Mein Tiergarten mit Igel und Dompfaff

Laut und vernehmlich schnauft und schnuppert es. Ein junges Kaninchen habe ich bereits aufgeschreckt und ohne Absicht zwei Nacktschnecken platt getreten. Quabsch. Zum Glück trage ich Schuhe. Nun hält mein kleiner Garten noch eine tierische Überraschung für mich bereit. Schauf, schnupper. Haben die Nachbarn neuerdings einen Hund?, frage ich mich. Oder ist dort womöglich ein Hund ausgesetzt worden – wie es vor einigen Jahren bereits einmal geschehen ist? Ich gehe weiter, schaue an die Nordseite meiner Gartenlaube, wo das Schnaufen seinen Ursprung hat. Was sehe ich? Es sind zwei Igel, die sich am Fallobst gütlich tun! Fein, ich freue mich sehr über die Gäste! Vom Blitzlicht lassen sich die Beiden nicht irritieren. Es lohnt sich unbedingt, ein paar „Kruschtelecken“ aus Totholz und Laub für Igel und Co anzulegen und dann in Ruhe liegen zu lassen.

Später schaue ich Löcher in die Luft und entdecke  Weiterlesen

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Wo Fuchs und Hase sich heute ‚Gute Nacht‘ sagen

Ist es in entlegener Landschaft weit entfernt von jeder menschlichen Siedlung am Rande von Feld, Wald und Wiesen, wo Fuchs und Hase sich sprichwörtlich ‚Gute Nacht‘ sagen? Das Gegenteil scheint inzwischen der Fall zu sein. Heute wird von diesen wilden Tieren gerne auch mal eine ondulierte, frisch rasierte (Synonym für „gemähte“) Rasenfläche einer intensiv genutzten Parzelle mitten in der Großstadt als Treffpunkt gewählt. Mit der rasant zunehmenden Industriealisierung der Landwirtschaft und damit verbundener Veränderungen treibt es manches Tierchen in die Stadt und altbekannte Lebensweisen kehren sich in ihr vollkommenes Gegenteil. Was bisher möglicherweise für Kleingärtnerlatein gehalten worden sein mag, bestätigen nun die Aufnahmen einer Wildtierkamera, die in einem Kleingarten mitten in Bremen unweit von Dom und ‚Umgekehrter Kommode‘ angefertigt wurden. Vielen Dank an den Kleingärtner Bodo, der mir die Aufnahmen freundlicherweise überlassen hat, um sie hier zu zeigen.

Das Füchslein scheint im Mai noch recht mager.

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Interessiert sich der Hase, genauer gesagt das Kaninchen, für die Kamera? wildtierkamera_kaninchen2016_kl

Nicht immer geht die Begegnung von Kaninchen und Fuchs glimpflich aus wie diese Fülle von Fellfetzen vermuten läßt. So halten also auch die natürlichen Feinde der schon lange in der Stadt lebenden und sich sprichwörtlich vermehrenden, immer mehr Grünmasse als Futter benötigenden Kaninchen Einzug in das für sie neue Habitat.

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Wie kann ich einen Fuchs in meinem Garten sehen? Es ist ganz einfach. Richtet in eurer Parzelle ein paar Rückzugsorte für Wildtiere ein und setzt euch gelegentlich eine lange Zeit ruhig dort hin, dann kann es zu ganz besonderen Begegnungen mit Reineke Fuch kommen, wie ich sie in diesem Sommer erlebte und hier schildere: „Vom Fuchsquartier in meinem Garten“

Fotos: Wildtierkamera in einem Kleingarten Stadtmitte Bremen, Stadtwerder nahe umgekehrter Kommode in Sichtweite zum Dom, Mai 2016

Ein Fuchsquartier in meinem Garten

Hach wie wunderbar. Meine Parzelle mitten in der kleinen Großstadt bot mir heute ein außergewöhnliches Erlebnis. Es raschelt unweit von mir, während ich die ersten reifen Zwetschgen voller Genuss verspeise. In nur drei Meter Entfernung erhebt sich ein ausgewachsener Fuchs aus einer „wilden“ Ecke mit dichtem Laubdach, um geschmeidig über den niedrigen Zaun in den Garten der Nachbarin zu klettern und dort zu verschwinden. Alles geht sehr schnell, der Moment ist rasch vorbei und ich frage mich, ob es wirklich wahr ist, was ich gesehen habe. Es ist ein gut genährtes Tier. Tatsächlich ist es bereits das zweite Mal, dass ich hier einem Fuchs begegnet bin. Vor sechs Wochen stand er oder sie (und war es überhaupt derselbe?), mit den Vorderpfoten am Zaun aufgerichtet und schaute aus dem Garten der Nachbarin zu mir herüber. Das Knacken von trockenen Ästchen, hatte mich vom Buch aufblicken lassen, in das ich versunken gewesen war. Es dauerte damals einen kurzen Moment bis ich realisiert hatte, welches Tier mit spitz zulaufender Schnauze und rotbraunem Fell sich mir dort zeigte. Es war ein ganz besonderer Moment.

Es ist ja aus vielen Städten bekannt, dass sich dort Wildtiere aufgrund des hervorragenden Nahrungsangebots ansiedeln. Wildschweine werden in Berlin bereits zur Gefahr für Autofahrer, Füchse dringen in London durch Katzenklappen in Wohnhäuser ein. In einem Winter vor vielen Jahren kreuzte einmal an einem Morgen mit frischem Schnee in Berlin ein Fuchs meinen Weg auf dem Gelände des Bundesarchivs. Darauf angesprochen erzählten die Archivare mir, dass er während großer Umbauarbeiten als die Fensteröffnungen noch ohne Glas offen standen, gerne auf dem Tresen im späteren Lesesaal geschlafen hätte. Die Bauarbeiter hätten ihn morgens geweckt. Damals ahnte ich noch nicht, dass ich einmal einen Kleingarten habe würde, der zeitweise als Quartier für einen Fuchsquartier dienen würde. Ich freue mich sehr über das Tier, das gelegentlich auf meiner Parzelle schläft.

Ob Fuchs und Hase, genauer gesagt Kaninchen, sich hier nun Gute Nacht sagen? Hasenköddel finde ich in meinem Gärtchen kaum noch und es blühen ein paar Blumen, die gewöhnlich prompt und vollständig von den Kaninchen abgeknabbert werden, sobald sie sich zeigen. Vor einiger Zeit stieß ich in einer Gartenecke auf ein undefinierbares Stückchen Kadaver, das sich später als Knöchelchen mit langen Schneidezähnen herausstellte. Vielleicht haben die Kaninchen nun einen natürlichen Freßfeind gefunden und ihre überaus große Population, die zu einigem Wildverbiss an Stauden und Bäumne geführt hat, reduziert sich nun wieder etwas.

Infos der Landesjägerschaft Bremen über Füchse in unserer Stadt gibt es hier. Es geht kaum eine Gefahr der Tollwut von diesen Wildtieren aus. Außerdem sind sie Fluchttiere, die Menschen nicht angreifen. Weitere ausführliche Infos des NABU Berlin findet ihr hier. Die „Broschüre Stadtfüchse“ der TU München ist kurz und knackig mit Fotos, sie läßt sich nur irgendwie grad nicht verlinken. Da hilft googeln … .