Offiziell verwüstete Parzellen – Montbretienweg/Walle

Zufällig geriet ich heute in der Waller Feldmark in den Montbretienweg links vom Fleet. Ich habe eine Abkürzung gesucht und bin ahnungslos in den Weg gefahren, der von Baufahrzeugen vollkommen aufgewühlt worden ist. Das ist aber noch nicht alles. Was ich dort sah, muss ich mit euch teilen.

Viele Meter lang steht der Weg unter Wasser. Können die Parzellisten den Weg mit einem Fahrrad oder Auto befahren, um zu ihrem Garten zu gelangen?

Links vom Weg bieten sich scheußliche Anblicke: Vier Parzellen sind planiert, aber wie. Breite Reifenspuren tief in das Erdreich gegraben stehen voller Wasser. Hier waren Baufahrzeuge am Werk.

Ein kleines Obstbäumchen steht verwaist im tief gefurchten Matsch.

Die Anzahl der Baumstümpfe, die kürzlich noch Stämme  waren, die stattliche Kronen trugen, müssen noch gezählt werden. Das hier ist nicht der Weserdeich mit den Platanen in der Neustadt und nicht der Bahndamm mit den schlanken Birken in Findorff, hier kommt kaum jemand vorbei. Es wird nicht so rasch bemerkt, wenn Bäume gefällt werden und erregt kaum Gemüter. Die grüne Lunge von Walle.

 

Eine Parzelle wurde planiert, ohne die Steinlaube abzureißen.

Die Flächen sehen so aus:

 

Was ist im Montbretienweg los?

Im Moment habe ich viele Fragen:

A. Gehört diese Räumungsaktion zum Kleingartenplan 2025? Dazu gibt es seit einem Jahr Verhandlungen, die von Öffentlichtkeit weitgehend unbemerkt laufen. Auch der Landesverband der Gartenfreunde Bremen bezieht seine Gremien nicht in die Verhandlungen ein, wie dem folgenden Bericht zu entnehmen ist. Mit dem Bericht der Verwaltung für die Sitzung der Deputation für Umwelt, Bau, Verkehr, Stadtentwicklung, Energie und Landwirtschaft (S) am 19. Mai 2016 zum Kleingartenplan 2025 wird man sich in vielerlei Hinsicht ausführlich beschäftigen müssen! Er ist unter dem oben unterlegtem Link zu finden oder als .pdf-Datei aufzurufen: BdV_S_Kleingartenplan_Endf

B. Gehört diese Aktion zur Schaffung eines Naherholungspark Bremer Westen? Da empfiehlt es sich doch, alte Bäume und vorhandene Obstbäume stehen zu lassen! In dem Naherholungspark soll übrigens u.a. ein breiter Streifen mit einer Fläche von insgesamt von 420 Hektar rechts und links der Autobahn kleingartenfrei werden, wie in den Unterlagen beschrieben wird. Dort gibt es gut funktionierende Kleingartenvereine. Der Plan für das Naherholungsgebiets wird hier offiziell dargestellt. Dazu gehört der Montbretienweg soweit ersichtlich nicht.

C. Warum dürfen dort stehende Bäume gefällt werden und das während der Brutzeit der Vögel?

 

Der Montbretienweg findet sich auf google maps als namenlose Sackgasse vor dem Tulpenweg. Google earth zeigt dort einen üppigen Baumbestand.

Bitte teilen!

Fotos: Kirsten Tiedemann

 

