Nicht alternativlos: Es kommt Farbe ins Spiel – Orange

Die freien Fotokünstlerin Ulrike Widmann/Dessau macht auf ihrem Blog Ulrike Widmann – Fotografie einen virtuellen Ausflug in winterlich karge Kleingartengebiete in der BRD, ohne sie genauer zu verorten. HIER HRRSCHT ORDNUNG AUF DTSCHM BODEN titelt ihr Beitrag, wohl in Anspielung auf die Spießigkeit, ‚Ordnungsliebe‘ und Regelversessenheit, stereotype Vorurteile, die Kleingärtnern seit vielen Jahren allgemein entgegengebracht werden und sich in vielen der gezeigten Bildern zu spiegeln scheinen.

Die von Ulrike Widmann gesichtete Praxis ist nicht aternativlos: In meiner mehrjährigen Beschäftigung mit dem Thema konnte ich zumindest für Bremen feststellen, dass es in der Gartenpraxis von Kleingärtner*innen eine Öffnung gibt, es findet sich nicht nur der die Chemiekeule schwingende, pingelige Gartenbeherrscher im Kleingarten. Es gibt eine Öffnung hin zu mehr (gärtnerischer) Vielfalt. Das ökologische, nachhaltige Gärtnern, das seit den 1990er Jahren bereits von einigen Pächter*innen in manchen Gärten praktiziert wird, erhält aktuell einen neuen Schub. Kompost und Co sind inzwischen üblich. Hochbeete werden immer mehr genutzt. Hier wird ein Teich als Lebensraum für Amphibien angelegt und eine Totholzhecke für Insekten und Vögel, dort eine Permakultur nach den Prinzipien eines naturnahen Kreislaufs. Das geht nicht immer ohne Diskussionen mit Gartennachbarn und Kleingartenvorstand ab, aber es gibt eine deutlich sichtbare Bewegung in der Sache hin zu einer größeren Vielfalt, zu der auch das ökologisch nachhaltige Gärtnern gehört. Bei den Parzellenpächter finden sich neben Familien und Renterpaaren auch Singles, Freundinnen und private Gartengemeinschaften sowie Menschen verschiedener Nationalitäten – Portugiesen, Japaner, Marokkaner und Türken, Ukrainer und andere. Bereits vor einigen Jahren haben sich zwei türkische Kleingartenvereine gegründet. Internationale Gärten, Kinder-Lerngärten, integrative Beschäftigungsprojekte. Mit „Unser Gartenblatt“ engagiert sich ein generationsübergreifendes Team für eine lebendige Mitte in einem Kleingartenverein. Schaut man genauer hin, sind nicht wenige offene Menschen da, die Kleingärten nutzen, und mit ihnen Impulse und Bewegung – beides hilft, verkrustete Strukturen und Vorstellungen zu verwandeln.

Nach dem Lesen des Beitrags von Ulrike Widmann ist mir eigentlich zum ersten Mal bewusst geworden, dass inzwischen auch viele Gartenlauben in Bremens Kleingartengebieten farbenfroh gestaltet werden. Von diesen Lauben gebe ich einige Eindrücke – heute sind es Variationen von Orange.

Nachtrag am 18.2.

orangegruen

orangerot

 

orangelilaFotos: Kirsten Tiedemann

Ergänzung am 10.2.16

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6 Gedanken zu „Nicht alternativlos: Es kommt Farbe ins Spiel – Orange

  1. Pingback: Nicht alternativlos! | Ulrike Widmann • Fotografie

  2. Die Kleingartenszene in Bremen ist mir nach Deiner Beschreibung sehr sympathisch!!! Da hätte ich direkt Lust, in einem ökologisch orientierten Kleingartenverein mitzumachen. Die von mir fotografierten Gärten befinden sich in Sachsen-Anhalt, wo das Durchschnittsalter der Bürger / Gartenbesitzer aus bekannten Gründen recht hoch ist und in vielen Gartensparten der Nachwuchs fehlt.

    • Liebe Ulrike, es freut mich, dass dir die Eindrücke gefallen! Ich hoffe, dass die von dir gezeigten Gärten wieder Liebhaber finden, die sie mit etwas Geschick und Kenntnisse in feine grüne Oasen verwandeln. Gespannt bin ich auf die nächsten abstrakten Fotos von dir! Grüße nach Dessau.

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