Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser

Grade gab es den schönen TV-Beitrag von Rut Hunfeld über „Schrebergärten mit Geschichte: Bremens Kaisenhäuser“ in der Nordtour von N3. Nun gebe ich für Interessierte, die mehr dazu lesen möchten, gerne den Hinweis auf mein Buch zur Geschichte der kleinen Wohnhäuser auf der Parzelle.bzb_Mehr als ein Dach über dem Kopf_Innen_Druckvorlage.indd

Zum Inhalt:

Von der Notunterkunft auf der Parzelle zur Wohnkultur im Garten

Vom stadtnahen Haus im Grünen träumen viele. Einige Menschen haben sich diesen Traum in den bremischen Kleingartengebieten scheinbar verwirklicht – obwohl das Wohnen in Kleingärten verboten ist. Die Erinnerung an die Entstehungszusammenhänge dieser Parzellenwohnhäuser mit eigenwilliger Architektur verblasst zusehends, denn die Gebäude verschwinden mit dem Ableben ihrer Bauherren aus den Kleingartengebieten. Die Historikerin Kirsten Tiedemann hat sich diesem bisher ungeschriebenen Teil der Bremer Geschichte angenommen.

Entstanden ist eine Studie zur Geschichte der Stadt aus sozial-, bau- und planungsgeschichtlichen Perspektiven. Sie betrachtet ihren Gegenstand aber in erste Linie aus Sicht der Bewohner und erst in zweiter Linie aus Sicht der planenden Institutionen und politischen Entscheidungsträger. Entstehungszusammenhänge und Wandlungen werden über einen Zeitraum von 57 Jahren ausgelotet.

In den Parzellengebieten Bremens entwickelte sich seit 1944 eine eigenwillige Bau- und Wohnkultur, deren Ursprung heute kaum noch bekannt ist. In der Notsituation der Kriegs- und Nachkriegszeit, als 61 Prozent des Wohnraums der Stadt zerstört war, nahmen einige Menschen ihre Geschicke selbst in die Hand. Sie schufen sich in den Kleingartengebieten eine Wohnstätte – anfangs mit, später ohne Bauerlaubnis – und organisierten sich eine lebenswerte Umgebung. „Kaisenhäuser“ wurden diese Parzellenwohnhäuser genannt: eine Anspielung auf den früheren Bürgermeister Wilhelm Kaisen, der sich für ihre Bewohner eingesetzt hat. Eine zweite Wohnwelle in den Parzellengebieten, die in den 1970er Jahren einsetzte, wird in der Studie ebenfalls thematisiert.

Kirsten Tiedemann konnte neue Sachverhalte aufdecken, wie eine „stille“ Generalamnestie von 1955 für sogenannte „Schwarzbauer“ oder die Herkunft der Bezeichnung „Kaisenhäuser“. Letztere ist auf ein Versprechen Wilhelm Kaisens zurückführen. Erstmals beschreibt Tiedemann außerdem Erfolge und Scheitern des Lösungsmodells „Gartenheimgebiet“, mit dem man versucht hatte, einzelne bewohnte Parzellengebiete in reguläre Einfamilienhaus-Wohngebiete umzuwandeln.

Von der Tatkraft und Entschiedenheit der Bewohner, von ihrer Widersetzlichkeit und vom sich wandelnden politischen Umgang mit den von ihnen geschaffenen Fakten handelt das Buch.

 

Kirsten Tiedemann, Mehr als ein Dach über dem Kopf, Bremens Kaisenhäuser

Verlag Bremer Tageszeitungen, Bremen 2012

ISBN 978-3-938795-39-2, Preis: 16,90 €

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Ja! Pfiffige Menschen pachten Parzellen, für die sie andere Pläne entwickeln als städtische Planer und Politiker. Kreative Reaktionen auf wiederkehrende Konflikte. So viele Menschen, so viele Jahre! Die Geschichte vom Wohnen auf der Parzellen in Bremen ist mehr als die Geschichte vom illegalen Bauen im Kleingarten. Sie ist mehr als eine Notlösung, mehr als improvisiertes Bauen und weit mehr als nur die individuelle Lösung eines Wohnproblems. Und: Sie ist auch ein prima Weihnachtsgeschenk! In meinem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“ widme ich mich dieser Geschichte, die davon erzählt, wie Menschen ihre Geschicke in einer Krisenzeit in die eigenen Hände nahmen, sich ein Dach über dem Kopf bauten, eigene Quartiere schufen und wichtige Verbesserungen für ihr Lebensqualität erreichten. Es ist die Generation unserer Ur-Großeltern. Ganz nebenbei entwickelten sie ein städtisches Gebiet so von unten. Mit langem Atem setzten sich einige der etwa 80.000 Menschen, die um 1960 in den Kleingartengebieten lebten, für den dauerhaften Erhalt ihrer selbst geschaffenen Gartenwohnkultur ein – und konnten dabei langfristige Teilerfolge erzielen. Es ist ein bemerkenswerter, beachtlicher Teil bremischer Geschichte. Und: Es ist ein prima Weihnachtsgeschenk.

Zitate von Kaisenhauserbauern, einige ihrer Familiengeschichten und die Positionen von Bügermeistern (W. Kaisen, H. Koschnik, H. Seifriz) zur Sache, viele historische Fotos sowie Kartenmaterial und Baupläne sind in meinen Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“ erstmals veröffentlicht.

Es gibt noch ein paar Exemplare im Pressehaus in der Martinistraße. Online kann es zum Preis von 16,90 € beim Weser-Kurier-Shop und auch im Buchhandel bestellt. Hier die ISBN-Nummer 978-3-938795-39-2. bzb_Mehr als ein Dach über dem Kopf_Innen_Druckvorlage.indd

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Ganz überraschend kommt noch ein weiteres Kapitel zur Geschichte der Kaisenhäuser dazu. In Zukunft dürfen intakte Kaisenhäuser nach dem Ende des Auswohnrechts bestehen bleiben und als Gartenhäuser genutzt werden.

Wer mehr über die Hintergründe, zu Entstehung und DIY-Bauweise der Wohnhäuser auf den Parzellen in Bremens Kleingartengebieten und die unterschiedlichen Positionen im gefühlten hundertjährigen Tauziehen um die Wohnhäuser erfahren möchte, findet eine Fülle an historischen Informationen in meinem Buch  „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“.

Über 100 Fotos veranschaulichen die Wohnkultur. Viele Dokumente und Pläne sowie Bauzeichnungen illustrieren den gut lesbaren Band. Preis 16,90 €

Das Buch hat 136 Seiten und ist beim Weser-Kurier im Pressehaus in der Martinistraße in Bremen und im Bremer Zentrum für Baukultur erhältlich. Außerdem kann es hier online erworben und in jedem Buchhandel bestellt werden.

Kirsten Tiedemann, Mehr als ein Dach über dem Kopf, Bremens Kaisenhäuser, Verlag Bremer Tageszeitungen, Bremen 2012, Hg. Bremer Zentrum für Baukultur.                   ISBN: 3938795395

…im Aufbau begriffen

Dieser Blog wird einen Überblick über aktuelle Projekte und Termine der Historikerin und Autorin Kirsten Tiedemann geben. Daneben gibt es Informationen zu früheren beruflichen Stationen. Das berufliches Profil von Kirsten Tiedemann finden Sie komplett auf xing.

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