Wo Fuchs und Hase sich heute ‚Gute Nacht‘ sagen

Ist es in entlegener Landschaft weit entfernt von jeder menschlichen Siedlung am Rande von Feld, Wald und Wiesen, wo Fuchs und Hase sich sprichwörtlich ‚Gute Nacht‘ sagen? Das Gegenteil scheint inzwischen der Fall zu sein. Heute wird von diesen wilden Tieren gerne auch mal eine ondulierte, frisch rasierte (Synonym für „gemähte“) Rasenfläche einer intensiv genutzten Parzelle mitten in der Großstadt als Treffpunkt gewählt. Mit der rasant zunehmenden Industriealisierung der Landwirtschaft und damit verbundener Veränderungen treibt es manches Tierchen in die Stadt und altbekannte Lebensweisen kehren sich in ihr vollkommenes Gegenteil. Was bisher möglicherweise für Kleingärtnerlatein gehalten worden sein mag, bestätigen nun die Aufnahmen einer Wildtierkamera, die in einem Kleingarten mitten in Bremen unweit von Dom und ‚Umgekehrter Kommode‘ angefertigt wurden. Vielen Dank an den Kleingärtner Bodo, der mir die Aufnahmen freundlicherweise überlassen hat, um sie hier zu zeigen.

Das Füchslein scheint im Mai noch recht mager.

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Interessiert sich der Hase, genauer gesagt das Kaninchen, für die Kamera? wildtierkamera_kaninchen2016_kl

Nicht immer geht die Begegnung von Kaninchen und Fuchs glimpflich aus wie diese Fülle von Fellfetzen vermuten läßt. So halten also auch die natürlichen Feinde der schon lange in der Stadt lebenden und sich sprichwörtlich vermehrenden, immer mehr Grünmasse als Futter benötigenden Kaninchen Einzug in das für sie neue Habitat.

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Wie kann ich einen Fuchs in meinem Garten sehen? Es ist ganz einfach. Richtet in eurer Parzelle ein paar Rückzugsorte für Wildtiere ein und setzt euch gelegentlich eine lange Zeit ruhig dort hin, dann kann es zu ganz besonderen Begegnungen mit Reineke Fuch kommen, wie ich sie in diesem Sommer erlebte und hier schildere: „Vom Fuchsquartier in meinem Garten“

Fotos: Wildtierkamera in einem Kleingarten Stadtmitte Bremen, Stadtwerder nahe umgekehrter Kommode in Sichtweite zum Dom, Mai 2016

Kaninchen im Visier

Was treiben die vielen Wildkaninchen eigentlich, wenn sie allein im Garten sind? Die flauschige Plage auf dem Stadtwerder treibt wundersame Blüte und gibt manchen Parzellisten einen Anlass, sich endlich eine Wildkamera anzuschaffen. Und siehe da, die Tiere geben ihr Bestes beim heimlichen Fotoshooting im Kleingarten von A. und E.: Die Hoppelhäschen demonstrieren schiere Lebensfreude vor der Kamera, die mittels Bewegungsmelder ausgelöst wird, und jagen im Kreis hintereinander her.

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Regelmäßig spuckt die Kamera Fotos mit Kaninchen aus, die direkt in die Kamera schauen. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die Hüpfer sich der Kamera bewusst sind und die Betrachter per Foto grüßen wollen. Oder ist es Schadenfreude? Verhaltensforscher raten ja dringend davon ab, menschliche Verhaltensweisen in Tiere hinein zu interpretieren. Fakt ist, dass vor der Kamera mehrfach „Männchen“ gemacht wird.

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Auch nachts sind die Tiere aktiv, was den Ungläubigen endlich dank Infrarottechnologie bewiesen werden kann.

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Ist es eigentlich immer dasselbe Kaninchen, das sich in diesem Garten tummelt?

Fotos: Wildkamera im Garten von A. und E. Herzlichen Dank!

