Keine verwaiste Parzelle für Wohnungsbau – Weser-Kurier Walle

Ausschnitt des Beitrags im Weser-Kurier/Stadtteil-Kurier Bremer-Westen 3.7.2017

Waller Kleingärtner fühlen sich vom Landesverband im Regen stehen gelassen.  Sehr gerne weise ich auf den gut recherchierten Beitrag im Stadtteil-Kurier Bremer Westen zum Vorstoß der SPD, aus verwaisten Parzellen Bauland zu machen, von Anne Gerling hin. Gerling fängt hier unterschiedliche Positionen von Kleingärtnern, mehreren Vorsitzenden und aus dem Beirat Walle zum Thema ein. Darin heißt es:

Bremen-West. Der Kracher kam pünktlich zum Wochenende: Als die Waller Parzellistin und Umweltaktivistin Rike Fischer am Freitag die Zeitung aufschlug, da traute sie kaum ihren Augen: Unter dem Titel „Streit über Kleingärten entschärft“ berichtete der WESER-KURIER, die Bremer Kleingärtner seien nicht mehr grundsätzlich gegen den Mitte Mai ins Spiel gebrachten SPD-Vorschlag, verwaiste Parzellen für den Wohnungsbau zu nutzen.

In dem Artikel wurde die Geschäftsführerin des Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen, Birgit Drechsler, zitiert: Man stimme grundsätzlich durchaus mit der SPD überein. An der Kleingärtner-Basis sorgen Drechslers Äußerungen für eine bunte Gefühlspalette von Bestürzung bis Empörung. So kritisieren im Internet einzelne Stimmen den „völlig einfallslosen Bauwahn einiger SPD-Betonköpfe und die damit verbundene rücksichtslose Vernichtung ökologischer Flächen, die eine wesentliche Qualität von Bremen sind“. Andere Parzellisten bezweifeln, dass der Landesverband ihre Interessen überhaupt noch angemessen vertritt.

„Was ist das für eine Lobby, wenn der Landesverband einfach so einknickt, ohne dass die betroffenen Vereine erst einmal gehört werden? Da fühlt man sich nicht gesehen und repräsentiert“, sagt etwa Carsten Siemering vom Waller Verein „Union“ am Hohweg und verweist auf die vom Bremer „Bündnis für Wohnen“ unter der Leitung von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) aufgelistete Bauflächenreserve im Volumen von 27 000 Wohneinheiten: „Ich würde erst mal erwarten, dass die bebaut werden und dass die Politik gegen Leerstände angeht“, sagt er.

„Wir fühlen uns vom Landesverband im Regen stehen gelassen“, sagt auch Rike Fischer, die beim Findorffer Verein „Eiche“ einen Garten bewirtschaftet. Dort hat man für brachliegende Grundstücke kreative Lösungen gefunden, erzählt der Vereinsvorsitzende Heinrich Schwecke. So wurde zum Beispiel ein Lerngarten für Kita-Kinder hergerichtet, ein Spielplatz oder auch ein Tafelobstgarten in Zusammenarbeit mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Niemand hier will, dass Bremens grüne Oase zerstört wird. Heinrich Schwecke hat sogar bereits von einem Verein gehört, der aus dem Landesverband ausgetreten ist. Kassiererin Brigitte Groß hält es für möglich, dass wie schon in Hamburg auch in Bremen eines Tages besondere Sahnestücke als Bauland herausgepickt und gewachsene Kleingartengebiete zerstört werden könnten: „Dann kommen hier bei uns Weidedamm IV und V.“ „Wenn man zum Beispiel erst mal bei Union anfängt, dort für noch mehr Gewerbegebiet Flächen abzuknabbern, und von dort kein Widerstand kommt, dann geht es unter Umständen eines Tages auch mal an den Stadtwerder“, befürchtet auch Carsten Siemering.       …

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Quelle: Weser-Kurier/ Stadtteil Kurier West 3.7.2017, Seite 2

 

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„Stadt reißt Kaisenhäuser ab“ – Gastkommentar & Bilanz

„Stadt reißt Kaisenhäuser ab“, hieß es kürzlich im Weser-Kurier. Einvernehmlich mit den Besitzern der Wohnhäuser, liest man dort. Diese Nachricht veranlaßte Uwe Siemann dazu, eine sachkundige Einschätzung zu den verheerenden Wirkungen der „Sanierung“ im Parzellengebiet in der Waller Feldmark vorzunehmen und eine Alternative vorzustellen. Der Architekt beobachtet die Entwicklung als Anlieger rund um seine Parzelle seit langem. Seine aussagekräftige Einschätzung stellt er mir nun freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung.

Als ebenfalls vom Abriss betroffener Anlieger am Waller Fleet sehe ich mit Freude, dass über den zukünftigen Umgang mit Kaisenhäusern aktuell doch eine lebhafte öffentliche Diskussion geführt wird.

