Die Katze ist aus dem Sack Kleingärten zu Bauland – Presseschau

Die Katze ist aus dem Sack.

Der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. bietet der Stadt Bremen an, Kleingärtenflächen, in denen sich einige brach liegende Parzellen befinden, als Bauland abzutreten. Die Grundstücke befinden sich im Besitz der Stadt Bremen, der Bremischen Evangelischen Kirche und verschiedenen Privatpersonen. Dort eine Parklandschaft anzulegen, wird von den Bremer Gartenfreunden abgelehnt, da der Landesverband annimmt, diese werde nicht gepflegt werden. Den Beratungen zum Kleingartenentwicklungsplan bleiben die Verbandsvertreter und auch der baupolitische Sprecher der SPD fern. Dieser Plan soll gemeinsam von Vertretern aus Politik, Verwaltung, Landesverband der Gartenfreunde und verschiedenen Interessengruppen als grundlegendes Konzept für die Zukunft der bremischen Parzellengebiete entwickelt werden.

Nicht gefragt wird bisher, ob sich das Gebiet zum Bauen eignet. Nicht angesprochen wird, was mit den vielen Eigenlandparzellen, die sich eingestreut in dem Gebiet befinden, werden soll. Einige der Besitzer wollen ihre Grundstück nicht verkaufen. Man muss wohl davon ausgehen, dass im Falle einer Umwandlung in Bauland auch zeitaufwendige Enteignungsverfahren gegen Besitzer von Eigenlandparzellen eingeleitet werden müssen, oder? Was wird aus den Kaisenhausbewohnern mit lebenslangem Wohnrecht, die in dem Gebiet leben?

°°° Eine Presseschau mit Fragen zum Thema (aktualisiert 12.9.2017)

KT //Die Titel der Zeitungsartikel, Internet-Post und Fernsehbeiträge, die hier vorgestellt werden, sind blau hervorgehoben und führen, sobald man sie anklickt, zum jeweiligen Artikel oder Film.//

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5.9.2016 – Wir lehnen die Bebauungspläne von Kleingärten ab. Auf dem Blog Findorff AKTUELL, das zum Print-Magazin Leben in Findorff von Mathias Rätsch gehört, und hier auf Gärtnern in Bremen wird die Presseerklärung der Interessengemeinschaft der Parzellenbewohner und Grundstückbesitzer e.V. veröffentlicht.

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6.9.2017 –Kleingärten für Bauprojekte opfern? Im Weser Report/ Ausgabe West werden nicht nur die Absichten von Jürgen Pohlmann/ baupolitischer Sprecher der SPD und dem Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. vorgestellt, die brach liegende Kleingärten im Bremer Westen bebauen lassen wollen, sondern auch kritische Stimmen dazu. In der Ausgabe vom 10.9. gibt es den Beitrag Bebauung ist eine Option auf S. 9, der als pdf-Datei geladen werden kann – hier klicken.

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7.9.2017 – Koalitionsstreit über den Gartenzaun. Im Beitrag von buten und binnen (7.9.2017) werden die Aussagen einiger beteiligter Akteure aneinander gereiht. Der Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. und der baupolitische Sprecher der SPD stellen ihre Position zugunsten der Bebauung von Teilen des Kleingartengebiets Waller Feldmark vor. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen erklärt das Festhalten an dem Gebiet als grüne Lunge und für Ausgleichsflächen. Aus dem Bauressort erfährt man, dass geladene Vertreter des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. und der SPD-Fraktion von einem wichtigen Gespräch zum Kleingartenentwicklungsplan 2025 fern bleiben.

KT // Zuschauer, die sich dem Thema frisch und unbefangen nähern, bleiben Ursachen, Entwicklung und Begründung der Situation ohne journalistische Erläuterungen verschlossen. Bilder und Wortbeiträge widersprechen sich sogar in einem Fall: Frau Drechsler Annahme, dass das Rahmengrün später unzulänglich gepflegt werden wird, wird mit einer verwahrlosten Parzelle bebildert. Die Katze ist prima.//


9.9.2017 – In Zoff um Kleingärten stellt Sara Sundermann am Samstag im Weser-Kurier ausführlich die Position des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. vor. Brach liegende Parzellen sollen zu Geschosswohnungsbau oder Gewerbegebiet umgenutzt werden – keine Parkanlage, denn die würde nicht gepflegt werden, so führt die Geschäftsführerin aus. Das Bauressort und die Grüne Fraktion in der Bürgerschaft lehnen diesen Vorstoß ab. Die Positionen von SPD (Geschosswohnungsbau) und CDU (Ein-, Zwei und Mehrfamilienhäuser) sind bekannt. Einige Leserkommentare in der online-Ausgabe machen deutlich, dass nicht alle Mitglieder des Landesverbands der Gartenfreunde mit der Politik der Interessenvertretung konform gehen, im Gegenteil.