11 Gedanken zu „Offiziell verwüstete Parzellen – Montbretienweg/Walle

  1. Hallo Ihr,
    ich habe meine Parzelle im Montbretienweg, direkt neben einem verwüsteten Grundstück. Hier ein paar zusätzliche Fakten:
    1. Keiner der direkten Anlieger wurde von der Stadt informiert, alle standen plötzlich vor vollendeten Tatsachen. Mein Parzelleneingang wurde von gefällten Bäumen versperrt, die Baumstämme wurden schräg auf mein Grundstück, über den Zaun geworfen. (Davon gibt es auch Fotos.) Die zuständige Dame von den Umweltbetrieben Bremen, Frau E., teilte mir mit, die Zäune kämen eh weg. Ein Anruf bei meiner Verpächterin klärte die Eigentumsverhältnisse: der Zaun gehört zu meinem Grundstück. Frau E. reagierte auf diese Mitteilung von mir so verschnupft dass sie den Hörer aufknallte. Ich hatte ihr auch noch gesagt, es wäre ihre Aufgabe gewesen, vorher die Besitzverhältnisse mit den Anliegern zu besprechen. Das fand sie wohl unlustig.
    2. In dem Bereich lebt ein Rehrudel !!!!! Wir haben immer überall die Hufspuren. Auch das teilte ich der guten Frau E. mit, ebenfalls, dass in dieser Zeit die Rehe trächtig sind !!!!! Ja, die Tiere müssten eben mal damit leben, war die Antwort.
    3. Die Fällung der Baumriesen hat mir im Herzen weh getan. Ich saß auf meiner total veränderten Parzelle und heulte. Vorher war sie überall von wunderschönen Bäumen umgeben gewesen, ein Grund für mich, genau dieses Grundstück zu wählen. Nun denn, ich fragte Frau E., warum denn die Baumriesen gefällt worden waren, die zudem auch noch zumeist ganz am Rand der Grundstücke standen. Sie hätten dort auch die Obstwiesen nicht gestört, sondern sogar bei unseren Herbststürmen die jungen Bäume beschützt. Antwort: das sei eben die Bremer Kleingartenordnung. Tja, also 70-80 Jahre hat sich bisher niemand dran gestört. Und nun plötzlich die Kleingartenordnung? Ja, der Kommentar, alles müsste eben seine Ordnung haben, das sei schon aus Prinzip. Merke: unsere Regierung in Bremen ist rot-GRÜN.
    4. So, nun zum Loch. Wie Ihr Euch denken könnt habe ich auch darüber mit Frau E. gesprochen. Also, diese gigantischen Fahrzeuge haben in eins der Grundstücke ein Loch gefräst das einen kleinen See ergeben könnte. Hat es auch, es lief nämlich voll mit Wasser. Sogar mir als Anfängerin im Bauwissen ist das nun nicht weiter verwunderlich. Jetzt kommts aber: wie uns auch der Herr Staatsrat erklärte (s.o.) wird jetzt geschlagene 6 Wochen vor diesem selbst erzeugten Loch gewartet. Bremen wartet auf das natürliche Austrocknen ebendiesen Lochs. O-Ton E. Das bedeutet: alle Arbeiten wurden eingestellt !!!! Frau E. versicherte mir noch bei unserem ersten Telefonat im Februar dass im Mai alles schon gepflanzt wäre. (Wir haben heute den 20. April, alles sieht aus wie auf den Fotos oben.) Es gibt lochtechnisch 2 Möglichkeiten: es ist dort Grundwasser entstanden, dann kann man bis ins nächste Jahrtausend auf das Austrocknen warten. Oder es ist Regenwasser, auch dann kann man bei der Bremer Witterung bis ins nächste Jahrtausend auf das Austrocknen warten. – Haben die Bremer Umweltbetriebe schon mal vom Technischen Hilfswerk gehört? Die haben dort Pumpen mit denen man einem Loch in 2-3 Stunden beikommen kann…
    5. Ich fragte Frau E. noch etwas, nämlich, warum denn auf den anderen Grundstücken nicht wenigstens weitergearbeitet würde. Sie sagte wirklich ganz im Ernst: da entstehen ja auch Löcher.
    6. „Ein Loch ist im Boden, in Bremen, in Bremen,
    ein Loch ist im Boden, in Bremen, was tun?“
    7. Da hilft nur noch ganz schwarzer Humor. – Ich engagiere mich jetzt für die Platanen am Deich der kleinen Weser, die leben noch. Aber nach dem Willen unseres grünen zuständigen Senators sollen auch dort 120 Baumriesen gefällt werden.
    8. Eigentlich ist mir immer noch nach Heulen.
    Liebe Grüße,
    Jara

    [Anmerkung KT: Den Namen der zuständigen Bearbeiterin habe ich aus redaktionellen Gründen auf E. reduziert.]

    • Danke sehr für deinen ausführlichen Bericht zu den „Planierungsarbeiten“ im Montbretienweg von einer direkt angrenzenden Parzelle. Deine Schilderungen entsprechen dem verwüsteten Eindruck, in dem sie sich vor 4 Wochen befanden und in dem sie sich offenbar immer noch befinden. Deine Erlebnisse geben einen anderen Eindruck als das eines „wohlgeordneten“ Vorgehens, das der Staatsrat in seinem Kommentar beschreibt. Der Auftrag zu Kampfmittelsuche und Planierung der Parzellen vom Staatrat ist das Eine. Eine ganz andere Sache sind die Ausführungen der Aufträge vor Ort ganz offenbar. Phu. Ein nachhaltiges „Sanieren“ sieht anders aus: Einige (oder alle?) der alten Bäume könnten beispielsweise erhalten bleiben. Das Gelände gehört planerisch nämlich nicht mehr zum Kleingartengebiet. Und selbst in Kleingartengebieten dürfen außerhalb der Parzellen auf gemeinschaftlichen Flächen Waldbäume wachsen – über Jahrzehnte.
      Ganz herzlichen Dank für deine Nachricht und dein Engagement!
      Gartengrüne Grüße von Kirsten

