Leserbrief zur Entwicklung einer neuen Gartenordnung

Es ist eindeutig entschieden worden: Auf ihrer Jahreshauptversammlung haben die organisierten Bremischen Gartenfreunde beschlossen, dass der Entwurf zur Gartenordnung für Bremen überarbeitet werden wird. Viele gute Leute mit umfangreicher Sachkenntnis werden daran mitwirken. Ein Leserbrief erreicht mich, der einen Beitrag zur anstehenden Diskussion an der neuen Gartenordnung darstellen kann und grundsätzliche Fragen aufwirft.

„Liebe Gartenfreunde
Die rege Diskussion über unsere Gartenordnung erfüllt mich mit Hoffnung. Selbst bin ich seit einigen Jahren Vorsitzender eines KV und hatte bis jetzt die Befürchtung, dass gewisse Leute beim Landesverband machen können was sie gerne wollen und die Kleingärtnergemeinde stimmt ohnmächtig und ohne großen Widerstand zu.
Das breite Interesse und vor allem die Ablehnung des Entwurfes des LV haben mich eines Besseren belehrt. Darüber bin ich sehr froh, zeigt es doch, dass sich die Kleingärtner nicht so einfach übergehen lassen und, wenn es darauf ankommt, immer noch mit Herz und Verstand bei der Sache sind. Nun sollten wir daraus aber auch eine kleine Verpflichtung ableiten. Auf breiter Basis sollten nun möglichst viele unserer Gartenfreunde an der Neugestaltung einer modernen Landesgartenordnung mitarbeiten. Denkt darüber nach was für Euch wichtig ist, redet und diskutiert in der Familie und mit Freunden darüber und tragt euren Vorständen wichtige Dinge vor. Es könnten daraus Eingaben an die einzusetzende Arbeitsgruppe entstehen, die dann letztlich von der Delegierten-Versammlung beschlossen werden könnten. Ich bin überzeugt, auf diese Weise können und sollten wir alle an der neuen Gartenordnung mitgestalten. Letztlich muss aber klar sein, dass auch eine neue, gewissenhaft ausgearbeitete Gartenordnung immer einen Mehrheitsbeschluss darstellen wird, der nicht jedem von uns zu 100% gerecht werden kann.
Persönlich bin ich deshalb der Meinung, dass eine Landesgartenordnung sich natürlich zuallererst an bestehende gesetzliche Vorschriften halten muss. Genauso wichtig (das verlangt auch das Bundeskleingartengesetz ausdrücklich) ist dann, dass in ihr regionale Unterschiede in den einzelnen Kleingartengebieten Berücksichtigung finden. Außerdem sollten gesellschaftliche „Kernentwicklungen“ in eine neue Gartenordnung einfließen.
Die jüngere Entwicklung unserer Gesellschaft in Bremen (und um die geht es uns doch hier) war, ist und wird auch noch lange Zeit vom allgemeinen demographischem Wandel, der radikalen Veränderung in der Arbeitswelt (Jobs die vielfach eben nicht von 8 bis 16 Uhr stattfinden, sondern teilweise weit davor oder danach anliegen), der signifikanten und sehr begrüßenswerten Zunahme von Geburten in Bremen und dem Zuzug von tausenden von Flüchtlingen geprägt sein. Das sind die Eckpunkte und diese müssen – wollen wir eine zukunftsfähige Gartenordnung entwickeln – unbedingt mit einfließen.
Wir wissen doch alle, tausende von Flüchtlingen werden auf Dauer hier bei uns bleiben. Nun was tun diese lieben Leute? Als erstes suchen sie eine Wohnung. Als zweites suchen Sie einen Job und als drittes – da bin ich mir ziemlich sicher – werden sie sich einen Garten suchen, um aus ihren Mietskasernen in die Natur zu kommen und um das zu tun, was in ihren Heimatländern für die Mehrzahl von ihnen selbstverständlich war – nämlich zu gärtnern!