Leider wird der Niedergang dieses kulturellen Erbes der Nachkriegszeit dadurch bisher nicht aufgehalten. In den betroffenen Parzellengebieten verwildern nach wie vor brachliegende Grundstücke mit oder ohne Kaisenhaus. Ein brisantes Beispiel ist hier das Gebiet des Kleingärtnervereins Union: Die aktuelle Situation mit Ihrer Planungsunsicherheit und dem Damoklesschwert des drohenden Abbruchs führt zu einer weiteren Verwahrlosung noch bestehender Gebäude und umliegender Gärten. Wer würde schon in ein Haus investieren, das irgendwann sowieso dem Abrissbagger zum Opfer fällt? Und wer möchte schon einen Garten neben einer Ruine oder einem völlig verwildertem Grundstück übernehmen?

Auch die von der Stadt geplanten Abbrüche von weiteren 39 Kaisenhäusern allein in diesem Jahr werden die Situation in den betroffenen Gebieten nur verschärfen. Die Nachfrage nach geräumten Parzellengrundstücken ist in Höhe der geplanten Abbrüche einfach nicht da.

Viel einfacher wäre es natürlich eine Nachfolgeregelung für Parzellen mit bestehendem Kaisenhaus (auch renovierungsbedürftig) zu finden. Gerade für junge Familien mit Kindern wäre solch eine Regelung ein ideales Angebot für die Sommermonate.

Dass die Kaisenhäuser, um die es aktuell geht, freiwillig und „im Einverständnis mit den Eigentümern“ abgerissen werden, stimmt nicht so ganz. Als Besitzer eines Kaisenhauses ohne dauerhaftes Wohnrecht bestehen für sie zwei Möglichkeiten :

1. Sie melden das Grundstück frei, die Stadt Bremen organisiert den Abriss und trägt auch die Kosten.

2. Sie organisieren den Abbruch selbst und zahlen diesen auch selbst.

Schon allein aus Kostengründen würde sich wohl jeder für die erste Lösung entscheiden.

Danach stehen sie vor einem von Baggerfurchen durchzogenen Acker und können sozusagen von vorne anfangen, einen Garten – mit oder ohne Gebäude – wieder aufzubauen. Wenn sie denn von der swb überhaupt einen Stromanschluss und irgendwoher auch einen Wasseranschluss bekommen.

Hätte der betroffene Eigentümer wirklich eine freie Wahlmöglichkeit gehabt, würde er in den meisten Fällen wohl überhaupt nicht abreissen. Er könnte – so er es nicht mehr selbst nutzen möchte – Grund und Gebäude verpachten oder veräussern, wie jeder andere auch.

Es müsste auch kein Geld aus der chronisch klammen Stadtstaatskasse Bremens für die Vernichtung von Wohn- und Wochenendhäusern mehr ausgegeben werden. Bei angegebenen ca. 500 leerstehenden Gebäuden und ca. 10.000,- bis 12.000,- EUR Abrisskosten pro Haus macht das immerhin ca. 5.000.000,- bis 6.000.000,- EUR.

Die noch aktuell praktizierte Vorgehensweise der Stadt auf Grundlage eines ausgehandelten Kompromisses macht hier überhaupt keinen Sinn.
Wenn man nach den letzten Jahren Bilianz zieht, kann man feststellen, das hier lediglich der Verfall beschleunigt wird.
Eine sinnvolle Lösung ist das nicht.

Der aktuelle Vorstoss unseres Bausenators zu diesem Thema ist aus meiner Sicht unbedingt zu begrüßen – und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine.

Zur Untermauerung meines Standpunktes sende ich die beigefügten Fotos.
Hier sehen Sie als kleine Auswahl Beispiele für

A – vom Abriss bedrohte Kaisenhäuser
B – ein freigeräumtes Grundstück , das seit Jahren brachliegt
C – die sinnvolle Nutzung eines Kaisenhauses als Parzelle mit Laube zeigt, wie es auch aussehen könnte.

Vielleicht ist es ja noch nicht zu spät, über alternative Lösungen nachzudenken – es lohnt sich.

Mit freundlichen Grüßen

Siemann

Vom Abriss bedrohte Kaisenhäuser. Foto: Uwe Siemann

Vom Abriss bedrohte Kaisenhäuser. Fotos: Uwe Siemann

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Geräumte Parzelle, die seit Jahren brach liegt. Foto: Uwe Siemann

Geräumte Parzelle, die seit Jahren brach liegt. Foto: Uwe Siemann

Sinnvoll genutztes Kaisenhaus als Wochenendhaus, das zeigt wie es auch aussehen kann. Foto: Uwe Siemann

Sinnvoll als Laube genutztes Kaisenhaus zeigt, wie es auch aussehen kann. Foto: Uwe Siemann