Herrenlose Tasche in Waller Feldmark: Polizeieinsatz

Keine Ruhe im Parzellengebiet: Eine herrenlose Tasche sorgte laut Weser-Kurier heute in den frühen Morgenstunden in der Waller Feldmark für einen Polizeieinsatz. Nachdem die Meldung der BSAG über die Tasche, die an der Bushaltestelle Hohweg stehen würde, kurz vor sechs Uhr bei der Polizei eintraf, rückte eine Spezialteam aus und sperrte vorsichtshalber das umliegende Parzellengebiet. Um 10 Uhr wurde die Sperrung aufgehoben.

Die Polizei teilte mit, dass sich in der Tasche Spielzeugautos befunden haben.

Die Nachricht schrieb Kristin Hermann im Weser-Kurier online am 3.6.2017

 

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Guck‘ mal, ein Kaisenhaus in der Stadtmitte

Guck‘ mal, ein Kaisenhaus als Gartenhaus in einem Kleingartengebiet mitten in Bremen! Oder ist es einfach eine ziemlich gut erhaltene alte Laube? So oder so, es ist ein ansehnliches, individuelles Gartenhaus.

gelbeshaus_klFoto: Kirsten Tiedemann

 

Wird Waller Fleetkirche bald abgerissen?! [aktualisiert]

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Foto: privat 2014

 

 

 

 

So wie es aussieht soll wieder eine bauliche Rarität der Bundesrepublik ver- schwinden. Bremen wird dadurch um ein charmantes Kleinod ärmer und verliert ein besonderes historisches Zeugnis der Nachkriegszeit. Die hier gezeigte Kirchen- glocke wird bald nicht mehr läuten können, denn sie soll  samt Fleetkirche abgerissen werden – das sieht es zumindest der aktuelle Plan vor.

Die Fleetkirche in der Waller Feldmark zeichnen nicht Pomp und Protz aus, Baustoff und Gestaltung fügen sich vielmehr dezent in das großflächige Kleingartengebiet und die Landschaft ein. Das ist vielleicht auch der Grund, warum sie nicht auf den ersten Blick ins Auge fällt. Gemessen an vielen ihrer steinernen Schwestern ist die Fleetkirche aus Holz recht klein. Ihre legale Errichtung im Jahr 1958 gehört untrennbar zur Geschichte der Kaisenhäuser und des Wohnens auf der Parzelle. Sie ist ein Unikat, das der bekannte Bremer Architekten Hermann Gildemeister für die Bremische Evangelische Kirche entworfen und realisiert hat.

Dieses historisch wertvolle Gebäude eignet sich in jeder Hinsicht, mit seinem einzigartigen Standort, dem besonderen Charme und den baulichen Voraussetzungen hervorragend für eine Umnutzung in ein attraktives Ausflugscafé mit gelegentlichen kulturellen Veranstaltungen. Das Konzept sollte sinnvollerweise das Prinzp eines lebendige Gedenkorts für die Geschichte der Parzellenkultur seit 1900 beinhalten. Solch eine Nutzung wird sich perfekt in die seit Jahren politisch gewollte Aufwertung der Waller Feldmark zu einem öffentlichen Naherholungsgebiet fügen.* Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Evangelische Kirche Bremen solch einem Vorhaben Vorrang einräumt.

 – Nachtrag 1: Es kommen viele weitere Ideen für Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes: Ein Kindergarten fändet hier ideale Bedingungen, denn es gibt auch eine große Wiese. Eine Ateliergemeinschaft bildender Künstler ist denkbar. Die Bremische Evangelische Kirche muss die Fleetkirche nicht weiter selbst unterhalten, sondern könnte sie auch verkaufen. Nachtrag 1 Ende –

Aktuell – Nahe des Waller Fleets in Bremens größtem Parzellengebiet Waller Feldmark werden erste Vorbereitungen zum Abriss der Fleetkirche getroffen. Zum ersten Juno ist die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde für Weser und Ems in Bremen e.V., die die kleine Kirche als Pächterin seit dem Jahr 2000 regelmäßig nutzte, samt Ikonen in ihr neues Quartier in der Dreifaltigkeitskirche/Vahr umgezogen. Dem intakten Gebäude wurde sofort der Strom abgeklemmt und einige Anwohner umliegender Kaisenhäuser erfuhren, dass Abbrucharbeiten in Kürze beginnen sollen.

