Kaninchen im Visier

Was treiben die vielen Wildkaninchen eigentlich, wenn sie allein im Garten sind? Die flauschige Plage auf dem Stadtwerder treibt wundersame Blüte und gibt manchen Parzellisten einen Anlass, sich endlich eine Wildkamera anzuschaffen. Und siehe da, die Tiere geben ihr Bestes beim heimlichen Fotoshooting im Kleingarten von A. und E.: Die Hoppelhäschen demonstrieren schiere Lebensfreude vor der Kamera, die mittels Bewegungsmelder ausgelöst wird, und jagen im Kreis hintereinander her.

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Regelmäßig spuckt die Kamera Fotos mit Kaninchen aus, die direkt in die Kamera schauen. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die Hüpfer sich der Kamera bewusst sind und die Betrachter per Foto grüßen wollen. Oder ist es Schadenfreude? Verhaltensforscher raten ja dringend davon ab, menschliche Verhaltensweisen in Tiere hinein zu interpretieren. Fakt ist, dass vor der Kamera mehrfach „Männchen“ gemacht wird.

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Auch nachts sind die Tiere aktiv, was den Ungläubigen endlich dank Infrarottechnologie bewiesen werden kann.

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Ist es eigentlich immer dasselbe Kaninchen, das sich in diesem Garten tummelt?

Fotos: Wildkamera im Garten von A. und E. Herzlichen Dank!

DIY-Schutz vor Kaninchen 2015

Die flauschige Plage hat sich auf dem Stadtwerder durch den milden Winter noch einmal verstärkt. Auf einem Spaziergang kann man sie überall in den Gärten und auf Freiflächen hoppeln sehen. Rinden alter Obstbäume werden inzwischen großflächig von den putzigen Tierchen abgenagt, Rosenstämmchen, Forsythien und sogar Johannisbeerbüsche haben sie als schmackhafte Futterquelle für sich entdeckt. Wenigstens Pfingsrosen, Akelei und Taglilien bleiben unbehelligt. Auch Buxus, Holunder und Rhabarber lassen sie wachsen. Aber wer will schon eine solchermaßen beschränkte gärtnerische Einfalt, die quasi identisch mit der im benachbarten Garten ist? Einen einzigen, echten Vorteil haben die Kaninchen: sie halten den Rasen kurz. „Aber“, begehrt die Gärtnerin auf, „ich habe doch keinen Garten, um Kaninchen zu füttern!“

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Es scheint so, dass Bäume nun ganzjährig mit einem Draht umgeben und geschützt Weiterlesen

Eine flauschige Plage

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Wie es sich dünne machen kann, dieses niedliche, kleine Kaninchen. Was allgemein Entzücken hervorrufen mag, dass ist für die Freizeitgärtnerin auf dem Stadtwerder zur flauschigen Plage geworden. Kaum eine Gemüse- oder Blumensorte ist vor den niedlichen Dingern sicher. Unersättlich knabbern sie an Kapuzinerkresse, Steckzwiebel und kennen auch kein Halten vor dem sorgfältig über den Winter gebrachten und vor den ebenso gefräßigen Schnecken geretteten Goldlack, der erst im zweiten Jahr blühen wird, wenn, ja wenn er nicht vor dem zweiten Freßfeind geschützt werden kann: Vor den flauschigen, süß anzusehenden Kaninchen, die sich sprichwörtlich vermehren. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, ist vor den Kaninchen keine Pflanze sicher. Ihnen scheint keine Hürde zu hoch. Sie graben sich Schlupflöcher unter dem Maschendrahtzaun hindurch, um an das begehrte Futter zu kommen, oder knabbern den Draht durch – sind sie eigentlich Nagetiere? Sie hüpfen schon mal auf ein Hochbeet und überwinden dabei einen Meter und mehr. Inzwischen haben einige unterirdische Gänge im Gebiet angelegt, um die gesetzten Grenzen zu unterwandern. Das Foto zeigt eine weitere, eine wenn-ich-es-nicht-mit-eigenen-Augen-gesehen-hätte-würde-ich-es-nicht-glauben Variante der Grenzüberwindung: der Gang durch die Maschen eines Zauns. Müsste ich mich von der Ernte der Parzelle ernähren, ich müsste Schnecken, Tauben und Kaninchen essen.

Das Paradies für Kaninchen heißt Stadtwerder

Diese possierlichen Tierchen sind in der Stadt ihrerseits ohne natürlichen Feind, es gibt in Bremen keinen Fuchs weit und breit. So gedeihen sie bei einem vielseitigen Nahrungsangebot, das unermüdlich erneuert wird, prächtig: Das neue Paradies der Kaninchen heißt Stadtwerder. Im Winter kürzen sie Stauden ein und, sehen wir es einmal positiv, nehmen der Freizeitgärtnerin damit Arbeit ab. Leider lassen sich Kaninchen nicht lenken, und so naschen sie in der dunklen Jahreszeit bei Frost gern an der Rinde vorzugsweise junger Bäume, was schon so manchem Obstgehölz ein rasches Ende bereitet hat. Auch hier läßt sich eine positive Lesart finden: Kurbeln diese Tierchen damit nicht indirekt unsere Wirtschaft an?! Gärtnereien, Baumschulen, Gartenbedarfsgeschäfte und die entsprechenden Fachabteilungen von Baumärkten sehen die Parzellisten nun nicht nur häufiger, diese lassen auch ihr Geld dort, schließlich sind Pflanzen aller Art und Größe zu ergänzen. Dazu kommt ein gewisser Materialbedarf für Anlagen zum Schutz der Pflanzenwelt vor den kuschelig weichen Kaninchen und anderen Pflanzenfressern. Man könnte fast von Investitionen sprechen, die in diesem Zusammenhang getätigt werden. Der Kleingärtner als (Klein)Investor.

Bei bestem Willen bleibt die ungeheure Ansammlung der possierlichen Tiere auf dem Stadtwerder für mich eine flauschige Plage, die für Ärger, Kosten und Mißmut sorgt. „Tja“, würde meine Großmutter sagen, „was soll man machen?“, und dabei nur andeutungsweise mit einer Schulter zucken. Ich übe mich also in Geduld, ummantle junge Bäume mit Kükendraht und halte Ausschau nach Strategien anderer Gärtner zum Schutz ihrer Pflanzen.