Es war viel los: Ideensammlung in der KlimaWerkStadt zur Belebung freier Parzellen

Kleingärtnern ist politisch!?! Zu unserer sehr gut besuchten „Ideensammlung zur Belebung von Parzellen im grünen Bremer Westen“ kamen 40 Menschen aus der Neustadt, aus Walle und aus Gröpelingen in die KlimaWerkStadt, wo sie von Eva Kirschenmann herzlich begrüßt und durch den Abend geführt wurden. Der eingangs gezeigte Film „Schrebergarten – Die neue Lust am urbanen Grün“ (BR) machte deutlich, dass das urbanen Gärtnern auch im Schrebergarten politisch ist. Offene Grünflächen sind für das Stadtklima, gesellschaftlich und individuell relevant und wecken stadtplanerische Begehrlichkeiten. Der grüne Bremer Westen ist ein abwechslungsreiches, etwas anderes Kleingartengebiet mit besonderem Charme und Schwierigkeiten, das außerhalb von Walle wenig bekannt ist. Mit einer Fülle von Fotos dortiger Parzellekultur machte ich einige Facetten sichtbar. Der fundierte Input unseres Gastes, Projektleiterin Lisa Hübotter (Senator für Umwelt, Bau und Verkehr), über das Modellprojekt Green Urban Labs für den grünen Bremer Westen, zu den Situationen vor Ort und über die konkreten Pläne für das Naherholungsgebiet Bremer Westen interessierten das Publikum sehr.

40 Menschen mit und ohne Gartenerfahrung diskutierten ebenso wie engagierte Mitglieder aus drei Kleingartenvereinen im grünen Bremer Westen und vom Internationalen Garten Walle. Die praktizierenden Akteure konnten das Gespräch mit konstruktiven Informationen, Fragen und Hinweisen aus ihrem Erfahrungsschatz flankieren. Projektleiterin Lisa Hübotter hat mit ihrem profundem Wissen bereits einiges auf den Weg gebracht, neben anderem ein Frühsommerfest im gesamten Gebiet mit Angeboten an verschiedenen Orten im Gebiet. Hierfür hat sie viele engagierte Menschen aus Vereinen, Projekten, Institutionen und einzelne Akteure gewinnen können. Den Termin, Sonntag  3.6., sollte man sich durchaus vormerken. Wer eine eigene Aktion zum Sommerfest einbringen möchte, hat die Möglichkeit sich bis zum 5. April bei Lisa Hübotter zu melden. (Näheres zum Frühsommerfest hier lesen.)

Unsere Ideensammlung war erfrischend vielfältig: Ein Begegnungszentrum – Seminarhaus mit Garten zu Sammlung und Erhalt alten Gartenwissens und Kursen wie Obstbaumschnitt usw., könnte in einem Kaisenhaus mit Garten angesiedelt werden / der Bedarf an sehr kleine Gärten für Menschen, die nicht soviel Zeit haben, wird angemeldet / Gemeinschaftsgärten, z.B. in denen Gartenneulinge einzelne Beete begärtnern können, um sich auszuprobieren und in Kontakt mit anderen zu kommen, sind gefragt – vergleichbar mit dem Prinzip des Internationalen Gartens Walle / das Verwunschene des Gebiets solle erhalten bleiben / mehr Orientierung in den Wegen sei nötig (Beschilderung) / keine Eventisierung des Gebiets / nicht zuviel Struktur / das Vertrauen, dass keine Wohnbebauung kommt, ist für einige wichtige Voraussetzung, um in einen Garten zu investieren und ihn wieder urbar zu machen / waldähnlichen Abschnitte in dem großen Kleingartengebiet seien wünschenswert (Wir erfuhren, dass eine Fläche von 4 Hektar bereits mit Bäumen bepflanzt wurde) / ein Waldgarten – Permakultur interessant. Einige Bedürfnisse und Wünsche für das Gebiet der Generation um 40 Jahre wurden deutlich.

