Alte Holzschutztechnik

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Historische Fotos von Parzellen geben Hinweise auf eine alte Holzschutztechnik, die offenbar etwa seit der Jahrhundertwende um 1900 vielfach eingesetzt wurde. Einfache Teerpappe, ähnlich unserer heutigen Dachpappe, wurde damals wie heute üblicherweise als Dachhaut von Gartenlauben und Schuppen genutzt. Anders als heute und für uns ungewöhnlich wurden damals auch aus Holz bestehende Außenwände mit diesem Material verkleidet, um sie dauerhaft vor Regen, Schnee und UV-Licht zu schützen. Tatsächlich wurden sogar einige erste Notunterkünfte auf den Parzellen in der Nachkriegszeit so verkleidet. Auf einen breiten Dachüberstand als Regenschutz wurde vermutlich aus Sparsamkeit verzichtet. Der weiterer Nachteil von Dachüberständen ist der, dass Holzwände und Balken im unteren Bereich durch Spritzwasser stark in Mitleidenschaft gezogen und ausgebessert werden müssen, während 90 Prozent der Wand vollständig intakt bleiben. An Wänden, die mit Dachpappe vergekleidet worden sind, tritt dieses Problem nicht auf.

Schuppen

Die Dachpappbahnen wurden überlappend aufgebracht und mit speziellen Dachpappnägeln mit breitem Flachkopf befestigt. An den so verkleideten Wandflächen wurden die Nähte zusätzlich mit einfachen, schmalen Holzleisten versehen. Damit war das Holz über viele Jahrzehnte hinweg geschützt.

Der hier abgebildete Schuppen aus einem großen Parzellengebiet Bremens gibt auch einen Hinweis auf moderneres Baumaterial; an seiner Ostseite wurde die alte Verkleidung durch eine Trapezblechplatte ersetzt.

Wie wirkungsvoll war diese Methode nun? Am Beispiel des hier abgebildeten Schuppens ist der langfristige Schutz durch diese Technik deutlich ablesbar. Die an der Ostseite gelegene Tür des Schuppens war ungeschützt der Witterung ausgesetzt und fällt inzwischen buchstäblich auseinander. An den Stellen, wo die Dachpappe sich vom Dach gelöst hat, wird das Holz morsch. Demgegenüber sind die Wände, die zur Südseite ausgerichtet sind, in einem deutlich besserem Zustand, wovon mich die nähere Besichtigung und ein Klopftest überzeugen konnten. Nein, die Wände werden nicht nur durch die Pappe zusammengehalten. Offenbar kann die Haltbarkeit des Holzes mit dieser Methode erheblich verlängert werden.

Schuppentuer

Heute ersetzen Dachbahnen aus Bitumen die früher verwendete „echte“ Teerpappe europaweit, denn jene wurde mit Steinkohleteer hergestellt. In den 1970er Jahren wurde sie verboten, weil sich im Steinkohleteer krebserregende Substanzen befinden.

Fotos: Kirsten Tiedemann

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