Guck‘ in die Luft! Vom Glück am Himmel

kranicheVielstimmiges Trompeten erklingt in diesen Wochen immer einmal wieder über Bremen. Wer den Blick suchend über den Himmel schweifen lässt, wird diese oder ähnliche V-Formationen, wie sie folgende Fotos zeigen, noch bis Mitte November entdecken können. Es sind Zugvögel auf dem Weg in ihr Winterquartier. Wildgänse krächzen und Enten quaken während sie unsere Stadt auf dem Luftwege passieren. Kraniche, die über unserer Stadt seit einigen Jahren in immer größerer Häufigkeit und Menge zu sehen sind, kündigen ihr Kommen mit dem charakteristischen Trompeten an. Diese elegant wirkenden großen Schreitvögel galten in verschiedenen Kulturen als Vögel des Glücks (griech. Mythologie/Japan) und standen für ein langes Leben, Treue und Weisheit (China). In der Dichtung ist der Kranich als Symbol für die Erhabenheit der Natur zu finden. Warum lassen sich nun eigentlich seit einigen Jahren mehr und mehr Kraniche über Bremen blicken? Grund hierfür ist die erfolgreiche Renaturierung von Moorflächen rund um Bremen, genauer der Teufelsmoor-Hammeniederung nahe Worpswede, der Hochmoorlandschaft bei Glinstedt/Gnarrenburg und der Diepholzer Moorniederung. Die eleganten, graugefiederten Großvögel mit ihrer Höhe von bis zu 1,35 Meter und einer Spannweite der Flügel bis 2,45 Meter legen hier auf ihrem Weg bevorzugt eine mehrtägige bis mehrwöchige Rast ein, denn sie finden in den flachen Gewässern der Mooren den bevorzugten Platz für eine sichere Nachtruhe – sie schlafen im Wasser stehend, sodass Füchse sie nicht erreichen können. Tagsüber laben sie sich an dem Nahrungsangebot abgeernteter Felder und stärken sich so für den bevorstehenden Flug in den Süden Europas. Kranichflug über Bremen

Im Herbst 2006 waren es kaum 5000 Tiere, die gleichzeitig in der Teufelsmoor-Wümmeniederung rasteten. Inzwischen sind es um die 20.000 Vögel, wie geübte, ehrenamtliche Zähler der Biologischen Station Osterholz-Scharmbeck geduldig ermittelten. Vgl. BIOS

Der Kranich-Zug folgt übrigens einer strengen Ordnung. Vorneweg fliegen die kräftigsten und erfahrensten Tiere, ihnen folgen die Familien mit den Jungtieren. Während des Flugs orientieren sich die Anführer an Landmarken, zum Beispiel an Bergen und Seen, vor allem aber an Flüssen. Womöglich haben sie auch einen Sinn für das Erdmagnetfeld, aber das ist noch nicht ausreichend erforscht.

Die Federtiere, die diese westeuropäische Route der Zugvögel nutzen, kommen aus ihren Brutgebieten in Skandinavien, dem Baltikum, Polen und Deutschland. Ihr Ziel sind vor allem die Extremadura in Andalusien/Spanien und Gebiete in Nordafrika. Kraniche ziehen hauptsächlich bei Hochdruckwetter, denn dann können sie sich von den Ostwinden tragen lassen und Kraft sparen. Dabei erreichen sie Fluggeschwindigkeiten von um die 65 Kilometer pro Stunde. Sie sind sehr ausdauernde Flieger und können Strecken von bis zu 2000 Kilometern ohne Pause zurücklegen. Solche Langstrecken sind aber die Ausnahme; in der Regel beträgt eine Tagesetappe bis zu hundert Kilometer.Kranichflug über Moor

Es ist ein außergewöhnlich beeindruckendes Schauspiel der Natur, wenn sich mehrere tausend Kraniche in der blauen Stunden trompetend am Himmel versammeln, gemeinsam mit Wildgänsen und -enten in der Luft schwärmen, um sich anschließend zur Nachtruhe niederzulassen. Ein spektakuläres Beispiel für Schwarmintelligenz, dem ich lange andächtig zusehen kann.zugvoegel_schulschiffdtl

Eine vogelkundliche Führung zu einem der Rastplätze der imposanten Flieger ermöglicht es, solch ein Naturschauspiel zu erleben. Die Touristen-Information Worpswede, der NABU Bremen und die Biologische Station Osterholz-Scharmbeck   BIOS bieten im Herbst orts- und fachkundige Veranstaltungen an, die ich meinen Leserinnen und Lesern sehr empfehlen kann.Kranichflug + Kulisse

Das typische Trompeten und den Flug von Kranichen zeigt ein schöner clip auf youtube hier klicken. Es ist ein Trailer für einen Unterrichtsfilm WBF – Innovative Medien für den Unterricht.

Fotos von Heide-Marie Härtel und Kirsten Tiedemann

 

2 Gedanken zu „Guck‘ in die Luft! Vom Glück am Himmel

    • Danke dir für das schöne Kompliment. Gern schreiben ich von so einem beeindruckenden Erlebnis & noch lieber tue ich das, wenn der Bericht auf Interesse stößt!

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