Gerettet! Einmalige Fleetkirche in Waller Parzellengebiet hat neuen Besitzer

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„Jetzt ist ein Schriftsteller in der Fleetkirche“, das hörte ich jüngst beiläufig auf dem Planungstreffen für das Frühsommerfest im grünen Bremer Westen und war ganz aus dem Häuschen. „Klasse!“, rufe ich aus, hatte ich doch 2016 durch eine Nachricht von einem Kaisenhaus-Bewohner aus der Nachbarschaft der Kirche erfahren, dass der damalige Pächter, die serbisch-orthodoxe Gemeinde für Weser und Ems in Bremen e.V., das Gebäude verlassen hatte und Strom- und Wasserleitung bereits endgültig abgekniffen worden waren. Renoviert worden war dort schon lange nichts mehr, wie ich durch meine Spaziergänge und Führungen im Gebiet wußte. Alles deutete darauf hin, dass die einmalige charmante Notkirche aus Holz vom Bremer Architekt Hermann Gildemeister, die 1958 mitten im Parzellengebiet für die Bewohner von Kaisenhäusern in den Kleingärten errichtet worden war, jetzt abgerissen werden sollte. Das wollte ich nicht glauben. Sollte es denn wirklich keine andere Möglichkeit geben? Das Gebäude schien Renovierung zu benötigen, man wird investieren müssen, aber es war doch keineswegs ruinös! Durch einen Beitrag hier auf dem Blog (hier lesen) kam Bewegung in die Sache, der Weser-Kurier griff das Thema auf, die Bremische Evangelische Kirche (BEK) nahm Konzepte entgegen und erklärte, das Gebäude verkaufen zu wollen.

Nun hörte ich zufällig vom Krimi-Autoren René Paul Niemann, dessen Konzept die BEK überzeugt und der den Zuschlag erhalten hatte. Bei Recherchen war Niemann auf meinen Blog gestoßen und hatte von dem drohenden Abriss und der Ausschreibung erfahren. Bereits Anfang 2017 hat er das Gebäude im Herzen des größten Bremer Kleingartengebiets übernommen. Der Findorffer plant eine „Kulturkirche und Atelier am Fleet“ und erzählt von seinen gärtnerischen Aktivitäten als ich ihn besuche. Durch den Sturm seien Äste aus Bäumen gebrochen, die beseitigt werden müssen. Im seinem ersten Jahr mit der Kirche habe er neben notwendigen Anträgen und Gesprächen, erst einmal die vernachlässigten Abzugsgräben gangbar gemacht, um den Boden zu entwässern. Besonders wichtig sei das für die Sicherung des hölzernen Fundaments des Gebäudes, erkärt der Autor, der auch mit grünem Daumen und handwerklichem Geschick ausgestattet ist.

Herzlichen Glückwunsch und viel Freude mit der Fleetkirche!

In seinem jüngst erschienenen Büchlein widmet sich René Paul Niemann übrigens Geschichten aus dem Bremer Westen. Es ist kürzlich in der Edition Temmen erschienen.

Anne Gerling: Krimiautor rettet ehemalige Fleetkirche. Mit Fotos von Roland Scheitz (Weser-Kurier, Stadtteil-Kurier West 28.8.2017)

Was wird aus der Fleetkirche? Ein Beitrag im Weser-Kurier

„Was wird aus der Fleetkirche?“ titelt ein unbedingt lesenswerter Artikel von Anne Gerling im Stadtteil-Kurier (West) des Weser-Kuriers am 18. Juli 2016. Darin gibt Gerling einen informativen Überblick zu Entstehung und Geschichte dieses besonderen Bauwerks in der Waller Feldmark, dessen Ursprung im massenhaften Wohnen auf der Parzelle in Kaisenhäusern* in der Nachkriegszeit zu finden ist. Die Bedeutung, die die Kirche in früheren Zeiten für die Kaisenhausbewohner hatte, schildert der Architekt Uwe Siemann eindrücklich. Erfreulich ist die Nachricht aus der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) zur Zukunft des einmaligen Gebäudes. Von Frau Sabine Hatscher, Sprecherin der BEK, ist zu erfahren, dass die BEK die Fleetkirche zwar nicht weiter selbst unterhalten werde, aber offen für Ideen einer Weiternutzung sei. Hatscher erklärt außerdem, dass auch die Abgabe des Gebäudes für einen symbolischen Preis möglich sei. Ich meine, mit einer „Stiftung Fleetkirche“ kann das Gebäude langfristig als kultureller Treffpunkt mit Sommercafé und angeschlossenem ganzjährigem „Draußen-Kindergarten“ erhalten werden und das Naherholungsgebiet Waller Feldmark bereichern.

* Die im Artikel genannte Zahl von bis zu 4.000 Parzellenbewohnern in den 1960er Jahren in der Waller Feldmark kann Seit der Vorlage meines Buches „MEHR ALS EIN DACH ÜBER DEM KOPF – BREMENS KAISENHÄUSER“ mindestens auf das vierfache nach oben korrigiert werden.