  2. Hallo Frau Tiedmann,
    sie machen sich Sorgen um das Grün in der Stadt und speziell um das Kleingartengebiet im Montbretienweg. Ihnen ist dort etwas aufgefallen, das bei Ihnen Fragen aufwirft.

    Lassen sich mich kurz erklären, was dort passiert und geplant ist: Im Montbretienweg im Kleingartengebiet westlich des Waller Fleetes ist mit der Durchführung der letzten Kompensationsmaßnahme für den Ausbau des Zubringers Überseestadt (B 6) begonnen worden. Auf 8 brachliegenden Flurstücken südlich des Montbretienweges werden Obstwiesen angelegt werden. Mit der Ausführungsplanung, Ausschreibung, Vergabe und Bauüberwachung der Arbeiten hat das ASV den UBB beauftragt.

    Das ASV hat vom Kampfmittelräumdienst der Polizei die Auflage erhalten, dass die 8 Grundstücke zunächst nach Kampfmitteln abzusuchen seien. Hierfür mussten die zum Großteil völlig zugewachsenen und stellenweise vermüllten Kleingärten zunächst abgeräumt werden. Das Fällen der Gehölze geschah bis zum 28. Februar 2017, also während des nach § 39 Abs. 5 Nr.2 BNatSchG zulässigen Zeitraums. Anschließend wurde das Material – bis auf Reste auf einem Flurstück – geschreddert und abgefahren.

    Die Firma zur Kampfmittelbergung hat begonnen, nach Kampfmitteln zu suchen. Die Suche musste aufgrund der Nässe abgebrochen werden, nachdem ein Bagger im Boden versackt ist. Die Firma schiebt auf den Parzellen jeweils den Oberboden mit dem ganzen, darin noch befindlichen kleinen Müll zur Seite. So hat sich auf dem Grundstück, auf dem zuletzt gearbeitet wurde, ein kleines „Wasserbassin“ gebildet. Sobald der Untergrund und die Witterung es zulassen, wird die Kampfmittelsuche fortgesetzt. Anschließend werden die abgesuchten Grundstücke angesät, die Obstbäume werden im Herbst gepflanzt.

    Der Weg wird von der Firma immer wieder glatt gezogen, damit die Kleingärtner zu ihren Parzellen gelangen können. Gestern war die Bauleitung UBB vor Ort. Mir wurde mitgeteilt, dass der Weg in Ordnung sei und ist – bis auf einen kleinen matschigen Abschnitt – ohne weiteres nutzbar.

    Ich hoffe, das beantwortet Ihre Fragen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Ronny Meyer
    – Staatsrat –

    • Hallo Herr Staatsrat Meyer,

      danke sehr für Ihre informative, umfängliche Antwort zu den planierten Parzellen im Monbretienweg/Walle, die zur Klärung des dort anzutreffenden Zustands beiträgt. Es wirft ein unerwartetes Licht auf den wüsten Zustand der Parzellen, daß die Möglichkeit bestehen kann noch Reste von Kampfmitteln aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden zu finden. Es leuchtet sicherlich jedem ein, dass die Situation eine sorgfältige Klärung erfordert, auch wenn es mir nicht ganz deutlich geworden ist, warum dafür so umfangreiche Erdbewegungen nötig sind.

      Bleibt zu wünschen, dass die Kampfmittelräumer nicht zum Einsatz kommen müssen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Kirsten Tiedemann

  3. So wird es auch bei uns absehbar aussehen. Es sollen mehrere tausend Wohnungen (7-stöckig) im Frankfurter Osten gebaut werden. Auch mein Garten ist dann weg, aber ich genieße die kommenden Garten-Jahre, so lange es eben noch geht. Ich hoffe auf noch 10 Jahre, es kann aber auch früher alles weg sein, was uns so viel bedeutete. Nochmal irgendwann irgendwo neu anfangen werde ich dann nicht, wir Kleingärtner / Pächter leben seit Jahren mit dieser Angst, alles zu verlieren. Das kann immer und überall sein in Ballungsräumen. Sehr traurig, Deine Bilder drücken die Situation sehr gut aus. Lieben Gruß. 🙂

