Karotte vorm Rathaus?! Essbare Stadt Bremen – Tagung [Tipp]

Essbare Stadt Bremen? Wie kann das gehen? Wie machen es andere Städte?

Gerne mache ich euch auf die Tagung „Karotte vorm Rathaus – Möglichkeiten ener Essbaren Stadt für Bremen“  aufmerksam, die am Donnerstag, 07.06., im Haus der Wissenschaft angeboten wird. Ab 9.30 Uhr wird über verschiedene Möglichkeiten diskutiert. Die geladenen ReferentInnen stellen interessante Ansätze und Umsetzungen aus Berlin, Leipzig und Groningen vor.

Eine Veranstaltung von BioStadt Bremen beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr und Gesellschaft für integrative Beschäftigung mbH

ReferentInnen
Benedikt Haerlin, Zukunftsstiftung Landwirtschaft; Philipp Scharf und Sebastian Pomm, Annalinde Leipzig; Jos Meijers, Toentje und Hiltje van der Wal, Gemeinde Groningen; Michael Scheer, Gemüsewerft; Tom Lecke-Lopatta und Lisa Hübotter, beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Grußwort: Staatsrat Jens Deutschendorf, beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Olbers-Saal | 1. OG | 9.30 Uhr

Eintritt frei

Die Tagungsteilnahme ist kostenlos.
Anmeldung unter landwirtschaft.azubi@umwelt.bremen.de oder 0421-361-98725

Aus der Ankündigung:

Landwirtschaft in der Stadt
In deutschen Städten werden zunehmend Lebensmittel im urbanen Raum kultiviert. Die dahinter stehenden Konzepte, Wertschöpfungen und Konsumstrukturen sind vielfältig und reichen von Gemeinschaftsgärten über frei zugängliche Flächen mit bewusst kostenfreier Abgabe bis hin zu hochtechnisierten Urban Farming-Vorhaben, bei denen auch das unternehmerische Kalkül eine wichtige Rolle spielt. Ihnen allen ist eines gemein: es werden Lebensmittel regional, saisonal und manchmal auch sozial erzeugt. Die städtische Bevölkerung kommt – als Konsument oder Produzent – wieder in den direkten Kontakt mit Erzeugnissen und deren Produktionsweisen.
Trotz aller architektonischer und verkehrsdynamischer Verdichtung in deutschen Innenstädten und dem ständigen Mangel an Anbauflächen wird der Wunsch immer größer, Landwirtschaft zurück in die Stadt zu holen.
Die Essbare Stadt macht Lebensmittel wahrnehmbar
Das Thema ist in seiner aktuellen Ausprägung für viele Stadtbewohner/-innen immer noch neu und wird mit Wunschvorstellungen und Vorurteilen überfrachtet. Fakt ist, dass urbane Lebensmittelverbräuche zu hoch und notwendige innerstädtische Anbauflächen nicht ausreichend vorhanden sind, als dass urbane Agrikulturen derzeit hier einen bedeutsamen Versorgungsauftrag sicherstellen könnten. Neben der reinen Herstellung von Erzeugnissen geht es beim Konzept der ‚Essbaren Stadt‘ aber auch um bildungs- und teilhabebezogene, inklusive sowie touristische Mehrwerte, die solche Vorhaben entwickeln können. Die ‚Essbare Stadt‘ macht Lebensmittel für Konsumenten wieder wahrnehmbar. Stadtwirtschaftliche Grünflächen erhöhen ganz nebenbei die urbane Biodiversität und wirken negativen innerstädtischen Umwelteffekten entgegen. Der Fachtag möchte Varianten urbaner Lebensmittelproduktionen und deren Umsetzungs und Nachhaltigkeitsstrategien beleuchten.“

Mensch und Biene – gemeinsam für eine lebenswerte Stadt? Antworten auf eine Anfrage an den Bremer Senat

Mensch und Biene – gemeinsam für eine lebenswerte Stadt?“ ist eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion an den Bremer Senat vom 19.12.2017, auf die es nun Antworten gibt. Diese möchte ich euch hier teilweise vorstellen.

