Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus [Veranstaltungen]

Erinnern für die Zukunft – Filme und diverse öffentliche Angebote zum Gedenken in Bremen

Seit 1996 ist der 27. Januar der „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ und damit ein nationaler Gedenktag, an welchem man in Deutschland, der EU und der Welt der über sechs Millionen Juden und der vielen anderen Opfer gedenkt, die während der nationalsozialistischen Herrschaft ermordet wurden. Das Datum selbst erinnert an die Befreiung der Überlebenden des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945. […]
2005 wurde der 27. Januar von der EU zum europäischen Gedenktag und im selben Jahr von den Vereinten Nationen zum globalen Gedenktag („International Day of Commemoration in Memory of the Victims of the Holocaust“) erklärt.
(Quelle: http://www.lpb-mv.de/cms2/LfpB_prod/LfpB/de/the/27.01._-_Tag_des_Gedenkens_an_die_NS-Opfer/index.jsp)

Das Gesamtprogramm für Bremen wird von einer großen Zahl von 50 Kooperationspartnern organisiert. Es gibt zwischen Anfang Januar und Ende März Lesungen, Filmvorführungen, Vorträge und Theaterstücke, die sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Erinnerung daran auseinandersetzen.
Programm Flyer Gedenktag 27. Januar 2017 (pdf, 414.7 KB)

In diesem Jahr möchte ich auf die öffentlichen Vorträge der Universität Bremen zum Gedenken aufmerksam machen. Sie finden im GW 1 (gegenüber Universum) ab 16.00 Uhr statt.

An der Universität Bremen wird der Gedenktag 2017 dieses Mal vom Fachbereich Sozialwissenschaften ausgerichtet und mit drei kurzen Vorträgen gewürdigt. Zum einen beschäftigt sich Dr. Tomasz Łysak in seinem Vortrag „Hunger in the Warsaw Ghetto“ mit dem Überleben im Warschauer Ghetto durch das Einschmuggeln von Lebensmitteln. Eine Nazi-Filmcrew hat sich mit dem Lebensmittelschmuggel beschäftigt und ihn als Beweis für die „jüdische Unmoral“ dargestellt. Tomasz Łysak ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Spezielle und Interkulturelle Kommunikation, Fakultät für Angewandte Linguistik an der Universität Warschau. Der Vortrag beginnt um 16 Uhr im Hörsaalgebäude GW 1 (gegenüber Universum). Interessierte sind herzlich eingeladen.

Die Bedeutung der „Hungerpolitik“ im Nationalsozialismus

Im Anschluss findet der VortragVernichtung durch Hunger: literarische Stimmen“ statt. Der Referent ist Wolfgang Kissel, Professor für Kulturgeschichte Ost- und Ostmitteleuropas am Institut für Geschichtswissenschaft der Uni Bremen. Der Experte für slavistische Kultur- und Literaturwissenschaft hinterfragt in seinem Vortrag die Bedeutung von „Hunger“ bei der systematischen Entmenschlichung der Juden und anderer Minderheiten durch die Nazis. Denn die Zuteilung oder Verweigerung von Nahrung, die sogenannte Hungerpolitik des NS-Staats, spielte eine Schlüsselrolle, die immer noch unterschätzt wird. Die Tortur durch Hunger und Durst und das Töten durch Verhungern- und Verdursten-Lassen wurden in den Vernichtungslagern gängige Praxis. „Das Lager ist der Hunger. Wir selber sind der Hunger, der lebende Hunger”, schrieb Primo Levi in seinem Erinnerungsband „Ist das ein Mensch?“ Die Stimmen von Levi und anderen Überlebenden werden in dem Vortrag zu Gehör gebracht.

Hunderte von Widerstandsliedern entstanden in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern

Zum Abschluss beschäftigt sich Dr. Juliane Brauer nochmals mit dem Thema „Hunger“ allerdings aus musikalischer Sicht in ihrem Beitrag „Choral aus der Tiefe der Hölle“. Sie analysiert Hunger und Widerstand in den Liedern, die in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern entstanden sind. In ihnen beschreiben die Gefangenen ihre Ängste und Verzweiflung, aber auch ihren Mut und ihre Hoffnungen. Juliane Brauer ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung im Forschungsbereich „Geschichte der Gefühle“.

Eröffnet wird die Gedenkveranstaltung vom Konrektor für Lehre und Studium der Universität Bremen, Professor Thomas Hoffmeister und dem Dekan des Fachbereichs Sozialwissenschaften, Professor Bernd Zolitschka.

Die Universität Bremen lädt herzlich ein, an den Vorträgen zum Tag des Gedenkens am 27. Januar 2017, um 16 Uhr, Hörsaalgebäude GW 1 (gegenüber Universum), teilzunehmen. Klick hier.

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