    • Liebe Pfefferschote,
      danke für deine Rückmeldung. Es ist wirklich schwer, sowas anzusehen. Phu. So brachial, wie dort rücksichtslos alles rausgerissen wird. Keine sorgfältige Planung, kein Gedanke daran, dass Bäume und anderes viele Jahre wachsen muss. Dort wurden rigoros Fakten geschaffen.// Unbedingt genießen solange es möglich ist! Über unsere Gartenecke wird auch seit Jahren geunkt, dass es Bauland wird. Es ist auch ein echtes Sahnestückchen! Aber noch ist es nicht soweit und ich genieße und gärtnere als gäbe es dieses Gemunkel nicht. Halt dich wacker! Gartengrüne Grüße

      • Liebe Kirsten, ich halte mich wacker und werde wahrscheinlich sogar noch einen Obstbaum pflanzen. Im Verdrängen sind wir Kleingärtner doch immer ganz gut. 😀
        Um nochmal auf Deine Bilder zurück zu kommen: es ist widerlich, wenn Bagger alte Bäume herausreißen, ist klar. Aber die Planungen gehen halt meist vor. Die Architekten und Stadtplaner betrachten offensichtlich in allen Ballungsräumen einzelne Objekte nicht als solche, sondern nur ihre Betonwüsten/Trabantenstädte als Ganzes. Ich stellte mir gerade vor, wie es aussähe, wenn sie um alte Bäume herum bauen würden und musste direkt schmunzeln. Könnte sehr interessant sein – so eine Art unförmige „Hundertwasser“-Bauten. 😀
        Lieben Gruß und ehrlich gesagt bin ich froh, die Gartenjahre in einem Alter genießen zu können, in dem man sie noch bewirtschaften kann. Irgendwann machen auch meine Knochen dieses Freizeitvergnügen nicht mehr mit, ich hoffe, bei uns ist es auch erst dann soweit. 🙂

        • Liebe Pfefferschote, noch viele gute Gartenjahre für dich – und uns alle! Aus dem gezeigten Gebiet wird ein Naherholungspark gemischt mit eingestreuten Parzellen, das ist ja das Kuriose. Da werden später wieder klitzekleine Obstbäumchen gepflanzt werden – darum sind die vorhandenen, gut eingewachsenen Bestände eigentlich prima – sie tragen reichlich & häufig sind es alte Obstsorten.
          Bäume pflanzen ist prima. Im Garten trägt die Kirsche (Schneiders Späte, sehr zu empfehlen!) inzwischen ganz gut zum Naschen. Die Ontario-Pflaume ist leider nach 5 Jahren plötzlich eingegangen. Die Früchte waren ganz köstlich und der Baum trug ab dem 2. Jahr reichlich. Hoffe, dass die neue Ontario-Pflaume langlebiger ist. 🙂

        • Liebe Kirsten, Kirschen dürfen wir leider nicht, allenfalls als Säulen- oder Spalierobst, da sie sonst zu groß werden. Ich dachte eher an einen „Familien-Obstbaum“ Aber das ist trotzdem ein guter Tipp, Danke. 🙂
          (Das mit dem Naherholungspark muss ich wohl überlesen haben, bitte entschuldige. 🙂 )

  4. Hallo Kirsten,
    beim Betrachten Deiner Bilder läuft es mir erhrlich gesagt kalt den Rücken runter. Das ist der Horror für jeden Kleingärtner! Ich selbst bin in Hamburg in einem Gartenbauverein ehrenamtlich engagiert. Die Stadt will neue Wohnungen bauen und hat daher mehr als ein Auge auf diese Flächen geworfen. Momentan kriegen wir das mit Nachverdichtung und viel Engagement hin…aber so etwas wie auf Deinen Bildern möchte ich nicht sehen 😦
    Beste Grüße
    Björn

    • Hallo Björn,
      es ist wirklich schwer mit anzusehen, wenn mit so wenig „Fingerspitzengefühl“ planiert wird, statt sorgfältig zu planen und vorzugehen – hieraus soll wohl ein Naherholungsgebiet werden. Warum vorhandener Baumbestand, der ein schönes Alter besitzt, erst einmal gefällt wird, ist mir schleierhaft.
      Von den Bestrebungen in Hamburg habe ich gelesen. Da ist großes Engagement nötig, für den Erhalt der ökologisch, sozial und klimatisch sowie als Naherholungsgebiet wertvollen grünen Gartenflächen!
      Danke für deine Nachricht. Gartengrüne Grüße Kirsten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s