Das allgemeine Gespräch riss viele Themen des Kleingärtnerns an und war konzentriert und konstruktiv. (Z.B. erfuhren wir, dass eine sehr gute Broschüre des Deichverbands Bremen über die konkret erforderliche Gabenpflege informiert.)

25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung haben Interesse an weiteren Gesprächen zur Entwicklung des grünen Bremer Westens und 18 wollen an einer Erkundungstour mit dem Rad durchs Gebiet, um die Gegend und freie Parzellen kennenzulernen.

Für April plant die KlimaWerkStadt gemeinsam mit Kirsten Tiedemann, die sich vor Ort gut auskennt, eine geführte Radtour durch den grünen Bremer Westen. Anmeldung erbeten. Hier auf dem Blog wird es eine Ankündigung geben.

Klar vermittelte Lisa Hübotter, dass belebte Parzellen und der engagierte, aktive Einsatz der Gärtner für ihre Kleingärten der beste Schutz gegen eine Wohnbebauung ist.

Wir bleiben am Ball!

Podium mit Kirsten Tiedemann und Lisa Hübotter (SUBV /rechts im Bild)

Foto: Eva Kirschenmann/KlimaWerkStadt

Yeah! Frühlingsanfang [update]

Das Wetter spielt auch bald mit: Und dann blühen überall bunte Tulpen, Narzissen und die prächtigen japanischen Kirschbäume ganz zauberhaft in Parks und Gärten. Ich kann es kaum erwarten. Und im Schnoor kündigen jetzt schon leuchtende Primeln den Frühling an.

Und in der Neustadt zeigen sich heute in Vorgärten und an Hauswänden diese farbigen Frühlingsboten.


Fotos: Kirsten Tiedemann

Platanen adé? Ist das letzte Wort gesprochen? [Veranstaltungstipps]

Ist das letzte Wort um die Fällung von über 100 Platanen am Neustädter Weserdeich im Zentrum Bremens schon gesprochen? Im Zuge der Deicherhöhung, die angesichts des steigenden Meeresspiegels erforderlich ist, wird der Fortbestand der im Deich wurzelnden Bäume kontrovers diskutiert.

platanen

Die Entscheidung wäre gefallen, so meldet der Weser-Kurier am 20. Januar mit dem Titel „Platanen müssen weichen„. Die Bäume wären krank und destabilisieren den Deich. Als Kompensation für die gefällten Bäume mit ihren üppigen Kronen sollen im Verhältnis 1:4 neu gepflanzt werden. Insgesamt 500 Bäume – junger Spitzahorn soll es werden. Wo die neuen Bäumchen stehen werden sei abhängig vom Entwurf zur Neugestaltung.

Die Platanen sind noch nicht gefällt„. Mit dieser Parole reagiert eine engagierte Bürgerinitiative BI Platanen am Deich  und viele Baumfreund, die die Entscheidung des Senators nicht teilen. Sie bemängeln eine ungenaue Argumentation in vorgestellten Gutachten, auf deren Grundlage der Bausenator seine Entscheidung unter anderem gefällt hat, und fragen nach fehlenden Untersuchungen zur exakten Diagnose angeführter Krankheiten an vielen Platanen. Von Seiten der BI werden andere Gutachten und sachkundige Information in die Diskussion eingebracht, die den Fortbestand der 136 Bäume auch bei einer Erhöhung des Deiches zuließen. In diesem Zusammenhang läuft bis zum 23.3. eine Petition S 19/202 zum Erhalt der Platanen am Neustädter Deich, die an die Bremische Bürgerschaft gerichtet ist und mitgezeichnet werden kann. Inzwischen erwägt die BI auch eine Klage gegen den Beschluss. Der Konflikt ist also noch (lange?) nicht beigelegt.

