Worpswede eine Kleingartenkolonie? [Filmtipp]

Worpswede eine Kleingartenkolonie? Die Kleingärtner von Worpswede? Ich stutze. Gibt es überhaupt Kleingärten in der (früheren) Künstlerkolonie Worpswede & was kann an ihnen so besonders sein, dass sie in einem Film auftauchen? Es ist ein Kinofilm, keine Dokumentation. In der Süddeutschen Zeitung geben diese Kleingärtner sogar einen Titel ab. Hm.

In dem Film Paula, der noch ein paar Tage in der Gondel in Bremen gezeigt wird, ist mehrmals von den Kleingärtnern von Worpswede die Rede. Das kurze, intensive berufliche Leben der wegweisenden Künstlerin Paula Modersohn-Becker wird in dem Film in Szene gesetzt. Wußtet ihr, dass sie die erste Künstlerin war, der in der BRD ein Museum gewidmet wurde? Dass führende Künstler der Kolonie Worpswede ihr Talent komplett infrage stellten? Sie über großartige Fähigkeiten verfügte, mit denen sie den frühen Expressionismus prägte? Dass sie ihre Ziele trotz massiver Widerstände über lange Zeit kontinuierlich verfolgte? Sie hinterläßt rund 750 Gemälde, 1000 Zeichnungen und 13 Radierungen als sie vor 101 Jahren im Alter von 31 Jahren im Wochenbett stirbt.

Die eingeschworene Gemeinschaft der Maler der Künstlerkolonie Worpswede ist es, die Rainer Maria Rilke im Film mehrmals als Kleingartenverein bezeichnet. Ihr könnt euch noch ein paar Tage lang ein Bild davon machen, ob die Kle … ähm Künstler im Film vom Dichter Rilke als rückwärtsgewandte, engstirnige, kleinkarierte Kleingärtner diffamiert, oder die Kleingärtner vielleicht doch zu offenen, dem Neuen gegenüber aufgeschlossenen Künstlern aufgewertet werden sollen. Ich empfehle euch den Film sehr gerne.

Paula (AT) Regie: Christian Schwochow Kamera: Frank Lamm Szene 003p3 Paula begegnet Bredow. abgeb.: Paula Becker (Carla Juri) Foto: Martin Valentin Menke

Paula (AT), Regie: Christian Schwochow, Kamera: Frank Lamm, Szene 003p3: Paula begegnet Bredow. Abgeb.: Paula Becker (Carla Juri), Foto: Martin Valentin Menke [Quelle]

 

 

 

„Paula Modersohn-Becker bestand darauf, das Malen zu lernen, obwohl Kunstakademien noch keine Frauen aufnahmen, und nur weil sie sich durchsetzte, konnte sie dann den frühen Expressionismus prägen. […]

Man sieht sie erstarrt in der ersten Szene, versteckt hinter einem ihrer Bilder, und wenn sie hervorlugt, fängt sie gleich an, mit ihrem Vater zu debattieren, weil sie unbedingt einen Malkurs belegen will. So lernt sie dann bald Otto Modersohn kennen und gerät an die Künstlergemeinde von Worpswede, wo sich ihr alle überlegen fühlten, obwohl ihr keiner das Wasser reichen konnte. Das mit der Emanzipation ist noch neu, und Otto Modersohn muss sich ständig gegen die Ratschläge seiner malenden Freunde wehren, die dem bunten Treiben gerne ein Ende setzen würden. Worpswede? „Ein Kleingartenverein“, sagt einer ihrer Förderer in Paris.“

Susan Vahabzadeh in Süddeutsche Zeitung 18.12.2016

Paula (AT) Regie: Christian Schwochow Kamera: Frank Lamm Szene 083 Clara und Paula brechen ins Rodins Atelier ein. abgeb.: Clara Rilke-Westhoff (Roxanne Duran), Paula Modersohn-Becker (Carla Juri) Foto: Martin Valentin Menke

Paula (AT), Regie: Christian Schwochow, Kamera: Frank Lamm
Szene 083: Clara und Paula brechen ins Rodins Atelier ein.
Abgeb.: Clara Rilke-Westhoff (Roxanne Duran), Paula Modersohn-Becker (Carla Juri)
Foto: Martin Valentin Menke. [Quelle]

 

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