KT //Wer fragt, ob diese unversiegelte Grünfläche notwendigerweise als Bauland  genutzt werden muss? Braucht die Stadt Bremen nicht dringend unversiegelte Flächen, um die Wassermassen, die klimabedingt auf uns niederprasseln werden, abfließen zu lassen? Wer fragt, ob sich die Grünflächen überhaupt als Bauland eignen? Die brach liegenden Parzellen befinden sich eingestreut zwischen genutzten Kleingärten und legal bewohnten Kaisenhäusern. Sie sind umgeben von Eisenbahndamm (Strecke Bremen-Hamburg), Autobahn (Bremen-Bremerhaven) und Bremer Müllbergen mit dem Duft der tausend Haushalte. Wer weist darauf hin, dass das Gebiet einen sehr hohen Grundwasserspiegel hat, in dem von Spätherbst bis zum Frühjahr zwei-drei Spatenstiche genügen, um auf Wasser zu stoßen? Dort Bauland herzustellen wird sehr kostenintensiv. Hat die Stadt dafür Geld?//

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9.9.2017 – Wahlkampf auf Parzelle ist ein Kommentar von Sara Sundermann im Weser-Kurier, die sich für die Bebauung von Teilen von Kleingärten ausspricht. Ihr findet ihn ebenfalls am Samstag im WK und online hier klicken. Dort gibt es auch einen Leserkommentar.

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21.8.2017 – Kleingärtner wollen Rechtssicherheit. Schon ein paar Tage alt, dennoch nicht weniger wichtig. Ein Beitrag zu einer Beiratssitzung in Gröpelingen mit dem Thema „Wohnnungsbau in Kleingartengebieten?“ mit Jürgen Pohlmann/baupolitischer Sprecher der SPD enthält Fragen einiger Kleingärtnervereine, bekannte Positionen und einem interessanten neuen Aspekt. Anne Gerling schrieb den Artikel bereits am 21.8.2017 für den Weser-Kurier/West.

Einen interessanten Aspekt aus dem Artikel will ich hier zitieren:

„… Fragen zu improvisierten Wohnformen mit in die Diskussion hineintragen, hofft Christina Vogelsang, Sachkundige Bürgerin der Grünen im Gröpelinger Beirat. Ihr will bei der gesamten Diskussion dabei nicht recht einleuchten, weshalb überhaupt Kleingärten als mögliches Bauland ins Blickfeld rücken, wo doch bei Immobilien Bremen (IB) sogar die finanziellen Mittel fehlten, um das fast sieben Hektar große Areal an der Ritterhuder Heerstraße – immerhin eine der potenziellen Wohnbauflächen auf Bremens „40+“-Projektliste – weiterzuentwickeln und zu bebauen. Anders als in manchen Teilen der Vereinsbereiche gebe es dort bereits eine Infrastruktur, betont Vogelsang: „Wieso also die Idee, dass es im Kleingartengebiet klappen könnte?“ hier klicken zum Weiterlesen

KT //Wieso weist eigentlich kein Politiker und kein Verbandsfunktionär mehr darauf hin, dass die Stadt eine Selbstverpflichtung eingegangen ist, marode Kaisenhäuser auf städtische Kosten abzureißen?//

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4.9.2017 „Wie kann Bremen noch nach innen wachsen, ohne dabei wertvolle Freiflächen zu opfern?“ Diese zentrale Frage zum aktuellen Städtebau von Philipp Nicolay beantwortet Professor Eberhard Syring in einem Interview der taz-Nord folgendermaßen:

„Es gibt industriell genutzte Flächen, die sich dafür anbieten. Wenn das Kellogg-Werk geht, ist das eine städtebauliche Chance. Auch das Bierbrauen mitten auf einer attraktiven Fläche in der Alten Neustadt muss hinterfragt werden. Kann man Bier nicht genauso gut am Stadtrand brauen? Und in der Überseestadt ist auch noch nicht alles ausgereizt.“ taz-Nord 4.9.2017

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by the way

KT //Warum betreibt die laut Statuten politisch neutrale Geschäftsführung des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen e.V. eigentlich so eindeutigen Wahlkampf? Recht deutlich wird dieses Verhalten in einem etwas älterem TV-Beitrag „Aufruhr im Gartenidyll“ vom 23.8.2017 bei buten und binnen. Hier zum Beitrag klicken.