[Zwei Anmerkungen möchte die Autorin dem Abdruck voranstellen: 1. Es überraschte, dass diese Anfrage aus der SPD-Fraktion kommt. Will die SPD ihr „grüne“ Seite hervorheben? 2. In der Antwort zur zweiten Frage wird auch auf die Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Gartenfreunde Bremen hingewiesen, dabei geht es konkret um die Förderung von Wildblumenwiesen insbesondere auf einzelnen Parzellen. Kleingartenvorstände und Fachberater sollen diesbezüglich geschult werden. Aber: Wie ich weiß, wurde im vorletzten Entwurf der neue Gartenordnung des Landesverbands der Gartenfreunde Bremen genau das ausdrücklich nicht mehr zugelassen. Dort hieß es sogar, dass Wildblumenrasenwiesen auf den einzelnen Parzellen verboten werden sollten. Dies sollte im Februar von der zuständigen Delegiertenversammlung angenommen werden. KT // Aktualisierung: Grade wurde mir gesagt, dass der Passus über die Wildblumenwiesen in dem aktuellsten Entwurf nicht mehr enthalten ist. Der Totholzhaufen als wichtiger Lebensraum für Bienen und Insekten darf jedoch bald nicht mehr auf den Parzellen angeboten werden. KT ]

Hier lest ihr die komplette Anfrage
„Von den 560 Bienenarten in Deutschland ist mehr als die Hälfte akut in ihrem Bestand bedroht, viele stehen auf den Roten Listen der gefährdeten Tierarten. Auch bei vielen anderen Insektenarten ist ein inzwischen alarmierender Rückgang zu verzeichnen. Dabei sind gerade Bienen ebenso für das ökologische Gleichgewicht wie auch für die Ernährung immens wichtig. Ohne sie gäbe es keine Äpfel, Erdbeeren, Kürbisse oder Gurken. Die fleißigen Bestäuber sorgen einer Studie aus dem Jahre 2008 zufolge für die Erzeugung mindestens eines Drittels unserer Nahrung. Andere Zahlen sprechen gar von rund 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge in Deutschland, die von der Bestäubung durch Wildbienen und andere Insekten abhängen. Abhilfe könnte eine zielgerichtete Strategie des ökologischen Gärtnerns schaffen: Auf begrünten Terrassen, Balkons und Flachdächern, Garagenhöfen und Industriehallen können gerade in dicht besiedelten Stadtquartieren Räume für Bienenvölker geschaffen werden. Da sich alle Insekten in einer evolutionären Koexistenz mit den Blüten entwickelt haben, ist der Einsatz von einheimischen Pflanzen besonders wichtig. Denn eingeführte Kulturpflanzen werden oft nur von sehr wenigen oder gar keinen Insekten angeflogen. Die klassische Bepflanzung Bremischer Gärten mit Rhododendren und Buchsbäumen ist da wenig hilfreich. Intakte, ökologische Kreisläufe und die Förderung der Artenvielfalt werden daher immer wichtiger für das Leben in der Stadt und den Schutz bedrohter Arten. Dafür benötigt es Aufklärung und Unterstützung unterschiedlicher Initiativen.
Insgesamt gilt: Unsere intensiv genutzte Landschaft weist kaum noch insektenfreundliche Lebensräume auf. Auch in den städtischen Grünflächen sind auf mehrmalig im Jahr gemähten Rasenflächen nur wenige blühende Pflanzen zu finden. Ziel muss es daher sein, neue Lebensräume für Insekten zu schaffen. So könnte die Biodiversität (Lebensraumvielfalt) im städtischen Grün wieder zunehmen und ein Ausgleich zu Siedlungsstrukturen angesichts zunehmender Verdichtung geschaffen und städtischer Raum wieder für Bienen und andere Insekten zu einem angemessenen Lebensraum werden.

Wir fragen den Senat:
1.Gibt es derzeit Programme im Land Bremen, die die Umwandlung von Brachflächen zur gärtnerischen Nutzung möglich machen?

2. Hält der Senat eine engere Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Garten-freunde und der Landwirtschaftskammer zur Förderung des ökologischen Gärtnerns für sinnvoll?

3. Welche Möglichkeiten sieht der Senat, die Bürgerinnen und Bürger für die Belange von Bienen und anderen Insekten zu sensibilisieren?

4. Hält der Senat die Umwandlung von städtischen Rasenflächen zu Blühwiesen oder Streuobstwiesen für sinnvoll?

5. Hält der Senat die Umwandlung auszuwählender Bereiche des sogenannten Straßenbegleitgrüns und/oder Randstreifen landwirtschaftlich genutzter Flächen in Blühstreifen für machbar und finanziell darstellbar?“

Die Antworten des Bremer Senat 
Frage 1: Gibt es derzeit Programme im Land Bremen, die die Umwandlung von Brachflächen zur gärtnerischen Nutzung möglich machen?