Weser-Kurier, Stadtteil Kurier West 18.7.2016

Weser-Kurier, Stadtteil-Kurier (West) 18.7.2016

Fleetkirche bleibt und sucht neue Besitzer

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Die Fleetkirche schmiegt sich in die Landschaft, 4. Juno 2016

Offenbar gibt es ein deutliches Interesse am Erhalt der Fleetkirche in Bremen, denn in der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) seien „einige“ eMails in der Sache eingetroffen, wie mir im grade geführten Telefonat gesagt wurde.

Und: Es gibt eine außerordentlich erfreuliche Nachricht, die ich euch sofort weitergeben will. Die BEK habe selbst zwar keine Verwendung mehr für dieses besondere Bauwerk in der Waller Feldmark, man sei aber im Gespräch über den weiteren Verbleib der Fleetkirche. Wasser und Strom seien abgestellt, die Pächter in ihre neue Bleibe gezogen. Einer Umnutzung stehe nichts im Wege und ein Verkauf – auch an einen Verein – sei möglich!

Spitzt eure Bleistifte für ein Nutzungskonzept, kratzt die Taler zusammen und bringt neues Leben in das ungewöhnliche Gebäude!

Ich freue mich sehr und bin gespannt darauf, was hier Schönes passieren wird.

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Rückansicht am 4. Juno 2016

Fotos: Kirsten Tiedemann

Wird Waller Fleetkirche bald abgerissen?! [aktualisiert]

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Foto: privat 2014

 

 

 

 

So wie es aussieht soll wieder eine bauliche Rarität der Bundesrepublik ver- schwinden. Bremen wird dadurch um ein charmantes Kleinod ärmer und verliert ein besonderes historisches Zeugnis der Nachkriegszeit. Die hier gezeigte Kirchen- glocke wird bald nicht mehr läuten können, denn sie soll  samt Fleetkirche abgerissen werden – das sieht es zumindest der aktuelle Plan vor.

Die Fleetkirche in der Waller Feldmark zeichnen nicht Pomp und Protz aus, Baustoff und Gestaltung fügen sich vielmehr dezent in das großflächige Kleingartengebiet und die Landschaft ein. Das ist vielleicht auch der Grund, warum sie nicht auf den ersten Blick ins Auge fällt. Gemessen an vielen ihrer steinernen Schwestern ist die Fleetkirche aus Holz recht klein. Ihre legale Errichtung im Jahr 1958 gehört untrennbar zur Geschichte der Kaisenhäuser und des Wohnens auf der Parzelle. Sie ist ein Unikat, das der bekannte Bremer Architekten Hermann Gildemeister für die Bremische Evangelische Kirche entworfen und realisiert hat.

Dieses historisch wertvolle Gebäude eignet sich in jeder Hinsicht, mit seinem einzigartigen Standort, dem besonderen Charme und den baulichen Voraussetzungen hervorragend für eine Umnutzung in ein attraktives Ausflugscafé mit gelegentlichen kulturellen Veranstaltungen. Das Konzept sollte sinnvollerweise das Prinzp eines lebendige Gedenkorts für die Geschichte der Parzellenkultur seit 1900 beinhalten. Solch eine Nutzung wird sich perfekt in die seit Jahren politisch gewollte Aufwertung der Waller Feldmark zu einem öffentlichen Naherholungsgebiet fügen.* Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Evangelische Kirche Bremen solch einem Vorhaben Vorrang einräumt.

 – Nachtrag 1: Es kommen viele weitere Ideen für Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes: Ein Kindergarten fändet hier ideale Bedingungen, denn es gibt auch eine große Wiese. Eine Ateliergemeinschaft bildender Künstler ist denkbar. Die Bremische Evangelische Kirche muss die Fleetkirche nicht weiter selbst unterhalten, sondern könnte sie auch verkaufen. Nachtrag 1 Ende –

Aktuell – Nahe des Waller Fleets in Bremens größtem Parzellengebiet Waller Feldmark werden erste Vorbereitungen zum Abriss der Fleetkirche getroffen. Zum ersten Juno ist die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde für Weser und Ems in Bremen e.V., die die kleine Kirche als Pächterin seit dem Jahr 2000 regelmäßig nutzte, samt Ikonen in ihr neues Quartier in der Dreifaltigkeitskirche/Vahr umgezogen. Dem intakten Gebäude wurde sofort der Strom abgeklemmt und einige Anwohner umliegender Kaisenhäuser erfuhren, dass Abbrucharbeiten in Kürze beginnen sollen.

Das Gebäude – Das hölzerne Gebäude mit seitlich eingeschobenem Glockenturm, stellt mit seiner vertikalen Verbretterung und den feinsprossigen Seitenfenstern Bezüge zur Gestaltung von Gartenhäuser her. Vor dem Eingang steht eine 40 Jahre alte Linde.

