Vier Wände für alle – Diskussion [Veranstaltungstipp]

Auf diese Diskussionsveranstaltung zur Schaffung von gutem und bezahlbaren Wohnraum  am kommenden Dienstag 19.2.2019 mit dem Bremer Bürgermeister, einer Architektin, einem Vertreter der Gewoba, einem Vertreter der Friedrich-Ebert-Stifung und anderen möchte ich euch aufmerksam machen. Ich kann mir vorstellen, dass das Tiny-House-Movement ein Aspekt des Abends sein wird.

„VIER WÄNDE FÜR ALLE

Wie sorgen wir für gutes und bezahlbares Wohnen in Bremen?

Öffentliche Diskussionsveranstaltung am Dienstag, 19.2.2019 um 19.00 Uhr in der etage°, Zugang Herdentorsteinweg 37 | kostenfrei

Um Anmeldung wird – hier – gebeten.

„Wohnen ist die neue soziale Frage unserer Zeit. Die Schaffung von gutem und bezahlbarem Wohnraum ist eine der wichtigsten Aufgaben der Politik. Gerade in den Städten steigen die Mieten und Bodenpreise seit Jahren. Die Folge: Menschen ohne oder mit geringem Einkommen finden kaum bezahlbare Wohnungen. Auch Menschen mit mittlerem Einkommen können sich mittlerweile die Mieten in der Stadt kaum leisten. Und der Traum von den eigenen vier Wänden bleibt oftmals ein solcher.

Bremen wirkt dieser angespannten Situation bereits mit einem Bündel an Maßnahmen entgegen. Aber was muss politisch noch getan werden, um Wohnraum für alle zu schaffen und sicherzustellen – für Jung und Alt, für Singles und Familien?  Welche Rolle spielen die kommunalen Baugesellschaften? Wie lässt sich moderne Architektur im Rahmen sozialer Stadtentwicklung verwirklichen? Wie können wir einem Auseinanderdriften Bremens in ärmere und besser situierte Wohnquartiere entgegenwirken? Wem gehört die Stadt eigentlich – und wie können wir sie gestalten?“

Begrüßung: Christian Testorf (Friedrich-Ebert-Stiftung)

Darüber reden wir mit:
Ebba Lamprecht, Architektin (BDA)
Carsten Sieling, Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen
Peter Stubbe, gewoba Bremen
Björn Tschöpe, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft

Moderation: Simone Schnase, Journalistin taz Bremen

***

Veranstalter: Friedrich-Ebert-Stiftung / Julius-Leber-Forum

Büro für die Bundesländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein

Ansprechpartner: Dr. Christian Testorf

Rathausmarkt 5

20095 Hamburg

Telefon: 040 / 32 58 74-22

E-Mail: hamburg@fes.de

http://www.julius-leber-forum.de

 

Ich danke dem Bremer Zentrum für Baukultur b.zb für den Hinweis.

 

 

 

Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser

Grade gab es den schönen TV-Beitrag von Rut Hunfeld über „Schrebergärten mit Geschichte: Bremens Kaisenhäuser“ in der Nordtour von N3. Nun gebe ich für Interessierte, die mehr dazu lesen möchten, gerne den Hinweis auf mein Buch zur Geschichte der kleinen Wohnhäuser auf der Parzelle.bzb_Mehr als ein Dach über dem Kopf_Innen_Druckvorlage.indd

Zum Inhalt:

Von der Notunterkunft auf der Parzelle zur Wohnkultur im Garten

Vom stadtnahen Haus im Grünen träumen viele. Einige Menschen haben sich diesen Traum in den bremischen Kleingartengebieten scheinbar verwirklicht – obwohl das Wohnen in Kleingärten verboten ist. Die Erinnerung an die Entstehungszusammenhänge dieser Parzellenwohnhäuser mit eigenwilliger Architektur verblasst zusehends, denn die Gebäude verschwinden mit dem Ableben ihrer Bauherren aus den Kleingartengebieten. Die Historikerin Kirsten Tiedemann hat sich diesem bisher ungeschriebenen Teil der Bremer Geschichte angenommen.

Entstanden ist eine Studie zur Geschichte der Stadt aus sozial-, bau- und planungsgeschichtlichen Perspektiven. Sie betrachtet ihren Gegenstand aber in erste Linie aus Sicht der Bewohner und erst in zweiter Linie aus Sicht der planenden Institutionen und politischen Entscheidungsträger. Entstehungszusammenhänge und Wandlungen werden über einen Zeitraum von 57 Jahren ausgelotet.

In den Parzellengebieten Bremens entwickelte sich seit 1944 eine eigenwillige Bau- und Wohnkultur, deren Ursprung heute kaum noch bekannt ist. In der Notsituation der Kriegs- und Nachkriegszeit, als 61 Prozent des Wohnraums der Stadt zerstört war, nahmen einige Menschen ihre Geschicke selbst in die Hand. Sie schufen sich in den Kleingartengebieten eine Wohnstätte – anfangs mit, später ohne Bauerlaubnis – und organisierten sich eine lebenswerte Umgebung. „Kaisenhäuser“ wurden diese Parzellenwohnhäuser genannt: eine Anspielung auf den früheren Bürgermeister Wilhelm Kaisen, der sich für ihre Bewohner eingesetzt hat. Eine zweite Wohnwelle in den Parzellengebieten, die in den 1970er Jahren einsetzte, wird in der Studie ebenfalls thematisiert.

