Prescht Bauwirtschaft vor? Preis für Bebauung von Kleingärten vergeben

Aus der Pressemitteilung der Hochschule Bremen:

Garten Wohnen Arbeiten – Neue Ideen für Kleingartensiedlungen

Wie lassen sich Arbeiten, Wohnen und die Lust am Gärtnern verbinden? Wie kann man in der Stadt und doch im oder am Grünen wohnen? Diese Fragen haben sich im vergangenen Semester Studierende der Jade Hochschule Oldenburg, der Hochschule Wismar und der Hochschule Bremen (HSB) gestellt.
Zur Beantwortung lobte die Aufbaugemeinschaft Bremen e.V. zum ersten Mal den Gerhard-Iversen-Studienpreis zum Thema „Garten Wohnen Arbeiten – Neue Ideen für Kleingartensiedlungen“ aus. Am 10. Oktober 2018 finden um 11 Uhr, im festlichen Rahmen, die Preisverleihung und die Eröffnung der Ausstellung der vier prämierten Arbeiten statt.“

Die Ausstellung ist bis zum Sonntag 14. Oktober 2018 täglich von 10.00 – 18.00 Uhr in der AB Galerie der Hochschule Bremen, Neustadtswall 30 zu sehen.

[Nachtrag 19.30 Uhr – Ich kann euch leider keine Eindrücke der Siegerentwürfe geben, denn die Ausstellung war heute, Freitag 12.10., um 14.30 Uhr bereits komplett abgebaut.]

In der Ausschreibung des neuen Architektur-Preises wird der Mega-Trend zum Urban-Gardening aufgegriffen, gekoppelt mit der in vielen Mündern geführten work-life-Balance für die Schaffung von Wohnraum im urbanen Umfeld. Es ist sicherlich eine reizvolle Aufgabe für Studierende und Architekten. Nun liegen Ergebnisse vor. Sie sind für die Schublade, oder?

Ausgeschrieben wurde der Preis von der Aufbaugemeinschaft Bremen, deren erster Vorsitzender der ehemalige Geschäftsführer der Handelkammer Bremen und deren zweiter Vorsitzende der aktuelle Geschäftsführer des Immobilienunternehmens Justus Grosse Bremen ist. Man darf also mit Recht annehmen, dass wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen.

Die Jury bestand aus Clemens Bonnen (Prof. School of Architecture Bremen), Ebba Lamprecht (Architektin), Martin Pamus (Architekt, Aufbaugemeinschaft Bremen), Oliver Wächter (Zeitschrift Gartenfreunde des Bundesverbands der Gartenfreunde mit Sitz in Bremen/ Mitglied im Landesvorstand Bremer Gartenfreunde e.V.).

Im buten un binnen-Interview gibt sich der designierte (!) zweite Vorsitzende des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. Wolfang Golasowski hemdsärmelig aufgeschlossen. Bebauung „nicht wünschenswert, aber vorstellbar“. Er hat aber auch auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass Ersatzflächen für die dabei verloren gehenden Kleingärten bereits gestellt werden müssen, denn das wird laut Bundeskleingartengesetz nötig.

Zum Ort. Als (vermeintlich) fiktiver Ort dieser Bebauung wird das an Walle grenzende und seit Jahren umstrittene Kleingartengebiet ausgewählt, in dem aktuell das Naherholungspark Grüner Bremer Westen realisiert wird. Dieses geförderte Pilotprojekt des Bundes Green Urban Labs  hat die Erprobung neuer Wege zum Stadtgrün zum Ziel. Das bremische Konzept entwickelte Projektleiter Thomas Knode eim Senator für Umwelt gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, die in dem Gebiet aktiv sind: Kleingartenvereine, Vertreter des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen und der Interessengemeinschaft der Parzellenbewohner sowie des örtlichen Beirats und andere wirkten an der Konzeption mit. Inmitten des bereits existierenden Kleingartenerholungsgebiets mit seinen 10 Vereinen werden Rad- und Wanderwege geschaffen und ausgewiesen. Streuobst- und Naschwiesen werden zur Nutzung für alle angelegt. Einzelne Abschnitte werden zu Ausgleichsflächen für anderweitige aufgrund von Bauarbeiten versiegelte Böden. So können die Mittel dafür innerhalb Bremens verwendet werden – statt sie ins niedersächsische Umland fließen zu lassen.