Antwort des Senats: „Derzeit gibt es kein Programm zur Umwandlung von Brachflächen zur gärtnerischen Nutzung. Nach Auffassung des Senats würde eine solche Umwandlung dem Insektenschutz auch wenig zu Gute kommen, da Brachflächen blütenreicher sein können als gärtnerisch genutzte Flächen und in der Regel selbst wertvollen Lebensraum für Bienen und andere Insekten bieten. Grundsätzlich wirkt die Naturschutzbehörde beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr auf eine laufende Berücksichtigung von blüten- und strukturreichen Habitaten bei Kompensationsmaßnahmen sowie auf den Insektenschutz als Beitrag zur Verminderung von Eingriffsfolgen (z.B. insektenfreundliche Beleuchtung) hin. Derzeit beginnt der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr das im Rahmen des vom Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) geförderte Projekts‚ Green Urban Labs‘: Im rund 480 ha großen Kleingartenpark im Bremer Westen gibt es auf Grund des Strukturwandels im Kleingartenwesen ein Mosaik an brachgefallenen Kleingärten. Ein Teil dieser freigefallenen Gärten wird im Rahmen des Projektes ‚Green Urban Labs‘, welches die Entwicklung eines Naherholungsparks mit kleingärtnerischer Nutzung zum Ziel hat, einmal jährlich durch Mahd gepflegt. Diese Pflegemaßnahme hilft zwar, die Flächen weitestgehend offen zu halten, ermöglicht jedoch bislang nicht die Entwicklung von artenreichen Wiesen. Auf Grund ihres Erscheinungsbildes werden die Flächen oftmals von den anliegenden Pächter*innen und Besucher*innen des Gebietes als Flächen ohne Nutzen wahrgenommen und werden daher in Folge häufig vermüllt oder als Stellplätze genutzt.

Entlang der Hauptwegeachsen in dem Projektgebiet sollen daher in den nächsten Jahren verschiedene Blühstreifen mit regionalem Saatgut angelegt werden. Vereinzelt sollen darüber hinaus auf ehemaligen Parzellen blühende Wiesen mit Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen werden. Informationstafeln werden die Bevölkerung für die Thematik sensibilisieren.
Des Weiteren sollen die Vereinsvorsitzenden und/oder Fachberater*innen der zehn ansässigen Kleingartenvereine zu dem Thema geschult werden, damit diese ihr neu erworbenes Wissen an die Pächter*innen weitertragen und zukünftig Wildblumenwiesen auch innerhalb der Parzellen entstehen.

Weitere geplante Maßnahmen zur Steigerung der Popularität von blühenden Wiesen und Blühstreifen sind die Auslobung eines Wettbewerbs für den schönsten Blühstreifen sowie die Verlosung von Saatgutmischungen auf dem Gebietssommerfest. Durch das Anlegen der blühenden Wiesen und Blühstreifen soll ein Beitrag zur Förderung der Biodiversität geleistet, die Aufenthaltsqualität gesteigert und die Vermüllung der brachgefallenen Flächen reduziert werden.

Zudem unterstützt der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr insbesondere im Rahmen der „Richtlinie zur Förderung von gemeinnützigen Umwelt- und Naturschutz-projekten sowie von Projekten zur Bildung für nachhaltige Entwicklung“ entsprechende Projekte zur Extensivierung oder Anlage von Blühflächen im Grünland und zum Gärtnern in der Stadt (Urban Gardening) z. B.
– Offene Gartentore (Internationaler Garten Walle e. V., 2014)

– Gärtnern für Flüchtlinge des Übergangswohnheims Nordstr. in Walle (Internationaler Garten Walle e. V., 2015)
– Gemüsewerft Dock II (Gesellschaft für integrative Beschäftigung mbH, 2016)
– Essbare Stadt: Viele Urban Gardning Hot Spots für Bremen (ÖkoStadt Bremen e. V., 2016)
– Integrationsgärten
– Baustein einer nachhaltigen Entwicklung im Quartier (ÖkoStadt Bremen e. V., 2016- 2017)
– Stadtwirte in Übersee
– Added Values in Urban Farming (Gesellschaft für integrative Beschäftigung mbH, 2017)
– Kräuter
– Pferde
– Landschaftsschutz (Stiftung NordWest Natur, 2017 – 2018)“

