Kaisenhäuser werden Weltkulturerbe der UNESCO

Unerwartete und überraschend ist eine Lösung für die Causa „Kaisenhäuser“ in greifbare Nähe gerückt. Ein Antrag auf Anerkennung als immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe ist auf dem Weg und hat sehr große Chancen, dass er in Kürze positiv beschieden werden wird.

Wissenschaftlich wird die Bedeutung von Bremens Kaisenhäuser bereits über die Landesgrenzen der Bundesrepublik hinaus erkannt. Parallel zum Schreiben an meinem historischen Sachbuch „Mehr als ein Dach über dem Kopf – Bremens Kaisenhäuser“ durfte ich einen Beitrag verfassen zur umfangreichen Ausstellung „Hands-on Urbanism 1860-2012. Vom Recht auf Grün“ der Kulturtheoretikerin Elke Krasny/Wien, in der sie über 20 Beispiele aus aller Welt aus Geschichte und Gegenwart zusammengetragen hat. 2012 war die Schau mit meinem Beitrag „Wohnen auf der Parzelle – Bremens Kaisenhäuser“ im Architekturzentrum Wien zu sehen. Im selben Jahr war Krasnys Ausstellung auf der Biennale in Venedig vertreten, seitdem reist sie als gleichnamigen Wanderausstellung in verschiedene Städte weiterer Länder (Leipzig/Bremen/Aarhus/Toronto/Washington u.a.). Kürzlich hatte ich das besondere Vergnügen, Andrea Kleist/Senior Urban Strategist, Melbourne/Australien auf einem Spaziergang einige geschichtsträchtige Kaisenhäuser in Bremens Parzellengebieten zu zeigen. Die Stadtplanerin Andrea Kleist und die Wissenschaftlerin Elke Krasny, beide interessieren sich für die komplexen Prozesse der Stadtentwicklung u.a. mit dem Focus auf partizipative Elemente und die von politischer Seite (gewollte oder) ungewollte Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Gestaltung städtischer Räume. Da Kaisenhäuser bereits seit 70 Jahren existieren, das Wohnen auf der Parzelle in Bremen sogar seit 90 Jahren, besteht die einmalige Chance, solch eine Entwicklung, die als Bestandteil individueller Lösungsstrategien auf eine massive Wohnungskrise mitten in Europa verstanden werden kann, über einen langen Zeitraum zu analysieren. Architektur- und Sozialhistoriker*innen finden hier ein attraktives Forschungsfeld.

Diese hohe Bedeutung legt die logische Schlussfolgerung nahe, dieses besondere kulturelle Erbe, das Bremens Kaisenhäuser ohne Frage darstellen, anzuerkennen und die letzten noch existierenden intakten Gebäude als historische Artefakte langfristig zu erhalten. Welcher Weg soll sinnvoller Weise eingeschlagen werden, um diese Wohnhäuser als zeitgeschichtlichen Bestandteil der DIY-Baukultur sogenannter kleiner Leute für künftige Generationen zu sichern? Erfreulicherweise wird die bisher unterschätzte Bedeutung nun auch von der Bremer Landesregierung erkannt. Die Spitzenpolitiker beschreiten daher nun einen geeigneten Weg: Ziel ist es dabei, Kaisenhäuser als immaterielles Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. Die zuständigen Stellen in der Bremer Landesregierung und Verwaltung (Senator für Umwelt und Bau, Landesamt für Denkmalpflege sowie Bürgermeister und Präsident des Senats) reichen den entsprechenden Antrag bei der Kultusministerkonferenz der Länder ein. Vorgespräche lassen mit großer Wahrscheinlichkeit erwarten, dass der Bremer Vorschlag in die deutsche Vorschlagliste für immaterielles Weltkulturerbe an die UNESCO aufgenommen werden wird, denn Kaisenhäuser sind entscheidend von Wissen und Können der Erbauer getragen und bringen deren Kreativität und Erfindergeist zum Ausdruck. Kaisenhäuser sind identitätsstiftend. Es sind Produkte einer handwerklichen Kunst, die damit geschützt werden. Damit finden sie sich in der Definition der Formen immateriellen Kulturerbes der UNESCO wieder:

„Formen immateriellen Kulturerbes sind entscheidend von menschlichem Wissen und Können getragen. Sie sind Ausdruck von Kreativität und Erfindergeist, vermitteln Identität und Kontinuität. … Zu den Ausdrucksformen gehören Tanz, Theater, Musik und mündliche Überlieferungen wie auch Bräuche, Feste und Handwerkskünste.“ 

Von der Anerkennung der Kaisenhäuser als immaterielles Weltkulturerbe, und die damit verbundene Popularität, werden alle Beteiligten profitieren: Die Stadt Bremen wird um eine historisch bedeutsame Attraktivität reicher, mit der eine neue Zielgruppe von Touristen angesprochen werden kann. Die Kaisenhausbesitzer wissen sich rechtlich abgesichert und werden in den Erhalt der kleinen Wohngebäude investieren, da diese nach dem Auslaufen des Wohnrechts dauerhaft als Gartenhäuser genutzt werden können. Das Potential der kleinen Häuser als Gartenhäuser erkennen schon jetzt weitere Interessenten, wie ich kürzlich hier in meinem Beitrag „Kaisenhaus mit Zukunft“ vorstellte. Last but not least werden die Kleingartengebiete durch den neuen, international anerkannten, schützenswerten Status der Kaisenhäuser positive Aufmerksamkeit erhalten, wodurch auch die Kleingärten aufgewertet werden. Die Nachfrage nach Gärten wird ansteigen.

Die hohe kulturelle Bedeutung von Kaisenhäusern soll inzwischen auch von Mitgliedern im Landesverband der Gartenfreunde Bremen e.V. erkannt worden sein. Zwar fallen  offizielle Mitteilungen noch anders aus, aber gut informierte Kreise berichten, dass Mitglieder des Landesvorstands die weitsichtige Vermutung geäußert haben, dass ein Verfahren zur Anerkennung von Kaisenhäusern als Weltkulturerbe bald in Gang gebracht werden würde. Einer derart bedeutsamen Ehrung der regionalen Geschichte die fester Bestandteil des Kleingartenwesens ist, wird man sich nicht entgegen stellen werden. Man sei von der positiven Wirkung zum Wohle des Kleingartenwesens überzeugt, wird gesagt.

[Nachtrag vom 4.4.: Dieser Beitrag war ein Aprilscherz.]

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2 Gedanken zu „Kaisenhäuser werden Weltkulturerbe der UNESCO

    • Aber Uwe, wie kommst du denn darauf? Staunst du nicht wie ich auch darüber, dass die Vorbereitungen des Antrags so konsequent geheim gehalten wurden? Schönes Frühlingswochenende wünsche ich!

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