Wem gehören die Parzellen in Walle? Die Besitzverhältnisse der Ländereien im „Grünen Bremer Westen“, die im Bebauungsplan ausdrücklich als Kleingartengebiet ausgewiesen und damit zurzeit nicht zur Bebauung zur Verfügung stehen, stellen eine Besonderheit dar. Ein sicherlich großer Teil befindet sich in städtischer Hand. Dazwischen gibt es Flächen, die der Bremischen Evangelischen Kirche gehören, ganze Wege sind in privater Hand (sog. „Bauernland“, im Besitz einzelner Personen oder von Erbengemeinschaften) und dann gibt es die Vielzahl von Gärten in Privatbesitz. Die städtische Intitiative, diese private Gärten (für 3 Euro/qm) aufkaufen zu wollen, ist nur mäßig erfolgreich. Nach wie vor gibt es eine bunte Mischung an Besitzverhältnissen.

Was heißt das? Will man hier bauen, wird man sich mit diesen Eigentumsverhältnissen beschäftigen müssen. Wird man auch zur Enteignung greifen, wenn Besitzer ihr Grundeigentum nicht verkaufen wollen?

Es gibt über fünfhundert berechtigte Bewohner von „Kaisenhäusern“ in diese Kleingartengebiet mit einem lebenslangem Wohnrecht, das sie berechtigt ihren Lebensabend dort zu verbringen. Der jünste dürfte um 50 Jahre als sein. Eine historisch bedingte Besonderheit.

Es gibt eine Vielzahl intakter gärtnerisch intensiv genutzter Bereiche und Gärten in dem Gebiet. Brach liegende Gärten sind eingestreut zwischen funktionierendes Parzellenleben und nicht als geschlossene, zusammenhängende Fläche greifbar. Leider lässt Immobilien Bremen viele von ihr aufgekaufte Parzellen brach liegen, was sehr zum Nachteil des gesamten Kleingartengebiets ist. Die Stadtgemeinde trägt selbst zur Verschlechterung des Eindrucks vom Gebiet bei. (Vgl. buten un binnen, Stunk im Kleingartengebiet, 2.10.2018)

Fragen. Warum muss kleingärtnerische Grünfläche für so ein durchaus prima Projekt genutzt werden? Ist es ökonomisch sinnvoll, das in Bremen so rare Potential für Ausgleichsflächen zu verbrauchen? Ist es ökologisch vernünftig und nachhaltig, offenen, unversiegelten Boden angesichts von Klimawandel und Starkregen zu bebauen? Gibt es keine Stadtteile, die eine grüne Arbeits-Wohnarchitektur brauchen? Ist es gesellschaftlich vertretbar, Menschen, die vielfach dabei halfen Bremen mit aufzubauen, aus ihren Eigenheimen in Kaisenhäusern zu vertreiben und für den Bau von Eigenheimbau zu enteignen? Ist es vertretbar Mitbürger, die  „nur“ Kleingärtner und Parzellengrunstücksbesitzer sind, zu enteignen? Wie will man diesen Menschen gerecht werden?

Alternativen vorhanden. Es gibt eine Fülle ungenutzter Leerstände und Baulücken im Bremer Stadtgebiet. Es gibt andere bereits versiegelte Flächen, die bequem bebaut werden können: Die Gelände von Kellogg’s/Überseestadt, Brinkmann/Woltmershausen, Könecke und Coca-Cola/ beide Hemelingen. Die Überseestadt hat insgssamt noch freie Bauflächen. All diese Stadtteile können Wohn-Arbeits-Umfelder mit Gärten vertragen und sind bereits mit Infra-Struktur erschlossen. An all diesen Orten würde man keine Kleingärtner, Tiere und rechtmäßigen Bewohner vertreiben müssen. Es müssten keine Bäume gefällt werden müssen. Auch bliebe die grüne Lunge Walles, die Klimaanlage der Stadt erhalten.

