Trampolin im Kleingarten – Kommentar eines Familienvaters im Weser-Kurier

 Das geplante Verbot von Trampolinen in Kleingärten ist für viele junge Familien nicht nachvollziehbar. Im Weser-Kurier online gibt es einen weiteren durchdachten Kommentar eines Familienvaters, der zentrale Aspekte der kleinen Gärten einbezieht.

Seemann166 am 20.02.2018 um 15:31 Uhr

„Ich habe einen 9-jährigen Sohn und bin Pächter eines Kleingartens in Bremen und kenne sehr viele Familien, die in ganz Bremen Kleingärten besitzen/pachten.
Da ich weder am Haus einen Garten, noch in direkter Nähe sichere Grünflächen vorhanden sind, ist für mich der Kleingarten ein wichtiger Rückzugsort. Ich habe dort mit mäßigem Erfolg auch einen „Versuchsgemüsegarten“ angelegt, der allerdings den Schnecken zum Opfer gefallen ist. Als berufstätiger Familienvater ist es leider nicht immer möglich, täglich in den Garten zu fahren, um sich mit der gebotenen Liebe um das Gemüse zu kümmern und gleichzeitig den Rasen auf Nagelscheren-Niveau zu halten. Für meinen Sohn ist ein Trampolin im Garten auch eine höhere Motivation mit mir in den Garten zu kommen als Kartoffeln zu ernten. Der Garten bedeutet für mich aber nicht nur Erholung vom Berufsalltag, sondern auch Flucht vor dem überfüllten Stadtverkehr und nicht mehr zumutbaren Abgas- und Feinstaub-Emissionen. Zudem sind immer mehr Flächen versiegelt und zugeparkt, es gibt kaum Spielmöglichkeiten für Kinder, selbst in Tempo 30 Zonen.
Der Landesverband der Gartenfreunde und die örtlichen Vereine sollten vermeiden, jetzt auch noch die Familien aus den Kleingärten zu vertreiben, indem sie ihnen das Leben mit strengeren Regeln unnötig schwer machen. Die Familien sind diejenigen, die das Gartengebiet mit Leben erfüllen und tragen zum Nebeneinander von Jung und Alt bei, was in dieser Gesellschaft ohnehin immer mehr verloren geht. Wir sind ohnehin immer mehr eine Gesellschaft auf dem EGO Trip! Zudem investieren die Familien mit Arbeit und Geld in den Erhalt der Gärten. Es gibt viele Gärten, die verwildern und brach liegen. Statt die meist kleinen Trampoline, die niemanden stören, zu verbieten, sollte man das Parken von Autos auf und vor den Parzellen und ausufernde Schwimmbäder als auch überdimensionale Gartenhäuser untersagen, sofern das nicht eh schon verboten ist. Es ist sicher wichtig, gewisse Regeln aufzustellen und einzuhalten, aber nicht einseitig zu Lasten von Familien. Ein Rentner setzt andere Prioritäten als ein Familienvater – ich glaube nicht, dass ein englischer Garten mit Reihen von Zierpflanzen besser als ein naturbelassener Garten mit Insekten- und Pflanzenvielfalt ist. Ganz nebenbei bringt es auch Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen, vielleicht nicht immer konfliktfrei, aber beim Grillen mit dem türkischen Nachbarn lernt man sich eben ganz anders kennen. Leben und Leben lassen.
Ich kann zudem die Politik nur davor warnen, den Bedarf an sozialem Wohnraum gegen die Pächter und Besitzer von Kleingärten – die oft aus der bürgerlichen Mitte (aber nicht nur) kommen -, gegeneinander auszuspielen. Ich glaube, dass derzeit die Begehrlichkeiten der Stadt so oder so vorhanden sind und daran auch keine strengere Gartenordnung etwas ändert. Allerdings tragen die Kleingärten nicht nur im Sinne des „Kleingartentums“ (was immer der Begriff bedeutet) zur städtischen gärtnerischen und ökologischen Vielfalt bei, sondern sind auch soziale Notwendigkeit im Leben der Einwohner der Stadt. Nicht nur die Kleingärtner tragen dazu bei, sondern die Kleingärten selbst prägen die Stadt. In den Kleingärten gibt es z.T. mehr ökologische Vielfalt als auf dem Lande, da keine Pestizide verwendet werden, es steigert die Lebensqualität in den Städten, es hilft Familien Abstand von Job und Verkehr zu bekommen. Deswegen sollte man insbesondere den Familien weder seitens der Verbänden, noch der Politik das Leben schwer machen. Das fördert auch die Politikverdrossenheit. Wenn die Politik nicht mal in der Lage ist, den gesetzlichen Verpflichtungen zur Reduzierung der Emissionen innerhalb der Städte einzuhalten, sollten sie die Finger von den Kleingartengebieten lassen, denn nur diese sind neben öffentlichen Parks die grüne Lunge der Städte. Andernfalls ersticken die Städte und alles Leben an sich selbst.
Es mag sich auf den ersten Blick um ein nicht so offensichtliches öffentlichkeitswirksames Thema zu handeln, aber es birgt sozialen Sprengstoff, den man politisch nicht unterschätzen sollte. Es betrifft die bürgerliche Mitte und das s.g. Kleinbürgertum, die aber einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen (Steuereinnahmen) und sozialen Entwicklung in der Stadt beitragen.“
Henning Sauer, Bremen-Findorff