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal auf den immer wieder eingebrachten Hinweis auf brachliegende und angeblich nicht verpachtbare Kleingärten eingehen:
Die Aussage, es gäbe zu viele Parzellen in Bremen und deswegen könnten wir beruhigt Flächen für irgendwelche anderen Nutzungen freigeben ist schlichtweg falsch und berücksichtigt das eben gesagte nicht. Es gibt nicht zu viele Parzellen. Sondern es gibt lediglich Verpachtungs-Hindernisse!! Bei uns im Verein ist die Nachfrage nach Gärten so groß, dass wir sie nicht befriedigen können. Auch bei uns gab es […] vermüllte oder brachliegende Parzellen. Dass solche natürlich keiner so ohne Weiteres freiwillig übernehmen will, ist doch völlig klar. Nun was haben wir getan um das zu ändern. Wir haben die Situation den Mitgliedern ausführlich dargestellt, diskutiert und ihnen auch vorgerechnet, wohin das auf Dauer führt – nämlich letztlich in die Insolvenz und damit der Auflösung des Vereins, weil Pachten vom Verein an die Landbesitzer gezahlt werden müssen. Der Verein aber weder Pacht noch Mitgliedsbeiträge einnimmt. Das führt zu einer Schere von Unterdeckungen in der Vereinskasse, die ständig und immer schneller am Bestehen des Vereins nagt. Danach gab es eine breite Zustimmung diese Situation zu ändern. Mit großer Mehrheit haben wir beschlossen, dass der zu leistende Gemeinschaftsdienst bis von jährlich 3 auf aktuell 6 Stunden (!) erhöht wurde. Die dadurch verfügbar gewordenen Ressourcen wurden eingesetzt, um alle diese Parzellen aufzuräumen und verpachtbar zu machen. Heute hat unser Verein alle diese Parzellen wieder verpachtet. Das bedeutet mehr Einnahmen für den Verein (und natürlich auch für den LV).
[…]

Nun hilft alle Kritik wenig – es muss nach vorn geschaut und klug darüber nachgedacht werden, wie wir es besser machen können. Nur meckern geht sowieso gar nicht – anpacken ist angesagt!
Grundsätzlich trete ich für eine weitestgehende Beibehaltung der Autonomie der Vereinsvorstände ein. Der LV hat mit seinem Entwurf versucht, dies heimlich still und leise zu ändern. Diesen „Machtstreben“ […] muss entschieden entgegen getreten werden. Der LV ist nicht die disziplinarisch vorgesetzte Dienststelle der KV und deren Vorstände. Der LV wird von uns am Leben gehalten, finanziert und gewählt. Er soll uns [gemeint sind die Kleingartenvereine, KT] und unsere Mitglieder unterstützen und beraten, unsere Interessen gegenüber der Politik und Gesellschaft wahrnehmen und sich ansonsten um die in seiner Satzung genau festgelegten und beschriebenen Aufgaben kümmern. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Hierzu nur eine Kernfrage: Warum betreibt der LV keine Lösungsfindung in Sachen nicht verpachteter/verpachtbarer Parzellen und warum betreibt der LV keinerlei Marketing zur Förderung von Verpachtungen?? Viele Mitbürger wissen schlicht gar nicht, wie günstig man an einen schönenGarten kommen kann.
Um eine moderne, zukunftsfähige bremische LGO [Landesgartenordnung, KT] zu entwickeln, ist, meiner bescheidenen Ansicht nach, eine zwingende Voraussetzung noch nicht erfüllt: Es gibt keine „Vision“! Eine Vision davon, wie das Kleingartenwesen der Zukunft (Kaisenhäuser u.v.a.) aussehen soll.
Der LV hat dazu keine Ideen, man hört sogar, dass Vertreter des LV einer Sitzung der Politiker zu diesem Thema trotz Einladung ferngeblieben sind. Diese Vision sollten wir gemeinsam entwickeln, dann wird das auch was mit den „…blühenden Gärten“!
Macht Euch bitte Gedanken und helft alle mit – ich bin sicher, dann wird das was!
Herzliche Grüße an alle Gartenfreunde und die die es noch werden wollen.
Euer U. Stuckenbrock“

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