Das Gebäude – Das hölzerne Gebäude mit seitlich eingeschobenem Glockenturm, stellt mit seiner vertikalen Verbretterung und den feinsprossigen Seitenfenstern Bezüge zur Gestaltung von Gartenhäuser her. Vor dem Eingang steht eine 40 Jahre alte Linde.

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Wer die Kirche betritt ist positiv erstaunt von dem hellen, warm wirkenden in Holz gehaltenen Innenraum mit seinem Tonnengewölbe. Das kreisrunde Altarbild stammt von der Künstlerin Bessie (Elisabeth) Pappenheim.

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Blick auf den Altar mit Altarbild der Künstlerin Bessie Pappenheim, Dezember 1999    Foto: privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das  Kirchenschiff ist geräumig und nicht wie üblich mit fest installierten Bänken versehen worden, sodass der Raum je nach Bedarf leer, bestuhlt oder mit Stühlen und Tischen ausgestattet wurde. Im multifunktional genutzten Kirchenraum fanden bis zu 100 Personen (bestuhlt) Platz bei Gottesdiensten, Taufen, Konfimationen, Hochzeiten und zu Seniorennachmittagen. Ein Vorraum dient als Windfang, Garderobe und Aufenthaltsbereich. Mit der daneben befindlichen Küche konnte für das leibliche Wohl im Rahmen der Aktivitäten der evangelischen Gemeinde gesorgt werden. Auch das notwendige WC mit geschlossener Sammelgrube und eine einfache Heizung sind vorhanden. Über dem Vorraum befindet sich eine Empore, auf der früher die kleine Orgel stand.

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Fleetkirche, Blick zur Orgel. Dezember 1999                                                                            Foto: privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Rückgang der Zahl der Kaisenhausbewohner*innen schrumpfte die einstmals große Gemeinde im Parzellengebiet erheblich, sodass die evangelische Gemeinde Walle die Nutzung der Kirche 1999 beendete. Das Gebäude wurde nahtlos verpachtet und seit dem Jahr 2000 regelmäßig von der längerem bestehenden serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde an allen Sonn- und Feiertagen genutzt.  Auf den von mir angebotenen Spaziergängen durch die Waller Feldmark mit verschiedenen Gruppen (z.B. Bildungsurlaub/Architekturstudierende) erhielten wir zweimal spontan die freundliche Gelegenheit, die Kirche zu besichtigen und durften dabei fotografieren.

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Fleetkirche, Innenraum 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Entstehungszusammenhang – Einige Menschen nahmen ihre Geschicke in der von massivem Wohnungsmangel geprägten Nachkriegszeit und von Bürgermeister Wilhelm Kaisen ausdrücklich dazu aufgerufen, selbst in die Hand und zogen in die Hütte bzw. Laube ihres Kleingartens. Man kann sagen, dass es sich um ein Prinzip des universellen Krisenmanagements von unten handelt, denn Staat und Stadt konnten der erheblichen Anzahl wohnungsloser Menschen kaum Hilfe, geschweige denn Unterkunft bieten. Was als behelfsmäßige Übergangslösung gedacht war verstetigte sich angesichts der mehrere Jahrzehnte anhaltenden Wohnungskrise, die einfachen Unterkünfte wurden in einer eigenwilligen Baukultur stetig verbessert und es entstand eine besondere Gartenwohnkultur. In Bremen lebten etwa 80.000 Menschen in sogenannten Kaisenhäusern verteilt über alle Kleingartengebiete der Stadt. So entstanden eigene Quartiere mit selbstorganisierter Infrastruktur. Viele Hintergrundinformationen und Fotos dazu findet ihr in meinem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“. Im Herzen des flächenmäßig größte Parzellengebietes, das auch heute noch von Findorff über Walle bis nach Gröpelingen reicht, errichtete die Bremische Evangelische Kirche 1958 die Fleetkirche, die als Teil der Waller Kirchengemeinde betrieben wurde. Ihr Bau stellte für die dort lebenden Menschen auch die Hoffnung auf ein dauerhaftes Bleiben in ihren umstrittenen, kleinen Eigenheimen dar. Es ist wohl der stärkste Ausdruck dafür, dass in der Waller Feldmark ein eigenes Quartier entstanden war.