***

Mehr zur Thematik im Weser-Kurier:

Es gibt eine Basta-Mentalität im Landesverband

Von  Frank Hethey 16.02.2018 2 Kommentare

sowie

Trampolin-Verbot in Kleingärten – heute Thema im Weser-Kurier

„Bremische Gartenordnung: Trampolin-Verbot in Kleingärten„, das ist ein brandaktueller Artikel von Frank Hethey in der heutigen Ausgabe des Weser-Kuriers, auf den ich euch aufmerksam machen möchte.

„Ärger um neue Vorschriften für Kleingärtner: An diesem Sonnabend läuft die Frist für Änderungswünsche am Entwurf der neuen Gartenordnung ab. Doch Ruhe dürfte nicht einkehren, es regt sich Widerstand.“  

Hier klicken und den ganzen Artikel lesen. 

* Der komplette Entwurf der neuen Gartenordnung mit kritischen Kommentaren kann bei den Kleingartenrebellen Bremen hier eingesehen werden.

* „Es gibt eine Basta-Mentalität im Landesverband“ ist ein Interview, das Frank Hethey  für den Weser-Kurier freundlicherweise mit mir geführt hat. Es erscheint heute ebenfalls im Weser-Kurier.

* Achtung: Nur noch heute können Vorstände der Kleingärtnervereine, die Mitglied im Landesverband der Gartenfreunde Bremen sind, Anträge auf Änderung an den Landesverband der Gartenfreunde einreichen.

* Zum Thema Trampolin-Verbot erhielt ich heute eine interessante Information von einem Garten-Kollegen: „Nur nebenbei, Trampoline aufblasbare Swimmingpools oder welche Sportgeräte auch immer müssen auf Ihre  Sicherheit geprüft sein und eine CE Zulassung besitzen. Andernfalls dürfen sie garnicht in den Handel gelangen. Diese Prüfung auf Betriebssicherheit und Zulassung gehört nicht zu den Aufgaben eines KGV Landesverbandes.“

* Übrigens: Es lohnt sich unbedingt, auch die verschiedenen Kommentare der Leserinnen und Leser in der online-Ausgabe des Weser-Kuriers direkt unter dem Beitrag zu lesen.

* Von meibu gibt es dort seit 17.2.2018 10:38 Uhr beispielsweise folgenden Kommentar, den ich hier komplett aufnehme, weil er ganz unterschiedliche Aspekte aufgreift. Dass darin auf einen Blogbeitrag auf „Gärtnern in Bremen“ hingewiesen wird, freut mich (klar!), ist aber nicht der Grund für die Kopie. Den gesamten Beitrag findet ihr hier im Weser-Kurier.