Wie kann ein wirklich überzeugendesn, innovatives Garten-Wohn-Konzept aussehen, über das sich zumindest nachdenken ließe? Voraussetzung wäre, dass ein Konzept für die kreative Wohn-Nutzung sich auf einen sehr kleinen Teil des gesamten Gartengebiets bezieht. Der Gedanke von Erbpachtgrundstücke, der bei Gartenheimgebieten in Bremen bereits einmal genutzt wurde, wäre interessant. Die Wolfskuhle/Obervieland ist als Modell aus einem Kleingartengebiet hervorgegangen. Ein innovatives Konzept bietet Kaisenhausbewohnern aus ganz Bremen und Parzellisten des gesamten Waller Kleingartengebiets ein Vorkaufsrecht für Grundstücke und Häuser, die dort ggf. auch bereits errichtet sein könnten. Zu berücksichtigen ist, dass die Kaisenhausbewohner nicht überwiegend jung sind. (Eine Bebauung am Hagenweg scheiterte 2002 daran, dass die Kaisenhausbewohner in einem Alter waren, in dem man eher kein Haus mehr baut. Außerdem war und ist die Lage neben der Bahn nicht attraktiv). Man würde ihnen Vorzugspreise angebieten. Eine angemessene Entschädigung/Ablöse für Eigenlandparzellen und für Pachtparzellen (für Laube/Bauten/pflanzliches Inventar) müsste selbstverständlicher Bestandteil solch eines Konzepts sein. Dieses Bau- und Wohnkonzept wird nicht nur gärtnerische Aspekt berücksichtigen, sondern darüber hinaus innovativ sein hinsichtlich gemeinschaftlicher Flächen. Die Alterstruktur wird Berücksichtigung finden. Es wird eine ökologisch-nachhaltige Bau- und Nutzungsart (Regenwasser-/Solarenergienutzung) beinhalten. Denkbar ist beispielsweise auch ein generationsübergreifendes, genossenschaftliches Wohnprojekt. Ein Anteil von Wohnungen werden als Seniorenwohnungen für Kaisenhausbewohner bereit gehalten.

Mit dem Konzept der „Gartenheimgebiete“ in Bremen und deren Realsisierung in den 1960er Jahren befasse ich mich in einem eigenen Kapitel in dem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Kaisenhäuser in Bremen“. Das Buch ist erhältlich im Bremer Zentrum für Baukultur und beim Weser-Kurier/Martinistraße.

Presse:

Studierende entwickeln Ideen für Wohnraum in Kleingärten, Weser-Kurier 10.10.2018

Wohnen im Kleingartengebiet: Studentin präsentiert Ideen, buten un binnen 10.10.2018

Pressemitteilung der Hochschule Bremen zur Verleihung des Gerhard-Iversen-Preises am 10.10.2018 hier klicken.

*mit Ergänzug am 16.10.2018

Zur Geschichte der Kaisenhäuser in der Süddeutschen Zeitung

Brandaktuell gibt es einen Beitrag zu Kaisenhäusern und der Geschichte des Wohnens auf der Parzelle in der überregionalen Süddeutschen Zeitung – einschließlich der Hinweise auf das Kaisenhausmuseum in der Waller Feldmark und auf mein preisgekröntes Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“.

Doll.

Wie mag es wohl zu dem aktuellen Interesse am Thema kommen?

(Zwei Punkte des informativen Beitrags möchte cih ergänzen: A) In Spitzenzeiten waren in Bremen aufgrund der Wohnungsmangels bis zu 10.000 Parzellen Ende der 1950er Jahren dauerhaft bewohnt. B) Die Bewohner organisierten sich nicht nur in ihren Kleingartenvereinen, um ihre unmittelbare Lebenssituation vor Ort zu verbessern,  darüber hinaus gründeten sie bereits in den 1950er Jahren die „Interessengemeinschaft der Parzellenbewohner e.V.“ für die dauerhafte Legalisierung ihrer Gartenwohnkultur. Für die Vernetzung der Mitglieder gab man eine eigene Zeitung heraus, beriet rechtlich und war bremenweit gemeinsam politisch aktiv. Dieser Verein existiert bis heute.)

20. September 2018, 18:58 Uhr

Kaisenhäuser Die Auswohner

Nach dem Krieg war die Wohnungsnot so groß, dass Bremens Bürgermeister das Leben in Gartenhäusern erlaubte. Manche wohnen – nach Umbauten – noch heute darin.

Von Joachim Göres

 

Der Bau neuer und die Vergrößerung vorhandener Notwohnungen in Kleingärten ist zulässig.“ Mit dieser Notverordnung legalisierte Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen im August 1945 das Wohnen in Lauben und Schuppen, das bis dahin verboten, aber in der vom Krieg zerstörten Stadt gängige Praxis war.

Maximal 30 Quadratmeter Wohnfläche erlaubte der sogenannte Kaisenerlass. Aber nur vorübergehend, bis die größte Not überwunden war – so die Ansage der politisch Verantwortlichen, die das dauerhafte Wohnen in Kleingärten verhindern wollten. Sie befürchteten, dass die beengten Wohnbedingungen und die fehlende Infrastruktur – kein Strom, keine Heizung, kein fließend Wasser, nur Plumpsklos – zu Krankheiten und sozialen Problemen führen könnten.

