Eine flauschige Plage

KGVKraehenbergKaninchen

Wie es sich dünne machen kann, dieses niedliche, kleine Kaninchen. Was allgemein Entzücken hervorrufen mag, dass ist für die Freizeitgärtnerin auf dem Stadtwerder zur flauschigen Plage geworden. Kaum eine Gemüse- oder Blumensorte ist vor den niedlichen Dingern sicher. Unersättlich knabbern sie an Kapuzinerkresse, Steckzwiebel und kennen auch kein Halten vor dem sorgfältig über den Winter gebrachten und vor den ebenso gefräßigen Schnecken geretteten Goldlack, der erst im zweiten Jahr blühen wird, wenn, ja wenn er nicht vor dem zweiten Freßfeind geschützt werden kann: Vor den flauschigen, süß anzusehenden Kaninchen, die sich sprichwörtlich vermehren. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist vor den Kaninchen keine Pflanze sicher. Ihnen scheint keine Hürde zu hoch. Sie graben sich Schlupflöcher unter dem Maschendrahtzaun hindurch, um an das begehrte Futter zu kommen, oder knabbern den Draht durch – sind sie eigentlich Nagetiere? Sie hüpfen schon mal auf ein Hochbeet und überwinden dabei einen Meter und mehr. Inzwischen haben einige unterirdische Gänge im Gebiet angelegt, um die gesetzten Grenzen zu unterwandern. Das Foto zeigt eine weitere, eine wenn-ich-es-nicht-mit-eigenen-Augen-gesehen-hätte-würde-ich-es-nicht-glauben Variante der Grenzüberwindung: der Gang durch die Maschen eines Zauns. Müsste ich mich von der Ernte der Parzelle ernähren, ich müsste Schnecken, Tauben und Kaninchen essen.

Das Paradies für Kaninchen heißt Stadtwerder

Diese possierlichen Tierchen sind in der Stadt ihrerseits ohne natürlichen Feind, es gibt in Bremen keinen Fuchs weit und breit. So gedeihen sie bei einem vielseitigen Nahrungsangebot, das unermüdlich erneuert wird, prächtig: Das neue Paradies der Kaninchen heißt Stadtwerder. Im Winter kürzen sie Stauden ein und, sehen wir es einmal positiv, nehmen der Freizeitgärtnerin damit Arbeit ab. Leider lassen sich Kaninchen nicht lenken, und so naschen sie in der dunklen Jahreszeit bei Frost gern an der Rinde vorzugsweise junger Bäume, was schon so manchem Obstgehölz ein rasches Ende bereitet hat. Auch hier läßt sich eine positive Lesart finden: Kurbeln diese Tierchen damit nicht indirekt unsere Wirtschaft an?! Gärtnereien, Baumschulen, Gartenbedarfsgeschäfte und die entsprechenden Fachabteilungen von Baumärkten sehen die Parzellisten nun nicht nur häufiger, diese lassen auch ihr Geld dort, schließlich sind Pflanzen aller Art und Größe zu ergänzen. Dazu kommt ein gewisser Materialbedarf für Anlagen zum Schutz der Pflanzenwelt vor den kuschelig weichen Kaninchen und anderen Pflanzenfressern. Man könnte fast von Investitionen sprechen, die in diesem Zusammenhang getätigt werden. Der Kleingärtner als (Klein)Investor.

Bei bestem Willen bleibt die ungeheure Ansammlung der possierlichen Tiere auf dem Stadtwerder für mich eine flauschige Plage, die für Ärger, Kosten und Mißmut sorgt. „Tja“, würde meine Großmutter sagen, „was soll man machen?“, und dabei nur andeutungsweise mit einer Schulter zucken. Ich übe mich also in Geduld, ummantle junge Bäume mit Kükendraht und halte Ausschau nach Strategien anderer Gärtner zum Schutz ihrer Pflanzen.

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