Dario Fo – Bezahlt wird nicht [Gärten in der Literatur]

„MARGHERITA Ich will endlich die Pakete und Tüten loswerden … Oder denkst du, ich will das Zeug mein Leben lang unter dem Mantel haben?

ANTONIA  Ja, aber nicht hier: Wir bringen sie in unseren Schuppen in den Garten hinter der Eisenbahn. Da bringen wir alles hin, auch die Sachen unter dem Bett. Ich mache mir auch einen schönen dicken Bauch. Komm, hilf mir. Mit zwei oder dreimal Gehen ist alles weg.

Sie entnimmt einer Schublade zwei Kopfkissenbezüge, Bänder und Sicherheitsnadeln und macht zwei Säcke, die sie sich um den Hals hängt.

MARGHERITA Was ist das für ein Schuppen?

ANTONIA Gleich hinter der Eisenbahn. Nur über die Straße. Mein Schwiegervater hat da ein Gärtchen … höchstens zehn Meter im Quadrat … grad für ein paar Köpfe Salat. Das ist ein sicheres Versteck.“

In: Dario Fo, Bezahlt wird nicht, Eine Farce, Rotbuchverlag Hamburg Ausgabe 1997 (EA 1974), Seite 48f

Als diese Zeilen beim Lesen dieses turbulenten Theaterstücks des italienischen Dramatikers und Literaturnobelpreisträgers Dario Fo auftauchten, war ich einen Moment lang verblüfft. Italien steht für weite Landschaft, das neue und das alte Rom, Venedig, Ravenna, Michelangelo, Sonne, Zitronenblüte und das Mittelmeer, Fiat, Korsika und Mafia – aber für einen Kleingarten? Ganz offensichtlich kennt man auch in Italien Kleingärten; nicht nur das, sie sind auch als Versteck gebräuchlich [in der Literatur zumindest], was beispielsweise auch während des Nationalsozialismus in Bremen und anderen Städten von politisch und rassisch verfolgten Menschen und ihren Freunden praktiziert wurde, und finden sogar Eingang in ein Theaterstück. Wenn man genauer darüber nachdenkt, eigentlich nicht so überraschend, dass sie in Italien üblich und Dario Fo bekannt sind, denn Parzellen gehörten über ein Jahrhundert und mehr zur Alltagskultur von Arbeiterfamilien.

In jedem Fall ist das Zitat ein schöner Anlass, um hier eine lose Reihe von Auszügen aus der schönen Literatur zu beginnen, die sich im engeren oder weitesten Sinne auf (Klein)Gärten beziehen. Was meint ihr dazu? Sind euch selbst auch schon einmal solche Passagen aufgefallen? In welchem Buch? Wer schreibt davon? Macht mich gerne darauf aufmerksam! Ich bin gespannt.

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