Schildbürgerstreich?! Dritte Brücke über Fleet

Auf diese Brücke hat Bremen gewartet. Nach jahrelanger Planung und mehrmonatiger Bauzeit steht sie nun da: Funktional und vor allem stabil in schlichter Betonoptik mit blau gestrichenem Geländer. Mit ihrem Charme könnte sie auch in einem GewerbeIndustriegebiet liegen. Die Brücke soll Freizeitradlern einen direkten Weg ohne Schlenker von A (Gröpelingen) nach B (Findorff) ermöglichen und verbindet einen geschotterten Kleingartenweg mit einem anderen. Das spart Zeit, nicht viel, aber immerhin. Die anderen beiden Querungen über das Waller Fleet liegen schließlich 300 Meter weit entfernt – jeweils eine stadtauswärts und eine stadteinwärts. Die neue Brücke hat daher etwas von einem Schildbürgerstreich, finden die Reporter von buten und binnen in ihrem Beitrag „Stress im Naherholungsgebiet“ vom vergangenen Freitag. Es lohnt sich übrigens in jedem Fall den Beitrag anzusehen, auch, weil im Hintergrund Kaisenhäuser zu sehen sind.

Ansicht1

„Schön, was?“, rief mir eine vorbeifahrende Radfaherein mit deutlicher Ironie in der Stimme zu, während ich die Brücke fotografierte, und ergänzte, „Was wir uns leisten können.“ 

Die Stadt hat es sich etwas kosten lassen, um das neue (!) Naherholungsgebiet*, in dem nicht wenige Bremerinnen und Bremer seit Generationen die Freizeit auf ihren Parzellen verbringen, durch diese Brücke aufzuwerten. Es sind keine Millionen, wie mancherorts gemunkelt wird, aber es ist doch das hübsche Sümmchen von 110.000 Euro aufgebracht worden – dafür wird in den kommenden 35 Jahren auch kein weiterer Cent für Reparaturen oder Renovierungen hineingesteckt werden müssen, erklärt der zuständige Projektleiter des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr. Warum wurde keine kleinere, kostengünstigere Brücke aus Holz gebaut?, fragt eine vorbei kommende Parzellistin. Ein Mann schimpft: „Die Brücke braucht hier keiner.“ In der zweistündigen Drehzeit hat das Team die stattliche Anzahl von acht Personen gezählt, die das Fleet an dieser Stelle überquert haben.

Zum Beitrag hier klicken

Foto: Kirsten Tiedemann

*  Nachtrag vom 24.8.: Es spricht ja nichts gegen eine Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten der viele Jahre von der Stadt vernachlässigten Waller Feldmark, durch Flächen, die für spontane Nutzungen jederzeit frei und öffentlich zugänglich sind, Gemeinschaftsprojekte und solche zur Umweltbildung, weitere Obstwiesen sowie anderes, was diskutiert und zu diskutieren sein wird, aber wird das Kleingartengebiet dadurch ein neues Naherholungsgebiet? Ich meine nicht, denn das Gebiet wird bereits seit 100 Jahren kleingärtnerisch genutzt und dient seit langem der Naherholung.

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Ein Gedanke zu „Schildbürgerstreich?! Dritte Brücke über Fleet

  1. Das nenne ich planvolle Einsetzung von Haushaltsmitteln: Im Matsch zelten die Flüchtlinge und hier wird eine völlig sinnfreie, dritte Brücke für über hunderttausend Euro gebaut. Unsere Senatoren haben jeden Bezug zur Realität verloren.

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