Mehr als 70 Jahre später wohnen in Bremen immer noch mehrere Hundert Menschen in den Gebäuden, die nach ihrem Förderer Kaisenhäuser genannt werden. „Meine Frau ist hier geboren und ich bin hier 1973 mit eingezogen“, sagt Wolfgang Golinski. Der 74-Jährige lebt mit seiner Ehefrau in einem zweistöckigen Haus auf 150 Quadratmetern Wohnfläche und großem Garten in Bremen-Walle am Rande der Stadt. Die meisten Kaisenhäuser bestehen nur aus einem Erdgeschoss, einen Keller hat hier niemand.

Das Ehepaar Golinski gehört zu den Auswohnern – so werden diejenigen genannt, die bis zu ihrem Lebensende in dem Gartenhaus wohnen dürfen. Danach wird das Haus auf Kosten des Landes Bremen abgerissen, so sieht es eine Vereinbarung aus dem Jahr 2002 vor. Stichtag ist der 28. Mai 1974 – wer bis zu diesem Zeitpunkt in ein Parzellenwohnhaus gezogen war, dem wird das Auswohnrecht garantiert. Mehr als 100 Gebäude stehen mittlerweile leer und die Zahl nimmt stetig zu.

„Das Schönste war die Gemeinschaft“, sagen ehemalige Bewohner

Im ehemaligen Haus der Familie Kopmann befindet sich heute das Kaisenhaus-Museum. Fred und Elisabeth Kopmann feierten hier 1957 Richtfest. Die Pläne für den Ausbau reichten sie bei der zuständigen Behörde ein. Nach einer negativen Antwort realisierten sie den Anbau einige Jahre später dennoch. Anbauten sind typisch für die Kaisenhäuser – so konnte der knappe Platz etwas vergrößert werden.

Das Museum ist im Stil der 50er-Jahre eingerichtet: Eine kleine Küche mit dem Herd als einziger Heizquelle, ein kleines Wohnzimmer mit Nierentisch. Eine steile Treppe führt ins Obergeschoss zum original erhaltenen Schlafzimmer der Vorbesitzer unter den Dachschrägen. Im Eingang findet sich ein Bollerwagen mit großem Glasbehälter, in dem das Wasser von der drei Kilometer entfernten Zapfstelle nach Hause befördert wurde. Einen Trinkwasseranschluss gab es in den Kleingärten erst 1960. Damals lebten in 6000 Kaisenhäusern mindestens 23 000 Menschen, für die sich das Leben nun deutlich verbesserte: „Das erste Wasser aus dem Hahn haben wir aus Sektgläsern getrunken.“

1949 hatte Bremen die Erlaubnis zum Hausbau im Kleingarten wieder zurückgenommen. Dennoch wurde fleißig weiter gebaut. Kontrolleure sollten die Schwarzbauten verhindern, Rohbauten wurden abgerissen. „Das hat dazu geführt, dass die Häuser an einem Wochenende hochgezogen wurden. Das klappte nur, weil sich die Bewohner dabei gegenseitig geholfen haben“, erzählt Golinski. Vor allem Ostern und Pfingsten waren wegen der zusätzlichen Feiertage bevorzugte Bautermine. Ein ehemaliger Bewohner erinnert sich: „Erst kam der Sichtschutz, dann wurden die Fundamente schon mal vorher gemacht, und dann, Karfreitag, waren fünf oder sechs Mauerleute da, also der ganze Weg war bereit, und wir kriegten Erde und Sand… Und die unmittelbaren Nachbarn kamen mit der Schaufel …und dann wurde ruck zuck hochgemauert und geputzt.“ Hingen Gardinen hinter den Fenstern, galt das Haus als bewohnt und wurde von der Baupolizei toleriert. Mit der Zeit eröffneten hier Geschäfte wie Bäcker, Schlachter und Lebensmittelläden, die in den 50er-Jahren entstandene Kirche steht noch.

