„Eine Graswurzelbewegung“ – taz-Interview zum Pilotprojekt Wochenendhausgebiet mit Maike Schaefer

 

Das aktuelle Interview von Simone Schnase mit Maike Schaefer, Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bremer Bürgerschaft, zum Projekt, einige ausgewählte Kleingärten in Walle in ein Wochenendhausgebiet umzuwandeln. findet ihr in der taz-NORD am 21.7.2018.

Hier ein Auszug:

Bremer Grüne Schaefer über Kleingärtnerei

„Eine Graswurzelbewegung“

„In einem Pilotprojekt in Bremen-Walle soll die Umwidmung von Kleingärten zu Wochenendhäusern getestet werden. Maike Schaefer hofft auf einen Wandel.

taz: Frau Schaefer, es soll grün-grünen Streit über die Umwidmung von Kleingärten zu Wochenendhäusern geben – stimmt das?

Maike Schaefer: Nein. Die Frage war: Können wir in Bremen, was es bisher ja noch nicht gab, Kleingärten als Wochenendhausgebiete ausweisen. Und klar ist, und das ist auch grün-grüner Konsens: Wir wollen Kleingartengebiete beziehungsweise das Grün erhalten – anders als der Landesverband der Gartenfreunde.

Was will der denn?

Der will, dass Kleingärten, die brach liegen, Wohn- oder Gewerbegebiete werden. Wir wollen aber, dass diese Gebiete als Grünflächen erhalten bleiben. Hinzu kommt, dass es in einigen Vereinen schon lange den Wunsch gibt, in den Kleingärten auch mal übernachten zu können. Ich sehe keinen Grund, warum man das in Bremen nicht ermöglichen soll. Deswegen haben wir eine Anfrage gestellt an den Senat, um herauszufinden: Was sind eigentlich die Kriterien dafür?

Aber der grüne Bausenator fand die Idee nicht so gut …

Naja, er sagt, dass dann die Bebauungspläne geändert werden müssen und er befürchtet, dass in einem Wochenendhausgebiet die Leute dauerhaft wohnen werden. Aber das wollen wir ja auch nicht und das wollen die Kleingartenvereine ebenfalls nicht. Das lässt sich ja auch regeln, zum Beispiel über Maximalgrößen von Häusern.

Und was ist mit den Bebauungsplänen?

Ich habe festgestellt, dass man aus einem Kleingartengebiet, wenn der politische Wille da ist, ohne Probleme plötzlich ein Gewerbegebiet machen kann. So herum geht’s also schon. Das ist beispielsweise der Fall in der Hannah-Kuhnert-Straße am Flughafen. Dort ist der Landesverband der Gartenfreunde aktiv auf die Wirtschaftsbehörde zugegangen, weil sich der Kleingartenverein vor Ort quasi auflöst. Es ist natürlich schon verständlich, dass das Wirtschaftsressort ein Interesse daran hat, das bereits bestehende Gewerbegebiet um dieses Stückchen zu erweitern, aber trotzdem wollen wir Grünen eigentlich nicht, dass solche Gebiete auf diese Weise umgenutzt werden.

Ausgerechnet Gartenfreunde treiben eine solche Umnutzung auch noch voran?

Der Vorsitzende Herr Judel und Frau Drechsler, die Geschäftsführerin, haben sich letztes Jahr schon mehrfach öffentlich zu Wort gemeldet und gesagt: Wir wollen Geschosswohnungsbau in Walle. Mir ist das alles völlig unverständlich, denn eigentlich müsste es ja das ureigene Interesse eines solchen Verbandes sein, dass Grünflächen erhalten bleiben. Kleingarten hat ja, zumindest für mich, etwas mit Natur zu tun. Wir haben vorgeschlagen, größere leer stehende Parzellen zusammenzufügen und daraus Ausgleichsflächen zu machen. Aber der Landesverband findet, solche Flächen wären zu unordentlich.

Benötigt Bremen Ausgleichsflächen?

Ja. Es sind in der Vergangenheit viele Millionen für Ausgleichsmaßnahmen in Niedersachsen investiert worden, in der Drepteniederung beispielsweise, weil wir hier nicht genug Flächen haben.

Werden die Kleingärtner einbezogen in die Entscheidungen des Landesverbandes?

Nein, und das hat ganz viel Kritik hervorgerufen. Ich war bei der Landesdelegiertenversammlung dabei und da haben viele Vereinsmitglieder und -vorstände schon sehr deutliche Kritik geübt. Die wollen auch das Grün erhalten sehen. Und Bebauung bedeutet ja auch: Man braucht Zuwege, Kanalisation und so weiter – das schlägt ja Schneisen durch intakte Kleingärten.

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Schön ist auch der Schlusssatz:

„Kann die Umwidmung der Startschuss für einen grundlegenden Wandel der Kleingärtnerei in Bremen bedeuten?

Vielleicht, hoffentlich. Mehrere Vereine setzen sich ja schon seit Jahren dafür ein, Wochenendhausgebiet zu werden. Hier ist es ja nicht so, dass sich die Politik irgendwas ausgedacht hat, sondern dass die Idee von denjenigen immer lauter wurde, die es betrifft – das ist schon so etwas wie eine Graswurzelbewegung. Und dass die geplante Landeskleingartenverordnung abgelehnt wurde, ist auch ein Signal dafür, dass die Mehrheit anders denkt als früher, an Brutzeiten, an Insekten, an Natur, aber auch an Freizeit und Erholung. Die Leute wollen gärtnern, aber gemeinsam und solidarisch und nicht mehr wie vor 30 oder 40 Jahren, wo ein Kleingartenparadies einen mit der Nagelschere geschnittenen Rasen und Gartenzwerge bedeutete. Die wollen Natur und keine Nagelschere.“

 

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