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Grünes Laubendach gut bei Starkregen

Dieses Dach ist eine prima Klimaanlage und eine ebenso gute Dämmung für die Laube im Garten. Passend zur kontroversen Diskussion in der bremischen Politik um eine zukünftige Dachbegrünung bei Neubauten entdeckte ich dieses kleine Beispiel in einem Gartengebiet mitten in der Stadt. Hier nimmt das Laubendach bei jedem Regen das Wasser auf. Überhaupt wirken ja alle Kleingärten mit ihren offenen Böden bei Starkregen positiv. Schon haben wir ein weiteres Argument für den Erhalt der kleinen Gärten, die bis in die Stadtmitte zu finden sind.

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Das Dach wurde mit einem besonderen Detail versehen. Der Schornstein scheint eine Krone zu tragen.

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Zur aktuellen politischen Diskussion gibt es einen Beitrag bei buten und binnen vom 8.1.2017 hier klicken.

Fotos: Kirsten Tiedemann

„Kleingärtner haben viel zu tun“ – Zu einem Beitrag von buten und binnen

„Kleingärtner haben viel zu tun“, so titelt buten und binnen einen TV-Beitrag [zu sehen bei youtube hier klicken], besonders bei der Gemeinschaftsarbeit, die in den meisten Kleingartenvereinen für ihre Mitglieder obligatorisch ist. Und dank des TV-Beitrags vom Sonntag meinen wir nun zu wissen, welche Aufgaben in einem Kleingärtnerverein dazu gehören und wie so ein Dienst abläuft. An einem Samstag Vormittag wird angetreten, in einer Reihe stehen ausschließlich Männer, um sich Arbeiten zuteilen zu lassen. Es wird gebuddelt, gestrichen und ein Zaun gesetzt. Mit Klemmbrett und Stift in der Hand kontrolliert jemand, ob Sandkiste und Spielgeräte auf dem Kinderspielplatz noch intakt sind, damit es nicht zu Verletzungen kommt. Wer nicht kommt, muss zahlen. „Ordnung muss sein“, sagt der Vorsitzende. Einzig der kleingärtnerische Nachwuchs, Männer so um die 40, geben sich selbstironisch. Nach getaner Arbeit sitzen die Männer bei einem Getränk zusammen – auch das sei in der Satzung verankert, kommentiert die Journalistin und bedient ein weiteres Klischee, das über Kleingärtner herrscht.

Der Beitrag ließ mich einigermaßen iritiert zurück. Es wirkt als beschreibe er ein Relikt früherer Zeit. Ist es ein Aprilscherz? Nein, denn der Sendetermin war der 3. April. … also kein Scherz. Satire? Was vermittelt der Beitrag? Er scheint gängige Vorurteile über Kleingärtner und Vereine zu bestätigen. In dem gezeigten Verein scheint alles bis ins Detail geregelt, selbst das „gemütliche Beisammen-sein mit einem Kaltgetränk“ gäbe die Satzung vor. Der Beitrag suggeriert auch, dass die Gemeinschaftsarbeit im gezeigten Kleingärtnerverein von Männern zu erledigen sei und diesbezüglich das klassische Rollenmodell vorzuherrschen scheint. Man fragt sich: Was macht eine Kleingärtnerin ohne Mann? Ist es eine Revolution, wenn sie eine Schaufel in die Hand nimmt? Und: Ist der Eindruck zu verallgemeinern?

Ich weiß nicht, ob der Beitrag der Realität entspricht, oder ob Fragestellung und Auswahl des verwendeten Filmmaterials zum Zustandekommen des Eindrucks beigetragen haben. Ist er tatsächlich als Satire angelegt oder handelt es sich um eine Realsatire? Ich weiß aber, dass Gemeinschaftsarbeit in Kleingartenvereinen keine Besonderheit in der Vereinslandschaft darstellt. Für viele Vereine und Initiativen, die sich den unterschiedlichsten Themen widmen, ist die Gemeinschaftsarbeit ihrer Mitglieder eine wirksame Möglichkeit, um genutzte Gebäude (Halle/Theater/Kneipe) und Flächen kostengünstig Instand zu halten und zu pflegen. Zu denken ist beispielsweise an Sport-, Luftsport-, Segel-, Billiard-, Reitsport-, Bogensport-, Eltern-, Kultur- und Museumsvereine und andere.