1974 trat dann die erste Stichtagsregelung in Kraft: Nur wer schon 1955 in einem Kaisenhaus wohnte, sollte bis zum Lebensende dort bleiben dürfen. Weitere Ausbauten wurden verboten. Doch der lautstarke Protest der Bewohner konnte die Umsetzung dieses Beschlusses verhindern. Sie fühlten sich moralisch im Recht, hatten sie doch sämtliche Bauten in Eigenregie und das ohne Kredite oder staatliche Unterstützung verwirklicht und damit die Wohnungsnot gelindert.

Kirsten Tiedemann hat in dem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf“ die Geschichte der Kaisenhäuser aufgeschrieben. Dass die Bewohner über Jahrzehnte ihre Vertreibung verhindern konnten, hat für sie mehrere Gründe. Dazu zählen der hohe Organisierungsgrad der Parzellenbewohner in den Kleingartenvereinen, die Sympathie des SPD-Bürgermeisters Kaisen für die Bewohner sowie das Wahlverhalten und die Parteizugehörigkeit der Menschen, die überwiegend den Sozialdemokraten nahestanden. Nicht zuletzt dürfte der Zusammenhalt zum erfolgreichen Kampf ums Gartenhaus geführt haben. Golinski: „Wenn unser Museum geöffnet hat, kommen vor allem ehemalige Bewohner. Dann hört man immer wieder: ‚Das Schönste war die Gemeinschaft.'“

Das Kaisenhaus-Museum im Behrensweg ist in diesem Jahr noch am 23. September und am 14. Oktober geöffnet, es können zudem extra Termine vereinbart werden (www.kaisenhaus.de).

Diskussion über „Zukunft der Bremer Kleingarten- und Wochenendhausgebiete“ [TIPP]

Es steht eine empfehlenswerte Veranstaltung an: Die Zukunft der Kleingärten Bremens und auch die Zukunft der Wochenendhausgebiete interessiert viele Bremerinnen und Bremer. Neue Nutzungsmöglichkeiten?! Leerstand? Was ist mit den letzten Kaisenhäusern? Aktivierung Interessierter! Dies und viel mehr könnt ihr am Donnerstag, 20.09.2018, um 20.00 Uhr mit Maike Schaefer, der frisch gekürten Spitzenkandidatin der Grünen, im Klimacafe, Münchner Straße 146 in Findorff diskutieren.

„Zukunft der Bremer Kleingarten- und Wochenendgebiete“ – Diskussionsveranstaltung mit Dr. Maike Schaefer designierte grüne Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl 2019

 Die Zukunft vieler Kleingärten und der „Kaisenhäuser“ in Bremen ist unklar. Leerstand, Nutzungsaufgabe und Vermüllung sind einige der Probleme, vor denen viele Kleingärtner stehen. Vielseitige Nutzungsformen sind gefragt, um wieder mehr Menschen in die Kleingärten zu locken. Doch die Kleingartenflächen wecken auch Begehrlichkeiten für eine Bebauung. Wie gelingt es, Kleingärten wieder attraktiver zu machen? Welche Probleme gibt es aktuell? Was ist zu tun?

Darüber diskutieren wir mit Dr. Maike Schaefer, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen in Bremen und Sprecherin für Umweltpolitik.

Die Veranstaltung findet statt am Donnerstag, den 20. September um 20 Uhr im Klimacafe, Bremen-Findorff, Münchener Str. 146.

Eine Veranstaltung von Bündnis 90/ Die Grünen

[Pressemitteilung]

 

50 Jahre Verein Zur Hansekogge

Zum Jubiläum des Kleingartenvereins zur Hansekogge gibt es einen lesenswerten Bericht im Weser-Kurier, der auch die Entstehungsgeschichte 1968 aufgreift.

Ein grünes Paradies auf Sand

CHRISTIANE MESTER 24.08.2018

Wo heute Blumen blühen, Gemüse angebaut wird und Obstbäume reiche Früchte tragen, gab es vor 50 Jahren keinen einzigen Strauch. Das Kleingartengebiet Zur Hansekogge wurde 1968 auf dem Sand gebaut, der beim Ausbaggern des Neustädter Hafens anfiel. Das runde Jubiläum gibt Anlass für einen Rückblick auf die Vereinsgeschichte und ist zugleich Wegmarke für einen bevorstehenden Einschnitt: Einige der Gärten wird es schon bald nicht mehr geben.