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Wer die Kirche betritt ist positiv erstaunt von dem hellen, warm wirkenden in Holz gehaltenen Innenraum mit seinem Tonnengewölbe. Das kreisrunde Altarbild stammt von der Künstlerin Bessie (Elisabeth) Pappenheim.

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Blick auf den Altar mit Altarbild der Künstlerin Bessie Pappenheim, Dezember 1999    Foto: privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das  Kirchenschiff ist geräumig und nicht wie üblich mit fest installierten Bänken versehen worden, sodass der Raum je nach Bedarf leer, bestuhlt oder mit Stühlen und Tischen ausgestattet wurde. Im multifunktional genutzten Kirchenraum fanden bis zu 100 Personen (bestuhlt) Platz bei Gottesdiensten, Taufen, Konfimationen, Hochzeiten und zu Seniorennachmittagen. Ein Vorraum dient als Windfang, Garderobe und Aufenthaltsbereich. Mit der daneben befindlichen Küche konnte für das leibliche Wohl im Rahmen der Aktivitäten der evangelischen Gemeinde gesorgt werden. Auch das notwendige WC mit geschlossener Sammelgrube und eine einfache Heizung sind vorhanden. Über dem Vorraum befindet sich eine Empore, auf der früher die kleine Orgel stand.

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Fleetkirche, Blick zur Orgel. Dezember 1999                                                                            Foto: privat

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit dem Rückgang der Zahl der Kaisenhausbewohner*innen schrumpfte die einstmals große Gemeinde im Parzellengebiet erheblich, sodass die evangelische Gemeinde Walle die Nutzung der Kirche 1999 beendete. Das Gebäude wurde nahtlos verpachtet und seit dem Jahr 2000 regelmäßig von der längerem bestehenden serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde an allen Sonn- und Feiertagen genutzt.  Auf den von mir angebotenen Spaziergängen durch die Waller Feldmark mit verschiedenen Gruppen (z.B. Bildungsurlaub/Architekturstudierende) erhielten wir zweimal spontan die freundliche Gelegenheit, die Kirche zu besichtigen und durften dabei fotografieren.

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Fleetkirche, Innenraum 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Entstehungszusammenhang – Einige Menschen nahmen ihre Geschicke in der von massivem Wohnungsmangel geprägten Nachkriegszeit und von Bürgermeister Wilhelm Kaisen ausdrücklich dazu aufgerufen, selbst in die Hand und zogen in die Hütte bzw. Laube ihres Kleingartens. Man kann sagen, dass es sich um ein Prinzip des universellen Krisenmanagements von unten handelt, denn Staat und Stadt konnten der erheblichen Anzahl wohnungsloser Menschen kaum Hilfe, geschweige denn Unterkunft bieten. Was als behelfsmäßige Übergangslösung gedacht war verstetigte sich angesichts der mehrere Jahrzehnte anhaltenden Wohnungskrise, die einfachen Unterkünfte wurden in einer eigenwilligen Baukultur stetig verbessert und es entstand eine besondere Gartenwohnkultur. In Bremen lebten etwa 80.000 Menschen in sogenannten Kaisenhäusern verteilt über alle Kleingartengebiete der Stadt. So entstanden eigene Quartiere mit selbstorganisierter Infrastruktur. Viele Hintergrundinformationen und Fotos dazu findet ihr in meinem Buch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“. Im Herzen des flächenmäßig größte Parzellengebietes, das auch heute noch von Findorff über Walle bis nach Gröpelingen reicht, errichtete die Bremische Evangelische Kirche 1958 die Fleetkirche, die als Teil der Waller Kirchengemeinde betrieben wurde. Ihr Bau stellte für die dort lebenden Menschen auch die Hoffnung auf ein dauerhaftes Bleiben in ihren umstrittenen, kleinen Eigenheimen dar. Es ist wohl der stärkste Ausdruck dafür, dass in der Waller Feldmark ein eigenes Quartier entstanden war.

Nachgefragt – Für meine näheren Nachfrage bei der Bremischen Evangelischen Kirche, in deren Besitz sich Gebäude und auch Grundstück befinden, und beim Landesamt für Denkmalpflege konnte ich die zuständigen Mitarbeiter bisher kurzfristig nicht erreichen.

– Nachtrag 2:

Meldet euch bei der Bremischen Evangelischen Kirche und macht ihr Vorschläge für eine sinnvolle Umnutzung der Fleetkirche in der Waller Feldmark. [ … ]

Nachtrag 2 Ende-

 

* In Rahmen der Aufwertung der Waller Feldmark zu einem neuen öffentlichen Naherholungsgebiet wurde die Route des geplanten Radwegs samt der neuen, nicht eben günstigen Brücke über das Fleet bereits extra an der attraktiven Kirche als Highlight vorbei geführt.

 

Fotos: Für die von Privat überlassenen Fotos bedanke ich mich herzlich! Kirsten Tiedemann

Spaziergang in der Waller Feldmark 15.5.

RundgangFleetkirche

Fleetkirche (Rückseite) Architekt Hermann Gildemeister, errichtet 1958

 

Kleingarten today

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