Dem Trampolin an sich wird hier [ im Artikel des WK, Anmerkung KT] viel Raum gewidmet. Deshalb kurz: ein durchschnittliches Trampolin im Kleingarten hat nur einen Durchmesser von 2-3 Metern und nimmt damit bei (ebenfalls durchschnittlich) 450qm Gartenfläche davon rund 1,5 % ein. Und der Kommentator BremKrit hat offensichtlich einen privaten Garten in dem er sich von Kinderlärm gestört fühlt, denn Kleingärten müssen ohnehin einsichtig sein, die Heckenhöhe ist auf 1,10 begrenzt, so will es die alte und der Entwurf der neuen Gartenordnung. Es geht keineswegs darum, sich eine private Oase zu schaffen, sondern gelebte Gartenkultur soll auch für Passanten und Spaziergänger da sein.

Interessant ist allerdings, dass BremKrit damit rechnet, dass die Flächen ohnehin bald umgewidmet werden sollen. Damit folgt er der Argumentation der Hamburger Schrebergartenrebellen, die in dem neuen Entwurf der Gartenordnung eine Vorbereitung der Umwidmung von Kleingartengrund in Bauland sehen, wie in Hamburg geschehen. Dabei geht es vor allem um die neuen weitreichenden Möglichkeiten Kleingärtner, die nicht spuren, ohne Abmahnung los zu werden. (http://www.schreberrebellen.de/index.php?id=aktuelles&post=gartenordnungs-zwang-jetzt-auch-in-bremen)

Tatsächlich lassen einige Formulierungen wie „den Anweisungen der Fachberater des Landesgartenverbandes ist Folge zu leisten“ , „Verstöße gegen die Gartenordnung können (….) eine Kündigung begründen“ diesen Schluss durchaus zu. Von Abmahnung oder Nacharbeiten ist nämlich keine Rede mehr.

Demnächst könnte bei Verabschiedung der neuen Gartenordnung nach dem vorliegenden Entwurf also jeder mit zwei Holundersträuchern, oder einem über 2,5 Metern
oder einem Trampolin (oder Schaukel),
oder zwei Nadelbäumen,
oder einem Baum über 4 Metern Höhe,
oder einer Gartenpforte, die nicht der „vom Verpächter festgelegten Ausführung“ entspricht
oder einer Hecke statt einem Zaun zum Nachbargrundstück
oder einen abgestorbenen Stumpf, Totholzbarriere, oder Holzhaufen
oder Ackerwinde, Girsch, oder Quecke
oder (vermutlich versehentlich) Neophyten
oder nicht mindestens ein drittel der Fläche für Obst und Gemüseanbau u.s.w. der Garten fristlos gekündigt werden. Hecke auf 1,10 gilt natürlich dabei auch weiterhin.

Alle, die sich jetzt zurücklehnen und denken, „naja, das wird heißer gekocht als es gegessen wird“ sollte dabei bewusst sein, dass das nur so lange stimmt, bis der Vereinsvorstand vom Landesverband mit der neuen Handhabe dazu genötigt wird, die Gartenregeln rigoros umzusetzen. Zum Beispiel weil tatsächlich eine Umnutzung angestrebt wird. Über die wird u.a. in Walle oder im Bremer Westen schon lange diskutiert. Oder persönliche Querelen werden über Vereinsausschluss geahndet, wer hat schon seine ganze Quecke ganzjährig im Griff? Bei dieser Liste findet sich immer etwas, gerade bei Gärtnern, die für Igel und Insekten Holz liegen lassen, Girsch-Salat lecker finden oder Hecken zwischen den Gärten für Vögel sinnvoll…

 

(Mehr zum Thema Bauland im Kleingartengebiet, inkl. Presseschau:kirstentiedemann.wordpress.com/2017/09/11/die-katze-ist-aus-dem-sack-aktuelle-beitraege-zu-plaenen-kleingaerten-zu-bebauen/)