Als vor 50 Jahren die ersten Parzellisten anrückten, gab es nichts als die weite Sicht bis zum Rablinghauser Deich und zur Kirche. In die andere Richtung sah man bis hinüber zur Großwerft AG Weser, die es heute nicht mehr gibt. Das Kleingartengebiet fand seinen Platz auf einem Gelände, das Anfang der 1960er-Jahre aufgespült wurde. Wer etwas tiefer buddelt, der stößt noch heute auf den Sand aus dem Neustädter Hafen. Ein Wendebecken für die Schiffe musste damals her. Und völlig ungeplant, förderten die Bauarbeiten ganz nebenbei die alte Hansekogge von 1380 zutage. Der spektakuläre Fund im Jahr 1962 gab dem örtlichen Kleingartenverein später seinen Namen.

Günstige Darlehen

Schon bald nach der Gründungsversammlung im Frühjahr 1968, krempelten die Kleingärtner der ersten Stunde die Ärmel hoch ….

weiterlesen:  Hier geht’s zum ganzen Bericht im Stadtteil-Kurier

KGV Langeoog löst sich auf – Bericht dazu im Weser-Kurier

Hier auf dem Blog hatte ich schon im Juni von der Entscheidung des Kleingärtnervereins Langeoog neben dem Flughafen, sich aufzulösen, berichtet (hier lesen). Fluglärm und hohes Alter der Pächter seien zentrale Gründe für diese Entscheidung. Nun gibt es einen gründlich recherchierten Bericht von Karin Mörtel dazu im Weser-Kurier hier.

 

Aus für Parzellisten

Kleingärtner geben ihre Parzellen auf

Karin Mörtel 25.08.2018

Direkt neben dem Flughafen geben die Kleingärtner des Vereins „Langeoog“ ihre Gärten auf. Das hat der Vereinsvorstand kürzlich dem Bauausschuss des Neustädter Beirates berichtet. Wo heute noch zwischen Ochtum, Briefzentrum sowie der Start- und Landebahn grüne Hecken, Tomatensträucher und Sonnenblumen zu sehen sind, sollen künftig Gewerbebetriebe eine neue Heimat finden.

Auf diesen Zukunftsplan haben sich die Gartenfreunde mit Wirtschafts- und Baubehörde sowie den Wirtschaftsförderern geeinigt. Auch der Neustädter Beirat wird im weiteren Verlauf der Planung noch ausführlicher Stellung zu der Umwandlung des knapp sechs Hektar großen Gebietes beziehen. Während einer ersten Informationsrunde habe sich der Bauausschuss zunächst erleichtert gezeigt, dass das Vorhaben nicht gegen den Willen der Kleingärtner umgesetzt werde, teilt Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon auf Nachfrage mit: „Dem Beirat ist wichtig, dass die Aufgabe der Gärten freiwillig passiert, und das haben alle Beteiligten versichert.“

Der Vorsitzende des Vereins, Arnold Thobor, bestätigt, dass es sogar der Verein war, der zuerst den Wunsch geäußert hat, die Gärten abzugeben. Die Mitglieder hätten bereits einstimmig beschlossen, den Verein nun genau 50 Jahre nach seiner Gründung aufzulösen und das gepachtete Land zu verlassen. „Direkt neben startenden Flugzeugen zu gärtnern, ist nicht gerade angenehm, daher ist es für uns schwer, Neupächter zu finden, wenn jemand seine Parzelle abgeben möchte“, erklärt er die Beweggründe. Tatsächlich ist das direkt hinter der Lärmschutzwand gelegene Vereinsgelände dasjenige in der Airport-Stadt, auf dem die Gärtner den meisten Fluglärm zu spüren bekommen. Das zeigt ein Blick auf die Lärmkarte der Stadt Bremen. Aufgrund der mangelnden Nachfrage in diesem belasteten Gebiet will daher auch der Landesverband der Gartenfreunde Bremen dort die Nutzung der Fläche aufgeben, heißt es dazu von dessen Vorsitzenden August Judel.

Aber auch Altersgründe haben offenbar eine Rolle bei der Entscheidung gespielt: Nach Auskunft des Vereins liegt der Altersdurchschnitt der 65 Pächter in dem Gebiet bei fast 70 Jahren. „Da wollen einige, die ohnehin nicht mehr lange den Garten bewirtschaften können, die Gelegenheit nutzen, aufzuhören“, sagt Thobor. Der 67-Jährige gehört selbst zu der Gruppe, die sich aus gesundheitlichen Gründen keinen neuen Garten anschaffen will. Etwa ein Drittel der Gartenfreunde habe hingegen bereits eine neue Parzelle übernommen oder sei auf der Suche nach einem geeigneten Stück Land, weiß Thobor. Die jüngeren Mitglieder hätten bislang in Stuhr-Brinkum, Rablinghausen, der Neustadt und in der Märchenland-Siedlung Neuenland neue Gärten gepachtet. „Von uns ist daher kein Widerstand gegen das Gewerrbegebiet zu erwarten“, so Thobor.