Veranstaltungstipps

  • Das „Nordwestradio unterwegs“ greift den Streit um die 136 Platanen heute, 22.2. um 18.05 Uhr auf. Im Gespräch werden Senator Joachim Lohse, Rainer Suckau vom Deichverband, Andreas Block-Daniel Baumsachverständiger und Gunnar Christiansen für die Bügerinitiative ihre Positionen austauschen.
  • Wer sich in der Sache informieren und mit Senator Lohse, Staatsrätin Reuther, Architekten und Planern weiter diskutieren will, der hat in dem sicherlich höchst spannendem öffentlichen Diskurs zu den ausgewählten Entwürfen für die sogenannte Stadtstrecke in der Reihe Bremer Stadtdialog des Bremer Zentrums für Baukultur am 28. Februar die Gelegenheit:

bzb_stadtdialogDienstag 28. Februar 2017 um 19:00 Uhr

Wo: Am Speicher XI, 11  in der Energieleitzentrale  – Generatorenhalle

28217 Bremen, Überseestadt

Öffentlicher Diskurs | Bremer Stadtdialog | b.zb

„Stadtstrecke Bremen –
Zum Ergebnis des Landschaftsarchitektur-Wettbewerbes“

„Das Bild der Alten Neustadt an der Weser wird sich verändern. Der Klimawandel und ein damit verbundener weltweiter Meeresspiegelanstieg führen zu deutlich höheren Sturmfluten an der Unterweser. Daraus resultieren erhebliche Gefahren für die künftige Hochwassersicherheit Bremens. Die Deiche an der Stadtstrecke in der Bremer Neustadt entsprechen nicht mehr den Schutzanforderungen und müssen deshalb verbessert werden. Der Umbau der Hochwasserschutzanlagen soll mit einer Qualifizierung des Stadtraumes am Fluss und einer Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten verknüpft werden. Das Ergebnis eines europaweit ausgeschriebenen Wettbewerbs und der zur Umsetzung empfohlene Entwurf sollen im Stadtdialog vorgestellt und diskutiert werden.“

 

Begrüßung
+ Dr. Joachim Lohse (Senator für Umwelt, Bau und Verkehr)

Einführung

+ Prof. Dr. Iris Reuther (Senatsbaudirektorin)

+ Rainer Suckau (Bremischer Deichverband am linken Weserufer)

Kommentar der Jury

+ Till Rehwaldt (Landschaftsarchitekt Dresden):

Vorstellung des Entwurfs „Preisträger Landschaftsarchitekt“

weiterer Podiumsteilnehmer

+ Prof. Dr. Ingo Mose (Jurymitglied und Vertreter des Beirats Neustadt)

Moderation

+ Prof. Ulrike Mansfeld (School of Architecture Bremen)

Neuer Biomeiler auf der Lucie

Grade jetzt entsteht ein Biomeiler zur Energiegewinnung im offenen Gemeinschaftsgarten „Ab geht die Lucie“ in  der Neustadt. Die Hülle aus Felgen ist sehenswert und gibt dem Meiler etwas von einer Kunstinstallation. Gefüllt mit Häcksel duftet es nach Wald. Microorganismen bauen die Biomasse zu Kompost um, wobei Wärme entsteht, die an Wasser in Schläuchen abgegeben wird, die wiederum den Bibliothek-Büro-Container kuschelig heizen werden. Und am Schluss gibt es in 1,5 Jahren frische Komposterde. Dolle Sache.

Hier gibt´s ein Filmchen zum Unterrichtsprojekt Biomeiler in Osterholz Scharmbeck.

P.S. vom 16.10.2014: Und wer hat`s gewuppt? Percy und seine Komplizen e.V. waren es, sie sind das Kollektiv für Ideenentfaltung. Auf Lucies Blog gibt es nun einen schönen Beitrag mit näheren Infos zum „Heißen Haufen“.

FelgeninstallationMaileraufbauHäcksel

Fotos: Kirsten Tiedemann