Nachgefragt – Für meine näheren Nachfrage bei der Bremischen Evangelischen Kirche, in deren Besitz sich Gebäude und auch Grundstück befinden, und beim Landesamt für Denkmalpflege konnte ich die zuständigen Mitarbeiter bisher kurzfristig nicht erreichen.

– Nachtrag 2:

Meldet euch bei der Bremischen Evangelischen Kirche und macht ihr Vorschläge für eine sinnvolle Umnutzung der Fleetkirche in der Waller Feldmark. [ … ]

Nachtrag 2 Ende-

 

* In Rahmen der Aufwertung der Waller Feldmark zu einem neuen öffentlichen Naherholungsgebiet wurde die Route des geplanten Radwegs samt der neuen, nicht eben günstigen Brücke über das Fleet bereits extra an der attraktiven Kirche als Highlight vorbei geführt.

 

Fotos: Für die von Privat überlassenen Fotos bedanke ich mich herzlich! Kirsten Tiedemann

Barrierefreies Wohnen in einem Kaisenhaus

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Der Bauherr und langjährige Besitzer dieses Kaisenhauses mit 60 Quadratmeter Fläche hat umsichtig für sein Alter vorgesorgt und sein Haus inzwischen so umgebaut, dass alle Räume einschließlich Bad und WC barrierefrei erreichbar sind. Für die beiden Stufen vom Gartentor zur Tür wird bei Bedarf eine Rampe angefertigt werden. Nun genießt er dort, wo er seit seiner frühen Kindheit lebt, auch seine Frau kennengelernt und viele gemeinsame Jahre mit ihr verbrachte und seine Kinder aufgewachsen sind, seinen (Un-)Ruhestand. Eingebettet in gute Nachbarschaft und den Freundes- und Familienkreis läßt es sich gut sein, sagt er. Bei Bedarf geht ihm ein befreundeter, jüngerer Parzellist, den er aus dem früheren Berufsleben gut kennt, zur Hand. Er hat sich informiert, ob alle Dienstleister, die man mit zunehmendem Alter eventuell einmal in Anspruch nehmen muss, generell auch zu ihm in das Wohnhaus im Kleingartengebiet kommen würden und erhielt eine positive Antwort. Hierher kommen Dienste genau so wie in andere Quartiere der Stadt. Auch so läßt es sich in Bremen gut alt werden, finde ich.

Nachtrag: Vgl. zu lebenslangem Wohnrecht für Kaisen- und Kudellaauswohner in Dienstanweisung 422 gültig bis 4.3.2015 hier, für später hinzugekommene Ehegatten und den späteren Erhalt der Häuser als Gartenhäuser gültig seit 5.3.2015 hier und mein kurzer Beitrag zur Übergangsregelung hier

Foto: Kirsten Tiedemann

Offene Gartentore – Gärtnern für Flüchtlinge

In diesem Sommer laden der Internationale Garten Walle e.V. und das Gartenprojekt am Übergangswohnheim Überseetor ein und halten ihre Gartentore einmal wöchentlich für alle Interessierten offen. Sie bieten den „eingesessenen“ Bremerinnen und Bremer und den in unserer Stadt Schutz suchenden Menschen Freiraum, um gemeinsam zu gärtnern, auszuspannen und in entspannter Atmosphäre neue Kontakt zu knüpfen.

Der International Garten Walle e.V. hat sich mit seinen 2.300 Quadratmetern Gartenfläche in der vorderen Waller Feldmark am Hagenweg angesiedelt. Seit 2011 bereichert er das große Kleingartengebiet, das reich an Tradition ist, zu der übrigens auch Einwanderung gehört. Die Lust am gemeinsamen Gärtnern führt hier Menschen aus aller Welt zusammen. Wann: Jeden ersten Samstag im Monat. Wo: Hagenweg Ecke Fleetstraße beim WUPP-Schild  Zur Wegbeschreibung geht es hier.

Der ganz junge, mobile Garten in Kisten am Übergangswohnheim Überseetor 1 ist im April diesen Jahres für die Bewohner eröffnet worden. Er bietet Platz für Salat und Blumen und die Chance, miteinander und mit den Nachbarn in Kontakt zu treten. Wann: Die Gartentore sind hier jeden Dienstagnachmittag mit Gartenbetreuer für alle Interessierte geöffnet. Wo: Überseetor 1, Überseestadt . Ein informativer Artikel zur Eröffnung des Kistengartens findet sich im Weser-Kurier hier.