Meine persönliche Erfahrung vom Ablauf der Gemeinschaftsarbeit, wie ich ihn als Pächterin eines Kleingartens erlebe, ist eine andere: Frauen und Männer sind in dem Verein, in dem ich gärtnere, gleichermaßen an den Terminen vertreten. In lockerer Atmosphäre werden die anstehenden Aufgaben genannt, untereinander verteilt und im Laufe des Vormittags abgearbeitet. Will eine Frau eine traditionell von Männern ausgeführte Aufgabe übernehmen, kann es tatsächlich schon mal sein, dass sie das durchsetzen muss. Es sei denn, sie ist von Berufs wegen qualifiziert (Handwerkerin/Landschaftsgärtnerin). Eine Frühstückspause kann gemeinsam verbracht werden; es steht jedem frei, die Frühstückszeit bei Bedarf separat zu nutzen. Einmal im Jahr treffen all die unterschiedlichen „Typen“ der Freizeitgärtner zusammen, der typische Kleingärtner, wie er im Buche steht, der Permakultur betreibende, diejenigen, die ökologisch Gärtnern, solche, die sich mit Freundinnen eine Parzelle teilen und all die anderen. Einen schönen Nebeneffekt hat die Gemeinschaftsarbeit, wie ich finde: Die Gartenpächter tauschen sich aus und neue Kontakte werden geknüpft. Schriftstellerin, Verkäufer, Restaurator, Rentnerin, Facharbeiter und Biologin, der Termin bietet die seltene Gelegenheit, während der Menschen der unterschiedlichsten Berufsgruppen zusammentreffen. Und nach vier Stunden ist es dann getan mit der Gemeinschaftsarbeit für das komplette Jahr.

Brandserie in Parzellengebiet Walle/Findorff

Was ist da los? Wer macht denn sowas? In der Nacht zu Samstag hat es laut Weser-Kurier und Kreiszeitung Syke auf drei Parzellen in der Waller Feldmark gebrannt. Zwei Lauben und ein Kaisenhaus seien betroffen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus, denn die Brandorte liegen nicht nebeneinander. In dem Kleingartengebiet Walle/Findorff haben in den letzten sechs Monaten bereits 15 Lauben gebrannt.

Hier geht’s zur Nachricht in der Kreiszeitung: Brandserie in Bremer Parzellengebiet – 80.000 € Schaden und im Weser-Kurier. 

Nachtrag: Die Meldung der Feuerwehr hier klicken

Meldung über zwei Brände vom 12.12.15 hier klicken

… und bei buten und binnen – TV Magazin Radio Bremen

Schildbürgerstreich?! Dritte Brücke über Fleet

Auf diese Brücke hat Bremen gewartet. Nach jahrelanger Planung und mehrmonatiger Bauzeit steht sie nun da: Funktional und vor allem stabil in schlichter Betonoptik mit blau gestrichenem Geländer. Mit ihrem Charme könnte sie auch in einem GewerbeIndustriegebiet liegen. Die Brücke soll Freizeitradlern einen direkten Weg ohne Schlenker von A (Gröpelingen) nach B (Findorff) ermöglichen und verbindet einen geschotterten Kleingartenweg mit einem anderen. Das spart Zeit, nicht viel, aber immerhin. Die anderen beiden Querungen über das Waller Fleet liegen schließlich 300 Meter weit entfernt – jeweils eine stadtauswärts und eine stadteinwärts. Die neue Brücke hat daher etwas von einem Schildbürgerstreich, finden die Reporter von buten und binnen in ihrem Beitrag „Stress im Naherholungsgebiet“ vom vergangenen Freitag. Es lohnt sich übrigens in jedem Fall den Beitrag anzusehen, auch, weil im Hintergrund Kaisenhäuser zu sehen sind.

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„Schön, was?“, rief mir eine vorbeifahrende Radfaherein mit deutlicher Ironie in der Stimme zu, während ich die Brücke fotografierte, und ergänzte, „Was wir uns leisten können.“ 

Die Stadt hat es sich etwas kosten lassen, um das neue (!) Naherholungsgebiet*, in dem nicht wenige Bremerinnen und Bremer seit Generationen die Freizeit auf ihren Parzellen verbringen, durch diese Brücke aufzuwerten. Es sind keine Millionen, wie mancherorts gemunkelt wird, aber es ist doch das hübsche Sümmchen von 110.000 Euro aufgebracht worden – dafür wird in den kommenden 35 Jahren auch kein weiterer Cent für Reparaturen oder Renovierungen hineingesteckt werden müssen, erklärt der zuständige Projektleiter des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr. Warum wurde keine kleinere, kostengünstigere Brücke aus Holz gebaut?, fragt eine vorbei kommende Parzellistin. Ein Mann schimpft: „Die Brücke braucht hier keiner.“ In der zweistündigen Drehzeit hat das Team die stattliche Anzahl von acht Personen gezählt, die das Fleet an dieser Stelle überquert haben.