Frage 2. Hält der Senat eine engere Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Gartenfreunde und der Landwirtschaftskammer zur Förderung des ökologischen Gärtnerns für sinnvoll?  
Antwort des Senats: „Schon vor den unter Frage 1 genannten Projekten hat der Senat Aktivitäten des BUND Landesverbands Bremen e. V. und des Landesverbands der Gartenfreunde e. V. für mehr Naturnähe in Gärten und die Verwendung hochstämmiger Obstbäume durch-geführt.Im Rahmen des Projekts „Green Urban Labs“ strebt der Senat erneut die Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Gartenfreunde e. V. und acht verschiedenen Kleingartenvereinen im Bremer Westen an.

Die Landwirtschaftskammer verfolgt grundsätzlich das Ziel, Betriebe des Erwerbsgarten-baus bei der Umstellung auf ökologische Produktion zu unterstützen. Allerdings gibt es nur wenige produzierende Gartenbaubetriebe in Bremen, von denen bisher einer das Bioland-Siegel führt. Im Rahmen ihrer Aufgaben bei der Ausbildung von Gärtnern aller Sparten kann die Landwirtschaftskammer auf entsprechende Qualifikationen hinwirken. Gemeinsam mit dem Imkereiverband hat sich die Kammer auf Messen und Ausstellungen mit Themen des Bienenschutzes präsentiert.
Im Rahmen dieser vorgenannten Aufgaben und für weitere Projekte in diesem

Sinne ist der Senat für eine engere Zusammenarbeit offen und erachtet diese als sinnvoll.“

Das komplette Dokument mit allen Antworten findet ihr hier in der „Drucksache des Senats 19/1494 vom 23.1.2018“
 

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Offene Gartentore – Gärtnern für Flüchtlinge

In diesem Sommer laden der Internationale Garten Walle e.V. und das Gartenprojekt am Übergangswohnheim Überseetor ein und halten ihre Gartentore einmal wöchentlich für alle Interessierten offen. Sie bieten den „eingesessenen“ Bremerinnen und Bremer und den in unserer Stadt Schutz suchenden Menschen Freiraum, um gemeinsam zu gärtnern, auszuspannen und in entspannter Atmosphäre neue Kontakt zu knüpfen.

Der International Garten Walle e.V. hat sich mit seinen 2.300 Quadratmetern Gartenfläche in der vorderen Waller Feldmark am Hagenweg angesiedelt. Seit 2011 bereichert er das große Kleingartengebiet, das reich an Tradition ist, zu der übrigens auch Einwanderung gehört. Die Lust am gemeinsamen Gärtnern führt hier Menschen aus aller Welt zusammen. Wann: Jeden ersten Samstag im Monat. Wo: Hagenweg Ecke Fleetstraße beim WUPP-Schild  Zur Wegbeschreibung geht es hier.

Der ganz junge, mobile Garten in Kisten am Übergangswohnheim Überseetor 1 ist im April diesen Jahres für die Bewohner eröffnet worden. Er bietet Platz für Salat und Blumen und die Chance, miteinander und mit den Nachbarn in Kontakt zu treten. Wann: Die Gartentore sind hier jeden Dienstagnachmittag mit Gartenbetreuer für alle Interessierte geöffnet. Wo: Überseetor 1, Überseestadt . Ein informativer Artikel zur Eröffnung des Kistengartens findet sich im Weser-Kurier hier.

Kontakte: graca@internationaler-garten-walle.de; markus@internationaler-garten-walle.de, offgt@internationaler-garten-walle.de

Offen Gartentore ist ein Projekt des Internationalen Garten Walle e.V. in Kooperation mit der Gemüsewerft Bremen und wird gefördert vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen, der Inneren Mission in Bremen und einer großzügigen Spende. Es richtet sich speziell an Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Dahinter steht die Idee, dass ein Gemeinschaftsgarten Menschen die Möglichkeit gibt, etwas Sinnvolles und Selbstbestimmtes in der Natur zu tun, auszuspannen, in lockerer Atmosphäre mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und Sprachkenntnisse zu erwerben und zu festigen. Solch ein Garten kann ein wohltuender Freiraum sein für Schutz suchende Menschen, die oft monate- oder sogar jahrelang in einer Übergangsphase mit vielen Unsicherheiten und unklarer Zukunft leben müssen.

Ein Garten ist ein prima Ort der Begegnung.

InternationalerGarten

Foto: Internationaler Garten Walle e.V.