Auch der Ton macht die Musik – Überlegungen einer Kleingärtnerin zur Gartenordnung

Emails und Anrufe gingen bei mir ein. Der Weser-Kurier verzeichnet auf seiner online-Ausgabe über 20 Kommentare. Es sind eine Fülle an Reaktionen auf den Artikel zur geplanten Gartenordnung mit Trampolin-Verbot in Kleingärten im Weser-Kurier vom 17.2.2018. Viele der Kommentare sind durchdacht und machen deutlich, dass es gute Gründe dafür gibt, die Gartenordnung zu liberalisieren.

Eine spontane Reaktion erhielt ich von einer, wie sie selbst sagt, „ahnungslosen“ Kleingärtnerin, die ziemlich angefasst war von dem, was das WK-Interview mit mir zutage gefördert habe. Von einer neuen Gartenordnung hatte sie bisher nichts aus dem „Gartenfreund“, der monatlich erscheinenden Verbandszeitschrift, erfahren. Die Gartenfreundin hat meine Kritik und auch die der Kleingartenrebellen auf deren Blog zustimmend zur Kenntnis genommen, und sich darüber hinaus unendlich an der Sprache gestört, in der der LV-Entwurf verfasst wurde. Deswegen hat sie sich die Mühe gemacht, etwas genauer hinzuschauen und das, was in der geplanten Gartenordnung als Sprache der Macht daher kommt, in einer Liste zusammengetragen. Ihre Überlegungen leisten einen weiteren Beitrag zur Diskussion um die geplante Gartenordnung, daher möchte ich sie nach Rücksprache mit der Autorin mit euch teilen.

***

„Anmerkungen zur Gartenordnung (Neuentwurf) des Landesverbandes (= Landesvorstands) Bremen

Auch der Ton macht die Musik

Aus der Sprache, in der die „Gartenordnung“ verfasst ist, spricht der Geist, aus dem sie geboren wurde.

In Ergänzung der inhaltlichen Kritik an der Gartenordnung (KleingartenrebellenKirsten Tiedemann im WK 17.2.18) habe ich eine Liste von Zitaten aus dem Entwurfspapier zusammengetragen, weil ich der Meinung bin, dass sich darin – gerade in der Aneinanderreihung – ein hochproblematisches Verhältnis des LV (Vorsitzenden?) zu den Bremer Kleingärtnern offenbart. Bis auf Ausnahmen ist dies durchgängig die Sprache, in der Anordnungen und Verbote erteilt werden. Diese Sprache verfasst, was hier „geordnet“ werden soll:

nicht das Miteinander von Gärtnern oder eine sinnvolle Bewirtschaftung von Gärten und Vereinsgeländen, sondern die ‚Macht‘ der Verfasser über die Gesamtheit der Kleingärtner und ihrer Vereine.

Die Sprache der Kontrolle legt nahe: Kleingärtner sind a priori Idioten oder mutwillige Gesetzesbrecher oder beides. Deswegen brauchen sie eine harte Hand – also einen alles kontrollierenden, regulierenden und verbietenden Führer   – vermutlich in Gestalt des Landesvorstandes – oder des Vorsitzenden selbst??

Zitate aus der Gartenordnung

geben die Gartenfreunde?? sich Regeln = ist nur der LV „die Gartenfreunde“?

sind stets zu berücksichtigen

sind zu pflegen und instand zu halten

ist … in Kenntnis zu setzen

sind … vorzulegen

ist einzuhalten

die so aufzustellen sind

einzuhalten ist

sind unzulässig

sind unzulässig

sind unzulässig

ist verboten

sind … umgehend zu beseitigen. durch den Pächter bzw. Störer

sind im Kleingarten unzulässig

sind im Kleingarten nicht zulässig

sind … maximal zulässig

sind … maximal zulässig

mindestens 1

5 m zulässig

mindestens 1 m zulässig

sind … maximal zulässig

sind … maximal zulässig

nicht überschreiten darf

sind … maximal zulässig

einzuhalten ist

ist … maximal zulässig

sind unzulässig

ist … zu erstellen und zu unterhalten

ist zwingend

sind zu pflegen, zu erhalten und gegebenenfalls zu ersetzen

einzuhalten ist

sind … durchzuführen

ist unbedingt zu beachten

sind heimische Arten zu verwenden

maximal zulässige

ist … anzupassen

ist zulässig

sind unzulässig

haben sich … zu orientieren

ist zu erhalten und zu fördern

sind … zu erhalten bzw. zu entwickeln

ist … verboten

hat … zu unterbleiben

sind zulässig

Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und biotopgestaltende Maßnahmen zur Erhöhung der Biodiversität in den Anlagen des Gemeinschaftsgrüns sind zulässig. nicht etwa: werden gefördert und unterstützt/begrüßt/ erwünscht

sind … abzustimmen, … fachgerecht anzulegen, zu pflegen und zu unterhalten.

sind …. fachgerecht zu entsorgen

sind unzulässig

Es ist verboten

ist jederzeit zu gewährleisten

sind unzulässig

ist … Rücksicht zu nehmen

sind unbedingt zu befolgen

ist der anliegende Pächter verpflichtet

ist verboten

sind pfleglich zu behandeln

sind dem Vereinsvorstand unverzüglich zu melden

sind grundsätzlich … zu verwerten

sind ordnungsgemäß zu entsorgen

ist … verboten.

ist … verboten.

sind unzulässig und müssen umgehend entfernt werden.

ist … frei zu halten

ist verboten

sind umgehend … zu beseitigen und ordnungsgemäß zu entsorgen

ist verboten

ist verpflichtet, … einzuhalten und … zu unterlassen

ist … verantwortlich

ist verboten

sind unbedingt einzuhalten

sind die …. Regelungen bindend

ist nur … zulässig

ist … verboten

Vorgaben sind einzuhalten

ist untersagt

ist… zu vermeiden.

sind … einzusetzen

ist unzulässig

sind … fernzuhalten

sind unverzüglich vom … zu beseitigen

ist Folge zu leisten

ist Folge zu leisten“

***

Der Name der Autorin ist der Redaktion bekannt.

 

2 Gedanken zu „Auch der Ton macht die Musik – Überlegungen einer Kleingärtnerin zur Gartenordnung

  1. Es ist schon stark, den Vorsitzenden des Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen als Diktator zu Beleidigen. Immerhin ist er mit der Mehrheit der Delegiertenstimmen
    ( 16000 Mitglieder) in dieses Ehrenamt gewählt worden.
    Ich habe den Eindruck, das die Gartenfreundin sich nicht den richtigen Kleingarten gesucht hat, wo sie ihre Vorstellung einer Kleingartennutzung ausleben kann. Es gibt auch private Kleingärntnervereine, die nicht Mitglied im Landesverband der Gartenfreunde organisiert sind.
    Kritik ist gut und sollte an richtiger Stelle, hier der Landesverband vorgebracht werde. Anonymität ist zwar gut und legal, aber nicht förderlich.
    Mit freundlichen Grüßen
    Wolff

    • Vielen Dank für deine Rückmeldung Wolff. Bei so einer weitreichenden Änderung kann es schon zu auch starken Reaktionen kommen, die dann in starken Worten Ausdruck finden. Eine Diskussion ist m.E. generell erwünscht und sollte nicht dazu führen, dass ein Kritiker woanders hingehen soll. Mit freundlichen Grüßen Kirsten Tiedemann

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