Kranich, Gerümpel und Co.

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Wat für’n Schietwedder! Es hat die ganze Nacht in Strömen geregnet und tropft den Vormittag über weiter. Ich gestehe: Es kostet mich etwas Überwindung, raus in die nasse Kälte zu gehen. Und trotzdem mache ich mich auf den Weg zum Kleingartnerverein Walle, um mit anzufassen. Habe ich mich doch angekündigt. Und was allein ziemlich öde wäre, ist gemeinsam leichter gemacht. Für mich ist es am 14.4.2018 das erste Mal, dass ich bei „Bremen räumt auf“ dabei bin. Einige Leute aus dem Gartenverein Walle nehmen den bremenweiten Aktionstag jährlich zum Anlass, um durch ihre Wege zu gehen und den achtlos beiseite geworfenen Müll zu sammeln. Hier ist alles gut vorbereitet: Säcke und Handschuhe sind griffbereit. Eine gute Anzahl „Aufnehmer“ erleichtern das Zusammentragen. Ich schließe mich drei Frauen an, die hier ihren Garten haben. Mit Regencapes, Gummistiefeln und Südwester sind wir wetterfest gekleidet und ziehen gemeinsam los. Auf unserer Tour finden wir Kippen, Coffee-to-go Becher, Hamburger-Verpackungen, Legosteine, Plastikflaschen, In-Ear-Kopfhörer, Seitenspiegel für ein Auto, eine Zahnbürste und Unmengen von Bauschutt am Rand des Parzellengebiets, wo es auf das Gewerbegebiet Bayernstraße trifft. Dort ist von Seiten der Stadt Freifläche mit Wiese „angelegt“. Es wird vermutet, dass sich manchen Leute, die hier keine Parzelle haben, den Schutt auf der Fahrt zur Deponie am Rand des Parzellengebietes abladen und sich so unbemerkt & kostenfrei dessen entledigen wollen. Das ist kein feiner Zug. Zahlreiche Schnapsfläschchen liegen bei Kacheln, Ziegeln und Betonresten, gefährlich scharfer Glasabfall und leere Chipstüten. Zwei blaue Säcke voller Müll gabeln wir auf. Liebe Leute, was soll denn das? Typische Gartenabfälle wie Blumentöpfe aus Plastik sehr dagegen selten.

Ein Ehrenteller zur Teilnahme an der 2. internationalen Modeneserschau liegt achtlos am Wegrand. Ich lerne heute: Modeneser ist eine Taubenart, und frage mich, wie dieser Schmuck-Teller hierher kommt? Vielleicht hat sich ein Parzellenpächter von den Hinterlassenschaften seines Vorgängers entledigt? Früher wurden auf Parzellen gerne auch Brieftauben gezüchtet. Buchstäblich liegen Geschichten herum. Ein Kranich aus Plastik wird meine Trophäe des Tages. Der Vogel scheint fast zu lächeln.

Langsam geht der Regen in Niesel über. Das ganze Gelände ist plitschnass. Wie auf den Straßen steht auch auf einigen Wegen Wasser. Die Gummistiefel sind passendes Schuhwerk. Nicht wenige Parzellen, an denen wir vorbei kommen, stehen zu Teilen unter Wasser. Ich überlege, wie lange es dauert, bis das Wasser abfließt und wann die Gärten überhaupt wieder begehbar sein werden? Ist das ein Ausdruck des Klimawandels? So eine Situation habe man bisher sehr sehr selten, erzählen mir die kundigen Leute vom Vorstand.

Einige grüne Säcke voller Müll später beschließen wir unsere Sammlung und erhalten eine freundliche Einladung zum gemeinsamen Klönschnack vom Vereinsvorstand für alle Helfer an einem anderen Tag. Spontan macht eine Mitsammlerin unserer kleine Gruppe das Angebot, auf eine wärmende Tasse Kaffee in ihren Garten zu kommen. Ich nehme gerne an, wir haben einen angeregten Austausch in dem liebevoll gestalteten Garten. Danke für die freundliche Aufnahme!

P.S.: Die Wegwerfmentalität mancher Menschen wird sich wohl nicht so rasch ändern, daher bin ich im nächsten Jahr wieder dabei. See you.