Schade drum. [Kommentar]

Ein, zwei außergewöhnlich gestaltete Gärten, individuelle DIY-Lauben und besondere Charaktere, die ihre Parzelle als Rückzugsort, als Oase in der Großstadt genießen oder neue Gartenprojekte: Ich war gespannt auf Bilder, Eindrücke und Geschichten in der Wochenserie „Großstadtoasen“ von Radio Bremen und habe auf Beiträge gehofft, jenseits des gebetsmühlenartig wiederholten Vorurteils vom spießigen Kleingärtner der seinen Paragraphendschungel huldigt. Auch wenn mich die historischen Filmausschnitte gefreut haben, insgesamt bin ich entäuscht.

Liebe Leute, es gibt soviel mehr zu finden! Seit den 1988er Jahren, als Robert Bücking wegen etwas Kraut im Kleingarten abgekanzelt wurde, haben soviele andere Parzellisten mit ökologischem Ansatz ähnlichen Vorwürfen getrotzt, und sind auf ihren Parzellen geblieben. Sie haben in vielen Kleingartenvereinen dazu beigetragen, dass sich im letzten Vierteljahrhundert (!) vieles an Starre gelockert hat. Und ja klar, es gibt sie wirklich immer noch, die spießigen Kleingärtner, wie sie im Buche stehen. Und sie sind oft auch Funktionäre in den Vereinen. Aber, inzwischen gibt es eben auch die anderen, die freiheitsliebenden, alternativen Gärtner. Und das sind nicht wenige! Und es gibt ganz, ganz viele Formen zwischen dem Rasenkantenschneider und der Liebhaberin des Wildwuchs‘. Aktuell kommen wieder viele jüngere Leute und Impulse  der Urban Gardening-Bewegung in Bremens Parzellenkultur, dass es sich wirklich lohnt, diese neuen Strömungen aufzuspüren und ihnen nachzugehen. Wer thematisiert, dass die Stadt in der Waller Feldmark Kleingartenflächen als ökologische Ausgleichflächen für Bauten in Überseestadt und bei Aceor Metall ausweist und dafür auch EU-Mittel erhalten soll? Da erscheint es plötzlich in ganz anderem Licht, dass die Stadt das Gebiet vernachlässigt und verlassene Kaisenhäuser dort jahrelang sich selbst überlassen zu Ruinen werden. Und es gibt den brandaktuellen Streit in der Koaltition um das Wohnen auf der Parzelle in Kaisenhäusern. Lauter Themen, die für Bremerinnen und Bremer von Interesse sind.

Statt dessen wird wiedergekäut, was als Vorurteil nun wirklich jedem hinlänglich bekannt ist. Wenn es so weitergeht, wie in den ersten beiden Folgen, dann hat buten und binnen hier eine echte Chance verschenkt. Schade drum.

Hier lassen sich die Folgen online ansehen: buten und binnen.

aktualisiert. 11.50 Uhr

4 Gedanken zu „Schade drum. [Kommentar]

    • Ja, ich bedaure es.
      Hach, und ich freue mich auf all die spannenden Themen, die interessanten Menschen und Projekte, die in den Parzellengebieten auf mich warten!

  1. So ähnlich kommentiert auch eine Silke Meyer auf der Seite von B&B nach dem ersten Beitrag der Reihe:
    „Die Gartenordnung wird von Unkundigen ja gern als Regelwerk von Spießern belächelt. Sie resultiert aber aus vielen Jahren Erfahrung mit Gartenbau und Nachbarschaftsrecht und regelt das soziale Miteinander. Wenn die Größe eines Baumes oder die Höhe einer Hecke vorgegeben werden, dann zum Schutz der Nachbarinteressen: große Bäume werfen Schatten und ziehen Grundwasser – im Umfeld lässt sich nichts anderes mehr anbauen. Hohe Hecken isolieren sozial – möchten Sie an einem verbarrikadierten Fort Knox spazieren gehen ohne Blick auf das Grün und die Blumen dahinter? Es wäre schön, wenn B&B mal aus den Kinderschuhen dieses polarisierenden Blicks (hier die überlegenen Nichtjäter, ganz freie Menschen, da die beklemmenden Spießer, die mit der Nagelschere …) heraus käme. Kleingartenalltag lässt sich auch mit dem erwachsenen, sachlichen Blick unterhaltstauglich dokumentieren. Erfordert aber mehr inhaltiche Einarbeitung als die Präsentation von alten Klischees.“

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