Die größte Sorge der Vereinsmitglieder sei jedoch, dass sie noch längere Zeit auf eine Entschädigung warten müssen. Denn solange der Wert der Grundstücke noch nicht ermittelt sei, wolle auch keiner seinen Garten verwildern lassen. „Da wird aber ohnehin alles platt gemacht, da ist das unnötige Arbeit, die zudem noch den Älteren Mühe bereitet“, sagt Thobor. Dazu komme noch die Doppelbelastung für einige, den alten und den neuen Garten gleichzeitig pflegen zu müssen.

August Judel vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen kann in diesem Punkt allerdings Entwarnung geben: „Bis zum Ende des Gartenjahres wollen wir die Schätzungen der Parzellen abgeschlossen haben“, so der Vorsitzende des Verbands. Und das ist der 30. September. Von Wirtschaftsförderern und Wirtschaftsbehörde „haben wir das Signal erhalten, dass die Kosten für die Schätzungen übernommen werden“, so Judel. Wenn die Ergebnisse vorliegen, bekommt jeder Pächter für seinen Garten entsprechend der Ausstattung und des Zustandes eine Entschädigung zugesprochen, schildert er die Vereinbarung.

In der Wirtschaftsbehörde bezeichnet Abteilungsleiterin Simone Geßner die Erweiterungsmöglichkeit der Gewerbeflächen als „Glücksfall“: „Es ist wichtig für uns als Wirtschaftsstandort, Unternehmen auch in direkter Nähe zum Flugfeld weitere Flächen anbieten zu können.“ Dies sei bislang trotz der vorhandenen Nachfrage leider nicht möglich gewesen. „Wir wollen mit dem neuen Angebot vor allem Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche ansprechen“, sagt Geßner.

Bevor diese sich ansiedeln können, muss aber zunächst das Kleingartengebiet in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden. Neues Planungsrecht und die entsprechende In­frastruktur sind dazu nötig. Voraussichtlich wird dann die Hanna-Kunath-Straße verlängert, über die das neue Gewerbe dann anzusteuern ist.

In der Airport-Stadt gibt es noch weitere Kleingartenvereine. Doch an deren Gelände habe die Wirtschaftsbehörde keinerlei Interesse, versichert Geßner auf Nachfrage: „Es gibt weder Ideen noch Pläne, dort auf weiteren Parzellengebieten Gewerbe anzusiedeln.“ Es sei einfach eine glückliche Fügung, dass die Aufgabe des Vereins „Langeoog“ und das Wirtschaftsinteresse an Flächen direkt in Flugfeldnähe zusammengefallen seien. Geßner: „Es ist sehr schön, dass das alles einvernehmlich gelaufen ist.“

Auch August Judel sieht die weiteren Parzellen in Flughafennähe nicht in Gefahr: „Es gibt keinerlei Bestrebungen der anderen Vereine, dort aufzugeben.“

Personalkarussel dreht sich – Vorsitzender des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen geht

Zur kommenden Wahl im März 2019 wird der Vorsitzende des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. nicht wieder antreten. Er wird sein Amt abgeben, heißt es im Weser-Kurier bereits am 3.8.2018.

Als Nachfolger stellt sich der aktuelle zweite Vorsitzende, Klaus Bode, bereit, ist zu lesen. Für dessen frei werdenden Posten gibt es ein bemerkenswerte Personalie: Neuer Stellvertreter will der frühere Staatsrat a.D. Wolfgang Golasowski werden. Golasowski ist pensionierter Richter, der es bis zum Präsidenten des Bremer Landgerichts gebracht hatte. Bei den Grünen war er anschließend als Staatsrat im Bauressort von 2007-2015 auch für das Kleingartenwesen zuständig. Dort vertrat er acht Jahre lang den Senator und die Verwaltung gegenüber den Kleingärtnern. Bei „wikipedia“ erfährt man mehr über den Berufsweg von Wolfgang Golasowski. Mit der Position des Staatsrats verbunden war der Aufsichtsratsvorsitz der Bremer Straßenbahn AG (2007-2015). Von 2012 bis 2018 war Golasowski Vorsitzender der Landesverkehrswacht Bremen e.V. Der Mann bringt also eine beachtliche Fülle an vielseitigen Kenntnissen, politischer Erfahrung und ein umfangreiches Netzwerk mit. Anders als August Judel ist er politisch versiert. Über den Hintergrund von Klaus Bode, dem Kandidaten für den ersten Vorsitz, gibt der Beitrag im WK keine weiteren Informationen.