Kirsten Tiedemann konnte neue Sachverhalte aufdecken, wie eine „stille“ Generalamnestie von 1955 für sogenannte „Schwarzbauer“ oder die Herkunft der Bezeichnung „Kaisenhäuser“. Letztere ist auf ein Versprechen Wilhelm Kaisens zurückführen. Erstmals beschreibt Tiedemann außerdem Erfolge und Scheitern des Lösungsmodells „Gartenheimgebiet“, mit dem man versucht hatte, einzelne bewohnte Parzellengebiete in reguläre Einfamilienhaus-Wohngebiete umzuwandeln.

Von der Tatkraft und Entschiedenheit der Bewohner, von ihrer Widersetzlichkeit und vom sich wandelnden politischen Umgang mit den von ihnen geschaffenen Fakten handelt das Buch.

 

Kirsten Tiedemann, Mehr als ein Dach über dem Kopf, Bremens Kaisenhäuser

Verlag Bremer Tageszeitungen, Bremen 2012

ISBN 978-3-938795-39-2, Preis: 16,90 €

Direkt beim Verlag hier bestellen.

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Ganz überraschend kommt noch ein weiteres Kapitel zur Geschichte der Kaisenhäuser dazu. In Zukunft dürfen intakte Kaisenhäuser nach dem Ende des Auswohnrechts bestehen bleiben und als Gartenhäuser genutzt werden.

Wer mehr über die Hintergründe, zu Entstehung und DIY-Bauweise der Wohnhäuser auf den Parzellen in Bremens Kleingartengebieten und die unterschiedlichen Positionen im gefühlten hundertjährigen Tauziehen um die Wohnhäuser erfahren möchte, findet eine Fülle an historischen Informationen in meinem Buch  „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“.

Über 100 Fotos veranschaulichen die Wohnkultur. Viele Dokumente und Pläne sowie Bauzeichnungen illustrieren den gut lesbaren Band. Preis 16,90 €

Das Buch hat 136 Seiten und ist beim Weser-Kurier im Pressehaus in der Martinistraße in Bremen und im Bremer Zentrum für Baukultur erhältlich. Außerdem kann es hier online erworben und in jedem Buchhandel bestellt werden.

Kirsten Tiedemann, Mehr als ein Dach über dem Kopf, Bremens Kaisenhäuser, Verlag Bremer Tageszeitungen, Bremen 2012, Hg. Bremer Zentrum für Baukultur.                   ISBN: 3938795395

Wem gehört das Grün? VA im Speicher XI

Zur Diskussion „Wem gehört das Grün?“ holt das b.zb die Wallanlagen auf das Podium in den Roten Salon im Speicher XI. Keine der aktuell umstrittenen städtischen Grünlandschaften steht damit im Zentrum des Stadtdialogs des Bremer Zentrums für Baukultur/b.zb – sondern eine allseits geschätzte Grünanlage. Mit Siri Frech/Urban Catalyst Studio ist eine spannende Landschaftarchitektin für das Impulsreferat gewonnen worden, die Stadtforschungsprojekte und dynamische Planungsprozesse leitet. Weiterlesen

Bremen und seine Bauten – Buch und Vernissage

Wie die Stadt Bremen sich in der Nachkriegszeit städtebaulich neu erfand und den modernen, sozialen Wohnungsbau im großen Stile betrieb, um der über alle Erwartungen wachsenden Zahl der Einwohner Wohnraum bieten zu können, dazu erscheint in Kürze das Werk „Bremen und seine Bauten 1950-1979“. Erst 25 Jahre nach Kriegsende gelang die Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum,  worin übrigens ein wesentlicher Grund für die Verstetigung des Wohnens auf der Parzelle zu finden ist – aber dazu später mehr.

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Erkundungen an DIY-Architektur

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Erkundungen an DIY-Architektur

Prof. Eberhard Syring lädt seine Studierenden der School of Architecture Bremen wöchentlich zu Exkursionen mit unbekanntem Ziel ein. Die Geschichte von Bremens Kaisenhäusern als Do-it-yourself Architektur ohne Architekten und die daraus enstandene Gartenwohnkultur in Bremens Parzellengebieten (Kleingartengebieten) war Thema ihrer gestrigen Erkundung. Auf unserem Spaziergang durch das größte, zusammenhängende Kleingartengebiet, die Waller Feldmark, konnte ich am Beispiel des Wohnens auf der Parzelle in sogenannten Kaisenhäusern Einblicke in die örtliche Ausprägung informeller Stadtentwicklung vermitteln.
Foto: Eberhard Syring

…im Aufbau begriffen

Dieser Blog wird einen Überblick über aktuelle Projekte und Termine der Historikerin und Autorin Kirsten Tiedemann geben. Daneben gibt es Informationen zu früheren beruflichen Stationen. Das berufliches Profil von Kirsten Tiedemann finden Sie komplett auf xing.

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