Zum Beitrag hier klicken

Foto: Kirsten Tiedemann

*  Nachtrag vom 24.8.: Es spricht ja nichts gegen eine Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten der viele Jahre von der Stadt vernachlässigten Waller Feldmark, durch Flächen, die für spontane Nutzungen jederzeit frei und öffentlich zugänglich sind, Gemeinschaftsprojekte und solche zur Umweltbildung, weitere Obstwiesen sowie anderes, was diskutiert und zu diskutieren sein wird, aber wird das Kleingartengebiet dadurch ein neues Naherholungsgebiet? Ich meine nicht, denn das Gebiet wird bereits seit 100 Jahren kleingärtnerisch genutzt und dient seit langem der Naherholung.

buten & binnen: Wohnen im Kaisenhaus [Filmclip]

Einblicke hinter die Mauern in ein Kaisenhaus von heute gibt ein 4 Minuten Beitrag von buten und binnen vom 13.8.2014. Manfred Drescher öffnet für das Team um Marianne Strauch seine Gartenpforte und auch die Haustür. Der Kaisenhausbewohner kämpft für den Erhalt seines Hauses mit Wohnrecht für seinen Sohn.

Der Filmbeitrag ist auch auf youtube zu sehen.

[… nur die genannten Zahlen sollte man nicht so ernst nehmen …]

Schade drum. [Kommentar]

Ein, zwei außergewöhnlich gestaltete Gärten, individuelle DIY-Lauben und besondere Charaktere, die ihre Parzelle als Rückzugsort, als Oase in der Großstadt genießen oder neue Gartenprojekte: Ich war gespannt auf Bilder, Eindrücke und Geschichten in der Wochenserie „Großstadtoasen“ von Radio Bremen und habe auf Beiträge gehofft, jenseits des gebetsmühlenartig wiederholten Vorurteils vom spießigen Kleingärtner der seinen Paragraphendschungel huldigt. Auch wenn mich die historischen Filmausschnitte gefreut haben, insgesamt bin ich entäuscht.

Liebe Leute, es gibt soviel mehr zu finden! Seit den 1988er Jahren, als Robert Bücking wegen etwas Kraut im Kleingarten abgekanzelt wurde, haben soviele andere Parzellisten mit ökologischem Ansatz ähnlichen Vorwürfen getrotzt, und sind auf ihren Parzellen geblieben. Sie haben in vielen Kleingartenvereinen dazu beigetragen, dass sich im letzten Vierteljahrhundert (!) vieles an Starre gelockert hat. Und ja klar, es gibt sie wirklich immer noch, die spießigen Kleingärtner, wie sie im Buche stehen. Und sie sind oft auch Funktionäre in den Vereinen. Aber, inzwischen gibt es eben auch die anderen, die freiheitsliebenden, alternativen Gärtner. Und das sind nicht wenige! Und es gibt ganz, ganz viele Formen zwischen dem Rasenkantenschneider und der Liebhaberin des Wildwuchs‘. Aktuell kommen wieder viele jüngere Leute und Impulse  der Urban Gardening-Bewegung in Bremens Parzellenkultur, dass es sich wirklich lohnt, diese neuen Strömungen aufzuspüren und ihnen nachzugehen. Wer thematisiert, dass die Stadt in der Waller Feldmark Kleingartenflächen als ökologische Ausgleichflächen für Bauten in Überseestadt und bei Aceor Metall ausweist und dafür auch EU-Mittel erhalten soll? Da erscheint es plötzlich in ganz anderem Licht, dass die Stadt das Gebiet vernachlässigt und verlassene Kaisenhäuser dort jahrelang sich selbst überlassen zu Ruinen werden. Und es gibt den brandaktuellen Streit in der Koaltition um das Wohnen auf der Parzelle in Kaisenhäusern. Lauter Themen, die für Bremerinnen und Bremer von Interesse sind.

Statt dessen wird wiedergekäut, was als Vorurteil nun wirklich jedem hinlänglich bekannt ist. Wenn es so weitergeht, wie in den ersten beiden Folgen, dann hat buten und binnen hier eine echte Chance verschenkt. Schade drum.

Hier lassen sich die Folgen online ansehen: buten und binnen.

aktualisiert. 11.50 Uhr