DIY-Schutz vor Kaninchen

Auch in diesem Sommer gibt es viele Begegnungen mit den flauschigen Kaninchen, die putzig anzusehen sind, bei der Hobbygärtnerin aber für eine gewisse Unzufriedenheit sorgen – denn die kleinen Tiere fressen, fressen und fressen. Sie kosten vom Gemüse, nagen Blumenstiele an und fällen die Blüte und verputzen eine Fülle an Biomasse, wie ich im Beitrag Eine flauschige Plage beschrieben habe. Was tun, fragt sich die Freizeitgärtnerin, um etwas Gemüse zu ernten und Lieblingsblumen wachsen zu sehen? Mit Fantasie und dem Talent zum Improvisieren wird an kreativen Lösungen zum Schutz einiger Pflanzen gebaut. Garteneinfriedungen aus Maschendraht werden mit einer zweiten Runde feinmaschigem Draht, dem sogenannten Kükendraht, versehen. Auch der Spalt unter der Eingangspforte wird mit Brettern, Draht oder anderen Mitteln geschlossen. Andere Menschen zäunen ausgewählte Beete gezielt mit Maschendraht ein. Die Freude, hier nun Pflanzen ungestört wachsen zu sehen, wird jedoch rasch getrübt, wenn man feststellt, dass eine Zaunhöhe von 50 Zentimetern nicht ausreichend ist: Die springkräftigen Kaninchen überwinden sie spielend. Und auch wer glaubt, ein Hochbeet mit der Höhe von einem Meter bildet eine ausreichende Hürde, der wird rasch eines Besseren belehrt. Also muss noch eine Art Deckel angefertigt werden und so kommt inzwischen manch ein Pflanzenschutz wie ein Kaninchenkäfig daher.

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Der Weg durch die Gartenpforten wird den Tieren im unteren Bereich mit Draht, einem Brett oder wie hier mit einer kunstvoll arrangierten Stein-Beton-Mischung verwehrt.

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Einen Dreifachschutz gegen Kaninchen, Schnecken und Tauben haben Parzellisten hier angefertigt. Der Gemüsegarten ist in ausreichender Höhe mit Maschendraht eingezäunt und wurde 20 Zentimeter tief versenkt. Schneckenzäune darin schützen Erbsen, Bohnen und Kürbis. Das Erdbeerbeet vorne im Bild hat noch zusätzlich ein Netz bekommen., um Vögel von den süßen Früchten fern zu halten.

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Neben den mechanischen Strategien werden auch Geruchsstoffe ausprobiert. Stinköl (Oleum animale foetidum crudum) wird im Forst gegen Wildverbiss angewendet und soll Kaninchen und Maulwürfe fern halten. Es ist in der Apotheke zu bekommen. Der Selbstversuch bestätigt, dass das Prinzip funktioniert, vorausgesetzt, dass Stoffstreifen reichlich mit dem Öl getränkt auf Stöckchen gespießt gleichmäßig im Garten verteilt werden. Es gibt aber zwei gravierende Nachteile. 1. Das Zeug stinkt derart widerlich, dass es die Gärtnerin gleich mit aus dem Garten vertreibt und für erheblichen Ärger mit den Nachbarn sorgen kann. Und 2. Die Wirkung ist nur von kurzer Dauer, denn sobald der Geruch schwächer wird, stört er die Kaninchen nicht mehr.

Die sicherste Methode, um Kaninchen fern zu halten, scheint darin zu bestehen, einen Hund zu haben, der sich häufig im Garten aufhält. Sein Geruch scheint Kaninchen abzuschrecken, so wurde es mir erzählt.

P.S.: Gärtnern in Bremen ist doch der sinnvollere Titel für meinen Blog, schließlich ist nicht alles, was hier thematisiert wird, ein Glück. Bei diesem Namen soll sich jetzt auch (erstmal) bleiben.

Fotos: Kirsten Tiedemann