Kaisenhaus von heute

Die kleinen Wohnhäuser sind ganz unterschiedlich gestaltet. Dieses intakte Kaisenhaus fand ich in einem Kleingartengebiet im Bremer Süd-Osten im vergangenen Sommer. Kaisenhaus

 

Foto: Kirsten Tiedemann

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2 Gedanken zu „Kaisenhaus von heute

  1. Liebe Kirsten
    Was genau sind eigentlich Kaisenhäuser? Ist dieses nach den Kriegsjahren entstanden. oder erst in den 50er Jahren?

    • Huhu Uwe! Du weißt sicher, dass „Kaisenhäuser“ eine umgangssprachliche Bezeichnung für die meist kleinen Wohnhäuser in den Kleingartengebieten Bremens ist, die in der Nachkriegszeit angesichts massiver Wohnungsnot errichtet worden sind. Anfangs als Notlösung gedacht, verstetigte sich das Wohnen auf der Parzelle, denn die Stadt hatte bis Ende der 1960er/ Anfang der 1970er Jahre keinen ausreichenden Wohnraum für seine Bevölkerung. Wohin also mit den etwa 80.000 Menschen, die Ende der 1950er Jahre verteilt in allen Parzellengebieten der Stadt gelebt haben? Und weil der Mensch mit Familie nicht auf Jahrzehnte auf 10 oder 30 Quadratmeter eingepfercht wohnen „möchte“ und in seinem Haus effektiveren Kälteschutz statt Holzwand oder 1/2 Stein Mauerwerk haben „möchte“, wurden die anfangs einfachen Behelfsheime vergrößert und qualitativ verbessert. Die wenigsten Menschen wollen jahrzehntelang in einer Bretterbude wohnen und aufgrund dessen sozial ausgegrenzt werden, oder? Errichtet wurden Kaisenhäuser in Eigeninitiative sowohl in der unmittelbaren Nachkriegszeit und auch in den 1950er Jahren. Anfangs war das in einer bestimmten Größe gestattet, ab 1950 dann verboten. Trotzdem wurden auch neu errichtete und bewohnte Bauten nachweislich über Jahrzehnte amtlich und politisch geduldet. Der Grund hierfür war die lang anhaltende Wohnungsnot in der Stadt. [Bremen ering es wie vielen anderen Städten auch, vgl. Kiel, Berlin u.a.m.] Der Name für die Häuser bezieht sich auf Bürgermeister Wilhelm Kaisen, der die Bevölkerung sogar zum Bau von Behelfsheimen in Kleingärten aufgefordert (1945) und den darin lebenden Menschen später ein lebenslanges Wohnrecht zugesagt hat (1955). Für diese Bauten erhielten die Menschen keine finanzielle Unterstützung. Vor allem Kaisens Versprechen, auf Lebenszeit im Garten wohnen zu dürfen, führte zur Nutzung der umgangssprachlichen Bezeichnung „Kaisenhäuser“. Kaisen setzte sich übrigens bis zum Ende seiner Regierunsgzeit und höchst wahrscheinlich auch noch darüber hinaus für die Parzellenbewohner ein. Hier mal einige Sätze von ihm aus Sitzungen des Senats: Bürgermeister Kaisen wies die Senatoren auf die konkrete und faktische Entlastung der Stadt durch die Bautätigkeit in Kleingartengebieten hin: “…den Bewohnern müsse zugute gehalten werden, dass sie sich durch Selbsthilfe vorwärtsgebracht hätten.”, und setzt nach: “Es wäre daher interessant zu erfahren, was an Kosten entstanden wäre, wenn diese Parzellenbewohner in festen Häusern hätten untergebracht werden müssen.” (Senatssitzung am 23.1.1962). In diesem Sinne äußerte sich auch Senator Willy Dehnkamp: “Er erinnert daran, dass die Kleingärtner nach dem Kriege durch die Errichtung von Behelfsheimen für Wohnzwecke der Stadt wesentliche und schwierige Aufgaben, die sonst von dieser hätten gelöst werden müssen, abgenommen hätten.” (Senatssitzung am 18.5.1955). Willst du weitere Zitate lesen? Dann schau in meinem Beitrag vom Juni 2014.
      1974 wurde das lebenslange Wohnrecht in einer Dienstanweisung schriftlich fixiert und 2002 noch einmal bestätigt.
      Zu deiner Frage: Gleichgültig, ob das auf dem Foto abgebildete Haus in den 1945-49 Jahren errichtet und in den 1950er Jahren erweitert wurde, oder erst in den 1950er oder 1960er Jahren gebaut wurde, es wird als Kaisenhaus bezeichnet. Und: Dieses Kaisenhaus ist bis heute gut gepflegt worden.

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