr ausdauernde Flieger und können Strecken von bis zu 2000 Kilometern ohne Pause zurücklegen. Solche Langstrecken sind aber die Ausnahme; in der Regel beträgt eine Tagesetappe bis zu hundert Kilometer.Kranichflug über Moor

Es ist ein außergewöhnlich beeindruckendes Schauspiel der Natur, wenn sich mehrere tausend Kraniche in der blauen Stunden trompetend am Himmel versammeln, gemeinsam mit Wildgänsen und -enten in der Luft schwärmen, um sich anschließend zur Nachtruhe niederzulassen. Ein spektakuläres Beispiel für Schwarmintelligenz, dem ich lange andächtig zusehen kann.zugvoegel_schulschiffdtl

Eine vogelkundliche Führung zu einem der Rastplätze der imposanten Flieger ermöglicht es, solch ein Naturschauspiel zu erleben. Die Touristen-Information Worpswede, der NABU Bremen und die Biologische Station Osterholz-Scharmbeck   BIOS bieten im Herbst orts- und fachkundige Veranstaltungen an, die ich meinen Leserinnen und Lesern sehr empfehlen kann.Kranichflug + Kulisse

Das typische Trompeten und den Flug von Kranichen zeigt ein schöner clip auf youtube hier klicken. Es ist ein Trailer für einen Unterrichtsfilm WBF – Innovative Medien für den Unterricht.

Fotos von Heide-Marie Härtel und Kirsten Tiedemann

 

In Schnee gehüllte Welt

Der frühe Morgen hat Bremen eine schneebedeckte Welt geschenkt. So ein seltener Moment will ausgekostet werden, daher habe ich mir die Zeit für einen Gang durch die Neustadtswallanlagen und am Weserdeich entlang gegönnt – noch vor den Nachrichten des Tages. Einige Eindrücke davon gebe ich euch hier wieder.schneeflasche

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Schneeblüte

 

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Fotos: Kirsten Tiedemann

Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 am 9. November 2016 [Veranstaltungshinweis]

In Bremen finden am Mittwoch, 9. November im Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 verschiedene Veranstaltungen statt zu der die verschiedenen Organisatoren alle Interessierten einladen. Die Reichspogromnacht jährt sich zum 78. Mal. In der Nacht auf den 10. November 1938 plünderten Nationalsozialisten und deren Helfer überall in Deutschland jüdische Geschäfte und Wohnungen, steckten Synagogen in Brand und ermordeten Menschen. Auch in Bremen wurden Geschäfte jüdischer Mitbürger geplündert und zerstört, die Synagoge und eine Gebetsstube in Brand gesteckt und die Bewohner und Pfleger eines jüdischen Altenheims auf die Straße in die Kälte getrieben und dort so wie viele andere malträtiert und gedemütigt. In Bremen wurden damals fünf Menschen im Rahmen der brutalen, rassistischen Aktion umgebracht. Weiterführende Informationen zun den Schrecken der Reichspogromnacht in Bremen und dem Terror der Nazi-Herrschaft mit historischem Bildmaterial finden sich bei Radio Bremen hier.

* 12.30 Uhr Gedenkstunde der Bremischen Bürgerschaft am Mahnmal Dechanatstraße Ecke Am Landherrenamt mit Kranzniederlegung.
Als Ehrengast spricht Professor Johannes Heil, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg.

* 17.30 Uhr  Mit neuer Kraft gegen Antisemitismus
Diskussion mit Jan-Philipp Hein (Journalist Bremen) und Hermann Kuhn (DIG – Deutsch Israelische Gesellschaft) auf Einladung von Dr. Henrike Müller MdBB (Grüne) im „noon“ im Foyer Kleines Haus des Theater Bremen.
Der Eintritt ist frei.

* ab 18.00 Uhr „Heimat Europa“ – 19. Nacht der Jugend Begegnung & Diskussion mit umfangreichem kulturellem Programm (Tanz, Theater, Musik, Lesungen, Ausstellung u.v.a.m.) im Rathaus Bremen. Das Grußwort spricht Ehrengast Petra Rosenberg, die sich seit vielen Jahren in der Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma engagiert.

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Kaisenhaus oder Laube? Ein individuelles Gartenhäuschen aus alter Zeit

Immer wieder entdecke ich ein gepflegtes Häuschen in einem Kleingarten, das eine Laube oder ein als Gartenhaus genutztes Kaisenhäuschen sein können, so wie dieses hier. Es geht ein besonderer Charme von ihm aus, findet ihr nicht auch?

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Foto: Kirsten Tiedemann