Kontakte: graca@internationaler-garten-walle.de; markus@internationaler-garten-walle.de, offgt@internationaler-garten-walle.de

Offen Gartentore ist ein Projekt des Internationalen Garten Walle e.V. in Kooperation mit der Gemüsewerft Bremen und wird gefördert vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen, der Inneren Mission in Bremen und einer großzügigen Spende. Es richtet sich speziell an Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Dahinter steht die Idee, dass ein Gemeinschaftsgarten Menschen die Möglichkeit gibt, etwas Sinnvolles und Selbstbestimmtes in der Natur zu tun, auszuspannen, in lockerer Atmosphäre mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und Sprachkenntnisse zu erwerben und zu festigen. Solch ein Garten kann ein wohltuender Freiraum sein für Schutz suchende Menschen, die oft monate- oder sogar jahrelang in einer Übergangsphase mit vielen Unsicherheiten und unklarer Zukunft leben müssen.

Ein Garten ist ein prima Ort der Begegnung.

InternationalerGarten

Foto: Internationaler Garten Walle e.V.

Die Post ist da!

Mit großem Erstaunen habe ich bei meinen ersten Streifzügen durch das riesige Parzellengebiet von Findorff und Walle in verschiedenen Wegen die typischen gelben Briefkästen der Post vorgefunden.

Breifkasten Kleingartengebiet

Ob sie tatsächlich funktionieren, fragte ich mich. Erreicht ein hier eingeworfener Brief seinen Empfänger? Offiziell soll es regelmäßige Leerungen geben, so ist es an dem Kasten angegeben. Es soll sogar täglich jemand vorbei kommen, um die eingeworfene Post abzuholen. Weil ich große Zweifel daran hatte, beschloss ich den Kasten im Grünen Weg zu testen. Rasch war eine Postkarte zur Hand. Sie wurde an mich selbst adressiert, ausreichend frankiert, schließlich sollte das Experiment nicht an einer falschen Briefmarke scheitern, und in den von einem Fliederbusch umgebenen, hier abgebildeten Briefkasten eingeworfen.

Briefkasten Kleingartengebiet

Was soll ich sagen? Nach drei Tagen lag die Postkarte wieder bei mir zuhause auf dem Tisch – regulär zugestellt durch einen Boten der Deutschen Post.

Foto: Kirsten Tiedemann


Kaisenhäuser im Winter 2014

SAMSUNG CAMERA PICTURES   Nur wenige Kilometer vom Stadtzentrum Bremens entfernt befinden sich die hier gezeigten Wohnhäuser im Grünen. Es sind Kaisenhäuser, wie Parzellenwohnhäuser um-gangssprachlich genannt werden. Ihr Ursprung liegt in den 1940er und 50er Jahren als einige Menschen sich in Bremen aufgrund der massiven Wohnungskrise in ihren Klein-gärten diese kleinen Wohngebäude errichteten, obwohl dort damals wie heute nicht gebaut werden durfte. Baulich, in Grundriss und Größe sowie der Ausstattung sind sie vielfältig. Typisch für die Häuser ist die Anbauweise. Einige der hier abgebildeten Gebäude sind bereits dem Verfall preisgegeben, denn sie alle haben vom früheren Bürgermeister Wilhelm Kaisen 1955 nur eine befristete Duldung für eine Generation erhalten. Inzwischen haben die Menschen, die vor 1974 zugezogen sind, ein Wohnrecht auf Lebenszeit er-kämpft. Die Bauherren und Besitzer dürfen ihre Häuser allerdings weder vererben noch verkaufen. Melden sie ihren ersten Wohnsitz dort ab, dann sollen die Gebäude abgerissen werden.

Zur Praxis der Gebäudeabrisse später mehr.

Fotos: Kirsten Tiedemann

SAMSUNG CAMERA PICTURES Kaisenhäuser mit Sattel-, Pult- oder Flachdach sowie diverser Anbauten.

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Ein Doppelhaus

SAMSUNG CAMERA PICTURES Ein Kaisenhaus mit Wintergarten hinter einer Baumarktlaube

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