In guter Gesellschaft

WienumbauterBaum

Dass die kreativen Bremer Parzellisten, die baumerhaltend Bauen, Vorreiter dieses Bauprinzips waren, muss bezweifelt werden. Sie befinden sich jedoch in guter Gesellschaft: In Österreich wird dieses Prinzip offenbar für den Erhalt alter Bäume im öffentlichen Raum genutzt. Wie ich es entdeckte? Ich war 2012 zur Ausstellungseröffnung von Hands-on Urbanism 1850-2012. Vom Recht auf Grün von Elke Krasny nach Wien gereist, weil darin mein Beitrag zum Leben auf der Parzelle und damit zur Geschichte der Kaisenhäuser in Bremen aufgenommen worden war. Die Kulturtheoretikerin Elke Krasny hatte viele internationale Beispiele zur Landnahme in der Stadt erkundet, Aktivisten befragt und Prinzipien einer Stadtentwicklung von unten analysiert. An der Bus- und Trambahnstation „Volkstheater“ konnte ich bei diesem Besuch ein vergleichbares Beispiel für die von Parzellisten in Bremen genutzte, wertschätzende Bauweise im Öffentlichen Raum entdecken.

Hands-on Urbanism bereist inzwischen als Wanderausstellung verschiedene Länder. Sie machte bereits in Venedig, Köln und Leipzig Station. Aktuell ist die Schau bis 28.5. in Bremen-Findorff in der Plantage 13 zu sehen.

Fotos: Kirsten Tiedemann

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Baumerhaltend bauen

LaubemitBirnbaum

Erst auf den zweiten Blick gibt diese alte Laube ein ganz besonderes Detail preis. Sie zeigt den kreativen Umgang mit einem Hindernis, das einer baulichen Erweiterung buchstäblich im Wege stand. Als Hausbaum war eine Birne gepflanzt worden, die inzwischen groß geworden war und köstliche Früchte trug. Dann entstand bei den Parzellisten offenbar der Wunsch nach einem Regenschutz über der Eingangstür der Laube. Auf den Obstbaum wollte man allerdings nicht verzichten. Plietsch wie sie waren, vergrößerten die Gartenpächter die Dachfläche zwar, ließen aber für den Stamm ausreichend Raum frei. Der Stamm wurde also kurzerhand umbaut, sodass sich beide Wünsche erfüllten: Die Früchte konnten von diesem Zeitpunkt an vom Dach aus geerntet werden und die Überdachung bietet einen Regenschutz.

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Fotos: Kirsten Tiedemann