Ich wünsche dem Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. einen weitsichtigen, umsichtigen und an demokratischen Grundsätzen orientierten Vorstand und eine ebensolche Geschäftsführung. Kleingärten und die sie pflegenden Pächter sowie die sie tragenden Vereine haben in Bremen und Bremerhaven eine nicht zu unterschätzende gesellschaftliche, ökologische und stadtklimatische Funktion, die besonderer Stärkung und Schutz bedürfen. Die zukünftigen Funktionäre des Landesverbands der Gartenfreunde nehmen hoffentlich auch eine frühere zentrale Praxis des Landsverbands wieder auf: Es hat sich bewährt, die Interessen der Vereine Bremens und Bremerhavens, die den Verband bilden und tragen, partnerschaftlich und gemeinsam mit den Vereinen zu vertreten. Im Übrigen ist eine Modernisierung dringend geboten mit zeitgemäßer Gartenordnung, einem vernünftigem Pachtvertrag und liberaler Satzung.

Hier ein Auszug aus dem Artikel „Obergärtner wirft den Spaten hin“ von Jürgen Hinrichs im Weser-Kurier vom 3.8.:

„Es gärt bei den Gärtnern, und zwar gewaltig. Jetzt wirkt sich das im Bremer Landesverband der Gartenfreude, dem fast 17 000 Mitglieder angehören, auch auf die Spitze aus. August Judel, seit dreieinhalb Jahre Vorsitzender des Verbandes, hat angekündigt, kein weiteres Mal zu kandidieren. Er bleibt noch bis März im Amt und hört dann auf.

Judel verbindet seinen baldigen Abgang mit einer Generalkritik: „Der Umgang mit Politik und Verwaltung hat mich aufgerieben. Die Entscheidungswege sind unendlich lang und oft nicht nachvollziehbar“, lässt er sich in einer Presseerklärung des Landesverbandes zitieren. „Man hat das Gefühl, es läuft einfach nicht, nichts geht voran, nichts Gravierendes jedenfalls“, sagt Judel im Gespräch mit dem WESER-KURIER.

Den ganzen Artikel gibt es online: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-obergaertner-wirft-den-spaten-hin-_arid,1754856.html

„In den Wischen“ – Radtour im Kleingartenpark in Gröpelingen

Erfrischende Grüße von einer empfehlenswerten Radtour entlang des Rad-/Wanderwegs am Maschinenfleet im Kleingartenpark „In den Wischen“. Ein weiter Blick ins Blockland eröffnet sich, Vögel zwitschern, zum Feierabend sind viele Leute in ihren Gärten und vergnügen sich. Mehrere Kleingartenvereine aus Gröpelingen und Walle begründen diesen lebendigen Kleingartenpark. Es sind die Vereine Blüh`auf und Mittelwischweg gemeinsam mit den Vereinen Morgenland und Waller Marsch. Sie bilden eine starke Gemeinschaft und ziehen an einem Strang.                                                                                                                          Ich biege ins „Vogelschutzgehölz“ ein. Es ist ein zauberhafter Weg der seinem Namen alle Ehre macht. Unter vielen hohen Bäumen führt er mich ins abwechslungsreiche Kleingartengebiet hinein. Meine Fahrt geht vorbei an vielen belebten Parzellen und Wasserläufen zum Waller Feldmarksee, wo ein erfrischendes Bad lockt. So lässt sich das Sommerwetter prima genießen.

Blick vom Radweg über den Maschinenfleet ins Blockland.

Dieser Graben verdient es Filmkulisse zu werden.

Eine idyllisch gelegene Laube mit üppig blühenden Rosenbögen im Kleingärtnerverein ‚Blüh`auf‘.

 

Diese kreative Gestaltung eines gemauerten Pfortenpfeilers mit einem Mosaik aus Fliesen, Muscheln und zerbrochenen Porzellantassen fiel mir auf.

 

 

Ein Detail aus alten Zeiten ragt in die Gegenwart. Die Mauerleute hatten vermutlich ihren Spaß.

 

Fotos: Kirsten Tiedemann